Mord im Orient-Express - Kritik – Virtual DVD Magazine
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    Mord im Orient-Express

    Mord im Orient-Express


    Land/Jahr:
    USA 2017
    Genre:
    Krimi
    Regie:
    Kenneth Branagh
    Darsteller:
    Kenneth Branagh
    Penelope Cruz
    Johnny Depp
    Willem Dafoe
    Judi Dench
    FSK:
    ab 12 Jahren
    Dauer:
    114 Minuten
    Kaufstart:
    22. März 2018
    Label:
    20th Century Fox

    Der vermutlich beste Detektiv der Welt Hercule Poirot nimmt für die Rückreise von seinem letzten Fall in Jerusalem den Orient-Express nach London. Eigentlich hatte er gehofft, dort gänzlich von neuen Kriminalfällen verschont zu bleiben und auf der Reise einmal so richtig entspannen zu können. Doch diese Hoffnung soll nicht lange anhalten, als plötzlich der zweifelhafte Kunsthändler Ratchett ermordet in seinem Abteil aufgefunden wird. Der Mörder könnte unterdessen jeder der Fahrgäste in dem noblen Zug sein, denn sie alle haben ein Motiv. Doch um den Fall aufzudecken, muss Poirot vielleicht gar nichts über die Passagiere herausfinden, sondern viel mehr über das Opfer…

    Kritik:
    Die Verfilmung des klassischen Agathe Christie-Romans war vielleicht einer der erfolgreichsten Filme der 70er Jahre. Krimifans liebten es schon damals, bei den spannenden Fällen des Detektivs Poirot miträtseln zu können und dem Täter nach und nach ein bisschen mehr auf die Schliche zu kommen.

    Hochkarätige Besetzung
    Knapp vierzig Jahre später schien nun die Zeit reif gewesen zu sein, die gute alte Story noch einmal neu aufzusetzen. Im neuen Gewand und natürlich auch mit neuer Optik. Da scheint es auf den ersten Blick doch durchaus gelungen, den Blockbuster mit hochkarätigen Stars zu besetzen – darunter den vielfältigen Johnny Depp, der dafür bekannt ist, jede noch so ausgefallene Rolle übernehmen zu können. Dem wiederum gelingt das recht gut, passt er auch mit seinem protzigen Gangster-Look, mit dem er ein bisschen an „Public Enemies“ erinnert, perfekt in den Film hinein. Anders hingegen Kenneth Branagh, der als Agathe Christie-Liebhaber nicht nur die Regie übernommen hat, sondern zugleich auch noch selbst die Hauptrolle spielen wollte: Er nämlich schlüpft in die Rolle des Detektivs Hercule Poirot.

    Krimi ohne roten Faden
    In den ersten etwa zwanzig Minuten des Films kann er in dieser Rolle sogar durchaus überzeugen. Ein wenig exzentrisch und penibel wirkt er, wenn er sogar die Größe seiner gekochten Eier milimetergenau abmisst und ein ziemliches Problem mit jeder noch so kleinen Abweichung hat. Das soll sich ja schließlich auch in seinem Job als Sherlock Holmes-Verschnitt positiv auswirken: Mit seinem scharfen Verstand, bei dem ihm jede noch so kleine Abweichung von der Normalität auffällt, eignet er sich als Meisterdetektiv schließlich perfekt. Dumm ist da nur, dass das Publikum hier längst nicht mehr so ganz mitkommt. Konnte man im Original von 1974 schließlich noch mitraten und durch logische Schlüsse dem Täter ein wenig auf die Schliche kommen, fehlt der Neuauflage gar gänzlich der rote Faden. Branagh kommt als Poirot praktisch vom Höckschen aufs Stöckchen und arbeitet die mutmaßlichen Täter wie am Fließband ab. So manche Schlussfolgerung ist da nicht wirklich nachvollziehbar, Poirot stellt sie in der teils abwegigen Aufklärung schlicht als gegeben hin. Kein Wunder, wenn der ein oder andere Zuschauer den Eindruck gewinnt, hier in keinster Weise durchzublicken.

    Polarexpress der Eitelkeiten
    Da helfen dann auch die besten Schauspieler und die tollsten Kostüme nichts. Denn „Mord im Orient-Express“ macht doch vor allem das richtig: Die Inneneinrichtung des Zuges, das noble Ambiente, die schicken und protzigen Kostüme der hochnäsigen und wohlhabenden Fahrgäste. Und die Maske eines exzentrischen Poirot, der mit seinem künstlichen französischen Akzent hier und da schon ein wenig übertreibt. Doch so hübsch das alles auch aussehen mag, macht das eben bei weitem keinen guten Film. Denn ansonsten erinnert der Krimi dann doch eher an den Animationsfilm „Polarexpress“, wirkt die gesamte Inszenierung des Streifens nämlich so künstlich, wie der Bart des Detektivs. Die Landschaften sind künstlich, der Zug ist künstlich und selbst der Schnee wird so offensichtlich per Greenscreen eingefügt, dass nicht einmal der Atem der Protagonisten in der eisigen Kälte außerhalb des Zuges zu sehen ist. Das kann auch der protzige Look aus Eitelkeiten, zurückgekämmten Haaren und reichlich Schmuck einfach nicht mehr kaschieren und wir können auf die Frage, wie das Publikum den Darstellern eigentlich – abgesehen von Johnny Depp – ihre Rollen abkaufen soll, nur mit der Schulter zucken. Die Neuauflage von „Mord im Orient-Express“ ist also nichts als eine künstliche Fassade, der es in jeder Hinsicht an Substanz mangelt – und die es trotz vielfach höherem Budget nicht einmal mit der britischen Serie „Sherlock“ mit Benedict Cumberbatch auch nur ansatzweise aufnehmen kann.

    Fazit:
    Trotz hübscher Kostümierung, einiger guter Darsteller und üppiger Inneneinrichtung fehlt es der Neuauflage von „Mord im Orient-Express“ dermaßen an Substanz, dass sich so manchem Zuschauer nicht einmal der rote Faden erschließt. Stattdessen entführt uns Kenneth Branagh in einen „Polarexpress der Eitelkeiten“, in dem selbst die einfachste Kulisse so künstlich aussieht, wie der aufgeklebte Bart von Poirot.

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