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Am Sonntag bist du tot


Am Sonntag bist du tot

Land/Jahr:
IRL / GB 2014
Genre:
Drama
Regie:
John Michael McDonagh
Darsteller:
Brendan Gleeson
Chris O'Dowd
Kelly Reilly
FSK:
ab 16 Jahren
Dauer:
101 Minuten
Kaufstart:
24. März 2015
Label:
Ascot Elite



Eigentlich ist James Lavelle ein sehr gutherziger und liebenswürdiger Priester, der keiner Seele je etwas zu leide tut. Für seine Gemeinde hat er stets ein offenes Ohr und er zeigt sich jederzeit einfühlsam für die Probleme seiner Mitmenschen. Dennoch hegen die Menschen in seiner irischen Kleinstadt offenbar einen Groll gegen den Mann, der die Kirche besser vertritt, als es jeder andere könnte. Eines Tages erhält er bei der Beichte eine Drohung, die sich ganz gezielt an ihn richtet. „Am Sonntag bist du tot“, sagt der Beichtende, gerade weil der Pfarrer offenbar ein so guter Mensch ist, der nichts falsch gemacht hat. Doch der Hass auf die Kirche, hervorgebracht durch die zahlreichen Missbrauchsskandale vor einigen Jahrzehnten reicht aus, um eine blutige Tat begehen zu wollen. Dumm nur, dass Pfarrer Lavelle sein Beichtgeheimnis überaus ernst nimmt und statt die Behörden zu alarmieren, lieber selbst auf die Suche nach dem vermeintlichen Täter geht… und zwar in einer Stadt, in der offenbar die Christen selbst die meisten Sünden begehen.

Kritik:
Missbrauchsskandale, die enorme Ansammlung von Vermögen und zahlreiche andere Dinge lasten der Kirche seit einigen Jahren an, wodurch sich zahlreiche Menschen vom Glauben abwenden. Doch wenn der scheinbar einzige gute und liebenswürdige Pfarrer des Landes mit dem Tode bedroht wird, steht die Welt ein ganz klein wenig auf dem Kopf.

Behutsam und souverän
Nein: „Am Sonntag bist du tot“ ist kein Actionfilm, eigentlich ist es überhaupt kein Film, der besonders viel Gewalt enthält. Obwohl der Titel durchaus auf einen Thriller schließen lassen würde und selbst die Story nicht gerade einen freundlichen Touch erhalten hat, so handelt es sich doch viel mehr um eine schwarze Komödie. Und zwar mit so schwarzem Humor, dass dem Zuschauer so manches Mal das Lachen im Halse stecken bleibt, während intelligenter Galgenhumor vor allem den mitdenkenden, kritischen Menschen begeistern wird. Doch eigentlich könnte man den irischen Streifen auch als Tragikomödie betrachten, immerhin hat die Geschichte doch einen überaus tragischen Anstrich. Die Stimmung ist stets gedrückt, ruhig und zugleich überaus problematisch. Brendan Gleeson ist schließlich ein Pfarrer, der den Glauben praktisch selbst verlieren müsste, bei all den Sünden, die um ihn herum existieren. Besonders seine eigenen Anhänger: Christen, die sich mit schwulen Prostituierten abgeben, ihre Frauen schlagen und Spaß dabei empfinden, Selbstmord begehen oder noch schlimmer vor dem tiefsten seelischen Abgrund zu stehen. Und dazwischen ein Mann, der fast schon einsam versucht gegen diesen Strom anzuschwimmen – genial und nachdenklich zugleich.

Humor bis zur Verzweiflung
Brendan Gleeson ist nämlich derjenige, der trotz all den schrecklichen Geschehnissen doch versucht, immer ruhig und gelassen zu bleiben, all die Probleme nicht an sich heranzulassen. Als Beichtpfarrer bekommt er selbst die tiefsten Abgründe der menschlichen Psyche mit, all die Schwierigkeiten seiner Gemeinde und dann wird er auch noch selbst bedroht. Erst brennt seine Kirche, dann wird sein Hund ermordet – und am Sonntag soll auch er selbst sterben. Es ist schon fast amüsant anzusehen, mit welcher Verzweiflung Brendan Gleeson versucht, seinen Hass und seine Wut bis aufs letzte mit schwarzem Galgenhumor zu unterdrücken und dabei spielt er seine Rolle wirklich umwerfend grandios. Eine gewisse Ironie bleibt bei all dem letztendlich auch nicht aus, denn wenn zwischen der tieftragischen Atmosphäre dann trotzdem noch so ein bissiger Humor auftaucht, stellt das schon ein Kontrast zur gesamten Szene dar, dass es dem Zuschauer häufig schwer fällt, wirklich über den Witz in diesem Film zu lachen. Und doch bleibt eine Erheiterung über die Ereignisse vorhanden. Intelligenter Humor eben, der nicht mit dem Hammer daher kommt, sondern ganz tief im grausamen Alltag der Verzweiflung versteckt wird.

Ein Fest für Kirchenkritiker
Und dabei kommt die Kirche, trotz eines liebenswerten Pfarrers als Hauptfigur, nicht immer sehr positiv weg. Die Missbrauchsskandale, die Geldgier und all die Heuchelei, welche vor allem Atheisten und Humanisten doch immer wieder kritisieren, ist hier allgegenwärtig – naja, eigentlich gar Grund für die Tragik in diesem Film. Regisseur John Michael McDonagh schafft es, all den Sündern und Bösewichten in diesem Film, doch letztendlich Recht zu geben, ein Motiv und einen Grund. Es sind die „Geschöpfte Gottes“, die die Kirche selbst gesät hat und dessen Folgen sie nun auf Grund all der Skandale heute ernten muss. Und dabei bleibt „Am Sonntag bist du tot“ aber nicht schwarz weiß: Auch die Atheisten haben Probleme, nehmen Drogen, betreiben Promiskuität – aber eben nicht mehr oder weniger, als es die ach so gute Kirche auch tut. Dadurch ist ein distanzierter Film entstanden, der durchaus differenzieren kann und es fertig bringt, Kritik und Lob gleichermaßen für dieselben Protagonisten auszusprechen. Man könnte auch sagen: Diese schwarze Komödie ist erfrischend anders und wohltuend intelligent. „Am Sonntag bist du tot“ sollte in keiner Filmsammlung fehlen.

Fazit:
Du erntest was du säst: Mit einem liebenswürdigen Pfarrer und durch Galgenhumor präsentierter Kirchenkritik gelingt „Am Sonntag bist du tot“ ein intelligenter Spagat, der mit schwarzem Humor und gutem Differenzierungsvermögen einen Appell an den Humanismus hervorbringt. Eines der intelligentesten Dramen der letzten Jahre.

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