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The Toten Crackhuren: Spaßig-feministischer Pop-Punk begeistert in Köln
Mesh in Oberhausen: Ausverkaufte neue Album-Tour nach 10 Jahren
IAMX in Köln: Dark Cabaret begeistert die junge schwarze Szene
Fiddler’s Green Acoustic: Auf ein “Fuck you” in die Christuskirche Bochum
The Toten Crackhuren…: Feministischer Pop-Punk zurück auf Tour
E-Tropolis Festival: Die elektronische schwarze Szene feierte in Oberhausen
Ratinger Hof: Feelgood McLouds mit Folk-Punk in Düsseldorf
Düsseldorf: Zeitreise in die 80er mit Thomas Anders

Archiv fürApril, 2026


22
Apr

The Toten Crackhuren: Spaßig-feministischer Pop-Punk begeistert in Köln

Es ist inzwischen 15 Jahre her, dass The Toten Crackhuren im Kofferraum, oftmals auch T.C.H.I.K. abgekürzt, größere Aufmerksamkeit erlangen konnten. Ihr damaliger Spaß-Hit “Ich und mein Pony” mauserte sich schnell zum Kult – sowohl bei Fans des Punk, als auch im Mainstream. Heute ist die größtenteils aus Frauen bestehende Band aber längst nicht von der Bildfläche verschwunden. Kurz nach der Veröffentlichung ihres jüngsten Albums “Love, Hate & Engelenergie” geht es damit auch gleich auf Tour. Um die neuen Songs vor mehreren hundert Besuchern zu präsentieren, bot sich das Gebäude 9 in Köln an, unweit der gleichzeitig stattfindenden Messe Fibo. Für den vierten Termin ihrer Tour brachten sie nicht nur frischen Sound, sondern auch ansehnliche Outfits mit.

The Toten Crackhuren im Kofferraum im Gebäude 9 Köln

Das mit der “Engelenergie” nehmen die drei Frauen an der Front natürlich Ernst: Mit weißen Kleidern samt Engelsflügeln sorgen sie schon beim ersten Song für einen Augenschmaus, der den ironischen Touch der Band gut unterstreicht. Ihre heutige Musik aber ist nicht mehr so ganz nur auf Spaß ausgelegt, wie in der Anfangszeit. Heute fügen sich T.C.H.I.K. doch verstärkt dem Genre des Punk ein, liefern vor allem auch deutlich politischere und ernsthaftere Songs. Links und feministisch, das versteht sich im Punk natürlich von selbst, auch dann, wenn es Pop-Punk ist. Und wenn man dann ein Bandmitglied im Taubenkostüm auf die Bühne holt, denn Tauben scheißen bekanntlich auf Nazis, dann sind die “Alerta, alerta, antifascista!”-Rufe auch nicht weit.

Politik macht natürlich auch Sinn, wenn die inhaltliche Ausrichtung klar feministisch ist: “Schöner Leben ohne Macker” haben sich die “Crackhuren” schließlich zum Lebensmotto gemacht und teilen dabei immer wieder gegen toxische Männlichkeit und Fehlverhalten des anderen Geschlechts aus. Mit einem Hauch Ironie könnte man da sicherlich eine gewisse Männerfeindlichkeit heraushören, doch selbst bei den männlichen Besuchern in den ersten Reihen, die es auf dem Konzert durchaus gab, wurde klar, dass man sich da nicht zwangsläufig angegriffen fühlen muss. “Mein Kink ist es, gut behandelt zu werden” und “niemand hat mir gesagt, dass der Mann in meinem Leben das gefährlichste sein würde”, macht schon sehr deutlich, worauf die drei Frauen hier hinaus wollen.

The Toten Crackhuren im Kofferraum im Gebäude 9 Köln

Aber bei aller Ernsthaftigkeit, so ganz ohne Spaß soll so ein Party-Konzert von The Toten Crackhuren im Kofferraum dann doch nicht sein. Da gehört nicht nur der alte Hit “Ich und mein Pony” ganz klar auf die reguläre Setlist, sondern auch Tracks wie “Nackt auf dem Balkon” oder “Mach dir keine Sorgen, mach dir Nudeln” sorgen schnell für Partystimmung in der Kölner Konzerthalle. Das macht dem Publikum so viel Spaß, dass sich hier auch mal eine Wall of Death – überwiegend aus Frauen – bildet. Selbst die zierlicheren Besucherinnen können sich da einmal sicher fühlen. So sicher, dass Sängerin Doreen K. Bieberface sich auch mal mitten in die Menge begibt.

Bis sie sich zum Abschluss vielleicht eine der genialsten Zugaben ausgedacht haben, die wir in Jahren der Konzertberichterstattung jemals gesehen haben. Erst wird die Tochter von Frontfrau Luise „Lulu“ Fuckface für eine Tanzeinlage auf die Bühne geholt, danach sogar noch ein gemeinsamer Song mit Support-Rapperin Finna performt. Und mit ihrem Abschlusssong “Punkrock hat mir mein Herz gebrochen” teilen sie gegen die eigene Szene aus, in der patriachale Strukturen längst nicht durchbrochen sind – und liefern auch ein versöhnliches “Punk ist das, was du daraus machst” mit, denn: Es geht eben auch mit Männern. “Punk ist für alle schön. Für Girlz und Boyz und in between”, lautet die Umarmung, mit der sich die Crackhuren nach einer feministischen Abriss-Party von der Bühne begeben.

The Toten Crackhuren im Kofferraum im Gebäude 9 Köln

Fotos: Rene Daners


22
Apr

Mesh in Oberhausen: Ausverkaufte neue Album-Tour nach 10 Jahren

Ihren großen Durchbruch hatten die Briten von Mesh, als sie im Jahre 2016 mit ihrem Album “Looking Skyward für Aufmerksamkeit innerhalb und außerhalb der schwarzen Szene sorgten. Genauso lange hat es aber auch gedauert, bis endlich wieder neue Musik in den Plattenregalen zu finden war: Erst im März 2026 veröffentlichten sie nach 10 Jahren ihr neuestes Album “The Truth Doesn’t Matter”. Das musste natürlich auch bei einer entsprechenden Tour gefeiert werden, dessen Auftakt sie am 2. April 2026 im Kulttempel Oberhausen feierten. Nach dieser Zeit konnten es die Fans kaum abwarten, die neue Musik auch endlich live zu hören: Das Konzert war kurzerhand ausverkauft und füllte die kultige Location auf gleich zwei Etagen. Wenig überraschend, denn in der Vergangenheit spielten sie sogar manchmal zwei Tage hintereinander im Kulttempel.

Mesh im Kulttempel Oberhausen

Mesh jedenfalls haben sich die Zeit genommen, um mit ihrer Musik auch in der heutigen Zeit relevant zu sein. Viele neue Songs widmen sich der politischen und gesellschaftlichen Lage in einer postfaktischen Zeit, in der Fake News und KI-Deep Fakes die sozialen Medien dominieren. Daher auch der Titel “The Truth doesn’t matter”. Damit ist der Sound von Mesh auch ruhiger und ernsthafter geworden. Manche Songs aus dem neuen Album sind keine wirklich tanzbaren Clubtitel mehr, sondern eher gesellschaftskritische Synthpop-Balladen, die zum Nachdenken anregen und etwas schwer im Magen liegen. Der perfekte Sound im Kulttempel, für den sich Mesh einige Stunden Zeit beim Soundcheck ließen, sorgte aber dafür, dass auch solch anspruchsvolle Titel auf dem Tourkonzert bestens funktionieren.

Natürlich nicht allen Fans mochte das Gefallen: Die älteren, tanzbareren und poppigeren Songs sind teilweise auch den neueren Titeln gewichen. Nicht wenige Besucher äußerten nach dem Auftritt, sie hätten doch gerne ein paar mehr Hits der früheren Alben gehört. Und dennoch: So mancher Lieblingssong wie “My Protector” oder “The Last One Standing”, also jene Hits aus dem erfolgreichen “Looking Skyward”-Album, durften auf der Setlist in Oberhausen natürlich nicht fehlen. Aber: Mit insgesamt 14 Live Debuts war der Tourauftakt auch das perfekte Konzert, um all die neuen Songs vom neuesten Album auch einmal live zu hören. Einen davon sogar im Duett mit Mari Kattmann, der Ehefrau von “Assemblage 23″-Sänger Tom Shear, die zu Beginn des Abends ihren Support-Auftritt gab. Wer das selbst noch (einmal) erleben möchte, hat am 1. Oktober 2026 noch einmal in Krefeld die Gelegenheit dazu.

Mesh im Kulttempel Oberhausen

Fotos: Rene Daners


22
Apr

IAMX in Köln: Dark Cabaret begeistert die junge schwarze Szene

In der Gothic-Szene gibt es große Befürchtungen, dass die Community immer älter wird und eines Tages aussterben wird. In den Clubs ist das Durchschnittsalter inzwischen sichtbar über 40 und es entsteht der Eindruck, der Nachwuchs der Szene würde ausbleiben. Und doch finden sich bei genauerem Hinsehen wiederum Konzerte, auf denen das Bild ein völlig anderes ist. In den ersten Reihen vor der Bühne finden sich bei IAMX überraschend doch einige junge, vor allem weibliche Goths Anfang 20. Die schmachten Sänger Chris Corner geradezu an und sorgen dafür, dass die Auftritte von IAMX vielleicht zu den wenigen Konzerten der schwarzen Szene gehören, auf denen kreischendes junges Publikum zu finden ist. Woran das liegt, konnten wir am 1. April 2026 in der Kantine Köln erleben.

Aux Animaux in Die Kantine Köln
IAMX-Gitarristin Gözde Düzer als Support mit Aux Animaux

Zunächst aber durfte erst einmal eine Frau auf die Bühne, die als Gitarristin seit einigen Jahren auch beim Haupt-Act IAMX am Start ist. Gözde Düzer aber möchte als Support natürlich auch ihre eigene Musik präsentieren. Dabei als gebürtige türkische Künstlerin in der Gothic-Szene auf der Bühne zu stehen, ist schon außergewöhnlich genug, kennt man sonst doch nur “She Past Away” mit derartiger Herkunft. Der beeindruckende SM-Look, den sie dann mit ihrem Projekt Aux animaux präsentiert überrascht dann umso mehr. Der Bandname heißt so viel wie “Für die Tiere” und ist an die Tierrechtsbewegung angelehnt, ihr Sound orientiert sich am Genre des Synthpop und während sie sich erotisch auf der Bühne räkelt, gibt’s dann auch noch ein Theremin dazu. Vielleicht ist das genau der Touch, den die schwarze Szene braucht, um junges Publikum anzulocken? Moderne, gesellschaftsbewusste Themen kombiniert mit experimentellem Sound und dem typischen Look der Szene. Bei Goths der Generation Z funktioniert genau das.

Und genau da setzt IAMX dann auch mit seinem Dark Cabaret an. Chris Corner widmet sich dabei ebenso jungen und modernen Themen für die junge Zielgruppe: Ein androgynes Erscheinungsbild, die Thematisierung von Gender Identity und der offensichtliche Safe Space für LGBTQ+ scheint es hier zu sein, der das Publikum in den 20ern anlockt. Chris Corner mutiert dabei fast ein wenig zu einem Yungblud der Gothic-Szene. Feministisch, woke, ein Bewusstsein für soziale und gesellschaftliche Gerechtigkeit – und dabei trotzdem das Spiel mit der Sexualisierung der eigenen Person, die doch ein wenig “Rockstar-Attitüde” auf die Bühne bringt. Genauso wie Yungblud gelingt es IAMX den Style des Rock’n’Roll mit Gender Awareness und einem Hauch Experimente zu kombinieren. Und diese Moderne ist für eine Szene vielleicht notwendig, die sonst vor allem Bands der 80er Jahre feiert. Obwohl das Konzert in Köln nicht ausverkauft war, gehört IAMX doch zu den aufsteigenden und wichtigsten jungen Acts der Szene.

IAMX in Die Kantine Köln
Androgyn, modern, experimentell: Chris Corner mit IAMX

Fotos: Rene Daners


13
Apr

Fiddler’s Green Acoustic: Auf ein “Fuck you” in die Christuskirche Bochum

Am Wochenende geht man in die Kirche, heißt es. Doch nicht in jeder Kirche finden tatsächlich religiöse Zeremonien statt. Die Christuskirche Bochum ist viel mehr eine Kulturkirche, in der regelmäßig Konzerte stattfinden – und die müssen nicht zwangsläufig christlicher Natur sein. So auch nicht bei der Speedfolk-Band Fiddler’s Green, die am 11. und 12. April 2026 gleich zwei Tage hintereinander zu einem ganz besonderen Konzert einlud. Zusätzlich zur regulären Tour gibt es nämlich auch den Acoustic Pub Crawl, bei dem sie vollständig auf elektronische Instrumente verzichten. Speedfolk also so gespielt, wie in den Anfangszeiten der Band. Für die gemütliche Pub-Atmosphäre sorgte ein Foto-Hintergrund, sowie diverse Straßenlaternen und Glühbirnen, durch die der Eindruck entstand, die Band sitze direkt vor einem traditionellen Irish Pub.

Fiddlers Green - Acoustic Pub Crawl
Sänger Ralf Albers ist die Stimme der Band

Und so saß die 6-köpfige Band nach dem Support-Auftritt von Redwood also auf ihren Barhockern, als würden sie ein lockeres Pub-Konzert spielen. Für einen echten Pub ist der Andrang, der am Samstag für eine ausverkaufte Christuskirche sorgte, natürlich viel zu groß. Solch akustisch besondere Locations sollen jedoch zumindest einen würdigen Ersatz für einen echten Pub bieten – und die Fans sind schließlich doch näher an ihrer Band, als in den großen Hallen. Gestanden wurde trotz der Kirchenbänke aber trotzdem: Beim Speedfolk, dem deutlich flotter gespielten Irish Folk wirklich zu sitzen, statt stehend zu feiern, fühlte sich für die meisten Konzertbesucher dann doch etwas merkwürdig an, sodass das Publikum schnell bis in die letzten Reihen aufstand.

Ein Moshpit in der Kirche, wie es ihn sonst auch mal auf Konzerten von Fiddler’s Green gibt, wäre zwar lustig gewesen, dafür reicht der Platz zwischen den Bänken dann aber doch nicht aus. Das trotz akustischer Instrumente hohe Tempo hätte das aber durchaus hergegeben. Immerhin hat die Band auch einiges an abwechslungsreichen Instrumenten aufgefahren, um auf der Bühne gewaltig Gas zu geben. Vom Banjo bis zur Akustikgitarre, von der Geige bis zur Mandoline und vom Steh-Schlagzeug bis zum Waschbrett – beim Acoustic Pub Crawl bewies die Band um Sänger Ralf Albers, dass wir es hier mit echten Multi-Instrumentalisten zu tun haben. Und: Sogar die Barhocker selbst lassen sich auch mal als Instrument verwenden.

Fiddlers Green - Acoustic Pub Crawl
Auch die Barhocker werden zu Instrumenten

Für langjährige Fans gab es dann auch eine kleine Überraschung: Beim Song “John Kanaka”, den sie früher auf dem MPS mit Plastikbechern(!) gespielt haben, hämmern sie nun auf die Barhocker ein. Die berühmte Bechernummer gab es stattdessen beim nachfolgenden Song – für ein bisschen Abwechslung sind die Jungs schließlich immer zu haben. Nur so ganz einig darüber, wie christlich sie wirklich sein wollen, sind sie sich dann doch nicht: Beim Song “No More Pawn” geht es schließlich um die Erleuchtung aus dem Himmel, auch wenn einige im Publikum den Titel vermutlich mit “No More Porn” missverstehen. Wenn dann bei “Bugger Off” allerdings das Publikum aufgefordert wird, mitten in der Kirche den Mittelfinger nach oben zu strecken und “Fuck You” durch den Saal zu rufen, ist das nicht unbedingt der Schlachtruf, den man in einer evangelischen Kirche erwarten würde. Aber: Fiddler’s Green bringen’s trotzdem – und werden dafür jubelnd gefeiert. Ein Kirchenkonzert kann eben auch locker sein.

Fotos: Rene Daners


13
Apr

The Toten Crackhuren…: Feministischer Pop-Punk zurück auf Tour

Aller Anfang war einst schwer: Die Pop-Punk-Band mit dem etwas sperrigen Namen The Toten Crackhuren im Kofferraum, der wegen seiner Länge kaum in unsere Headline passt, hatte es in ihren Anfangsjahren nicht leicht, sich in der Szene zu etablieren. Als Support von K.I.Z. sollen sie einst sogar von den Fans ausgebuht und bespuckt worden sein. 2010 wurde dann alles anders: Ihr großer Hit “Ich und mein Pony” ist ein Song, an den sich heute noch jeder erinnert, sobald er irgendwo gespielt wird. Obwohl es zeitweise ein bisschen ruhiger um die Band wurde, sind sie längst nicht weg: Gerade erst mit dem neuen Album “Love, Hate & Engelenergie” am Start, geht es damit auch gleich auf “Forever”-Tour. Neben zahlreichen Locations in ganz Deutschland spielt die Band dabei auch am 17. April 2026 im Gebäude 9 in Köln-Deutz.

Am Sound der Female Only-Band hat sich seitdem nicht viel geändert. The Toten Crackhuren im Kofferraum liefern immer noch frechen Pop-Punk mit einem Hauch Electropop. Texte mit humoristisch-feministischer Haltung, eine angemessene Portion Provokation und der typischen Berliner Schnauze, die inzwischen seit über 20 Jahren dazu gehört. Und was sie von Leuten halten, die sie einst ausgebuht haben, werden sie mit “Halt dein Maul” vom neuesten Album sicher deutlich zum Ausdruck bringen. Und wer weiß: Vielleicht bringen sie sogar Niko Zeidler mit, der für ihre aktuelle Single “Kink” ein eindrucksvolles Saxophonsolo eingespielt hat. Herausfinden kann man das für günstige rund 32,50 Euro in Köln und vielen anderen Städten. Tickets bei Eventim und den üblichen Vorverkaufsstellen.

Alle weiteren Termine der aktuellen Tour:

14.04. Frankfurt am Main, Das Bett
15.04. München, Backstage
16.04. Freiburg, ArTik
17.04. Köln, Gebäude 9
18.04. Bremen, Tower
20.04. Leipzig, Werk2
21.04. Nürnberg, Z-Bau
22.04. AT – Wien, Flex
24.04. Dresden, MusicMatch Festival / Chemiefabrik
25.04. Hamburg, Übel & Gefährlich
02.05. Berlin, Festsaal Kreuzberg

The Toten Crackhuren im Kofferraum
Foto: Peter van Heesen


08
Apr

E-Tropolis Festival: Die elektronische schwarze Szene feierte in Oberhausen

Einmal im Jahr versammeln sich die Anhänger der schwarzen Szene zu einem ganz besonderen Festival-Auftakt. Das E-Tropolis Festival in der Turbinenhalle Oberhausen widmet sich voll und ganz der elektronischen Seite des Gothic und lässt die Fans zu hartem Aggrotech, traditionellem EBM und melodischem Synthpop das Tanzbein schwingen. Am 28. März 2026 war es wieder soweit und das Event lockte mehr als 4000 schwarze Gestalten nach Oberhausen. Darunter auch zahlreiche Cybergoths mit neonfarbenen Kunststoffhaarteilen und viele Gruftis in aufwändigen Gewandungen.

Faderhead beim E-Tropolis Festival 2026
Faderhead heitzte in Begleitung von X-RX die Menge ein

Und wer selbst noch nicht die passende Kleidung zur Wahl hatte, konnte das in der dritten Halle voller Händler und Gastronomie ändern, denn einige Stände lockten mit neuen schwarzen Outfits. Während sich dort auch der perfekte Rückzugsort bei Met und Burger fand, konnten viele Besucher es kaum erwarten, dass in der Mittagszeit endlich der Opener in der Main Stage das Festival eröffnete. Immerhin gab es da Oldschool EBM von Zweite Jugend auf die Ohren, die mit der Sängerin von Aktion: Fiasko sogar bemerkenswerte Verstärkung mitgebracht hatten.

Auf so manch andere Größe der Szene hatten die Fans es aber noch viel mehr abgesehen. Die große Main Stage in Halle 1 bot hier natürlich reichlich Highlights, zu denen auch Welle: Erdball mit ihrem zeitlosen Elektropop, produziert auf dem Commodore C64, gehörte. Auch Bands wie Faderhead und Combichrist sollten sich hier natürlich großer Beliebtheit erfreuen, zumal letztere auch wieder viele ältere elektronische Songs spielten.

Project Pitchfork beim E-Tropolis Festival 2026
Headliner Project Pitchfork begeistert noch heute mit Hits wie “Timekiller”

Unterdessen kamen in der zweiten, kleineren Halle vor allem Fans der härteren Gangart auf ihre Kosten, denn hier reihte sich eine Aggrotech-Band an die andere. Sowohl SynthAttack gleich zu Beginn des Nachmittags, als auch Noisuf-X lockten schnell die Fans des harten Electro an. Und spätestens bei Kite wunderten sich doch so einige, warum die nicht längst auf der Main Stage stehen dürfen.

Als großer Headliner zum Abschluss des Tages dann aber auch noch eine Band, die sich in das Electro-Umfeld nicht so ganz einfügen wollten. Project Pitchfork gehört zwar zu den größten und wichtigsten Bands der Szene, sind mit ihren drei Schlagzeugen und dem eher rockigen Sound dann doch eher dem Gothic Rock und Dark Wave zuzuordnen. Die zufriedenen Gruftis sollte das aber nicht davon abhalten, große Hits wie “Timekiller” trotzdem zu feiern. Umso freudiger im Anschluss das Wissen, dass das Festival am 20. März 2027 in die Turbinenhalle Oberhausen zurückkehren wird.


07
Apr

Ratinger Hof: Feelgood McLouds mit Folk-Punk in Düsseldorf

Um den legendären Düsseldorfer Punk-Laden Ratinger Hof gab es viele Jahre ein ziemliches Hin und Her. Immer wieder gab es neue Betreiber, immer mal wieder wurde die Location geschlossen und anschließend wieder eröffnet. Unter der Führung von D.Live und Concertteam NRW steht im Ratinger Hof aber endlich wieder jene Musik auf der Bühne, die dort hin gehört. Und das kann neben klassischem Punk-Rock eben auch mal der mitreißende Folk-Punk sein, der typischen Irish Folk deutlich schneller spielt, als die meisten ihn kennen. Am 27. März 2026 gab es dank The Feelgood McLouds genau das: Einen richtigen Abriss in der kleinen “Wohnzimmer”-Location, die gerade einmal gemütliche 250 Besucher fasst.

Feelgood McLouds im Ratinger Hof Düsseldorf

Bevor der Moshpit aber so richtig los legt, durfte zunächst ein alter Bekannter aus der Folk-Punk-Szene seine Band präsentieren. Genrekennern war Paddy Maguire (bürgerlich Patrick Hagedorn) schon seit vielen Jahren durch seine Band “The O’Reillys and the Paddyhats” bekannt, die zu den wichtigsten Acts des Genres gehörten. Nachdem sie sich erst vor kurzem wegen interner Streitereien aufgelöst haben, bleibt Paddy aber natürlich mit seiner anderen Band auf der Bühne: Die Punch Drunk Poets durften als Support den Abend eröffnen und boten damit vielen Folk-Punk-Fans eine passende Gelegenheit, mal in Paddys kleineres Projekt hineinzuhören. Da geht es zwar deutlich rockiger zu, doch der punkige “Stadionrock”, wie die Band ihre Musik selbst bezeichnet, traf hier durchaus auf das richtige Publikum in der richtigen Location.

Dass das erst recht auf den Headliner The Feelgood McLouds zutreffen sollte, versteht sich von selbst. Ein Teil des Publikums kam an diesem Abend, weil sie ohnehin schon jahrelang Fans waren, ein anderer bestand einfach aus Düsseldorfer Punks, die bei den günstigen Preisen des Ratinger Hofs neugierig auf neue Bands sind. Dass beide ihren Spaß hatten und auf ihre Kosten kamen, wurde dann schnell klar: Es dauerte keine drei Songs, bis sich in der Mitte der recht engen Location ein immer größer werdender Circle Pit bildete, der zu ihrer Musik richtig abging. Und dieser Abriss, für den The Feelgood McLouds an diesem Abend sorgte, sollte bis zum Ende des Konzerts nicht mehr abreißen.

Feelgood McLouds im Ratinger Hof Düsseldorf

Ganz im Gegenteil: Der Band mit dem Irish Folk-Punk aus Saarbrücken gelang es von Song zu Song sogar, das immer wieder bis hin zur totalen Eskalation zu steigern. Immerhin hat die Band, die einst selbst noch als Support von “The O’Reillys and the Paddyhats” spielte, längst die notwendigen Tricks dafür raus. Da wird der Beach-Volleyball ausgepackt, das aufblasbare Krokodil in die Menge geworfen oder gleich persönlich das Konfetti verteilt. Die Stimmung wurde im Ratinger Hof immer weiter angeheizt und beim Moshen kamen doch so einige ins Schwitzen. Zu guter Letzt auch die Bandmitglieder selbst, denn wenn sich ein Konzert von The Feelgood McLouds dem Ende neigt, mischen die doch gern selbst mit ihren Instrumenten im Moshpit mit. Klar ist: So muss Folk-Punk. Und solche Musik gehört in den Ratinger Hof!

Fotos: Rene Daners


07
Apr

Düsseldorf: Zeitreise in die 80er mit Thomas Anders

Die großen erfolgreichen Hits von Modern Talking sind inzwischen schon eine ganze Weile her. Das letzte Album des Duos erschien bereits im Jahre 2003, die meisten bekannten Songs hingegen stammen sogar aus dem 80ern. Und dass Dieter Bohlen und Thomas Anders noch einmal gemeinsam auf der Bühne stehen, dürfte ziemlich unwahrscheinlich sein. Einer der beiden lässt es sich aber nicht nehmen, die Klassiker trotzdem weiter zu spielen. Begleitet von einer 6-köpfigen Band sorgte Thomas Anders, der seit kurzem auch wirklich mit Nachnamen Anders heißt, am 26. März 2026 für eine Zeitreise in die 80er Jahre in der Mitsubishi-Electric-Halle Düsseldorf.

Auf den ersten Blick mochte dabei manchen überraschen, dass die Hits von Modern Talking auch nach Jahrzehnten noch eine so große Halle füllen können. Ganz so ausgebucht war es dann aber doch nicht: Der Konzertabend “Thomas Anders sings Modern Talking” war schließlich auch im Innenraum vollständig bestuhlt und die oberen Ränge sogar ganz geschlossen. Die tatsächlichen Besucherzahlen dürften also weniger als der Hälfte der regulären Stehkapazität der Halle entsprechen. Und für das oftmals erwartungsgemäß etwas ältere Publikum gab es zu Beginn auch noch ein bisschen Eigenwerbung: Das neueste Musikvideo wurde auf der Leinwand präsentiert, ehe Thomas Anders dann selbst seinen neuesten eigenen Song “Cherokee Highway” performte. Das mögen die Leute zwar auch, aber bald wurde klar, dass die großen Hits von Modern Talking doch ein bisschen mehr zum Tanzen animierten.

Thomas Anders sings Modern Talking

Doch während die Musik für eine Zeitreise in die 80er sorgte, irritierten die Videos auf der Leinwand eher mit dem Gegenteil. Sowohl das neueste Musikvideo, als auch die grafische Begleitung zu den weiteren Songs, entpuppte sich als sehr offensichtlich KI-generiert. In den meisten Videosequenzen ließ sich Thomas Anders mit Hilfe von KI verjüngen und platzierte ein Ich aus den 80ern in die Neuinterpretation vermeintlicher Musikvideos. “Cringe” wäre vermutlich die Reaktion des jüngeren Publikums, das den “AI Slop” auf den ersten Blick erkennt. So richtig tat sich Thomas Anders damit keinen Gefallen – auch wenn das dem Publikum spätestens bei “Cheri Cheri Lady” dann auch wieder egal ist.

So modern er mit künstlicher Intelligenz auch sein möchte, so 80er wirkt zu Beginn doch sein Weltbild. “Das ist nicht ganz meine Welt”, verriet er doch noch über seine Einstellung zu politischer Korrektheit und dass man “Indianer” heute nicht mehr sagen dürfe – schließlich habe die Welt größere Probleme. Mit einem Publikum etwa im Alter des Sängers kann man das auch mal ignorieren, schließlich war so mancher hier Fan seit dem 14. Lebensjahr, wie uns eine Besucherin verriet. Und bei aller Kritik: Wenn “Brother Louie” oder “Geronimo’s Cadillac” erklingen, können auch die 30-Jährigen hier den gesamten Songtext mitsingen.

Thomas Anders sings Modern Talking

Während so manche junge Frau in ihren 20ern von der Mutter “mitgeschleppt” wurde, stellen sich die Songs von Modern Talking doch schnell als so etwas wie ein “Guilty Pleasure” heraus. Das ist jene Musik, von der die meisten jungen Leute behaupten würden, sie auf keinen Fall zu hören und doch können sie jeden Hit auswendig. Und man muss gestehen: Selbst spätere Hits wie “Sexy Sexy Lover” funktionieren zum Tanzen auch heute noch, auch wenn die Security beim Freihalten der Gänge ein wenig überpingelig sein mochte. Außerdem: Wenn Thomas Anders für ein 80er Rock Medley plötzlich in die gute alte Lederjacke schlüpft, wirkt er trotz der Pause in der Mitte seines Konzerts, doch gar nicht mehr, als wäre er schon 63 Jahre alt. Eine Pop-Legende beim (manchmal sogar erfolgreichen) Versuch, irgendwie jung zu bleiben.

Fotos: Rene Daners