Detroit - Kritik – Virtual DVD Magazine
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    Detroit

    Detroit


    Land/Jahr:
    USA 2017
    Genre:
    Drama
    Regie:
    Kathryn Bigelow
    Darsteller:
    John Boyega
    Anthony Mackie
    Will Poulter
    Algee Smith
    John Krasinski
    Hannah Murray
    Jack Reynor
    Samira Wiley
    Ben O'Toole
    FSK:
    ab 12 Jahren
    Dauer:
    144 Minuten
    Kaufstart:
    5. April 2018
    Label:
    Concorde

    Detroit im Jahre 1967: Bereits seit geraumer Zeit fühlt sich die schwarze Bevölkerung massiven Diskriminierungen und sozialen Ungerechtigkeiten ausgesetzt. Das führt mittlerweile dazu, dass die Situation zu eskalieren beginnt und gewaltsame Unruhen auf den Straßen ausbrechen, die über mehrere Tage anhalten. Selbst das Militär und die Nationalgarde werden unterdessen angefordert, um die ausufernden Zerstörungen und Plünderungen unter Kontrolle zu bringen. In der Angst vor möglichen Heckenschützen, schießen sie dabei sogar auf Fenster der Anwohner. Ausgerechnet in dieser schwierigen Zeit, hofft Sänger Larry und seine Band „The Dramatics“ auf den großen Durchbruch. Doch ihr Konzert am heutigen Abend wird abgesagt, sie geraten mitten in den Konflikt und suchen Unterschlupf im nahegelegenen und überwiegend von Schwarzen bewohnten Algiers Motel. Dumm nur, dass einer der Gäste dort aus Übermut mit einer Schreckschusspistole auf sich aufmerksam macht und die gesamten Hotelbewohner damit zur Zielscheibe für die örtliche Polizei werden. Denn die gehen alles andere als zimperlich mit den Schwarzen um, greifen zu gröbster Gewalt und terrorisieren die Hotelgäste über Stunden…

    Kritik:
    Wenn es um knallharte Thriller geht, ist Regisseurin Kathryn Bigelow sicherlich eine Meisterin ihres Fachs. Zu den bekanntesten Werken gehören etwa der ausgezeichnete „The Hurt Locker“ oder der CIA-Thriller „Zero Dark Thirty“. Längst hat sie also Erfahrung damit, brisante und kontroverse Themen anzupacken und sie spannend zu präsentieren. Das soll sich auch mit „Detroit“ nicht ändern, wenn sie sich an die Ereignisse der Rassenunruhen im Jahre 1967 wagt.

    Wacklig, aber nah am Geschehen
    Etwas ungewöhnlich mag in Anbetracht ihrer bisherigen Werke allerdings der Einstieg in den Film sein. Fast schon dokumentarisch hält sie die oftmals wacklige Kamera auf das Geschehen, als wäre es von einem Amateur gedreht worden. Der Zuschauer soll schließlich das Gefühl bekommen, als neutraler Beobachter inmitten der Ereignisse zu sein und die Unruhen aus nächster Nähe zu betrachten. Und das hat schließlich auch einen Sinn, ermöglicht Kathryn Bigelow damit gleich in den ersten Minuten eine exzellente Bindung an die Hauptfiguren, die selbst recht überfordert versuchen, sich durch das Chaos der wütenden Massen und prügelnden Polizisten zu bugsieren, ohne dabei selbst verletzt zu werden. Mit dem anfänglichen Wackelkamera-Look kann man das „Mittendrin“-Gefühl bestens einfangen und „Detroit“ fesselt damit gleich zu Beginn an.

    Terror durch die Polizei
    Davon rückt sie allerdings nach einer Weile gänzlich ab, wenn es darum geht, die ausufernde Polizeigewalt gegen schwarze Protestanten so intensiv wie möglich darzustellen. Dann nämlich kommt ihr stets professioneller und überaus gezielter Stil zustande, den wir bereits aus ihren besten Werken kennen und auch schon in „Zero Dark Thirty“ zu sehen bekamen. Für schwache Nerven ist das allerdings nichts, wie Kenner sicher bereits wissen: Die Terrorisierungen und Gewaltszenen seitens der Polizei gegen die schwarze Bevölkerung geht schon allein deshalb extrem unter die Haut, weil Bigelow sich außergewöhnlich viel Zeit für dessen Inszenierung nimmt. Gefühlt etwa eine Stunde werden die hoffnungslosen und angsterfüllten Hotelbewohner terrorisiert, gequält und zum Teil sogar ermordet. Immer schön drauf, immer mitten im Geschehen. Da wird „Detroit“ schon bald zu einem jener Filme, die man nach der Sichtung erst einmal eine halbe Stunde sacken lassen muss, um das Gesehene zu verarbeiten. Fans von „The Hurt Locker“ und ähnlich intensiven Thrillern werden hier aber voll auf ihre Kosten kommen.

    Der böse Polizist
    Natürlich muss man eingestehen, dass Bigelows Film insgesamt auch ein wenig einseitig inszeniert wurde, auch wenn etwa die realen Vorlagen behaupten, er entspreche größtenteils den tatsächlichen Ereignissen. Gänzlich unstrittig sind diese Aussagen allerdings bis heute nicht und bei der Dramatisierung der Polizeigewalt gegen Schwarze berücksichtigt „Detroit“ das kaum, auch wenn der Streifen kurz vor dem Abspann auf eben diese Tatsachen hinweist. Insgesamt bleibt beim Zuschauer eben vor allem eines hängen: Die Polizei ist hier zweifelsohne der Böse, die Schwarzen fast ausschließlich unschuldige und hilflose Bürger. Mit der Annahme einer zweifelsfreien historischen Korrektheit sollte man „Detroit“ also sicher nicht schauen. Da hilft es auch nicht, dass Bigelow in einzelnen Szenen durchaus über den Tellerrand schaut und etwa Fehlverhalten und Dummheiten von Schwarzen einbaut. Diese Szenen sind letztendlich zu kurz geraten, um beim Gesamteindruck von Bedeutung zu sein. Dramaturgisch verschafft das dem Film aber natürlich keinen Abbruch, denn „Detroit“ gehört zu den wenigen Filmen, die auch bei einer Länge von fast zweieinhalb Stunden keinerlei Längen vorzuweisen haben. Das allein macht das Drama bereits herausragend.

    Fazit:
    Kathryn Bigelows neuestes Werk über die Rassenunruhen in Detroit 1967 stellt die Ereignisse zwar insgesamt etwas einseitig dar, ist aber dennoch einer der spannendsten und eindringlichsten Filme über Polizeigewalt in den Vereinigten Staaten – und damit aus dramaturgischer Sicht bereits ein Meisterwerk.

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