Kingdom - Kritik – Virtual DVD Magazine
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    Kingdom

    Kingdom


    Land/Jahr:
    J 2019
    Genre:
    Martial Arts
    Regie:
    Shinsuke Sato
    Darsteller:
    Ryo Yoshizawa
    Masami Nagasawa
    Kanna Hashimoto
    Takao Osawa
    FSK:
    ab 16 Jahren
    Dauer:
    134 Minuten
    Kaufstart:
    24. Januar 2020
    Label:
    Capelight

    Die beiden Brüder Shin und Hyou leben seit ihrer Kindheit als Sklaven auf einem Bauernhof. Schon lange träumen sie jedoch davon, diesem Zustand endgültig ein Ende zu setzen und trainieren deshalb täglich heimlich, um eines Tages zu den größten Generälen der Erde aufzusteigen und unter der Herrschaft des Königs zu kämpfen. Eines Tages, als die beiden von einem Gesandten des Königs entdeckt werden, könnte dieser Traum sogar in Erfüllung gehen: Hyou soll wegen der starken optischen Ähnlichkeit nämlich als Double für den König eingesetzt werden. Dumm nur, dass dies den Feind dermaßen täuscht, dass Hyou selbst schon bald zum Opfer seiner Klinge wird. Shin schwört deshalb blutige Rache an den Mördern seines Bruders und zieht damit in einen Kampf, der größer ist, als er ihn sich jemals hätte vorstellen können…

    Kritik:
    Filme über große Schlachten, ehrwürdige Generäle und Intrigen rund um den Thron sind bekanntlich in China ziemlich beliebt – das wissen Filmkenner nicht erst seit gestern. Selten kommt es allerdings vor, dass eine solche Geschichte keinen Ursprung in der historischen Vergangenheit des Landes hat, sondern in einem gleichnamigen japanischen Manga, der als Live-Action-Kriegsfilm verfilmt wird.

    Chinesische Heldenverehrung
    Vielleicht liegt es wohl gerade daran, dass die Anfangsgeschichte von „Kingdom“, die sich um zwei Sklavenbrüder dreht, die von der Freiheit und dem großen Ruhm träumen, uns ein bisschen an klassische Märchengeschichten erinnert. Ein bisschen klischeehaft wirken dabei die beiden kleinen Jungs, die fest davon überzeugt sind, sich beim Kampftraining nur gut genug anstrengen zu müssen, um sich aus der Sklaverei endgültig befreien zu können. Und fast schon ein wenig naiv verklärt ist dann auch die Kernhandlung des Films, die nicht etwa davon handelt, sich gegen ein Staatsoberhaupt zu wenden, das die Sklaverei im eigenen Volk duldet, sondern sich auf ein patriotistisches Aufsehen zu den großen Kriegern des Landes fokussiert. Typisch chinesische Heldenverehrung könnte man sagen und dramaturgisch sicherlich ein bisschen oberflächlich, lässt man das Leid der Sklaverei so sehr außen vor, dass selbst die Schläge auf den Rücken wirken wie ein harmloser Klaps von einem Kind.

    Krieg statt Drama
    Sei es drum, denn ein Drama über Sklaverei, wie es vor einigen Jahren noch „12 Years a Slave“ vorgemacht hat, möchte „Kingdom“ eigentlich auch gar nicht sein. Im Mittelpunkt sollen die großen ehrwürdigen Schlachten stehen, in denen zehntausende Männer in aufwändigen Rüstungen eindrucksvoll aufeinander losgehen. Dass das Martial Arts-Epos also vor allem in der zweiten Hälfte, wenn die Action erst so richtig zur Sache geht, seine eigentliche Spannung entfaltet, sollte daher wenig verwundern. Dabei kann – und das überrascht für eine japanische Produktion dann doch ein wenig – die Kriegsaction sogar ein wenig die Ausmaße eines Herr der Ringe annehmen. Beeindruckend sind die Bilder schließlich allemal, wenn die geradezu unüberschaubar großen Armeen den gesamten Bildschirm von links nach rechts in einer Panoramaansicht ausfüllen und dabei sogar über dessen Rand noch hinaus gehen. Die Macher von „Kingdom“ haben jedenfalls keine Kosten und Mühen gescheut, die Kämpfe so spektakulär zu gestalten, wie es nur irgendwie möglich war.

    Martial Arts mit Eigenkreationen
    Das hat dann sogar seinen ganz eigenen Reiz, wenn man bedenkt, dass „Kingdom“ außerdem mit einem recht eigenen Martial Arts-Kampfstil daher kommt. Das passt zur Glaubwürdigkeit der beiden Hauptfiguren natürlich hervorragend: Das Kämpfen nämlich autodidaktisch beigebracht und nicht wie üblich von einem „Meister“ gelernt, kann es schließlich für die Kampfkunst von Shin und Hyou auch kein Vorbild geben. Interessant wirken dabei manchmal die kleinen „Bud Spencer-artigen“ Ansätze, bei denen die beiden praktisch mit einem Schlag einen Gegner mehrere Meter durch die Lüfte schleudern können und sich bei Angriffen kaum von der Stelle bewegen. Doch Entwarnung gibt es dennoch: Ganz so steif wird es in „Kingdom“ dann doch nicht, denn die beiden Brüder zeigen sich überaus flink und haben auch so manchen kreativen flotten Move im Petto, an dem sich vor allem Fans des Martial Arts-Genres sicher erfreuen werden.

    Inspiration bei Herr der Ringe
    Für die richtige Abwechslung gibt es dann obendrein noch ein wenig Fantasy, allerdings angenehm dezent eingesetzt, um den Kriegsaction-Fokus nicht zu sehr zu trüben. Und auch der scheint sich zumindest ansatzweise ein paar Elemente bei den „Herr der Ringe“-Filmen abgeschaut zu haben: Wenn Shin gemeinsam mit den verbliebenen Männern des Königs durch die Berge zieht, um das geheimnisvolle Bergvolk aufzusuchen, erinnert das schon ein wenig an die Reise von Frodo auf der Suche nach dem einen Ring. Beinahe wünscht man sich eine stärkere Ausarbeitung dieser Welt, in der noch von zahlreichen weiteren Königreichen Chinas die Rede ist, die wir wegen des Fokus auf den Thronkampf gar nicht zu Gesicht bekommen. Bereits das Bergvolk mit ihren martialisch anmutenden Masken aber löst beim Publikum genug Faszination aus, um hier in eine richtige Fantasywelt eintauchen zu wollen. Die kleineren Manga-Elemente wie ein niedliches Eulenmädchen tun derweil ihr Übriges, um auch den Fan der Vorlage zu begeistern.

    Fazit:
    Wer darüber hinweg sehen kann, dass die Hintergrundgeschichte um Sklaverei ein wenig oberflächlich und unglaubwürdig ausgefallen ist, bekommt hier ein opulentes Martial Arts-Epos voller aufwändiger Kostüme und eindrucksvoller Actionszenen geboten, dessen Fantasyansätze große Lust auf eine Fortsetzung machen.

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