I am Mother - Kritik – Virtual DVD Magazine
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    I am Mother

    I am Mother


    Land/Jahr:
    AUS 2018
    Genre:
    Science-Fiction
    Regie:
    Grant Sputore
    Darsteller:
    Clara Rugaard
    Hilary Swank
    FSK:
    ab 12 Jahren
    Dauer:
    113 Minuten
    Kaufstart:
    27. Dezember 2019
    Label:
    Concorde

    In nicht allzu ferner Zukunft wurde der gesamte Planet von den Menschen zerstört und die Menschheit gänzlich ausgerottet. Mit einem automatisiert durch Roboter durchgeführten Notfallprogramm hat sich die Spezies einen Ausweg geschaffen und lässt gespeicherte Embryonen von Androiden auf die Welt bringen und groß ziehen. Programmiert als moralisch überlegene Maschinen, sollen sie so eine neue Generation heranzüchten, die zu ethisch besseren Entscheidungen in der Lage ist, als es ihre Vorgänger waren. Doch als plötzlich eine blutüberströmte Frau vor der Einrichtung auftaucht und sich als Überlebende ausgibt, kommen der jungen Erstgeborenen Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Maschinen…

    Kritik:
    In der heutigen digitalisierten Welt spielen Roboter und technische Automatisierung eine immer größere Rolle. Nicht nur Fahrzeuge sollen schon bald selbstständig durch die Straßen fahren, sondern auch Roboter immer wichtigere Aufgaben im Haushalt oder der Pflege übernehmen. Doch während Pflegeroboter in manchem asiatischen Altenheim womöglich schon Realität sind, stellt sich die entscheidende Frage: Können Maschinen auch eine Mutter ersetzen?

    Roboter als Mutter
    Das Science-Fiction-Kammerspiel „I am Mother“ stellt sich genau diese Frage: Programmiert zu liebenswürdigen und fürsorglichen Androiden übernimmt die maschinelle „Mutter“ hierbei exakt die Funktion einer menschlichen Mutter und ist in ihrem Verhalten und ihrer Fürsorglichkeit praktisch nicht mehr von einem Menschen zu unterscheiden. Ein Mangel an Nähe und Liebe spielen dabei zu keinem Zeitpunkt eine Rolle und eine gefestigte Vertrauensbeziehung stellt ebenso kein Problem dar, wie das Lehren von überlebenswichtigen Verhaltensweisen. „I am Mother“ zeigt uns also ein erschreckendes und faszinierendes Szenario zugleich, das durch die menschliche Stimme der künstlichen Intelligenz, die auch heute schon bei „digitalen Assistenten“ die Regel ist, eine beeindruckende Glaubwürdigkeit entwickelt.

    Emotionen fast ohne Mimik
    Besonders gelungen ist dabei die herausragende Darstellung der „Mutter“. „I am Mother“ gelingt es nämlich auf beeindruckende Weise, Emotionen ganz ohne eine echte menschliche Mimik zu übermitteln. Eher als steife, in ihren Bewegungen recht eingeschränkte Maschine gezeigt, ist der fürsorgliche Roboter auf den ersten Blick in keinster Weise in der Lage, echte Emotionen auszudrücken. Und doch reichen zwei kleine weiße LEDs aus, um etwa Freude oder Besorgnis zu demonstrieren und die mechanische „Mutter“ von einer vermenschlichten Seite zu zeigen. Spätestens, wenn jene „Mutter“ dann vor Schreck zu ihrer in Not geglaubten Tochter rennt, fällt es dem Zuschauer auf faszinierende Weise leicht, dem Roboter die Rolle als Mutter tatsächlich abzukaufen. „I am Mother“ entwickelt damit eine recht einzigartige Atmosphäre.

    Kammerspiel mit beklemmender Atmosphäre
    Unterstützt wird diese Atmosphäre außerdem durch ein recht subtiles Bedrohungsszenario. Als Kammerspiel mit einem eigentlich eher eingeschränkten Setting inszeniert, entfaltet „I am Mother“ zu jedem Zeitpunkt ein Gefühl der Ausgeliefertheit und des Misstrauens. Ganz ohne die Hintergründe zur Geschichte offen auszusprechen, ist dem Publikum schon nach kurzer Zeit bewusst, dass die Einrichtung in diesem Sci-Fi-Thriller zu einem Gefängnis wird, in dem die menschliche Hauptfigur je nach eigener Perspektive nicht mehr einer fürsorglichen Mutter gegenübersteht, sondern einer Tyrannin ausgeliert ist, die mit Lügen versucht, ihre vermeintliche Tochter zu isolieren. Was zugleich – und da liegt die Genialität von „I am Mother“ – die vermenschlichte, mutterhafte Erscheinung des Roboters zusätzlich stärkt. Lediglich die Tatsache, dass der Streifen es wegen dieser Grundkonstellation mit dem Foreshadowing, also dem gezielten Spielen mit Vorausahnungen übertreibt, trübt das Filmerlebnis dann ein wenig – denn es sollte recht schnell klar sein, auf welche Motive der künstlichen Intelligenz das Szenario wohl hinaus laufen soll, was den Film insgesamt vorhersehbar macht.

    Sci-Fi mit Anspruch statt Actionkino
    Das können allerdings vor allem Genrefans recht schnell verschmerzen, da Science-Fiction-Liebhaber dieses futuristische „Was wäre wenn“-Szenario auf Grund der davon ausgehenden Faszination wohl ohne Zweifel lieben werden. Nicht zuletzt auch deshalb, weil „I am Mother“ überaus intelligentes SF-Kino ist, das in sich schlüssig und durchdacht ist. Spätestens bei diversen Wendungen und dem grandiosen Ende, das dem Streifen einen völlig neuen Gesamteindruck verpasst, wird nämlich klar, dass wir es hier mit einem Geniestreich von Regisseur Grant Sputore zu tun haben. So handelt es sich bei diesem Werk nämlich keineswegs um anspruchsloses Actionkino a la „Terminator“, bei dem mit einer KI verbundene Roboter schlicht die Menschheit vernichten wollen, sondern um ein fast schon philosophisches Meisterstück, das sich deutlich stärker am Anspruch von „Moon“ oder „2001“ orientiert – und damit womöglich einer der besten Science-Fiction-Filme der letzten Jahre ist.

    Fazit:
    Faszinierend und erschreckend zugleich: „I am Mother“ setzt sich mit dem fiktiven, aber nicht unrealistischen Szenario auseinander, dass Kinder eines Tages von einer künstlichen Intelligenz und Robotern großgezogen werden. Vor allem die Darstellung der maschinellen „Mutter“ gleicht dabei einem Geniestreich, da sie trotz kaum vorhandener Mimik dennoch große Emotionen vermitteln kann – was dem Kammerspiel zugleich eine starke beklemmende Atmosphäre der Bedrohung verleiht und das Spannungsniveau nach oben schraubt.

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