Dr Who: Aus der Zeit gefallen - Kritik – Virtual DVD Magazine


Dr Who: Aus der Zeit gefallen


Dr Who: Aus der Zeit gefallen

Land/Jahr:
GB 2017
Genre:
Science-Fiction
Regie:
Rachel Talalay
Darsteller:
Peter Capaldi
David Bradley
Pearl Mackie
Matt Lucas
Mark Gatiss
Jodie Whittaker
FSK:
ab 12 Jahren
Dauer:
60 Minuten
Kaufstart:
27. April 2018
Label:
Polyband



Kurz vor dem Ende seines aktuellen Lebens weigert sich der Doktor am Südpol zu regenerieren. Gleich zwei Mal, denn auch seine frühere Version denkt gar nicht daran, seine bisherige Existenz aufzugeben. Der eine hat unendlich große Angst vor der Veränderung und möchte auf keinen Fall einen neuen Körper. Der andere wiederum möchte sein Leben nach Tausenden von Jahren und zahlreichen schrecklichen Erinnerungen endlich beenden. Damit allerdings verursachen sie einen Fehler in der Timeline, der schwerwiegende Auswirkungen auf den Verlauf der Zeit hat – und auch einen Captain des Ersten Weltkriegs zu ihnen an den Südpol teleportiert. Gemeinsam liegt es nun an den beiden Doktoren, einen Ausweg aus dieser schwierigen Situation zu finden…

Kritik:
Die Weihnachtsspecials von Doctor Who sind normalerweise dafür bekannt, ein bisschen aus der Reihe zu tanzen und vieles anders zu machen, als die regulären Staffeln. Dabei werden sie nicht nur häufig für aufregende Invasionen der britischen Hauptstadt genutzt, sondern auch für besonders gewagte Aufeinandertreffen. Bevor Peter Capaldi sich als 12. Reinkarnation des Doktors verabschiedet, soll es noch einmal so weit sein.

Die zwei Doktoren
Showrunner Steven Moffat hat sich zum Abschluss des Abenteuers von Peter Capaldi nämlich wieder eine besondere Geschichte ausgedacht, die auch einen sehr passenden Vergleich zu bieten hat. Peter Capaldi nämlich sollte als eher älterer Schauspieler gleich zwei Äras miteinander kombinieren: Die flotten Doktoren aus der Neuauflage wiederspiegeln, aber auch einen Bogen zu den klassischen Doktoren wie William Hartnell spannen. Kaum eine Figur wäre für den Abschluss seiner Reise also besser geeignet, als den ersten Doktor noch einmal wiederzubeleben und auf Peter Capaldi treffen zu lassen. Seit „Ein Abenteuer in Raum und Zeit“ hat die BBC dafür schließlich auch den perfekten Darsteller gefunden, denn David Bradley sieht dem verstorbenen William Hartnell praktisch wie aus dem Gesicht geschnitten aus. Das macht ihn zur Optimalbesetzung für dieses Weihnachtsspecial.

Fortschritt des Zeitgeistes
Wenn man dabei den Zeitgeist der 60iger Jahre und den heutigen miteinander konfrontiert, kann das sogar einige ziemlich witzige Situationen bewirken. Von einer lesbischen Begleiterin ist ein Doktor der damaligen Zeit schließlich ebenso überrascht, wie von dem heutigen temporeichen und – im Vergleich – beinahe hyperaktiven Inszenierungsstil der Hauptfigur. Steven Moffat liefert mit „Aus der Zeit gefallen“ einen herrlich selbstironischen Blick auf die Entwicklung des britischen Fernsehens und stellt die steife, biedere Art von damals dem heutigen, schnellen High-Budget-Format gegenüber. Damit wird die Episode also gleich in doppelter Hinsicht ihrem Titel gerecht. Zum Glück wird der Kulturschock allerdings nicht ganz so groß: Auch wenn man einige wenige Schwarz-Weiß-Szenen von damals einbaut, um den Bogen zu früheren Episoden zu spannen, fällt die Darstellung von David Bradley schon ein wenig anders aus. Im Vergleich zu William Hartnell tritt er schließlich viel freundlicher in Erscheinung und passt damit durchaus gut in das heutige Doctor Who-Franchise.

Vergänglichkeit des Lebens
Doch auch thematisch ist „Aus der Zeit gefallen“ ein insgesamt runder Abschluss, der hervorragend zu einer Erstausstrahlung in der Weihnachtszeit des letzten Jahres passte. Im Mittelpunkt der Handlung steht eine melancholische Betrachtungsweise des Todes und der Vergänglichkeit, wenngleich die Episode mit ihrer Hoffnung auf eine Weiterführung der Existenz durch Erinnerungen irgendwie eine sentimental weihnachtliche Atmosphäre entfaltet. Damit aber mag man den Fans wohl auch den Abschied irgendwie versüßen, denn der Wechsel zu einem weiblichen Doktor, der nach dem Ende dieser Episode die Hauptrolle übernehmen wird, ist schon ein radikaler Schnitt in die bisherige Entwicklung der Serie und rückt die Angst vor Veränderung, die hier ganz subtil auch durch den Rückblick auf den ersten Doktor thematisiert wird, in den Mittelpunkt. Man merkt also: Steven Moffat hat seine Story gut durchdacht und bietet mit dem Erscheinen des ersten Doktors mehr als nur bloßen Fanservice.

Fazit:
Steven Moffat könnte uns den Abschied von Peter Capaldi und die kommende radikale Veränderung durch einen weiblichen Doktor kaum süßer und sentimentaler aufbereiten, als ihm das mit „Aus der Zeit gefallen“ gelungen ist. David Bradley fügt sich als neuer Darsteller des ersten Doktors hervorragend ein, um Veränderung und Vergänglichkeit besonders sensibel zu thematisieren. Ein fantastisches Ende einer Ära, das vielleicht auch den Fans die Angst vor der Veränderung nehmen kann.

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