Kings - Kritik – Virtual DVD Magazine
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    Kings

    Kings


    Land/Jahr:
    B / F 2017
    Genre:
    Drama
    Regie:
    Deniz Gamze Ergüven
    Darsteller:
    Halle Berry
    Daniel Craig
    Lamar Johnson
    Rachel Hilson
    Kaalan R. Walker
    FSK:
    ab 12 Jahren
    Dauer:
    87 Minuten
    Kaufstart:
    30. August 2018
    Label:
    Universal Pictures

    Sieben Wochen vor den Rassenunruhen in Los Angeles im Jahre 1992 heizt sich die Situation auf den Straßen immer weiter an. Rassistische Gewalt gegen Schwarze steigt, im örtlichen Supermarkt wird eine Minderjährige erschossen und auch die Prozesse um Polizeigewalt gegen Schwarze nehmen einen viel zu milden Ausgang. Dass sich aber vor allem Jugendliche in ihrer Wut ziemlich wenig um die Gesetze scheren, verbessert die Situation nicht gerade. Ausgerechnet in einem solchen Viertel wohnt allerdings auch die alleinerziehende Mutter Millie, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, die meist farbigen Straßenkinder aus der Obdachlosigkeit zu befreien und sich um sie zu kümmern. Doch mit der großen Anzahl an Kindern in ihrem Haushalt ohnehin schon überfordert, wird die Lage für sie immer schwieriger, als die gewaltsamen Unruhen erst so richtig anfangen: Nun liegt es ganz an ihr, die Kinder zu beschützen – sowohl vor gewalttätigen Gangs, als auch vor Plünderern und der Polizei, die sie eigentlich beschützen sollte…

    Kritik:
    Rassismus gegen Schwarze in den USA ist trotz eines ehemaligen farbigen Präsidenten auch heute noch ein topaktuelles Thema. Trotzdem war die Lage einst noch schlimmer: In den 90iger Jahren gehörte Polizeigewalt gegen die schwarze Bevölkerung noch viel häufiger zum regulären Alltag. Davon können vermutlich auch farbige Schauspieler ein Liedchen singen – was Halle Berry sicherlich zu einer guten Besetzung macht.

    Halle Berry als Powerfrau
    Mit dieser Besetzung passt „Kings“ natürlich durchaus auch ein wenig in den aktuellen Hollywood-Trend, der afroamerikanisches Kino fördern möchte und entsprechende Darsteller in den Vordergrund rückt. Denn auch das ist heute noch eine echte Seltenheit: Farbige Hauptdarsteller, die eben nicht nur klischeehaft als Kriminelle oder Gangster dargestellt werden, sondern in die Rolle des Helden schlüpfen und mitunter sogar eine richtige starke Powerfrau abliefern. Mit ihrer Erfahrung kann Halle Berry da natürlich brillieren, denn die Figur der alleinerziehenden Mutter, die sich um die Straßenkids aus ihrer Gegend kümmert, passt ihr perfekt. Und trotzdem verzichtet „Kings“ darauf, es mit der Darstellung der „Black Power“ zu übertreiben und lässt einfühlsam auch Schwäche zu: Überforderung, nervliche Zusammenbrüche und Ängste spielen bei dieser Charakterrolle eine ebenso große Rolle, wie die nach außen hin ausgestrahlte Stärke der Hauptfigur.

    Eine neutrale Perspektive
    Erfrischend aber auch, dass „Kings“ größtenteils darauf verzichtet, künstlich auf die Tränendrüse des Publikums drücken zu wollen und stattdessen lieber neutral bleibt. Fast zu jedem Zeitpunkt wird eingeräumt, dass weder alle farbigen Figuren immer unschuldig sind, noch dass alle weißen Rollen zwangsläufig gewalttätige Rassisten sein müssen. Stattdessen kümmert man sich um eine glaubwürdige, neutrale Perspektive, in der natürlich auch schwarze Jugendliche mit ihrem nicht immer vorbildlichen Auftreten den Hass der Weißen provozieren und andererseits auch weiße, die sich mitfühlend um ihre schwarzen Mitmenschen kümmern. Eine wichtige Rolle spielt da auch der grandiose Daniel Craig, der das frustrierte Arschloch auf der einen Seite und den verlässlichen Helfer auf der anderen Seite gleichermaßen verkörpern kann. Spätestens da fällt eben auch auf, dass der Bond-Darsteller mehr kann, als nur Action und durchaus dramaturgisch schwierigere Charaktere darstellen kann.

    Emotionen durch Persönlichkeit
    Emotionalität hingegen baut „Kings“ eher durch die persönliche Situation von Halle Berry auf, statt den Rassismus für zu dick aufgetragenen Herzschmerz zu missbrauchen. Dadurch springt der Funke dann doch genügend auf den Zuschauer über, wenn sich Berry um ihre zahlreichen Ziehkinder kümmert und sie vor den Unruhen zu beschützen versucht. Gelegentlich allerdings hält sich „Kings“ dermaßen neutral, dass er einen schon fast dokumentarischen Eindruck macht. Vor allem dann, wenn immer wieder Nachrichtensendungen eingeblendet werden oder die Kamera von oben über die Straßen von Los Angeles schwenkt, verstärkt sich dieser Eindruck. Unter diesen Umständen verwundert es dann eigentlich, dass „Kings“ mit seinen knapp 90 Minuten doch recht kompakt ausgefallen ist und sich auf die wesentlichen Inhalte beschränkt. Dabei wäre gerade durch das Auftreten von Daniel Craig und die Einblicke in die Unruhen durchaus eine Möglichkeit gewesen, den Film um gut 30 Minuten zu verlängern. Insgesamt entsteht dadurch eher ein kurzweiliges Werk, das inhaltlich eigentlich hochwertig genug wäre, um genau das nicht zu sein.

    Fazit:
    Mit seiner neutralen Perspektive auf die Rassenunruhen in Los Angeles von 1992, verzichtet „Kings“ größtenteils darauf, allzu viel Stellung zu nehmen und kommt gänzlich ohne aufgesetzte Messages aus. Trotzdem sorgt Halle Berry mit ihrer gekonnten Charakterrolle für die notwendige Emotionalität und Dramaturgie, um den Zuschauer mitzunehmen.

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