I feel pretty - Kritik – Virtual DVD Magazine
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    I feel pretty

    I feel pretty


    Land/Jahr:
    USA 2018
    Genre:
    Komödie
    Regie:
    Marc Silverstein
    Abby Kohn
    Darsteller:
    Amy Schumer
    Michelle Williams
    Busy Philipps
    Rory Scovel
    Tom Hopper
    Naomi Campbell
    FSK:
    ab 0 Jahren
    Dauer:
    110 Minuten
    Kaufstart:
    20. September 2018
    Label:
    Concorde

    Die Welt ist schon ein ziemlich ungerechter Ort. Überall in der Öffentlichkeit und in der Werbung sehen wir perfekt aussehende Models mit traumhaften Maßen und makelloser Haut und der normale Mensch kann da einfach nicht mithalten. Mitten in so einer Welt lebt auch Renee, die mit denselben Problemen zu kämpfen hat, wie die meisten Frauen: Sie fühlt sich einfach nicht schön genug. Beim Anblick der hübschen Kosmetikmodels leidet ihr Selbstwertgefühl dermaßen stark, dass sie ihre Freizeit unbedingt im Fitnessstudio damit verbringen möchte, zu einem anderen Menschen zu werden. Nichts wünscht sie sich mehr, als endlich selbst wunderschön zu sein. Bis dieser Wunsch eines Tages in Erfüllung geht, als sie mit dem Kopf auf den Boden schlägt. Denkt sie zumindest…

    Kritik:
    Wenn es darum geht, hübsche Werbemodels auf die Schippe zu nehmen, die Perspektive der „normalen“ Frau in die Welt zu tragen und eine gewisse Selbstironie an den Tag zu legen, gehört Amy Schumer wohl zu den bekanntesten Frauen ihrer Art. Da braucht man eigentlich nur ihrem Instagram-Profil zu folgen, um genau das mitzubekommen. Ein Film über Frauen, die mit ihrem eigenen Körper unzufrieden sind, scheint da geradezu perfekt für den Hollywood-Star.

    Renee und die Frauenprobleme
    Und so tiefgründig die Message gegen Bodyshaming in „I feel pretty“ auch sein mag, muss man doch eingestehen, dass es sich bei der Komödie um einen Film handelt, den vor allem das männliche Publikum anfänglich eher schwer nachvollziehen kann: Da stellen die Regisseure Marc Silverstein und Abby Kohn uns eine Frau vor, die eigentlich wie eine ganz gewöhnliche, durchaus hübsche Frau von nebenan aussieht und wollen uns ununterbrochen weiß machen, es handele sich um eine hässliche Person mit mangelndem Selbstwertgefühl. Typische Probleme von Frauen eben, die ihren ganzen Tag damit verbringen, auf ihr eigenes Äußeres zu achten – nur: eben für Männer so gut wie gar nicht nachvollziehbar. Einfach deshalb, weil die Hauptfigur einerseits gar nicht hässlich ist und andererseits Dinge zu einem Problem macht, die für das männliche Geschlecht vermutlich niemals zu einem Problem werden. Das weibliche Publikum hingegen wird sich in „I feel pretty“ vermutlich hervorragend hineinversetzen können und sich vielleicht sogar selbst wiedererkennen. Ein richtiger Frauenfilm also? Zumindest auf den ersten Blick.

    Situationskomik von einem Comedystar
    Dass „I feel pretty“ dann früher oder später doch für beide Geschlechter durchaus spaßig und unterhaltsam wird, liegt vor allem an einer Storywendung. Eine solche, in der Hauptfigur Renee plötzlich zur wunderschönsten Frau im ganzen Film wird. Oder das zumindest glaubt, denn tatsächlich sieht sie noch genauso aus wie vorher. Dafür steigt ihr Selbstwertgefühl durch einen Schlag auf den Kopf plötzlich ins Unermessliche und sie hält sich für die hübscheste Person auf dem gesamten Planeten. Dass das für ziemlich viel Situationskomik sorgt, versteht sich von selbst: Amy Schumer, die ihre Karriere einst als Stand-Up-Comedian begann, kann ihre Comedytalente an dieser Stelle nämlich voll ausfahren und für einige Lacher sorgen, wenn sie für irritierte Reaktionen und Blicke bei ihren Mitmenschen sorgt. Und da entpuppt sich zugleich ihr eigentliches schauspielerisches Talent, denn die wilde selbstbewusste Powerfrau gelingt ihr ebenso hervorragend, wie das schüchterne und deprimierte Mauerblümchen, das vor mangelndem Selbstwertgefühl kaum zu Spaß in ihrem Leben in der Lage ist.

    Feel-Good-Movie gegen Bodyshaming
    Zumindest das männliche Gegenstück Rory Scovel sorgt dann recht schnell auch für eine passende Identifikationsfigur für das andere Geschlecht und reicht dem männlichen Publikum praktisch die Hand: Denn spätestens, wenn Amy Schumer im selbstbewussten Selfmade-Bikini auf der Bühne steht, die wilde Löwenmiene durch die Luft wedelt und mit ihrem puren Selbstbewusstsein begeistert, kann wahrscheinlich jeder verstehen, wo für Scovels Figur Ethan die Reize an seiner neuen Freundin liegen – ganz ungeachtet dessen, was das Publikum nun wirklich von ihrem Erscheinungsbild halten mag. Und wie perfekt, dass „I feel pretty“ damit auch der Übergang zu seiner tiefgründigen, aber manchmal etwas zu dick aufgetragenen Message gelingt, die doch nichts anderes sagt, als dass es mehr auf das eigene innere Gefühl und die Ausstrahlung ankommt, als auf das tatsächliche Aussehen. Ein klares geradezu feministisches Statement gegen Bodyshaming also – bei dem man sich den Holzhammer in den letzten zehn Minuten dann aber besser gespart hätte.

    Fazit:
    Bodyshaming ade: Amy Schumer gelingt der Spagat zwischen deprimiertem Mauerblümchen und selbstbewusster Powerfrau so unterhaltsam, dass wir ihr das gesellschaftskritische Statement gegen Schönheitsideale jederzeit abkaufen und dabei auch noch ziemlich viel Spaß haben. Schade ist nur, dass solche „Frauenprobleme“ vor allem für das männliche Publikum oft nur schwer nachzuvollziehen sind und „I feel pretty“ an einigen kleinen Stellen dann doch zu dick aufträgt.

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