Heaven’s Gate - Kritik – Virtual DVD Magazine
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    Heaven’s Gate

    Heaven’s Gate


    Land/Jahr:
    USA 1980
    Genre:
    Western
    Regie:
    Michael Cimino
    Darsteller:
    Kris Kristofferson
    Christopher Walken
    John Hurt
    Sam Waterston
    Jeff Bridges
    FSK:
    ab 16 Jahren
    Dauer:
    217 Minuten
    Kaufstart:
    23. März 2018
    Label:
    Capelight

    Ende des 19. Jahrhunderts steht Johnson County in Wyoming vor einer ernstzunehmenden Flüchtlingskrise. Zahlreiche osteuropäische Einwanderer kommen aus Armut in den Bezirk, um sich dort eine bessere Zukunft zu erhoffen. Doch die Probleme und Kriminalität lassen nicht lange auf sich warten, denn ohne soziale Absicherung steht der Viehdiebstahl zur Ernährung der eigenen Familie auf der Tagesordnung – und die Gesetzeshüter scheinen nicht in der Lage zu sein, die Situation in den Griff zu bekommen. Damit wollen sich die wohlhabenden Viehzüchter allerdings nicht abfinden: Sie wollen die Justiz kurzerhand selbst in die Hand nehmen und erstellen eine Todesliste mit 125 Siedlern, die des Diebstahls und der Anarchie bezichtigt werden. Für James Averill allerdings, der zwanzig Jahre nach seinem Harvard-Abschluss als Federal Marshal in den Ort zurückkehrt, wird damit ein schweres Verbrechen begangen – und eine blutige Auseinandersetzung könnte kurz bevor stehen…

    Kritik:
    Die große Zeit des Westerns war in den 80iger Jahren eigentlich längst vorbei. Regisseur Michael Cimino allerdings ließ sich davon nicht beirren und nutzte gar die Gelegenheit, vielleicht einen der längsten Westernfilme aller Zeiten zu drehen. Allerdings: Länge kann manchmal auch zu einem Problem werden.

    Der Ruin einer Industrie
    So mancher ältere Cineast wird sich noch daran erinnern, dass im Jahre 1980 einst United Artists an MGM verkauft wurde. Der Verkauf allerdings fand nicht zufällig im selben Jahr statt, in dem auch „Heaven’s Gate“ gedreht wurde. Mit seiner enormen Laufzeit und den extremen Budgetüberschreitungen war dieser Westernstreifen schließlich der finanzielle Ruin des Unternehmens. Die von Regisseur Michael Cimini zunächst erstelle Ursprungsfassung war gar mehr als fünf Stunden lang, erst ein radikaler Schnitt sorgte schließlich für seine immer noch ausufernde Länge von etwa dreieinhalb Stunden. Schaut man den Film aus heutiger Sicht, wird so mancher Zuschauer allerdings feststellen, dass das eigentlich immer noch viel zu lang ist. „Heaven’s Gate“ verplempert ziemlich viel Zeit damit, Belanglosigkeiten zu zeigen. Da wird hier ganze zwanzig Minuten getanzt, an anderer Stelle erneut zwanzig Minuten ein Universitätsabschluss zelebriert und selbst für einen Besuch am Fluss dürfen mal eben fünfzehn Minuten drauf gehen. In dieser Zeit, die eigentlich absolut gar nichts zur Handlung beiträgt, erzählen andere Regisseure einen kompletten Film. Dass man sich also auf ein ziemlich zähes Werk einlässt, das sollte auch dem härtesten Filmfan vor dem Kauf klar sein.

    Kapitalismus gegen die Armen
    Dabei ist die Kerngeschichte von „Heaven’s Gate“ eigentlich durchaus interessant und auch fesselnd. Eine Kürzung um gut die halbe Laufzeit hätte dem Streifen vermutlich ziemlich gut getan. Eigentlich weicht der Streifen nämlich deutlich von den üblichen Westerngeschichten mit ihren obligatorischen Duellen und ihrer patriotischen Handlung ab. In Ciminos Film bekommen wir stattdessen eher eine antikapitalistische Story geboten, die nicht nur für einen Western absolut untypisch ist, sondern auch noch die Gesetzeshüter als Kriminelle darstellt – statt, wie gewöhnlich, die Handlung aus der Perspektive eines Sheriffs zu erzählen. Mit seiner Story über Armutsmigration und Wirtschaftslobbyismus passt er sogar – trotz seines Westernsettings – gut in die heutige Zeit und regt zum Nachdenken an. Wie schnell wäre die Willkommenskultur wohl am Ende, wenn Lobbyisten dessen Ende fordern und Regierungen für die Wirtschaft am Ende zu allem bereit sind – auch über Leichen zu gehen. „Heaven’s Gate“ ist insgesamt also durchaus harter Tobak, der auch nicht vor rassistischen und sexistischen Charakteren zurückschreckt. Würde man bloß nicht andauernd aus der spannenden Handlung gerissen, weil Camino mal wieder an irgendeiner Stelle so stark ausschweift, dass er den Erzählfluss erheblich stört.

    Extravaganz vor der Linse
    Ein bisschen könnte man tatsächlich den Eindruck haben, Michael Cimino hätte sich bei der damaligen Produktion ein wenig zu sehr in seine Kulissen verliebt und nicht zuletzt auch verrannt. Nicht ohne Grund galt er schließlich als Perfektionist, der mit der Ausstattung seiner Filme gerne auch einmal verschwenderisch umging. Bei „Heaven’s Gate“ hat er allerdings derartig maßlos übertrieben, dass dafür fast schon die Worte fehlen. Das führt allerdings natürlich zu einer extrem opulenten Ausstattung und Kostümierung. Angefangen bei den enormen, detailreichen Kulissen der Westernstädte, über die pingelige Genauigkeit bei Fahrzeugen und der Eisenbahn, bis hin zu den maßgeschneiderten Kleidern und Anzügen der Protagonisten. Hier sitzt jeder einzelne Millimeter auf den Punkt genau. Und da liegt auch das Problem, denn Cimino hat sich wohl auch darin verliebt, diese Ausstattung zur Schau zu stellen – was letztendlich der Grund für all diese belanglosen Ausschweifungen ist. Cimino nämlich kann sich von den einzelnen Szenen scheinbar kaum lösen, möchte sie so langsam wie möglich inszenieren, um auch ja seine Kulissen noch ein paar Minuten länger im Bild zu haben. Bis dahin allerdings hat sich so mancher Zuschauer längst zu Tode gelangweilt. Angesichts der ansonsten herausragenden Kernstory ist das eigentlich umso mehr verschwendetes Potential.

    Fazit:
    Mit seiner antikapitalistischen und für die damalige Zeit überraschend unpatriotischen Story wurde „Heaven’s Gate“ zu einem eigentlich zeitlosen Werk, das selbst auf die heutige Gier und Flüchtlingskrise übertragbar wäre. Leider verrennt sich Cimino zwischen seinen übertrieben opulenten Kulissen derartig in ausschweifenden Belanglosigkeiten, dass er damit trotzdem die meisten Zuschauer langweilen wird.

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