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Ben Hur


Ben Hur

Land/Jahr:
USA 2016
Genre:
Action-Abenteuer
Regie:
Timur Bekmambetov
Darsteller:
Jack Huston
Toby Kebbell
Nazanin Boniadi
Morgan Freeman
Sophia Black D'Elia
Ayelet Zurer
FSK:
ab 12 Jahren
Dauer:
123 Minuten
Kaufstart:
12. Januar 2017
Label:
Universal Pictures



Die wohlhabende adelige Familie von Judah Ben-Hur nahm einst einen hilflosen römischen Waisenjungen bei sich auf. Messala wurde danach schon bald zu einem festen Teil der Familie, den Judah als seinen Bruder betrachtete. Doch eines Tages, durch das Gefühl als Römer niemals ein anerkanntes Familienmitglieder für seine Ziehmutter sein zu können, wechselte er prompt die Seiten und tauchte mit der Besetzung Jerusalems durch die Römer erstmals unter feindlicher Uniform wieder auf. Bis dahin allerdings hatte sich einiges geändert: Aus den einstigen besten Freunden und Brüdern werden schon bald erbitterte Feinde, als sich Messala gezwungen sieht, sich gegen seine eigene Familie zu stellen, die ihn einst so liebevoll aufnahm. Judah erst einmal in die Sklaverei geschickt und dessen Familie zum Tode verdammt, soll die Freundschaft für immer ein Ende gefunden zu haben. Doch Judah überlebt – und schwört Jahre später blutige Rache…

Kritik:
Da hat sich Regisseur Timur Bekmambetow auf eine schwierige Produktion eingelassen: Mehr als fünfzig Jahre nach dem Original, das einst mit zahlreichen Oscars ausgezeichnet wurde, wagt er sich an ein Remake des klassischen Historienabenteuers um den Juden Ben-Hur. Nur wenige haben dem neuen Streifen zugetraut, an die alten Erfolge anzuknüpfen – doch konnte uns „Ben-Hur“ eines Besseren belehren?

Brüder – Feinde
Eines jedenfalls hat sich bei der Story bisher nicht geändert: Auch im Remake aus dem vergangenen Jahr geht es im Kern noch immer um die intensive Geschichte zweier Geschwister, die sich schon bald verfeinden. Und da orientiert man sich insgesamt stark am Original, wenn etwa Judah bei seiner Familie bleibt und schon bald seine hübsche Freundin heiratet und der römische Waisenjunge Messala prompt zum Militär überläuft und dabei eine enorme charakterliche Veränderung durchmacht. Über die gesamte Laufzeit von etwa zwei Stunden zieht sich dabei die Kerngeschichte um eine ganz besondere Feindschaft, die beide Protagonisten häufig in Zwiespalt bringt. Einerseits Judah, der sich zwischen der vermeintlichen Freundschaft und den Freiheitskämpfern Jerusalems hin und hergerissen fühlt und andererseits Messala, der sich zwischen seiner einstigen Familie und den Vorgesetzten beim Militär entscheiden muss.

Game of Jerusalem
Anders als die Story hat sich die Optik des Remakes allerdings schon deutlich geändert. Das liegt nicht zuletzt vor allem an den mittlerweile besseren technischen Möglichkeiten, sondern auch an der Inspiration bei einigen anderen Formaten. So werden wir optisch hinsichtlich vieler Charaktere und mitunter auch Kostüme sogar ein wenig an die allseits beliebte Fantasyserie „Game of Thrones“ erinnert. Das kommt nicht nur daher, dass man scheinbar sogar Frisuren stellenweise dort abgeschaut hat, sondern auch bei den Kulissen manchmal eine kleine Ähnlichkeit erkennen lässt. Kaum verwunderlich, haben es die Macher schließlich viel einfacher: Was damals noch Unmengen an Geld verschlungen hat, wird heute eben häufig einfach am Computer herbeigezaubert. Allerdings kann man Entwarnung für all jene geben, die nach dem Trailer etwas zu viel CGI befürchtet hatten: Insgesamt hält sich der Streifen doch mehr damit zurück, als zunächst angenommen. Lediglich beim legendären Wagenrennen zum Schluss des Films werden Animationen – etwa bei den Pferden – leider allzu deutlich. Bis dahin darf man die beeindruckende Darstellung von Jerusalem oder die Schlachten auf dem Meer mehr als nur genießen, denn sie sind wahrlich eine Augenweide.

Die römische Bedrohung
Besonders eindrucksvoll wurde bei diesem opulenten Streifen, der vor allem mit seinen Kostümen punktet, allerdings die Bedrohung durch die Römer dargestellt. Da wundert man sich doch in vielen anderen Genrefilmen so manches Mal, wie denn Fußtruppen mit Schwertern tatsächlich eine solche Gefahr darstellen können, wenn man sie mit heutigen militärischen Möglichkeiten vergleicht und ist doch schlicht überwältigt von der Umsetzung in „Ben-Hur“. Denn wenn hier eine schier übermächtige Legion in Jerusalem einmarschiert und die wehrlosen Bürger der Stadt unterdrückt, wird erst so richtig intensiv deutlich, welch Bedrohung die Unterdrückung durch eine solche Streitmacht tatsächlich bedeutet. Da reicht schon allein die Präsenz der Truppen aus, um Spannung zu erzeugen und man braucht gar keine blutigen Szenen mehr. Die gibt es allerdings dennoch, vor allem bei den zahlreichen Kampfszenen, die nicht nur zwischen den Brüdern auftreten.

Religiöser Zeitgeist
Für einen Gegenpol zu dem vielen Blutvergießen in „Ben-Hur“ sorgt übrigens ganz klassisch der christliche Prophet Jesus von Nazareth. Wie bereits das Original, spielt schließlich auch das Remake im ersten Jahrhundert nach Christi und bringt damit auch Jesus in einer nicht ganz unwichtigen Rolle in den Film ein. Von seiner Verbreitung der Botschaft Gottes, bis hin zur Kreuzigung darf da natürlich keine Szene fehlen. Und dennoch hat sich ein bisschen was verändert, was vermutlich auch dem heutigen Zeitgeist geschuldet ist. Denn die tatsächliche Bedeutung von Jesus für den Film wurde deutlich zurückgefahren. Man bekommt sogar häufig den Eindruck, seine Anwesenheit wäre praktisch überflüssig, da sie nur wenig zur eigentlichen Story beiträgt. Vielleicht wäre es in der heutigen Zeit also tatsächlich besser gewesen, diesen religiösen Touch der Geschichte komplett zu entfernen. Immerhin hat man auch auf anfängliche Szenen, wie etwa die Geburt Jesu – anders als im Original – komplett verzichtet. Ein wirklich religiöser Film, wie es der Vorgänger zumindest ansatzweise noch war, möchte der neue „Ben-Hur“ jedenfalls nicht mehr sein.

Fazit:
Obwohl der gelegentliche Einsatz von CGI im Vergleich zum Original manchmal etwas störend erscheinen mag, punktet der neue „Ben-Hur“ trotzdem mit einer enormen Spannung, seiner intensiven Geschichte über zwei verfeindete Brüder und mit der überaus opulenten Ausstattung der Kostüme und Kulissen. Dabei mag es zwar schwer sein, in die äußerst tiefen Fußstapfen des Klassikers zu treten, aber dem Genrestreifen gelingt es dennoch überraschend gut zu unterhalten.

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