Die dunkelste Stunde - Kritik – Virtual DVD Magazine
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    Die dunkelste Stunde

    Die dunkelste Stunde


    Land/Jahr:
    GB 2017
    Genre:
    Drama
    Regie:
    Joe Wright
    Darsteller:
    Gary Oldman
    Kristin Scott Thomas
    Lily James
    Ben Mendelsohn
    FSK:
    ab 6 Jahren
    Dauer:
    120 Minuten
    Kaufstart:
    24. Mai 2018
    Label:
    Universal Pictures

    Erst seit kurzem im Amt, steht der neue Premierminister Winston Churchill als Nachfolger von Neville Chamberlain vor einer schwierigen Aufgabe. Der Zweite Weltkrieg ist bereits seit geraumer Zeit in vollem Gange und Zentraleuropa gilt beinahe als verloren. Groß-Britannien steht ebenfalls kurz davor, seine gesamte Armee zu verlieren und die restlichen Streitkräfte sind in Dünkirchen und Calais von den Nationalsozialisten umzingelt. Churchill steht unterdessen nicht nur vor der Aufgabe, die Unterstützung seiner eigenen Partei zu gewinnen, sondern auch noch seine Soldaten möglichst unversehrt nach Hause zu bringen. Das allerdings scheint gänzlich unmöglich: Auf Friedensgespräche möchte sich Churchill auf keinen Fall einlassen, betrachtet er seine Nation andernfalls als ein gefallenes Land, doch eine Evakuierung aus der Krisenregion scheint ebenso aussichtslos. Voller Selbstzweifel und mit dem Risiko eines Misstrauensvotums versucht Churchill dem Druck standzuhalten und große Reden zu schwingen…

    Kritik:
    Nachdem das Churchill-Drama im vergangenen Jahr in den Kinos anlief, stand für viele Zuschauer längst fest: „Die dunkelste Stunde“ würde bei den Oscars noch eine große Rolle spielen. Und damit sollten sie Recht behalten, zumindest was den Hauptdarsteller betrifft: Für Gary Oldman handelte es sich wohl um die Glanzleistung seiner Karriere, die ihm den Oscar als bester Hauptdarsteller einbrachte.

    Ein zerbrechlicher Churchill
    Bereits in den ersten Szenen, in denen Gary Oldman als Winston Churchill in Erscheinung tritt, wird klar, dass er diesen Oscar sicherlich zurecht erhalten hat. Seine Präsentation des damaligen britischen Premierministers beinhaltet eine überaus empfindliche, private und zerbrechliche Seite des alten Mannes. Im Bademantel durch das Haus spazierend, aufbrausend gegenüber seinen Schreiberinnen, aber auch mit einem überaus trockenen Humor ausgestattet, gelingt es Gary Oldman seine Rolle von einer besonders menschlichen und glaubhaften Weise zu zeigen. Handwerklich leisten die Macher dabei besonders hervorragende Arbeit: Oldman ist unter der Maske kaum wiederzuerkennen, sieht dem originalen Churchill wie aus dem Gesicht geschnitten aus und behält dabei dennoch eine erstaunlich starke Mimik. Da wundert die Auszeichnung kaum.

    Getragen von einem Mann
    Trotzdem hat „Die dunkelste Stunde“ dabei ein wesentliches Problem: Gary Oldman ist praktisch gezwungen, das gesamte Kammerspiel allein zu tragen. Mit starker Action kann das Drama nämlich keineswegs fesseln. Die Geduld des Zuschauers wird nämlich viel mehr dabei herausgefordert, wenn Churchill sich doch über einen Großteil der Laufzeit in den Räumen des Kabinetts aufhält und Diskussionen mit eben diesen führt. „Die dunkelste Stunde“ bietet keinen Zweiten Weltkrieg auf dem Schlachtfeld, sondern in den sicheren Bunkern Londons, wo der Krieg auf dem Papier ausgetragen wird und Menschenleben strategisch geopfert werden, ohne die tatsächliche Situation an der Front auch nur erahnen zu können. Das allerdings kann manchmal ähnlich ermüden, wie eine stundenlange Rede im Parlament. Sicherlich: Gary Oldman gelingt es perfekt, die großen aufgeblasenen Reden eines Churchill originalgetreu zu präsentieren und damit eindrucksvoll klar zu machen, wie es der Premierminister überhaupt in seine Machtposition geschafft hat, doch man muss dieses Politikergebrüll zugleich auch über zwei Stunden hinweg ertragen können. Das wird nicht jedem Zuschauer leicht fallen, denn zugleich kann das Politdrama dadurch auch als überaus zäh empfunden werden.

    Churchill, der Kriegstreiber
    Immerhin hält sich „Die dunkelste Stunde“ aber größtenteils doch an historische Fakten. Das Drama verzichtet darauf, den einstigen Premierminister zu einem popkulturellen Volkshelden hochzustilisieren, wie es die meisten thematisch vergleichbaren Filme leider meist tun und zeigt Churchill durchaus von seinen negativen Seiten. Nämlich als einen Kriegstreiber, der das Wort „Frieden“ nicht einmal in den Mund nehmen würde und der es auf den Sieg um jeden Preis abgesehen hat – selbst, wenn das tausende Menschenleben fordern sollte. Historisch korrekt berücksichtigt man gar die Möglichkeit zu Friedensgesprächen mit Hitler und die Vermittlungsbereitschaft des deutschen Verbündeten Italiens. Damit beweist „Die dunkelste Stunde“ an jener Stelle einen gewissen Mut zu historischen Fakten, an welcher die meisten Filme über den Zweiten Weltkrieg in eine sicherlich nachvollziehbare, aber völlig einseitige Darstellung eines Feindbildes verfallen. Freunde der historischen Korrektheit werden damit also vermutlich am Ball bleiben, selbst wenn manche Rede Churchills etwas überdramatisiert erscheinen mag.

    Fazit:
    Mit seiner grandiosen, lebensechten und zerbrechlichen Darstellung Winston Churchills konnte Gary Oldman völlig zurecht den Oscar als bester Hauptdarsteller ergattern. Doch während der Film einerseits mit großartigen Reden punktet und einigermaßen auf historische Korrektheit setzt, kann das Kammerspiel mit seinen Diskussionen im Kabinett mitunter auch ermüden wie eine Rede im Bundestag und dadurch leicht zäh erscheinen.

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