Neueste Artikel:
Kunstrasen Bonn: Eine Zeitreise in die 80er mit OMD
MPS Bückeburg: Abschied von der großen Bühne

Archiv fürAugust, 2026


16
Aug

Kunstrasen Bonn: Eine Zeitreise in die 80er mit OMD

Das Infield des Kunstrasen Bonn zu betreten, mochte am 14. August 2026 etwas merkwürdig erscheinen. Vor allem, wenn man bedenkt, auf welchen Festivals die 80er Jahre Synthpop Band “Orchestral Manoeuvres in the Dark”, kurz OMD, in den vergangenen Jahren sonst aufgetreten ist. Da waren Auftritte auf dem Amphi Festival, auf dem Wave-Gotik-Treffen in Leipzig und erst vor kurzem auf dem M’era Luna. Kurzum: Eigentlich ist die Band inzwischen verstärkt in der schwarzen Szene vertreten. Doch auch, wenn die Gruftis ihre Musik lieben, so richtig Goth ist das nie gewesen, das sah man auch am Publikum in Bonn. Die meisten bei hochsommerlichen 37 Grad eher hell und bunt gekleidet, versammelte sich hier vor allem die ältere Generation über 50, die mit den Songs der Band einst aufgewachsen sind. Denn selbst wenn der Name nicht mehr ganz so geläufig erscheinen mag, so war OMD in den 80ern doch eine der ganz großen Synthpop und New Wave-Bands – direkt neben Depeche Mode und Camouflage.

Das Publikum aus Bonn hatte an diesem Abend ziemlich große Lust, nochmal auf eine nostalgische Reise durch die Zeit zu gehen. Egal, wie lange es auch her ist, dass man ihre Hits zum letzten Mal im Radio gehört hat: Mitsingen kann man sie noch immer. Und das gilt teils sogar für die jüngere Generation, die hier und da gemeinsam mit den Eltern zum Konzert kamen. Schon in der ersten Hälfte der Setlist ließen es sich die Besucher nicht nehmen, beim großen Hit “Maid of Orleons” melancholisch mitzusingen. Der Text sitzt, die Emotionen funktionieren immer noch und die Einzigartigkeit der OMD-Songs wird einmal mehr deutlich.

OMD
OMD bei einem früheren Auftritt / Foto: Rene Daners

Unterdessen hatte Sänger Andy McCluskey ein bisschen mit den Temperaturen zu kämpfen. Mit seinen 67 Jahren kam er bei heißen 37 Grad auf der Bühne doch gewaltig ins Schwitzen und brauchte zwischendurch auch mal eine Pause. “Es ist Schlafenszeit für mich” scherzte er doch hin und wieder nach einem Song. Etwas luftigere Kleidung hätte man der Band, die da immer noch in schwarzer Jeans und langärmigem Hemd auf der Bühne steht, sicherlich verziehen. Und bei einem Open Air-Konzert war doch etwas mehr Interaktion mit dem Publikum in der vordersten Reihe nötig, um die visuellen Schwächen ein wenig zu kaschieren. Konzerte von OMD leben Indoor bekanntlich auch davon, den Sound in ein visuelles Leinwand-Konzept einzubinden, das bei Tageslicht nicht ganz so intensiv wirkt.

Das wird auch deutlich, wenn sie eine Hommage an ihre Idole von Kraftwerk spielen – und damit auch ein Experiment vor dem etwas älteren Publikum wagen: “Veruschka” stammt von dem neuesten Album “Bauhaus Staircase”, bei dem die Band dann doch mal schauen wollte, ob auch die neueren Songs bei den Fans noch ankommen. Dafür reihte sich das Quartett auch nach dem Vorbild Kraftwerk nebeneinander auf der Bühne auf, um sich visuell anzulehnen. Der Text sitzt bei dem Song zwar noch nicht ganz so gut, gefallen hat es dem Publikum aber offenbar trotzdem.

Über den ganz großen Hit “Enola Gay”, den sich OMD bis zum Schluss aufbewahren, braucht man wahrscheinlich gar nicht reden. Der Song, der einst als Antikriegslied gedacht war, ist mit seiner einzigartigen und zeitlosen Synthesizer-Melodie immer noch so mitreißend, dass die Füße einfach nicht still stehen können. Für die drei Songs in der Zugabe hatten sich Andy McCluskey und Paul Humphreys dann auch noch etwas Besonders ausgedacht. “Walking on the Milky Way” ist bekanntlich ein Garant dafür, nochmal das Tanzbein zu schwingen. Und die Debüt-Single “Electricity” aus dem Jahre 1979 ist dann doch der perfekte Konzertabschluss, der einerseits etwas ruhiger daher kommt, andererseits aber auch die vielfältige Musikgeschichte der Band noch einmal verdeutlicht. Beeindruckend, was OMD in fast 50 Jahren auf die Beine gestellt haben.


16
Aug

MPS Bückeburg: Abschied von der großen Bühne

Seit über 30 Jahren ist das Mittelalterlich Phantasie Spectaculum inzwischen eines der größten Mittelalter-Festivals Europas. Jahr für Jahr stehen an gleich zwei Wochenenden in Bückeburg die größten Bands der Szene auf der Bühne – von Feuerschwanz bis Versengold. In Zukunft soll sich das allerdings ändern: Aus finanziellen und gesundheitlichen Gründen wird Veranstalter Gisbert Hiller die Event-Reihe zukünftig verkleinern und dabei auf die große Main Stage mit den teureren Bands verzichten. Stattdessen sollen die Besucher wieder einen einheitlichen großen Mittelaltermarkt vorfinden, auf dem alle anwesenden Bands im normalen Eintrittspreis enthalten sind. Für Fans des Genres bedeutete das am 1. und 2. August 2026 aber auch der Abschied von der großen Bühne, ein letztes Mal die größten Headliner auf dem MPS sehen.

Der Samstag stand dabei auch dieses Mal wieder voll im Fokus der großen Musikacts. Bereits Kupfergold, die es innerhalb weniger Jahre auf die Main Stage geschafft haben und als einzige dort samstags spielende Band zukünftig trotzdem weiter dabei sein werden, sorgte für reichlich Spaß auf dem riesigen Infield. Schon seit Jahren feiern die Besucher witzige Songs wie “Zum Goldenen Rammler” oder “Es ist Obst im Haus”, die einem festen Konzept folgen. Inzwischen ist die Band um Bonnie Banks aber auch soweit gereift, dass sich vereinzelte Songs wiederfinden, die auch beim Karneval taugen würden oder insgesamt etwas mehr an folkigen Punk-Rock erinnern. Mit einem Selbstbewusstsein, das für mehr als genügend Präsenz auf der Main Stage sorgt, lässt die Polonaise im Publikum, das häufig auch mittelalterlich gewandet erscheint, nicht lange auf sich warten.

Kupfergold beim MPS Bückeburg
In wenigen Jahren auf die Main Stage: Kupfergold sind auch in Zukunft weiter dabei

Ein häufiger, aber doch ungewöhnlicher Gast ist hingegen die Band Subway to Sally. Eigentlich verordnet man die Mittelalter-Rock-Band mit ihrem Hit “Eisblumen” für gewöhnlich eher in der Gothic-Szene, aber die Musiker sind dann doch mittelalterlich genug, um auch beim MPS auf der großen Bühne zu stehen. Ein letztes Mal durften die Fans also deren Songs feiern, während man schnell feststellte, dass Subway to Sally zu den großen Publikumslieblingen des Events gehören. Und da sie tatsächlich zum letzten Mal auf dem MPS Bückeburg auftreten werden, mussten die Händler im restlichen Bereich des Mittelalterfestes ein bisschen darunter leiden: Ein Teil des Marktes wirkte doch recht leer, während die große Masse sich den Auftritt auf keinen Fall entgehen lassen wollte.

Auch Versengold ist da keine Ausnahme, auch wenn sie dank Cultus Ferox und Libertalia auf der zweiten Bühne starke Konkurrenz erhielten. Die Folk-Rock-Band um Malte Hoyer haben die Fans des MPS schließlich schon seit vielen Jahren ins Herz geschlossen und dazu trägt auch eine gewisse Vielfalt bei den Songs bei. Versengold beherrschen inzwischen schließlich alle Facetten. Ob Spaß-Songs wie “Kobold im Kopf” und Thekenmädchen”, politische Hits wie “Falscher Leuchtturm”, mit dem sie sich gegen den Rechtsruck unseres Landes aussprechen oder aber melancholische Songs wie “Haut mir kein Stein”, die von Trauer und Tod handeln – Versengold bietet für jede Lebenslage die passende Melodie. Inzwischen haben die Fans ihnen sogar verziehen, dass sie mit einigen davon sogar beim ZDF Fernsehgarten aufgetreten sind – falls das nicht sogar die Besucherzahlen eher steigert.

Heavysaurus beim MPS Bückeburg
Headliner der Herzen: Der Dino-Metal von Heavysaurus begeistert Erwachsene und Kinder

Beim Headliner Feuerschwanz scheiden sich ja bis dato vor allem bei Metalheads die Geister. Darüber gestritten wird doch häufig, ob es sich bei der Band wirklich um Metal handelt. Aber egal: Mittelalterlich ist die Band in Ritterrüstung sicherlich und wo sollten sie dann besser hinpassen, als auf das MPS? Und wenn dem ein oder anderen Besucher trotz der sommerlichen Temperaturen am Abend etwas kalt wurde, gab es dafür auch noch entsprechende Abhilfe: Bei Feuerschwanz ist der Name schließlich Programm und die große Feuershow darf dementsprechend nicht fehlen. Und spätesten beim Hit “Bastard von Asgard” weiß auch der Letzte, warum die Band hier als Headliner auf der Bühne steht.

Obwohl: Den wahren Headliner sieht man doch eher am Sonntag, der allgemein als “Familientag” des MPS gilt. Der Dino-Metal von Heavysaurus ist am Sonntag schließlich bei Erwachsenen genauso beliebt, wie bei den Kindern – und so mancher muss doch zugeben, dass er den Auftritt vielleicht sogar ein bisschen lieber mag, als die Konzerte der “ernsthaften” Bands. Eines ist auf jeden Fall klar: Die Kinder, denen hier die erste Reihe ganz alleine gehört, haben an den Songs der Dinos so viel Spaß, dass manche inzwischen sogar im Dinosaurierkostüm das MPS besuchen. Und wie die Pommesgabel funktioniert, haben sie inzwischen auch bestens drauf, denn nicht wenige kommen mit ihren Eltern bereits seit einigen Jahren. Kein Wunder, denn der Sonntag ist jedes Jahr auch ein bisschen günstiger und die Main Stage ist dann ohne Aufpreis inklusive.

Versengold beim MPS Bückeburg
Die Last der ganzen Welt: Versengold beherrscht auch nachdenkliche, tiefgehende Songs

Doch selbst, wem die teuren Tickets von rund 70 Euro für die Main Stage am Samstag zu teuer waren, der bekam auf dem restlichen Markt noch reichlich geboten, denn immerhin waren dann trotzdem mehrere Bühnen inklusive. Und da versammelten sich durchaus namhafte Acts. Insbesondere Storm Seeker und Mr. Irish Bastard, die doch inzwischen einen bekannteren Namen in der Szene haben, konnten hier ihr Publikum begeistern. Genau nach diesem Prinzip soll es dann auch im Jahr 2027 weiter gehen: Auf Feuerschwanz, Versengold und Subway to Sally muss man dann verzichten. Auf dem restlichen Markt zum günstigen Marktpreis gibt es dafür weiterhin Storm Seeker, Kupfergold, Heavysaurus und ähnliches. Damit kehrt das MPS dann auch zurück zu seinen Wurzeln, denn in früheren Zeiten, vor den immer weiter steigenden Kosten, war ein All Inclusive-Ticket noch die Regel. Und: Dass das Event auch bei hochsommerlichen Temperaturen mit kostenlosen Wasserstationen, Sonnensegeln und allem, was zum Schutz vor der Hitze notwendig ist funktioniert, beweist die Event-Reihe gerade in diesem Jahr besonders gut.