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    Die Jagd

    Die Jagd


    Land/Jahr:
    DK 2012
    Genre:
    Drama
    Regie:
    Thomas Vinterberg
    Darsteller:
    Mads Mikkelsen
    Thomas Bo Larsson
    Lars Ranthe
    FSK:
    ab 12 Jahren
    Dauer:
    115 Minuten
    Kaufstart:
    23. August 2013
    Label:
    Universum Film


    Der 40jährige Lukas ist ein stets fröhlicher Kindergärtner in seiner kleinen dänischen Gemeinde. Kurz nach der Scheidung von seiner Frau kämpft er um das Umgangsrecht für seinen Sohn, wird jedoch von allen Kindern immer gemocht. Sowohl sein Sohn Marcus, als auch die vielen kleinen Kinder im Kindergarten freuen sich regelmäßig ihn zu sehen. Kaum vorstellbar, dass er irgendeinem Kind jemals etwas antun könnte. Nachdem die junge Clara bei ihren Geschwistern jedoch ein paar Pornobilder aufschnappt, erfindet sie eine folgenschwere Geschichte. Lukas soll sein Geschlechtsteil vor dem Kind entblößt und sich an dem Mädchen vergangen haben. Dumm nur, dass aus einer kleinen Lüge schon bald eine hetzende Meute wird, die schlagartig gegen den unschuldigen Mann aus der Nachbarschaft wütet. Denn plötzlich hält das gesamte Dorf den Mann für einen Kinderschänder, der von nun an nicht einmal mehr im Supermarkt einkaufen kann…

    Kritik:
    Die Angst vor den bösen Kinderschändern, die sich an den jungen Mädchen vergreifen, wird in der gesamten Bevölkerung immer größer. Besonders in sozialen Medien verbreitet sich die Hysterie schlagartig, seitdem rechte Parteien damit Stimmung machen und die Berichterstattung in den Medien die Situation immer wieder aufbauscht. Nicht selten werden dabei unschuldige Menschen namentlich angeprangert. Die Folgen einer solchen Lüge macht uns „Die Jagd“ klar, allerdings in etwas greifbarerem Umfang.

    Die wütende Meute
    Das dänische Drama von Thomas Vinterberg braucht dafür jedenfalls keine neuen Medien im Internet. Schließlich klappt die Verbreitung von schwerwiegenden Lügen in kleinen Orten auch ganz ohne Online-Medien. Da reicht auch schon die Mundpropaganda in einer Gemeinde, in der sich praktisch jeder kennt. Erst einmal den Verdacht des Kindesmissbrauchs geäußert, halten plötzlich selbst die engsten Freunde jemanden für einen Schwerverbrecher. Der Gang auf die Straße wird zu einer qualvollen Mobbingauseinandersetzung, im Supermarkt schlägt selbst der Metzger einmal tatkräftig zu und im Beruf braucht man sich erst recht nicht mehr blicken lassen. Die Auswirkungen einer solchen Anprangerung, wenn sie auf einer kleinen erfundenen Geschichte eines Kindergartenkindes basiert versucht uns „Die Jagd“ näher zu bringen. Klar ist: Einem unschuldigen kleinen Kind glaubt ja schließlich jeder. Für Lukas, gespielt von Mads Mikkelsen keine leichte Aufgabe, aus dieser Situation wieder herauszukommen und seine Würde unter allen Umständen zu bewahren.

    Erschreckende Realität
    „Die Jagd“ schildert eine solche Situation überaus intensiv und glaubwürdig. Die Gefühle greifen dabei schnell auf den Zuschauer über, der die aussichtslose Lage des unschuldigen Lukas sehr gut nachvollziehen kann. Damit lassen Dramatik und Emotionen nicht lange auf sich warten und das Drama punktet vor allem mit einem Qualitätskriterium: Die Nähe zur Realität. Eine reale wütende Meute würde wohl mit ähnlicher Gruppendynamik und all seinen Mitläufern voller Hass und Brutalität gegen einen Menschen vorgehen, den sie für einen Kinderschänder halten. Realistisch auch die Tatsache, dass nicht die eigentlichen Betroffenen mit übertriebener Gewalt und Wut auf den vermeintlichen Täter losgeht, sondern die Masse, die ein neues Opfer ihrer Hetze für sich gefunden haben. Wahrlich bestialisch wäre die hetzende Menge – mehr noch, als ein echter Täter es je sein könnte. Denn die unkontrollierte Masse, die sich völlig ohne Nachzudenken und ohne Hinterfragen auf ein Opfer stürzt und ihm das Leben zerstört, geraten hier schnell in die Rolle der wahren Bösewichte – und das zu recht, wie auch im wahren Leben. Hat man da einmal die unzähligen perversen Gewaltphantasien mancher Facebook-Nutzer unter entsprechenden Beiträgen gelesen, kann man sich die Auswirkungen, die hier realistisch dargestellt werden, wohl recht schnell ausmalen. Damit ist „Die Jagd“ zu einem Meisterwerk dänischer Filmkunst geworden, das uns nicht mehr so schnell loslässt und hoffentlich so manchen Zuschauer zum Nachdenken anregt.

    Fazit:
    Ein Mann, unschuldig als Kinderschänder angeprangert und von purem Hass umgeben: Ein Meisterwerk, das voller Dramatik und Emotionen die realistischen Auswirkungen einer Kinderschänder-Lüge aufzeigt, umgeben vom Hass einer wütenden Meute aus Mitläufern. Ein Lehrstück für manchen Benutzer sozialer Medien.