Virtual DVD Magazine – DVD-Reviews » Reviews / Kritiken » Die Brut


Die Brut


Die Brut

Land/Jahr:
CDN 1979
Genre:
Horror
Regie:
David Cronenberg
Darsteller:
Oliver Reed
Samantha Eggar
Art Hindle
Cindy Hings
Susan Hogan
FSK:
ab 16 Jahren
Dauer:
92 Minuten
Kaufstart:
28. Juli 2016
Label:
Wicked Vision



Für die meisten Menschen wäre das Privatleben von Frank wohl momentan deutlich zu kompliziert. Immerhin ist seine Frau seit geraumer Zeit in einer neuartigen Therapie beim Psychiater Dr. Hal Raglan. Mit der sogenannten „Psychoplasmatik“ versucht er, Ängste und Traumata auf seine Person zu projizieren und die Patienten in einer Art Phantasiewelt zu behandeln. Dumm nur, dass Frank seitdem ihre gemeinsame Tochter Candy alleine erziehen muss, obwohl er eigentlich schon genügend Stress am Hals hat. Nicht lange dauert es jedoch, bis auch in seiner direkten Umgebung seltsame Dinge passieren. Nahe Verwandte und Bekannte kommen auf mysteriöse Weise ums Leben, als sie offensichtlich von fremdartigen Wesen angegriffen wurden. Doch noch ahnt er gar nicht, in welchem Zusammenhang die Therapie seiner Frau mit den Vorfällen steht…

Kritik:
Ende der 70er Jahre war die Sehkultur vor allem bei Horrorfilmen noch ein bisschen anders. Statt allzu blutige Goreszenen und schnelle Splatteraction, hat man eher mit handgemachten Effekten und psychologischen Stilmitteln versucht, den Zuschauer zu schocken. Genau deshalb müsste man „Die Brut“ heute eigentlich eher als Psychothriller einstufen, denn als Horrorfilm.

Therapie oder Theater
Bereits in der ersten Szene des Streifens wird nämlich klar, was schnell den Kern der Handlung einnimmt. In einem sehr eindrucksvollen Theaterstück stellt der mysteriöse Psychiater seine neue Behandlungsmethode vor, bei der sich die Patienten einbilden, es handele sich beim Psychiater um eine geliebte oder gehasste Person. Eine Art von psychischer Projektion auf den Therapeuten, die mit beeindruckender Mimik und Körpersprache dargestellt wird. Genau damit macht „Die Brut“ allerdings auch weiter, fesselt der klassische Horrorfilm uns nämlich vor allem mit den psychischen Ängsten, den Eheproblemen und den besonderen zwischenmenschlichen Auseinandersetzungen. Die schauspielerischen Leistungen von Samantha Eggar und Oliver Reed als Patienten und Psychiater hauen den Zuschauer beinahe vom Hocker – besonders, wenn erstere voller Wut und Hysterie ihren Emotionen freien Lauf lässt. Es ist aber eben auch dieser Fokus auf die intensiven Charakterdarstellungen, der die alten Streifen so qualitativ macht. Allzu schnelle Schnitte und Effekte suchen wir vergebens.

Manifestation des Hasses
Natürlich kann „Die Brut“ mit solchen Szenen aus heutiger Sicht nicht mehr ganz so sehr schocken. Die handgemachten Effekte und Masken sehen dafür doch einfach zu künstlich aus, als dass sie uns tatsächlich Angst einjagen könnten. Bereits auf den ersten Blick erkennen wir, dass es sich hier nicht um echte Monster handeln kann und selbst Tötungsszenen wirken doch aus heutiger Perspektive oft etwas zu gespielt, als dass wir ihr die Gefährlichkeit abnehmen können. Aber dennoch: „Die Brut“ funktioniert wegen seinem psychologischen Tiefgang, weil doch jede Handlung und jedes Böse einen psychologischen Hintergrund hat. David Cronenberg baut nämlich nicht etwa nur angsteinflößende und brutale Bösewichte ein, sondern manifestiert den Hass und die Ängste seiner Schlüsselfigur in einer physischen Form. Die Emotionen der psychisch gestörten Ehefrau verwandeln sich kurzerhand in lebendige Wesen, die im Leben des Mannes ihr Unheil verrichten. Damit lässt „Die Brut“ sicherlich sogar Interpretationsspielraum, wenn man etwa versucht, die Psyche des gemeinsamen Kindes zu analysieren. Denn nicht umsonst ist eine optische Ähnlichkeit zu ihr stets gegeben. Man kann diesen Klassiker von Cronenberg somit durchaus als Meisterwerk des klassischen Horrorfilms betrachten. In jedem Fall sollte der Streifen in keinem Regel fehlen.

Fazit:
Ein Horrorfilm der klassischen Sorte mit einem ausgesprochen intensiven psychologischen Tiefgang, der reichlich Interpretationsmöglichkeiten lässt. Dank umfangreichem Mediabook das perfekte Geschenk für die erwachsenen Genrefans.

Kommentare und Pings sind derzeit nicht erlaubt..