Apocalypse Now: Final Cut - Kritik – Virtual DVD Magazine
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    Apocalypse Now: Final Cut

    Apocalypse Now: Final Cut


    Land/Jahr:
    USA 1979
    Genre:
    Kriegsfilm
    Regie:
    Francis Ford Coppola
    Darsteller:
    Marlon Brando
    Robert Duvall
    Martin Sheen
    Dennis Hopper
    Laurence Fishburne
    Harrison Ford
    FSK:
    ab 16 Jahren
    Dauer:
    182 Minuten
    Kaufstart:
    24. Oktober 2019
    Label:
    Studiocanal

    Der Militärpolizist Captain Willard ist gerade erst aus dem aktiven Kriegsdienst zurückgekehrt, wo er so manche Dinge gesehen hat, die er am liebsten wieder vergessen würde. Er weiß nur zu gut, welche psychischen Auswirkungen ein Kriegseinsatz haben kann und ist deshalb offenbar die erste Wahl bei seiner neuesten Mission: Er wird noch einmal in das Kriegsgebiet des Vietnam geschickt und soll dort den verrückt gewordenen Colonel Kurtz ermorden, der sich mit Einheimischen im Dschungel verschanzt hat und auf keinerlei militärischen Befehle mehr hört. Doch Willard zweifelt nicht nur, sein Missionsziel tatsächlich ausführen zu können, sondern ahnt auch noch gar nicht, wie viele weitere Soldaten im Dschungel von Vietnam offenbar ihren Verstand verloren haben, während er selbst mit seiner eigenen Psyche zu kämpfen hat…

    Kritik:
    Der Klassiker von Regisseur Francis Ford Coppola gilt als einer der wichtigsten Filme aller Zeiten und brachte nicht nur legendäre Szenen hervor, sondern hatte auch Filmzitate zu bieten, die bis heute in den Köpfen der Fans verweilen. Nach einer damals zum Missfallen des Regisseurs veröffentlichten deutlich gekürzten Kinofassung und einer extrem langen Redux-Version am Anfang des Jahrtausends, soll das 40-jährige Jubiläum des Films nun endlich mit der Fassung gefeiert werden, die der Regisseur selbst vorgesehen hat: Der Final Cut reiht sich mit einer Länge von knapp drei Stunden genau zwischen den anderen beiden Versionen ein und ist lediglich um jene Szenen gekürzt, die Coppola für überflüssig hielt. Doch funktioniert dieser Klassiker auch in der heutigen Zeit noch?

    Gedanken des Krieges
    Obwohl im typischen optischen Gewand eines actionreichen Kriegsfilms wird bereits in den ersten Minuten klar, dass sich „Apocalypse Now“ deutlich von anderen Streifen des Genres unterscheidet und warum er wohl genau deshalb zu einem solchen Kultfilm wurde. Immerhin möchte der Film von Coppola doch mehr Antikriegsfilm sein und dem Publikum den Wahnsinn des Vietnam-Krieges vor Augen führen. Deswegen geht Coppola in seinem Film tief in die Psyche seiner Figuren, die er von Beginn an in den Mittelpunkt seiner Handlung stellt. Schon die Bindung zur Hauptfigur Captain Willard, gespielt von Martin Sheen wird nicht etwa durch emotionale Actionszenen aufgebaut, sondern durch einen Blick in seine innersten Gedanken. Aus dem Off lässt er seinen Gemütszuständen freien Lauf und erzählt uns, wieso er den Krieg eigentlich nur hinter sich lassen möchte. Damit war „Apocalypse Now“ schon damals seiner Zeit voraus: Ganz und gar nicht patriotisch und heldenhaft handelt dieser Kriegsfilm von kaputten Veteranen, die durch ihre Erlebnisse kaum mehr in der Lage sind, klar zu denken.

    Krieg aus niederen Motiven
    Auch bei seinem weiteren Handlungsverlauf, der oftmals fast einem Abenteuerfilm gleicht und mit der Fahrt über den Fluss einen gelungenen roten Faden bietet, gehen die Szenen unter die Haut und stellen den Krieg weiterhin in Frage. Da wird Captain Willard von seinen Vorgesetzten losgeschickt, um einen Colonel zu liquidieren und muss dabei mit Soldaten zusammenarbeiten, dessen Diensttauglichkeit er doch am liebsten ebenfalls in Frage stellen möchte. Ganze Dörfer werden – praktisch zum Spaß – einfach ausgerottet und die hier zustande kommenden Dialoge sind bis heute allen Filmfans bekannt. Ein militärischer Angriff auf ein einheimisches Dorf, einfach nur um den dortigen Strand zum Surfen für die eigenen Soldaten zu nutzen? Eine hervorragende und tiefgründige Parallele zu den niederen (oft wirtschaftlichen) Motiven, aus denen nicht selten Krieg geführt wird. Und Robert Duvall als Kilgore erfreut sich der Rolle seines Lebens. Seine Behauptung „Ich liebe den Geruch von Napalm am Morgen“, kurz nach der Ausrottung eines Dorfes, dürfte selbst jenen bekannt sein, die „Apocalypse Now“ noch nicht gesehen haben.

    Zwischen Ungläubigkeit und Entsetzen
    Martin Sheen hat es bei seiner Rolle unteressen vermeintlich einfach: Seine Hauptaufgabe besteht darin, ziemlich ungläubig dreinzuschauen – ähnlich wie wohl das Publikum, während es auf den Bildschirm starrt. Er schwankt immer zwischen Fassungslosigkeit, posttraumatischen Belastungsstörungen und Entsetzen hin und her und baut damit den notwendigen emotionalen Draht zum Zuschauer auf. Das ändert mitunter allerdings nichts daran, dass „Apocalypse Now“ trotzdem ein insgesamt etwas sperriger Film ist. Viel zu nonkonformistisch verhalten sich da manche Protagonisten, als dass der Streifen es leicht hätte, als Unterhaltungsfilm durchzugehen. Viel zu tiefgründig und bedeutungsschwanger ist die Handlung über die menschliche Psyche im Wahnsinn des Krieges, als dass „Apocalypse Now“ als leichte Kost wahrgenommen werden könnte. Und man kann auch heute, vierzig Jahre nach der Erstaufführung des Films nicht oft genug sagen, dass Coppola seiner Zeit mehr als voraus war, vor allem wenn wir die heutigen Stellvertreterkriege um Wirtschaftsinteressen betrachten, deren Motive kaum wahnsinniger waren, als jene von Kilgrove, als er einen Strand zum Surfen erobern wollte.

    Visueller Perfektionismus
    Erstaunlich ist dabei, mit welcher Dichte es Coppola gelang, beeindruckende Szenen aneinanderzureihen. Kennern werden dabei auf den ersten Blick die Helikopter im Anflug auf ein vietnamesisches Dorf einfallen oder ein mit Kriegsbemalung versehener Martin Sheen, wie er mit dem Kopf aus dem Wasser lauert. Dazwischen sind die zahlreichen Szenen aber nicht weniger intensiv, denn die Kameraarbeit von „Apocalypse Now“ könnte man wohl als perfektionistisch bezeichnen. Immer das richtige Timing und die richtige Geschwindigkeit trifft Coppola praktisch bei jeder der gezeigten Auseinandersetzungen. Da kann es auch recht intensiv werden, wenn Einheimische plötzlich mit lächerlichen Pfeilen und Speeren die amerikanischen Soldaten auf dem Fluss unter Dauerbeschuss setzen. Hier kommt auch der Abenteuerfilmaspekt am meisten zum Vorschein, aber vor allem entfaltet „Apocalypse Now“ in dieser wunderschönen Dschungelkulisse seine wahren optischen Qualitäten. Bei den Kulissen setzte Coppola alles daran, so sehr zu beeindrucken, wie nur irgendwie möglich.

    Kompromiss aus Inhalt und Länge
    Warum also hält Coppola trotzdem die mit 196 Minuten längste Fassung trotzdem nicht für die beste? Tatsächlich hatte „Apocalypse Now“ trotz seiner Genialität immer das Problem, dass beide Fassungen durchaus ihre Nachteile hatten: Die ursprüngliche Kinofassung wurde für den Mainstream gekürzt und muss deshalb vor allem auf inhaltlich relevante Szenen komplett verzichten, etwa die Begegnung mit den Franzosen – während die längere Redux-Version schlicht jedes Material in den Film packt, das irgendwie verfügbar war. Mit dem „Final Cut“ wollte Coppola nun schließlich seinen Kultfilm um irrelevante Inhalte kürzen, die die Redux-Version so langatmig und zäh machten, jedoch in der Kinofassung fehlende inhaltlich wertvolle Szenen behalten. So wurde die Handlung rund um die Franzosen etwa im Vergleich zur Redux-Version gekürzt, ist jedoch anders als in der Kinofassung grundsätzlich vorhanden und trägt Wichtiges zur Story bei. Man könnte also unter dem Strich sagen, dass der „Final Cut“ ein gelungener Kompromiss aus Inhalt und Laufzeit ist und damit wahrscheinlich die beste Fassung des Films.

    Fazit:
    Der kultige Antikriegsfilm von Coppola ist so legendär, dass seine Dialoge womöglich zu den am meisten verwendeten Filmzitaten aller Zeiten gehören. Vor allem aber mit seinem Fokus auf kriegsbedingte posttraumatische Belastungsstörungen und der Auseinandersetzung mit dem Wahnsinn militärischer Auseinandersetzungen war „Apocalypse Now“ seiner Zeit voraus und funktioniert auch noch nach 40 Jahren hervorragend. Auf Grund seiner weiterhin hohen Länge bleibt der Streifen aber auch im „Final Cut“ noch ein wenig sperrig, wenngleich die neue Fassung ein gelungener Kompromiss darstellt.

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