Der Marathon-Mann - Kritik – Virtual DVD Magazine
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    Der Marathon-Mann

    Der Marathon-Mann


    Land/Jahr:
    USA 1976
    Genre:
    Thriller
    Regie:
    John Schlesinger
    Darsteller:
    Dustin Hoffman
    Lawrence Olivier
    Marthe Keller
    FSK:
    ab 16 Jahren
    Dauer:
    125 Minuten
    Kaufstart:
    2. Mai 2013
    Label:
    Paramount
    Home Entertainment


    Der Marathon-Läufer Thomas Levy gilt als einer der gebildetsten Studenten der Columbia University. Seit dem Tod seines Vaters beschäftigt er sich ausgiebig mit dessen Hintergründen und versucht verlegen, den Kontakt mit dem weiblichen Geschlecht aufzunehmen. Nach erstem Erfolg und diversen Besuchen von seinem Bruder, ahnt er jedoch noch nicht, in welche Sache vor allem seine neue Geliebte verwickelt ist. Schon bald findet er sich inmitten einer Intrige um einen Diamantenraub und in den Fängen des KZ-Zahnarztes Christian Szell wieder. Plötzlich nimmt das Unheil seinen Lauf…

    Kritik:
    Es mag Filme geben, die niemand so schnell vergisst, auch wenn sie bereits fast vierzig Jahre auf dem Buckel haben. Auf den Thriller „Der Marathon-Mann“ aus dem Jahre 1976 mag das durchaus zutreffen, wurde Laurence Olivier schließlich seiner Zeit für den Oscar nominiert. Da erfreut es doch das Herz eines jeden Heimcineasten, diesen Film endlich auch auf BluRay genießen zu können.

    Stilistik der 70er
    Natürlich, wie viele eingefleischte Filmfans wissen, haben die alten Filme ihren ganz besonderen Charme. Im Vergleich zu den heute auf Hochglanz polierten Actionstreifen verzichtet man noch auf übertriebene Effekte oder zu hohes Tempo und konzentrierte sich stattdessen auf eine gute Kameraarbeit und tolle Charaktere. Das mag dem „Marathon-Mann“ auch ziemlich leicht gelingen, denn mit guten Perspektiven schafft es Regisseur John Schlesinger stets ein „Mittendrin-Gefühl“ zu erzeugen. Die Kamera wird dabei jedes Mal so positioniert, dass wir uns nicht nur auf die Charaktere, sondern gleichzeitig auch auf die Location konzentrieren können – macht der junge Dustin Hoffman dann einmal eine Joggin-Runde um den Fluss, können wir im Hintergrund auch gleich auf das beeindruckende New York blicken – und wir bekommen schnell den Eindruck irgendwie mitten in dieser Stadt zu sein. Natürlich mag das auch Schwächen haben, sieht ein Film aus dem Jahre 1976 immerhin nicht mehr so gut aus. An vielen Stellen kann man dem Streifen auch in hoher Auflösung ansehen, dass er eben optisch etwas angestaubt ist, wenngleich die Bildqualität zwischen aufgewerteter HD- und normaler DVD-Qualität ein wenig schwankt, ohne jemals hässlich zu erscheinen.

    Keine Hektik
    Man kann aber andererseits auch gut die Mentalität der damaligen Filmemacher gut erkennen. Hohes Tempo kommt in „Der Marathon-Mann“ schließlich erst sehr spät auf, weshalb sich der Film in der kompletten ersten Hälfte ungewöhnlich, wenn nicht gar ermüdend langsam gibt. Im Vergleich zu heutigen Verhältnissen kann man das beinahe als lahmarschig bezeichnen – doch gerade deshalb hat man eben ein wenig Zeit, sich genauer auf die Charaktere und die Handlung zu konzentrieren und bekommt auch die Gelegenheit über das Geschehen etwas mehr nachzudenken. Gleichzeitig bietet „Der Marathon-Mann“ aber auch einen sehr subtilen Spannungsaufbau, der zum späteren Verlauf an Fahrt aufnimmt. Sobald erst einmal die Flucht vor den Gegnern zustande kommt, hält diesen Film nichts mehr. Das mag zwar dennoch, für heutige effektgeladene Filme, langsam erscheinen, doch nicht weniger spannend. Schade eben nur, dass der Film erst so spät in die Gänge kommt.

    Intelligente Antisemitismus-Konfrontation
    Doch während der Streifen einerseits nur geringfügiges Tempo zu bieten hat, erleben wir andererseits wiederum eine intelligente Bildsprache und schlaue Dialoge. Bereits die Rennfahrt zwischen einem Nazi und einem Juden gehört wohl zu den eindrucksvollsten und intelligentesten Szenen der Filmgeschichte und kann sehr unterschwellig, aber intelligent zum Nachdenken anregen, ohne dem Zuschauer gleich alles auf die Nase zu binden. Da wird man immerhin noch selbst zum Nachdenken aufgefordert und bekommt eine interessante amerikanische Sicht auf diesen Konflikt geboten. Mitunter sind allerdings nicht alle Dialoge in der deutschen Synchronisation so gelungen, wirken diese stellenweise etwas zu künstlich, insbesondere auch in Hinblick auf Marthe Keller, die hier die Geliebte Elsa verkörpert. Auf der anderen Seite kann Dustin Hoffman dies mit ausgesprochen guten und authentischen schauspielerischen Leistungen wieder wett machen. Kurz gesagt: „Der Marathon-Mann“ mag zwar sicherlich nicht zu den Meisterwerken der Filmgeschichte gehören, aber immerhin Spannung auf intellektuell vergleichsweise hohem Niveau bieten. Dieser Film sollte daher in keiner gut gepflegten Sammlung fehlen.

    Fazit:
    Ein Klassiker aus dem Thriller-Genre, der nur langsam in Fahrt kommt, aber mit intelligenter Bildsprache, guten schauspielerischen Leistungen und hoher Spannung in der zweiten Hälfte überzeugen kann.