Seit über 30 Jahren ist das
Mittelalterlich Phantasie Spectaculum inzwischen eines der größten Mittelalter-Festivals Europas. Jahr für Jahr stehen an gleich zwei Wochenenden in Bückeburg die größten Bands der Szene auf der Bühne – von Feuerschwanz bis Versengold. In Zukunft soll sich das allerdings ändern: Aus finanziellen und gesundheitlichen Gründen wird Veranstalter Gisbert Hiller die Event-Reihe zukünftig verkleinern und dabei auf die große Main Stage mit den teureren Bands verzichten. Stattdessen sollen die Besucher wieder einen einheitlichen großen Mittelaltermarkt vorfinden, auf dem alle anwesenden Bands im normalen Eintrittspreis enthalten sind. Für Fans des Genres bedeutete das am
1. und 2. August 2026 aber auch der Abschied von der großen Bühne, ein letztes Mal die größten Headliner auf dem MPS sehen.
Der Samstag stand dabei auch dieses Mal wieder voll im Fokus der großen Musikacts. Bereits Kupfergold, die es innerhalb weniger Jahre auf die Main Stage geschafft haben und als einzige dort samstags spielende Band zukünftig trotzdem weiter dabei sein werden, sorgte für reichlich Spaß auf dem riesigen Infield. Schon seit Jahren feiern die Besucher witzige Songs wie “Zum Goldenen Rammler” oder “Es ist Obst im Haus”, die einem festen Konzept folgen. Inzwischen ist die Band um Bonnie Banks aber auch soweit gereift, dass sich vereinzelte Songs wiederfinden, die auch beim Karneval taugen würden oder insgesamt etwas mehr an folkigen Punk-Rock erinnern. Mit einem Selbstbewusstsein, das für mehr als genügend Präsenz auf der Main Stage sorgt, lässt die Polonaise im Publikum, das häufig auch mittelalterlich gewandet erscheint, nicht lange auf sich warten.

In wenigen Jahren auf die Main Stage: Kupfergold sind auch in Zukunft weiter dabei
Ein häufiger, aber doch ungewöhnlicher Gast ist hingegen die Band Subway to Sally. Eigentlich verordnet man die Mittelalter-Rock-Band mit ihrem Hit “Eisblumen” für gewöhnlich eher in der Gothic-Szene, aber die Musiker sind dann doch mittelalterlich genug, um auch beim MPS auf der großen Bühne zu stehen. Ein letztes Mal durften die Fans also deren Songs feiern, während man schnell feststellte, dass Subway to Sally zu den großen Publikumslieblingen des Events gehören. Und da sie tatsächlich zum letzten Mal auf dem MPS Bückeburg auftreten werden, mussten die Händler im restlichen Bereich des Mittelalterfestes ein bisschen darunter leiden: Ein Teil des Marktes wirkte doch recht leer, während die große Masse sich den Auftritt auf keinen Fall entgehen lassen wollte.
Auch Versengold ist da keine Ausnahme, auch wenn sie dank Cultus Ferox und Libertalia auf der zweiten Bühne starke Konkurrenz erhielten. Die Folk-Rock-Band um Malte Hoyer haben die Fans des MPS schließlich schon seit vielen Jahren ins Herz geschlossen und dazu trägt auch eine gewisse Vielfalt bei den Songs bei. Versengold beherrschen inzwischen schließlich alle Facetten. Ob Spaß-Songs wie “Kobold im Kopf” und Thekenmädchen”, politische Hits wie “Falscher Leuchtturm”, mit dem sie sich gegen den Rechtsruck unseres Landes aussprechen oder aber melancholische Songs wie “Haut mir kein Stein”, die von Trauer und Tod handeln – Versengold bietet für jede Lebenslage die passende Melodie. Inzwischen haben die Fans ihnen sogar verziehen, dass sie mit einigen davon sogar beim ZDF Fernsehgarten aufgetreten sind – falls das nicht sogar die Besucherzahlen eher steigert.

Headliner der Herzen: Der Dino-Metal von Heavysaurus begeistert Erwachsene und Kinder
Beim Headliner Feuerschwanz scheiden sich ja bis dato vor allem bei Metalheads die Geister. Darüber gestritten wird doch häufig, ob es sich bei der Band wirklich um Metal handelt. Aber egal: Mittelalterlich ist die Band in Ritterrüstung sicherlich und wo sollten sie dann besser hinpassen, als auf das MPS? Und wenn dem ein oder anderen Besucher trotz der sommerlichen Temperaturen am Abend etwas kalt wurde, gab es dafür auch noch entsprechende Abhilfe: Bei Feuerschwanz ist der Name schließlich Programm und die große Feuershow darf dementsprechend nicht fehlen. Und spätesten beim Hit “Bastard von Asgard” weiß auch der Letzte, warum die Band hier als Headliner auf der Bühne steht.
Obwohl: Den wahren Headliner sieht man doch eher am Sonntag, der allgemein als “Familientag” des MPS gilt. Der Dino-Metal von Heavysaurus ist am Sonntag schließlich bei Erwachsenen genauso beliebt, wie bei den Kindern – und so mancher muss doch zugeben, dass er den Auftritt vielleicht sogar ein bisschen lieber mag, als die Konzerte der “ernsthaften” Bands. Eines ist auf jeden Fall klar: Die Kinder, denen hier die erste Reihe ganz alleine gehört, haben an den Songs der Dinos so viel Spaß, dass manche inzwischen sogar im Dinosaurierkostüm das MPS besuchen. Und wie die Pommesgabel funktioniert, haben sie inzwischen auch bestens drauf, denn nicht wenige kommen mit ihren Eltern bereits seit einigen Jahren. Kein Wunder, denn der Sonntag ist jedes Jahr auch ein bisschen günstiger und die Main Stage ist dann ohne Aufpreis inklusive.

Die Last der ganzen Welt: Versengold beherrscht auch nachdenkliche, tiefgehende Songs
Doch selbst, wem die teuren Tickets von rund 70 Euro für die Main Stage am Samstag zu teuer waren, der bekam auf dem restlichen Markt noch reichlich geboten, denn immerhin waren dann trotzdem mehrere Bühnen inklusive. Und da versammelten sich durchaus namhafte Acts. Insbesondere Storm Seeker und Mr. Irish Bastard, die doch inzwischen einen bekannteren Namen in der Szene haben, konnten hier ihr Publikum begeistern. Genau nach diesem Prinzip soll es dann auch im Jahr 2027 weiter gehen: Auf Feuerschwanz, Versengold und Subway to Sally muss man dann verzichten. Auf dem restlichen Markt zum günstigen Marktpreis gibt es dafür weiterhin Storm Seeker, Kupfergold, Heavysaurus und ähnliches. Damit kehrt das MPS dann auch zurück zu seinen Wurzeln, denn in früheren Zeiten, vor den immer weiter steigenden Kosten, war ein All Inclusive-Ticket noch die Regel. Und: Dass das Event auch bei hochsommerlichen Temperaturen mit kostenlosen Wasserstationen, Sonnensegeln und allem, was zum Schutz vor der Hitze notwendig ist funktioniert, beweist die Event-Reihe gerade in diesem Jahr besonders gut.