Doctor Who – Staffel 11 - Kritik – Virtual DVD Magazine
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    Doctor Who – Staffel 11

    Doctor Who – Staffel 11


    Land/Jahr:
    GB 2018
    Genre:
    Science-Fiction
    Regie:
    Diverse
    Darsteller:
    Jodie Whitaker
    Bradley Walsh
    Tosin Cole
    Mandip Gill
    FSK:
    ab 12 Jahren
    Dauer:
    510 Minuten
    Kaufstart:
    26. April 2019
    Label:
    Polyband

    In Sheffield können Ryan Sinclair, Yasmin Khan und Graham O’Brien ihren Augen noch gar nicht so recht trauen, als sie den mysteriösen Gestalten aus einer anderen Welt begegnen. Da werden sie während einer Zugfahrt nicht nur von aggressiven Außerirdischen attackiert, sondern es fällt auch noch eine seltsame Frau vom Himmel herab, die sich nicht einmal an ihren Namen erinnern kann und noch dazu fest davon überzeugt ist, früher mal ein Mann gewesen zu sein. Doch noch ahnen die drei Passagiere nicht, dass dieses Zusammentreffen ihr Leben für immer verändern wird. Die Frau ist nämlich der Doctor, eine außerirdische Zeitreisende, die ihre Mitmenschen so schnell in ihren Bann zieht, dass sie auf jeden Fall gemeinsame Abenteuer mit ihr erleben wollen. Und die führt das Quartett in vergangene Zeiten, auf fremde Planeten und zu noch fremderen Zivilisationen…

    Kritik:
    Seit über 50 Jahren gehört die Kult-Serie „Doctor Who“ bereits zum festen Bestandteil des britischen Fernsehens und genießt inzwischen auch international eine hohe Beliebtheit. Doch nun sollte sich erstmals alles grundlegend ändern: Die dreizehnte Reinkarnation des Doktors sollte zum ersten Mal eine Frau werden und die Serie damit endlich dem heutigen Zeitgeist entsprechen.

    Doctor Who mit Veränderungen
    Jodie Whitaker gibt sich daher die Ehre, eine ganz besondere Premiere zu feiern: Mit ihrem besonderen Auftreten und einem vielleicht etwas androgynen Kleidungsstil schlüpft sie als erste Frau in die Rolle des Doktors und muss mit ihrer so besonderen Figur erst einmal etwas warm werden. Humor gibt es da gleich von der ersten Sekunde an, denn wie auch einst der Doktor mit Peter Capaldi sich nicht so recht mit dem hohen Alter anfreunden konnte, so ist die Umstellung auf einen Geschlechtswechsel umso beeindruckender. Immer wieder mit ihrem eigenen Verhalten konfrontiert, macht Jodie Whitaker in ihrer Rolle auch auf die Problematiken des Frauseins aufmerksam und weist auf die Ungleichbehandlung der Geschlechter hin, wenn sich Frauen nicht einfach genauso benehmen können, wie die männliche Bevölkerung. Aber – und das ist viel witziger – mit zahlreichen Anspielungen auf frühere Doktoren übernimmt sie auch amüsante Marotten, bei denen sie etwa jeden Dreck probiert, den sie auf dem Boden findet, oder sich kurzerhand einfach mal ein Fez bestellt (das sie dann doch nicht trägt).

    Auf den Spuren des Zeitgeistes
    Da wird aber mitunter auch schnell klar, worauf „Doctor Who“ mit der nunmehr elften Staffel der Neuauflage hinaus laufen möchte: Dem Zeitgeist entsprechende Themen wie Rassismus, Gleichberechtigung, Ausgrenzung, Transsexualität und viele andere „typische“ Inhalte der heutigen Zeit stehen auf der Tagesordnung der aktuellen Staffel. Vieles davon setzt die Serie dabei durchaus gelungen um, in dem die Thematiken nicht oberflächlich diskuttiert, sondern in einen interessanten geschichtlichen Kontext eingebunden werden. So war „Doctor Who“ schließlich immer eine Serie, die nicht nur unterhalten, sondern auch bilden wollte, in dem sie dem Zuschauer wichtige Persönlichkeiten der Weltgeschichte näher brachte. Die Episode rund um Rassismus wird somit mit einem Treffen mit der Bürgerrechtlerin Rosa Parks in Verbindung gebracht, die einst zu einer wichtigen Figur bei der Durchsetzung der Rechte für Farbige in den USA wurde – und obwohl sie es verdient hätte, vor allem in Europa nur einen geringen Bekanntheitsgrad genießt. In einer anderen großartigen Folge setzt sich „Doctor Who“ wiederum mit der Teilung Indiens auseinander, um so Ausgrenzung und Fremdenfeindlichkeit zu thematisieren.

    Doktor der politischen Korrektheit
    So hervorragend viele dieser Geschichten sein mögen, könnte man allerdings durchaus auch anprangern, dass es die aktuelle Staffel an der ein oder anderen Stelle etwas übertreibt. Jeder Minderheit, jeder Religion und jeder Kultur scheint „Doctor Who“ inzwischen gerecht werden zu wollen und wirkt hin und wieder, als hätte die Staffel die Geschichten ihrer Episoden um die eingebauten Figuren drumherum geschrieben, statt umgekehrt. Das geht manchmal auf Kosten der Storylines, die gelegentlich etwas zu simpel ausgefallen sind. Fans vermissen hier schnell die abgedrehten wilden Abenteuer eines Steven Moffats, der so viele Zeitparadoxons in seine Geschichten eingebaut hat, dass das Publikum beinahe Knoten im Gehirn davon bekam. Davon allerdings ist die elfte Staffel aktuell leider weit entfernt. Stattdessen fühlt sich der neue Showrunner offenbar sogar dazu genötigt, unpassende (aber ebenfalls stark dem Zeitgeist entsprechende) politische Statements gegen Trump einbauen zu müssen. Ob es bei fiktiven Geschichten mit fiktiven Figuren aber unbedingt notwendig ist, sich dermaßen der öffentlichen Debatte anzubiedern, bleibt fraglich. Mitunter würde die ein oder andere kantigere, kontroversere Figur der Staffel sicherlich gut tun.

    Der lange Weg zu klassischem Doctor Who
    Zum Ende hin, wenn Showrunner Chris Chibnall dann jede Minderheit erwähnt und jedes gesellschaftliche Thema von schwangeren (Alien-)Männern bis hin zu Kritik am Versandhändler Amazon durchgenudelt hat, widmet sich aber auch die elfte Staffel von „Doctor Who“ zunehmend wieder den klassischen Episoden, in denen faszinierende Abenteuer im Mittelpunkt stehen. Dann nämlich, wenn sich der Doktor durch ein Dimensionsportal wagt, um eine aufregende Parallelwelt zu besuchen oder bösartige Aliens sich die Fähigkeiten anderer Spezies zu eigen machen, um damit ganze Planeten zu vernichten und der Doktor wie üblich zur Stelle ist, um mit Intelligenz und Wortgewandtheit statt Waffengewalt auch die schwierigste Situation zu lösen, erinnern wir uns zurück an die alten Zeiten mit Eccleston, Tennant, Smith und Capaldi – und haben spätestens dann auch Jodie Whitaker, die in ihrer Rolle als erster weiblicher Doktor eine fantastische unterhaltsame Figur abliefert, gänzlich in unser Herz geschlossen. Es braucht lediglich spannende Geschichten statt übertriebene politische Korrektheit, dann funktioniert „Doctor Who“ auch mit weiblichem Darsteller hervorragend. Potential gibt es in der elften Staffel immerhin reichlich, handelt es sich erfrischenderweise schließlich um die erste Staffel seit langem, die ohne immer wiederkehrende Feinde wie die Daleks oder die Cybermen auskommt, um endlich Platz für neue Spezies und neue Geschichten zu schaffen.

    Fazit:
    Auch wenn die 11. Staffel von „Doctor Who“ gelegentlich etwas zu tief in den Topf mit der politischen Korrektheit gefallen zu sein scheint, überzeugt Jodie Whitaker in ihrer Rolle als erster weiblicher Doktor mit Sympathie und Wortgewandtheit. Und so aufgesetzt die Anbiederung an den Zeitgeist auch erscheinen mag, gehören vor allem die geschichtlich bildenden Episoden wie „Rosa“ und „Dämonen in Punjab“ zu den stärksten Folgen der Staffel.

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