Ein Fremder ohne Namen - Kritik – Virtual DVD Magazine
  • Startseite|
  • News|
  • Games|
  • Kino|
  • Bücher|
  • Verlosung|
  • Partner|
  • Impressum
  • Review

    Ein Fremder ohne Namen

    Ein Fremder ohne Namen


    Land/Jahr:
    USA 1973
    Genre:
    Western
    Regie:
    Clint Eastwood
    Darsteller:
    Clint Eastwood
    Verna Bloom
    Marianna Hill
    Mitchell Ryan
    Jack Ging
    Billy Curtis
    Geoffrey Lewis
    FSK:
    ab 18 Jahren
    Dauer:
    105 Minuten
    Kaufstart:
    19. Januar 2018
    Label:
    Capelight

    Als ein Fremder plötzlich vergewaltigend in der kleinen Stadt Lago auftaucht, treten die Bewohner ihm recht argwöhnisch gegenüber. Das allerdings ist schnell vergessen, als sich herausstellt, dass er im Umgang mit dem Revolver offenbar sehr geübt ist. Die Bewohner der Stadt befürchten nämlich, schon bald erneut von drei Banditen heimgesucht zu werden, die in Kürze aus dem Gefängnis entlassen werden. Und da sind sie so sehr auf seine Hilfe angewiesen, dass sie ihn prompt bitten, die Stadt zu beschützen. Die Angst der Bewohner ist dabei gar so groß, dass sie ihm kurzerhand alles anbieten – ihren Besitz, ihre Frauen und einen Freifahrtschein für alles, was er sich zu erlauben wagt…

    Kritik:
    Clint Eastwood gehört zu den ganz großen Regisseuren im Filmbusiness. Mit unkonventionellen Methoden hat er sich stets getraut, Grenzen zu überschreiten und seine Geschichten mitunter ein wenig härter zu erzählen, als seine Kollegen. In der Anfangszeit hat er sich deshalb nur allzu gerne dem Westerngenre gewidmet und hatte mehr als genug Gelegenheiten, sich ordentlich auszutoben. „Ein Fremder ohne Namen“ ist seine dritte Regiearbeit aus dem Jahre 1973 – und somit ein echter Klassiker.

    Rau und sexistisch
    Bis im Juni 2017 fanden die Jugendschützer den Streifen offenbar sogar derartig bedenklich, dass er mehr als vierzig Jahre auf dem Index stand. Grund genug also, die Listenstreichung endlich für ein würdiges deutsches Release zu nutzen, das in der Erstausgabe auch gleich im schicken Mediabook daher kommt, das längst komplett vergriffen ist und im März durch eine Amaray ersetzt wird. Und obwohl die einstige Indizierung für heutige Verhältnisse etwas übertrieben erscheinen mag, kann man doch recht schnell nachvollziehen, warum es der Streifen einst so schwer hatte: Der 70er Jahre Westernstil ist eben ein bisschen anders, als wir es von heutigen Filmen gewohnt sind. Die Sexismusdebatte war damals noch kaum ein Thema, die Figuren in Filmen konnten sich demnach nur allzu ausgiebig von ihrer sexistischen Seite zeigen.

    Schon damals an der Grenze zum Tabu
    Und Clint Eastwood – wie er nun einmal ist – hat die Grenzen schon immer liebendgerne ausgetestet. Da wundert man sich dann auch nicht mehr über einen Umgang mit den weiblichen Figuren, wie er heute vielleicht ohne Aufschrei nicht mehr möglich wäre. Vergewaltigungsszenen etwa, bei denen das Opfer am Ende gar Spaß an der Tat empfindet und Beobachter nur grinsend zuschauen, als sei es völlig unbedenklich, wenn ein Mann sich seinen Spaß nimmt, waren selbst für die 70er Jahre bereits nah am Tabu. Und doch hat Eastwood damit ein Werk geschaffen, das aus heutiger Sicht womöglich erfrischend unbeeinflusst vom gesellschaftlichen Zeitgeist zu sein scheint: Ein dreckiger und rauer Film, bei dem die Charaktere noch sexistische Arschlöcher sein durften und Antihelden noch zum Genre gehörten, wie die Revolver und die Pferde. Ein Westernstreifen, der mit seinen Figuren unberührt „ehrlich“ und „echt“ erscheint. Und warum sollten fiktive Charaktere auch nicht einmal abgrundtief böse sein dürfen, selbst wenn sie den vermeintlich Guten spielen? Das fragt sich in der heutigen Zeit, in der Filme mitunter jeder noch so kleinen Minderheit gerecht werden wollen, womöglich so mancher Cineast zurecht.

    Die Kunst der Ignoranz
    Gleichzeitig verstand es Eastwood bereits in der damaligen Zeit, die üblichen Stilmittel geschickt einzusetzen. In den 1970er Jahren waren Effekthascherei und schnelle Schnitte schließlich noch nicht so verbreitet, wie im heutigen modernen Kino. Auch „Ein Fremder ohne Namen“ legt Wert darauf, sich Zeit für seine Charaktere zu lassen und es insgesamt etwas ruhiger anzugehen. Die eigentliche Qualität liegt hierbei in der Mimik und dem Ausdruck des Ignorierens. Manchmal sagt Stille und Ignoranz doch weitaus mehr, als sich gegenseitig die Seele aus dem Leib zu brüllen. Eastwood weiß genau, diese – für die 70er Jahre typischen Stilmittel – einzusetzen und die Kunst des Nichtssagens hervorragend in Szene zu setzen. Genau wegen solcher Charakterdarstellungen machen seine alten Western auch heute – trotz seiner ansonsten geradlinigen und simplen Handlung – noch Spaß. Ein zeitloses Stück Filmgeschichte.

    Fazit:
    Seit je her verstand es Clint Eastwood die Grenzen auszutesten und einen Western von seiner besonders rauen, bösartigen und sexistischen Seite zu inszenieren. Das ist zeitlose Filmgeschichte jenseits der politischen Korrektheit, die mit ihren ruhigen Stilmitteln noch heute Spaß macht.

    Kommentare und Pings sind derzeit nicht erlaubt..