Broadchurch – Staffel 1 - Kritik – Virtual DVD Magazine
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    Broadchurch – Staffel 1

    Broadchurch – Staffel 1


    Land/Jahr:
    GB 2013
    Genre:
    Serie / Krimi
    Regie:
    Euros Lyn
    James Strong
    Darsteller:
    David Tennant
    Olivia Colman
    FSK:
    ab 12 Jahren
    Dauer:
    374 Minuten
    Kaufstart:
    21. Mai 2015
    Label:
    Studiocanal

    Trotz seiner schweren Herzkrankheit, die ihn eigentlich längst dienstuntauglich macht, nimmt Chef Inspector Alec Hardy seinen neuen Job in der kleinen Küstenstadt Broadchurch an. Eigentlich will er dort Buße tun, weil er bei seinem letzten großen Fall einen schweren Fehler begangen hat und sieht nun die Chance gekommen, all das wieder gut zu machen. Hier nämlich wurde am Strand ein toter 11-jähriger Junge gefunden, dessen Todesursache noch völlig ungeklärt ist. Dass sich im gesamten Ort praktisch jeder kennt und damit eigentlich alle gleichermaßen in Frage kommen, macht den Fall allerdings ebenso wenig einfacher, wie seine quirlige Kollegin, die durch die enge Freundschaft zu vielen Bewohnern alles andere als Neutralität an den Tag legen kann. Doch für Alec Hardy steht fest: Er muss diesen Mord aufklären und der Familie unter allen Umständen zur Seite stehen.

    Kritik:
    Bekannte britische Stars sind zu vielfältigen Genres in der Lage und brauchen wahrlich nicht immer eine blaue Telefonzelle, um ihre Fans zu begeistern. Das soll nun auch David Tennant unter Beweis stellen, den viele Fans insbesondere als zehnte Reinkarnation des Doctors in „Doctor Who“ kennen. In „Broadchurch“ darf er einen vollkommenen Genrewechsel hinlegen, denn dieses Mal liefert er uns eine waschechte Krimiserie.

    Krimi wird zum Puzzle
    In der achtteiligen ersten Staffel, die in etwas über sechs Stunden durchgesehen werden kann, bekommen wir – wie heute wahrlich nicht unüblich – eine gänzlich zusammenhängende Geschichte geboten, in der die Hauptprotagonisten einen einzelnen Fall klären müssen und die Charaktere sich einmal so richtig entwickeln können. Es macht daher kaum Sinn, einzelne Episoden der Serie ohne den vorherigen Verlauf zu sehen. Gerade das ist allerdings insbesondere im Krimigenre selbst für britische Verhältnisse eher eine Neuheit. So bekommen wir anders als in den meisten amerikanischen Erfolgsserien, von denen das Abendprogramm praktisch überfüllt ist, keine einzelnen, zu hastig erzählten Fälle geboten, sondern dürfen einmal etwas ausführlicher Miträtseln. Spannend kann das vor allem deshalb werden, weil die Aufklärung des Falles bis zum Ende der Staffel vollkommen unklar ist. Häufige Indizien, zahlreiche Verdachtsmomente und das Verhalten der Charaktere führen den Zuschauer, wie auch die ermittelnden Beamten förmlich in die Irre.

    Ein echter Fall
    Das kommt durch einen sehr außergewöhnlichen Grund zustande: David Tennant und seine Kollegin Olivia Colman beschäftigen sich hier nämlich mit einer wahren Ermittlung. Tatsächlich haben sich die Macher der Serie schließlich dazu entschieden, keinen einzigen der Darsteller vor und während der Dreharbeiten über den Ausgang der Geschichte aufzuklären. Um wen es sich bei dem mutmaßlichen Täter handeln konnte, haben also selbst die Hauptdarsteller erst beim Dreh der Aufklärungsszenen erfahren. So kommt allerdings in dieser Krimiserie eine überaus authentische Darstellung zustande, bei der die Ermittlungen stets glaubwürdig erscheinen und die Darsteller gar nicht erst so tun mussten, als würden sie die Hintergründe des Falles noch nicht kennen – sie kannten sie also tatsächlich nicht. In Großbritannien hat das letztendlich völlig zurecht für Rekordquoten gesorgt und dürfte neben „Tatort“ & Co. für innovative und spannende Abwechslung im Krimigenre sorgen.

    Britische Superstars
    Die Qualität der Serie hat man aber natürlich auch den britischen Schauspielern zu verdanken, die für wahrlich qualitative Rollen bekannt sind. Allerdings muss man sich an Olivia Colman vor allem in der ersten Episode mit ihrer quirligen, leicht nervigen Art doch noch ein bisschen gewöhnen. Sie ist kein typischer, strenger und ernsthafter Ermittler, wie man ihn aus den deutschen oder amerikanischen Produktionen kennt – eher eine sehr natürliche, „lebensechte“ Person. David Tennant unterdessen ist in Deutschland oft auch nur unter Science-Fiction-Fans bekannt, ansonsten allerdings hierzulande eher selten aufgetreten. Faszinierend ist dabei sein Wandel vom hyperaktiven, ironisch-humorvollen Timelord zum eher misstrauisch-genervten und körperlich angeschlagenen Mordermittler. Zwei völlig verschiedene Rollen, die sein vielfältiges Schauspieltalent nun endgültig unter Beweis stellen, gelingt es ihm doch, „Broadchurch“ mit seinen Leistungen zu tragen. Er ist der Identifikationspunkt, welcher der Serie einen mitreißenden roten Faden verleiht, der uns spätestens in der zweiten Folge voll fesselt – bis so manche zartbesaitete Zuschauer im emotionalen Staffelfinale vielleicht doch besser ein paar Taschentücher bereitstellen. „Broadchurch“ lohnt sich also nicht nur für Tennant-Fans.

    Fazit:
    Der Doctor kann auch Krimi: David Tennant beweist mit seinem schauspielerischem Talent erneut, dass er zu großer darstellerischer Vielfalt in der Lage ist und liefert uns eine echte Krimiperle, bei der sich ein einziger zusammenhängender Fall zu einem großen Puzzle entwickelt. Extrem spannend.

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