Abgerissen - Kritik – Virtual DVD Magazine
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    Abgerissen

    Abgerissen


    Land/Jahr:

    Genre:
    Thriller
    Regie:
    Tigran Sahakyan
    Darsteller:
    Irina Antonenko
    Denis Kossjakow
    Vladimir Gusev
    Andrey Nazimov
    FSK:
    ab 16 Jahren
    Dauer:
    85 Minuten
    Kaufstart:
    29. November 2019
    Label:
    Capelight

    Katja und ihre Freunde wollten in diesem Jahr einen unvergesslichen Silvesterabend verbringen. Gemeinsam soll es auf den Berggipfel eines beliebten Skigebiets gehen, auf dem sie gänzlich unter sich in das neue Jahr feiern können. Auf dem Weg dorthin geschehen allerdings bereits die ersten unangenehmen Zwischenfälle: Die Gondel bleibt auf halber Strecke in eisiger Höhe stehen und tagelang scheint es kein Weiterkommen zu geben. Während unter ihnen ein gefährlicher Abgrund lauert, spitzt sich die emotionale Situation zwischen den Freunden immer mehr zu – bis irgendwann jeder nur noch für sich ums nackte Überleben kämpft…

    Kritik:
    Aus Hollywood gab es derartige Ideen schon vor knapp 50 Jahren: Mit „Seilbahn in den Tod“ bekamen wir schon in den 1970er Jahren einen Katastrophenthriller zu sehen, der den spannenden Kampf um Leben und Tod in schwindelerregender Höhe zeigte. Und auch „Frozen – Eiskalter Abgrund“ erfand das Rad im Jahre 2010 nicht gerade neu. Vielleicht kann aber gerade eine russische Produktion, die sich des Genres annimmt, dabei noch überraschen?

    Nachwuchs mit Flüchtligkeitsfehlern
    Zumindest einen Vorteil hat die Herkunft des Filmes allemal: Bei den Machern und Darstellern von „Abgerissen“ handelt es sich allesamt um recht unverbrauchte Gesichter. Regisseur Tigran Sahakyan hatte zuvor lediglich einen Kurzfilm gedreht und schaffte sich mit dem ersten Langfilm eine gänzlich neue Herausforderung und auch die wenigen Darsteller haben sich in der Filmbranche noch keinen allzu großen Namen gemacht. Vermutlich liegt es gerade daran, dass „Abgerissen“ bereits in den ersten Minuten mit so manchem Flüchtligkeitsfehler negativ auffällt: Obwohl wir uns zunächst darüber freuen, dass Wackelaufnahmen mit der Handykamera sich in vertretbaren Grenzen halten, wundern wir uns doch immer wieder darüber, dass jene wenigen Handyaufnahmen im Breitbildformat gezeigt werden, obwohl die Protagonisten selbst offensichtlich ihr Gerät hochkant halten. Das sogenannte „Vertical Video Syndrome“ zu vermeiden, ist zwar lobenswert, darauf zu achten, dass die Darsteller ihr Smartphone aber tatsächlich auch waagerecht halten, wäre es umso mehr gewesen.

    Albern konstruierter Handlungsablauf
    Solche kleinen Logikfehler setzen sich dann im Laufe des Films immer weiter fort, denn viele der zusammenkonstruierten Ereignisse, die letztendlich in einer Katastrophe münden, sind nicht immer schlüssig. Ist man etwa schon einmal mit einer echten Seilbahn gefahren, so kommt schnell die Frage auf, wieso denn am anderen Ende der Route nicht auch ein Mitarbeiter sitzt, dem der Ausfall auffällt. Auch die Frage danach, wieso die Gondel auf ihrer Strecke nicht ein einziges Mal einer anderen Gondel begegnet, obwohl in Dialogen deutlich wird, dass weitere Gondeln existieren, ist mindest einer von vielen weiteren Logikfehlern, die dem aufmerksamen Zuschauer nach und nach auffallen. So wirkt dann auch der zugrundeliegende Ablauf der Katastrophe mit all seinen Unfällen, unvorhergesehenen Ereignissen und Wetterumschwüngen insgesamt zu konstruiert, um glaubwürdig zu erscheinen.

    Spannend – aber voller Genreklischees
    Gerade deshalb – und auch um den Streifen auf Spielfilmlänge zu strecken – ist „Abgerissen“ praktisch gezwungen, sich über weite Strecken voll und ganz auf die zwischenmenschliche Situation innerhalb der Gondel zu fokussieren. Filmkenner können dabei in etwa erahnen, was zwangsläufig passieren muss: Der Thriller macht aus seiner Handlung einmal mehr ein psychologisches Spiel, bei dem er auf Charaktere setzt, die so schlecht mit einer derartigen Stresssituation umgehen können, dass sie sich schon bald zwangsläufig in die Haare bekommen. Damit erfüllt „Abgerissen“ aber selbst als russische Produktion praktisch jedes Hollywood-Genreklischee, das uns spontan eingefallen wäre. Und auch die Darsteller mit einer noch recht kleinen Erfahrung vor der Kamera, zeigen sich dabei eher mit durchwachsenen Leistungen. Lediglich Irina Antonenko in der Hauptrolle als Katja konnte uns insgesamt überzeugen.

    Fazit:
    Der Katastrophenthriller in eisiger Höhe punktet zwar mit einem düsteren Setting und kühler Atmosphäre, scheitert aber an einem Mangel jeglicher Innovationen, unerfahrenen Darstellern und häufiger Logikfehler.

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