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Bob, der Streuner


Bob, der Streuner

Land/Jahr:
GB 2016
Genre:
Drama
Regie:
Roger Spottiswoode
Darsteller:
Joanne Froggatt
Anthony Head
Luke Treadaway
Ruta Gedmintas
FSK:
ab 12 Jahren
Dauer:
103 Minuten
Kaufstart:
18. Mai 2017
Label:
Concorde



James hat wirklich kein einfaches Leben hinter sich. Nachdem er den Kontakt zu seinen Eltern bereits vor geraumer Zeit abgebrochen hat, lebt er seitdem auf der Straße und versucht, mit Straßenmusik irgendwie über die Runden zu kommen. Stets mit dabei: Seine Gitarre, die ihm bisher noch nicht allzu viel Glück brachte. Leichter wird sein Leben aber auch nicht dadurch, dass James ein Junkie ist und schon mehrfach am Methadonprogramm gescheitert ist, mit dem er eigentlich von den Drogen wegkommen sollte. Nur durch die Tatsache, dass seine Betreuerin sich noch immer um ihn sorgt, schafft er es überhaupt, wieder in eigene vier Wände zu kommen. Und genau da soll sich sein Leben drastisch verändern, als plötzlich der streunende Kater Bob in seiner Wohnung auftaucht. Der nämlich weicht ihm nicht mehr von der Seite und zieht auch beim Musizieren auf der Straße plötzlich die Menschenmenge an. Für James beginnt damit ein schwieriger Weg in ein neues Leben…

Kritik:
Tiere sind die besten Freunde des Menschen, heißt es nur allzu oft. Dass sie aber gerade in schwierigen Lebenslagen einem Menschen helfen können, ist längst kein Geheimnis mehr. Auch „Bob, der Streuner“ erzählt von einer solchen Geschichte.

Wer ist der Streuner?
Dabei steht die Story rund um den Kater gar nicht so sehr im Vordergrund, wie man zunächst meinen könnte. Sowohl die Hauptfigur, als auch der tierische Begleiter haben nämlich eine große Gemeinsamkeit: Beide haben sie bisher auf der Straße gelebt und sind nur schwierig über die Runden gekommen. In den ersten Minuten des Films ist man sich dabei auch gar nicht so sicher, bei wem der beiden es sich nun eigentlich um den Streuner handelt: Der junge ungepflegte Mann, der sich Geld für Drogen zusammensucht und die Mülltonnen nach Essen durchwühlt oder der Kater, der mit wesentlich gepflegterem Erscheinungsbild durch den Park streift und Jagd nach freilaufenden Ratten macht? Damit ist „Bob, der Streuner“ also eigentlich ein Drama über Obdachlosigkeit und Drogenabhängigkeit und weniger eine fröhliche Tierkomödie, die man womöglich erwartet hätte.

Tierliebe und Menschenhass
Man könnte den Film allerdings auch als eine Art von Sozialstudie betrachten, die ihre Message eher zwischen den Zeilen weitergibt. Man beobachtet schließlich auch in der Realität mitunter, dass ausufernde Tierliebe zugleich auch mit einem unterschwelligen Menschenhass einhergeht und – zumindest indirekt – spricht „Bob, der Streuner“ diese Thematik auch tatsächlich an. Obwohl das Drama eigentlich davon handeln möchte, dass eine Katze dem obdachlosen Junkie zu einem neuen Leben und neuem Mut verholfen hat, bietet der Streifen bei genauerem Hinsehen aber auch genügend Diskussionsstoff: Liegt es nicht doch eher an der Tatsache, dass sich die Gesellschaft mehr für Tiere interessiert, als für ihre Mitmenschen? Wenn James beim Musizieren von seiner Katze begleitet wird und die Menschen in Scharen erscheinen, obwohl sie ihn als einfachen Obdachlosen ohne Katze nie beachtet haben, darf man sich diese Frage sicherlich stellen. „Bob, der Streuner“ erreicht damit ganz ohne Zeigefingerpädagogik eine Tiefgründigkeit, die dem ein oder anderen Zuschauer womöglich nicht einmal auffällt, wenn er nicht darauf aufmerksam gemacht wird. In diesen Details steckt unterm Strich aber auch die Qualität des Films.

Stars mal ungepflegt
Ganz abgesehen natürlich von der Tatsache, dass auch die Darsteller so einiges zur Qualität des Films beitragen. Da sei vor allem der Hauptdarsteller Luke Treadaway erwähnt, der mit seinen schulterlangen fettigen Haaren und seinem ungepflegten Dreitagebart einen wirklich glaubwürdigen Obdachlosen und Junkie abliefert, dem man seine Rolle zu jeder Zeit abkauft. Schaut man sich einmal Bilder vom realen James an, scheint er ihm geradezu aus dem Gesicht geschnitten. Zugleich gibt er neben Ruta Gedmintas als ebenso überzeugende Veganerin und Tierschutzaktivistin Betty nicht nur einen eigensinnigen, charismatischen Kerl ab, sondern harmoniert auch noch mit seiner Kollegin hervorragend. Denn wenn die Katze einmal nicht so sehr im Mittelpunkt steht, sind es vor allem diese beiden Darsteller, die „Bob, der Streuner“ über seine gesamte Laufzeit hinweg tragen und dabei zu keiner Zeit einem typischen Stereotypen entsprechen mögen.

Fazit:
Ein liebenswertes Drama über Drogenabhängigkeit und Obdachlosigkeit, das von einer süßen Katze noch ein klein wenig aufgewertet wird.

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