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La La Land


La La Land

Land/Jahr:
USA 2016
Genre:
Musical / Liebesdrama
Regie:
Damien Chazelle
Darsteller:
Ryan Gosling
Emma Stone
John Legend
Callie Hernandez
Rosemarie DeWitt
FSK:
ab 6 Jahren
Dauer:
128 Minuten
Kaufstart:
24. Mai 2017
Label:
Studiocanal



Die junge Schauspielerin Mia und der Jazzmusiker Sebastian wohnen beide im wunderschönen Hollywood und könnten unterschiedlicher eigentlich kaum sein. Doch eine Sache verbindet die beiden schon seit geraumer Zeit: Beide versuchen sie bisher vergeblich, endlich richtig groß durchzustarten und ihren Traum zu erfüllen. Mia nämlich möchte sehnlichst eine wichtige Rolle in einem Film ergattern, schlendert aber von einem enttäuschenden Casting zum nächsten. Sebastian wiederum verfolgt den großen Traum, einen eigenen Jazzclub zu eröffnen, hat aber mangels fester Anstellung überhaupt nicht das Geld dazu und muss zunächst mit musikalischen Tätigkeiten über die Runden kommen, die ihm so gar nicht zusagen. Scheinbar perfekte Grundlage für eine herzerwärmende Romanze, bei der sich das grundverschiedene Paar mit völlig unterschiedlichen Geschmäckern schnell näher kommt…

Kritik:
Musicals sind eigentlich eher ein Nischengenre, das – speziell als Film inszeniert – nicht immer die große Masse ansprechen kann. Mit „La La Land“ versuchte es Regisseur Damien Chazella aber trotzdem einmal – und schaffte es gleich auf Anhieb auf ganze sechs Oscars. Doch was fasziniert die Zuschauer wohl an diesem etwas ungewöhnlichen Streifen?

Durchbruch der Sehgewohnheiten
Vielleicht liegt es daran, dass „La La Land“ sich hinsichtlich der Inszenierung doch deutlich von den üblichen Sehgewohnheiten abhebt. Für den normalen Mainstream-Zuschauer mag das vor allem in den ersten Minuten des Films befremdlich erscheinen. Noch bevor wir überhaupt erfahren, worum es hier geht und welche Figuren im Mittelpunkt stehen, beginnen die Darsteller zu singen und zu tanzen und dabei ein bisschen über ihre Träume zu erzählen. Und das mitten auf einer Autobahn, wo die beiden Hauptprotagonisten ihre erste Begegnung haben werden. Kann man sich mit dem Musicalstil nicht anfreunden, könnte „La La Land“ bereits an dieser Stelle abschrecken und mit dem häufigen Gesang ein wenig nerven. Dennoch überrascht der Streifen selbst Genre-Neulinge mit einer spektakulären Kameraführung, die ihre Schnitte auf ein Minimum reduziert und damit durchaus Szenen zu bieten hat, die den ein oder anderen Oscar sicherlich rechtfertigen.

Purer Kitsch
Und das liegt auch an den herausragenden Darstellern, denn vor allem Ryan Gosling und Emma Stone spielen so perfekt mit ihrer Mimik, dass das dargebotene Schauspiel und – man könnte fast schon sagen – Theater, selbst dem distanziertesten Zuschauer irgendwie Spaß bereiten kann. Das ist wohl nicht verwunderlich, performen sie schließlich ihre eigenen Songs auf dem heimischen Bildschirm und steigern sich daher schnell in ihre Tanzeinlagen hinein. Hin und wieder beschleicht sich uns dabei gar der Eindruck, dass sie sich selbst in ihre traumhafte Märchenwelt hineinträumen, in denen das scheinbar perfekte Schauspieler-Paar zu den Sternen schwebt, förmlich auf Wolke 7 spazieren geht oder sich fröhlich-verträumt bei klarem Sternenhimmel unter Laternen ihre Liebeserklärungen zuflüstern. Die männlichen Zuschauer seien also gewarnt: „La La Land“ ist mitunter purer Kitsch. Wenn auch trotzdem ein künstlerisches Meisterwerk, mit dem man die Herzen der Frauen schnell höher schlagen lässt. Für den romantischen Abend zu zweit also mehr als perfekt.

Musical mit Jazz
Ein bisschen Durchatmen kann man dann in der zweiten Hälfte aber trotzdem. Denn nachdem wir von den unerwarteten Gesangs- und Tanzeinlagen zu Beginn noch überrascht waren und vielleicht nicht immer den Eindruck hatten, dass sich das perfekt in die Story einfügt, verbessert sich das im Laufe des Films dann doch deutlich. Den Machern gelingt es dann immer mehr, die Musikeinlagen perfekt in den Film einzubauen und nach einer Weile den Storyfluss nicht mehr allzu sehr zu stören. Da passt es dann auch perfekt hinein, dass Ryan Gosling hier den Jazzmusiker spielt, dessen Musikszenen also hervorragend in den Liebesalltag hinein passen und irgendwann nicht mehr so aufgesetzt wirken. Und auch bei einer Schauspielerin kann man Musik bekanntlich doch gut irgendwo einbauen, wenn sie einmal mehr bei einem Casting steht. Wobei das allein ja bereits überraschend genug ist, einen Musicalfilm mit Jazzmusik zu verbinden und dabei einen Appell über wahre Musikqualität an die schnelllebige Spotify-Welt zu richten. Da steckt also irgendwo durchaus Liebe im Detail in diesem Film, der den Kitsch auch schnell mal vergessen lässt.

Fazit:
Purer Kitsch – aber auch ein herzerwärmender, künstlerisch wertvoller Streifen für den romantischen Pärchenabend, der das Genre des Musicalfilms mit seiner Liebe zum Jazz neu erfindet.

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