Medial nicht darstellbar - Kritik – Virtual DVD Magazine
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    Medial nicht darstellbar

    Medial nicht darstellbar


    Land/Jahr:
    D 2012 - 2014
    Genre:
    Dokumentation
    Regie:
    David Brych
    Darsteller:
    Christian Jason Peper
    Christian Koch
    Meinhart Ramaswamy
    Oliver Schönemann
    Werner Heise
    FSK:
    ab 0 Jahren
    Dauer:
    71 Minuten
    Kaufstart:
    4. März 2015
    Label:
    Frog Motion

    Mittlerweile ist die Piratenpartei fast in der Bedeutungslosigkeit versunken. Gerade einmal zwei Prozent der Stimmen sind die höchsten Werte, die sie in den vergangenen Wahlen erreichen konnten. Doch das war nicht immer so: Ein paar Jahre zuvor überraschten die Piraten mit hohen Wahlergebnissen vor allem bei der Landtagswahl in Berlin. Doch nicht in allen Bundesländern war der Erfolg so groß, wie bei den Berliner Piraten, die heute durchaus als mitverantwortlich für den Abstieg gesehen werden. David Brych begleitete die Piraten in Niedersachsen kurz vor der Landtagswahl im Jahre 2013 und macht ziemlich deutlich, woran es womöglich bei der jungen und planlos erscheinenden Partei letztendlich gescheitert haben könnte…

    Kritik:
    Die besten Voraussetzungen hat eine Dokumentation nicht gerade, wenn man kurz nach dem Drehbeginn feststellt, dass das Interesse am dokumentierten Subjekt stark nachlässt und der große einstige Hype so langsam sein Ende nimmt. Für Filmemacher David Brych war trotzdem klar: Diesen Film möchte er fertig drehen – auch, wenn es dabei an finanziellen Mitteln mangelt und kein Fernsehsender ihn ausstrahlen möchte. Nun ist er fertig und: „Medial nicht darstellbar“.

    Eine Partei auf dem Weg in die Belanglosigkeit
    Man merkt seinem Film natürlich recht schnell an, dass die finanziellen Mittel nicht gerade überragend groß waren. Ein bisschen verwackelt, ein wenig amateurhaft und doch mitten im Geschehen setzt uns „Die Piratendoku“ irgendwie ins kalte Wasser, wenn sie die Piratenpartei in Niedersachsen beim Wahlkampf begleitet. Das hat zwar nicht den professionellen Touch einer Kinoproduktion, lässt aber vor allem die Mitglieder der Piratenpartei und deren Handeln so echt und unverfälscht wirken. Eigentlich könnte man auch sagen: Die Dokumentation bringt ziemlich gut auf den Punkt, warum die Piratenpartei letztendlich gescheitert ist und das ohne dabei viele Worte zu verlieren. Oft begleitet der Film einfach nur das Geschehen auf Landesparteitagen und zeigt kommentarlos die Aktionen der aufzustreben versuchenden Politiker. Bei all der Planlosigkeit und schlechten Organisation, die da auch bei den Parteitagen zum Vorschein kommt und uns einen realen Blick hinter die Kulissen gewährt, verwundert das Scheitern schließlich nicht mehr und vermag so manchen außenstehenden Zuschauer zum Kopfschütteln animieren.

    Die offenen Fragen
    Schade ist an der Stelle, dass „Medial nicht darstellbar“ genau dann zu wenig Fragen stellt, wenn sie beim Zuschauer doch oft aufkommen. So sehen wir etwa auch die Wahlkampfaktionen an einem See, an dem so etwas wie Diskussionsrunden im Freien dargestellt werden, die eigentlich als Wahlkampfmittel auf ein Publikum ausgerichtet sind. Die Frage, warum es praktisch keinerlei Zuhörer gibt und man auch Passanten gar nicht in das Geschehen einbindet, wird an der Stelle allerdings nicht gestellt. Da bleibt Regisseur David Brych oft zu passiv und unkritisch. Spätestens wenn allerdings beim Landesparteitag das sagenumwobene Bällebad ins Spiel kommt und ein Mitglied sich ebenso grund-, wie belanglos mit einer Harfe die Zeit vertreibt, reicht die Passivität aber auch aus, um zu erkennen, dass hier eigentlich kaum echte Politik gemacht wird. Das könnte vor allem jenen Wählern einen interessanten Einblick in das Parteigeschehen geben, die vor einigen Jahren noch begeistert die Piraten gewählt haben und heute über ihr praktisches Verschwinden verwundert sind, oder dieses gar bedauern. Insofern kann man die Piratendoku durchaus in den „Special Interest“-Bereich einstufen, wird der Film doch gerade bei speziell zu dieser Partei interessiertem Publikum seine Anhänger finden, jedoch kaum mehr einen Reiz beim Mainstream auslösen. Für die Filmemacher jedenfalls schade, dass der Erfolg der Partei nicht lange gehalten hat.

    Fazit:
    Obwohl manchmal etwas zu passiv dargestellt, gibt die Piratendoku einen unverfälschten und realen Einblick in den politischen Alltag der Piratenpartei kurz vor dessen Niedergang. Interessant vor allem für Sympathisanten und Wähler der Piraten.

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