Boy Missing - Kritik – Virtual DVD Magazine


Boy Missing


Boy Missing

Land/Jahr:
ESP 2016
Genre:
Thriller
Regie:
Mar Targarona
Darsteller:
Marc Domenech
Blanca Portillo
Jose Coronado
Macarena Gomez
FSK:
ab 16 Jahren
Dauer:
106 Minuten
Kaufstart:
22. März 2018
Label:
OFDb Filmworks



Für die Anwältin Patricia de Lucas steht das Leben ein bisschen auf dem Kopf, als ihr junger taubstummer Sohn plötzlich spurlos aus der Schule verschwindet. Doch das Unglück soll nicht lange anhalten: Bereits nach wenigen Stunden wird er auf offener Straße entdeckt. Bei der Polizei behauptet er anschließend, von einem unbekannten Mann entführt worden zu sein und lässt ein Phantombild des mutmaßlichen Täters erstellen. Dumm nur, dass an der Entführungsgeschichte leider nicht alles der Wahrheit entspricht und seine Mutter als Anwältin bereits folgenschwere Schritte gegen den angeblichen Täter eingeleitet hat…

Kritik:
Abseits von Hollywood mag die spanische Filmindustrie für den Mainstream womöglich bisher keine ganz so große Rolle gespielt haben. Doch Kenner wissen: Die Erwartungen an einen spanischen Thriller können durchaus etwas höher ausfallen. Der vergleichsweise unbekannte Streifen „Boy Missing“ versucht derweil auch, diesem Anspruch gerecht zu werden.

Geheimtipp aus Spanien
Und obwohl Drehbuchautor Oriol Paulo vermutlich nicht dem größten Publikum bekannt ist und seine bisherige Filmografie noch überschaubar zu sein scheint, hat er sich unter den eingefleischten Cineasten bereits einen Namen gemacht: Erst vor kurzem begeisterte er schließlich mit dem Thriller „The Body“ bereits sein Publikum, bei dem er auch selbst auf dem Regiestuhl saß. Und selbst, wenn er dieses Mal die Regie an seine Kollegin Mar Targarona abgegeben hat, möchte er auch mit “Boy Missing” seinem Genre treu bleiben. Dass das tatsächlich eine gute Idee ist, erkennen wir recht schnell am besonderen Stil seines Drehbuchs, das den Einsatz von Kameraführung, Sound und die nötige Nähe zu den Charakteren bestens beherrscht. Schon in den ersten Sekunden, wenn der junge Victor blutend und schwer atmend über die Straße spaziert, hat „Boy Missing“ das Publikum in seinen Bann gezogen – und lässt danach nicht mehr so schnell wieder los.

Story wie ein Labyrinth
Denn obwohl die Handlung zu Beginn noch an das skandinavische Drama „Die Jagd“ mit Mads Mikkelsen erinnert, geht es schließlich ebenfalls um die falsche Beschuldigung eines mutmaßlichen Täters, schlägt Targaronas Film dann doch eine gänzlich andere Richtung ein. Die spanischee Regisseurin ist nämlich eine Meisterin ihres Fachs, wenn es darum geht, den Zuschauer gewaltig an der Nase herum zu führen. Raffiniert und intelligent erzählt sie eine spannende Krimigeschichte, die bis zu ihrem Schluss immer wieder überraschende Wendungen zu bieten hat. „Boy Missing“ bleibt über seine komplette Laufzeit somit gänzlich unvorhersehbar und schafft es, noch so manche erstaunte Blicke beim Publikum zu erzeugen. Das von Targarona umgesetzte Irrspiel von Oriol Paulo wird den hohen Ansprüchen seiner Fans nämlich voll und ganz gerecht und grenzt damit an ein Meisterwerk.

Ein junger Star
Dazu trägt natürlich vor allem der junge Marc Domenech einiges bei. Als Jungdarsteller gelingt es ihm mit Bravour, das taubstumme Entführungsopfer so glaubwürdig zu spielen, dass wir ihm die Rolle zu jeder Zeit abkaufen. Nicht nur, seine falschen Angaben hinsichtlich der Entführung bringt er mit gekonnter Mimik perfekt rüber, sondern auch die Darstellung seiner Behinderung, mit der er im echten Leben offenbar keineswegs ausgestattet ist. Nicht wundern würde es da, den jungen Nachwuchsstar, den wir etwa auf das Grundschulalter einschätzen, zumindest in spanischen Produktionen auch zukünftig noch einmal zu sehen. Doch auch die herausragende Blanca Portillo überrascht als eher unbekanntes Gesicht in ihrer Rolle als Anwältin und reifer Mutter mit einer so brillanten Darstellung, dass sie es problemlos mit Hollywood-Star Carrie-Anne Moss aufnehmen könnte, die aktuell eine ähnliche Rolle in „Jessica Jones“ spielt. Stellt man sich die Frage, welche der beiden Darstellerinnen wohl die bessere Anwältin abliefert, würde die Entscheidung vermutlich nicht gerade leicht fallen. Insofern macht „Boy Missing“ also alles richtig: Die Kombination aus irreführender Handlung voller Wendungen und einer fantastischen Auswahl der Darsteller macht diesen Thriller zu einem Geheimtipp.

Fazit:
Nach seinem Überraschungs-Hit „The Body“ bleibt Drehbuchautor Oriol Paulo seinem besten Genre treu und liefert erneut die perfekte Vorlage für eine beeindruckende Mischung aus einer raffinierten Story voller Wendungen und äußerst starken Darstellern ab. Das macht den spanischen Thriller zu einem Geheimtipp, der den Zuschauer geschickt an der Nase herum führt.

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