A Beautiful Day - Kritik – Virtual DVD Magazine
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    A Beautiful Day

    A Beautiful Day


    Land/Jahr:
    F / GB 2017
    Genre:
    Thriller
    Regie:
    Lynne Ramsay
    Darsteller:
    Joaquin Phoenix
    Ekaterina Samsonov
    FSK:
    ab 16 Jahren
    Dauer:
    90 Minuten
    Kaufstart:
    6. September 2018
    Label:
    Constantin Film

    Ex-Soldat und Ex-FBI-Agent Joe führt inzwischen ein beschauliches Leben bei seiner pflegebedürftigen Mutter. Seine Vergangenheit hat schon lange Spuren bei ihm hinterlassen, sowohl körperliche als auch psychische. Eigentlich keine guten Voraussetzungen, um seinen Lebensunterhalt noch immer damit zu verdienen, nach entführten Kindern zu suchen. Doch mit seiner hohen Erfahrung ist er dafür trotz all seiner Wunden offenbar der richtige Mann. Dieses Mal wird er vom New Yorker Senator beauftragt, seine kleine Tochter Nina zu befreien, die in einem Bordell als minderjährige Zwangsprostituierte festgehalten wird. Dumm nur, dass Joe damit plötzlich zwischen die Fronten eines politischen Komplotts gerät, bei dem er es mit deutlich überlegenen Feinden zu tun bekommt…

    Kritik:
    Einen Film über Kinderprostitution und psychisches Elend ausgerechnet „A Beautiful Day“ zu nennen, ist schon ziemlich zynisch. Für Joaquin Phoenix beginnt an diesem Tage nämlich alles andere, als ein schöner Tag. Vor allem in seinem Kopf.

    Am Abgrund der Psyche
    Obwohl der Streifen nämlich eigentlich eine vermeintlich spannende Story um Kindesentführung und Zwangsprostitution zu bieten hat, konzentriert sich „A Beautiful Day“ nämlich doch lieber auf seine Hauptfigur. Und die ist ziemlich speziell, denn was die Charakterdarstellung betrifft, wird Hauptdarsteller Joaquin Pheonix hier ganz schön gefordert. Pheonix muss nämlich einen psychisch stark angeschlagenen Mann darstellen, der seelisch längst am Ende ist. Komplett in sich gekehrt, immer wieder von schrecklichen Tagträumen und Traumata geplagt, gänzlich antriebslos und schon nahe am Selbstmord. Und das gelingt ihm hervorragend, denn selten hat man eine glaubwürdigere Darstellung einer schweren Depression gesehen, die es nahezu im Fünf-Minuten-Takt zu überwinden gilt, um den schwierigen Job überhaupt erledigen zu können.

    Ein Actionheld ohne Antrieb
    Wer hier angesichts der Story allerdings erwartet hat, einen rasanten und knallharten Actionthriller a la Liam Neeson geboten zu bekommen, dürfte ziemlich schnell enttäuscht werden. „A Beautiful Day“ ist nämlich das exakte Gegenteil davon und angesichts seiner Story überraschend – um nicht zu sagen erschreckend – langsam. Einen Großteil seiner Laufzeit verbringt er schließlich damit, einen Joaquin Pheonix zu zeigen, der aus einer Depression heraus Löcher in die Luft starrt und der immer wieder etwas zu lange in Tagträumen versinkt. Erinnerungen an die Ursachen seines Traumas gehören ebenso dazu, wie Gedanken vom eigenen Selbstmord oder Träumereien davon, doch ein gänzlich anderes Leben zu führen. Das allerdings führt dazu, dass „A Beautiful Day“ manchmal nur recht schleppend von der Stelle kommt und vermutlich jedem als besonders zäh erscheinen wird, der hier in irgendeiner Weise einen Actionfilm erwartet hat.

    Politik als Nebenschausplatz
    Und das geht teilweise so sehr ins Extreme, dass die tatsächlich Handlung um Kindesentführung leider komplett zu einer Nebensächlichkeit wird. Insgesamt könnte man die Handlung sogar als unvollständig betrachten, wenn man auf die Vorgehensweise der Hauptfigur eigentlich kaum eingeht. Denn: Auf die Suche machen muss sich Phoenix eigentlich nicht. Der Zielort und die ein oder andere Actionszene ist nur eine kleine Autofahrt entfernt – dazwischen gibt es einmal mehr Einblicke in den Kopf der Hauptfigur. Das Problem nur: Anders als etwa Liam Neeson in „96 Hours“, der ebenfalls ein Mädchen sucht, kann „A Beautiful Day“ auf diese Weise kaum Spannung erzeugen. Und das liegt vor allem auch daran, dass man eine Story mit enormem inhaltlichen Potential praktisch über Bord wirft. Dass es Phoenix schließlich mit zwei Politikern zu tun bekommt, die in einen Skandal geraten und allein das schon für einen Thriller reichen würde? Wen juckt das schon. Es ist ja schließlich viel wichtiger, einen Depressiven beim Herumstarren zuzuschauen. Nur hätte man dann auch einen Storyrahmen wählen sollen, der sich mit eben dieser Krankheit befasst, statt einen vermeintlichen Thriller anzureißen, der dann wegen Antriebslosigkeit seiner Hauptfigur zu keinem Zeitpunkt zur Sache kommt. Aber immerhin: Als „anders“ kann sich „A Beautiful Day“ damit sicherlich bezeichnen.

    Fazit:
    „A Beautiful Day“ konzentriert sich dermaßen auf die psychischen Abgründe seiner Hauptfigur, dass der Film seine eigentliche Handlung komplett aus den Augen verliert. Als psychologisches Drama kann man das zwar machen, doch bietet der Thriller dafür den komplett falschen Storyrahmen. Was bleibt ist hinsichtlich der Leistung von Joaquin Phoenix eine grandiose One-Man-Show, die gewaltig von üblichen Konventionen abweicht – dabei aber in allen anderen Bereichen nicht zwangsläufig überzeugt.

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