Neueste Artikel:
Gelsenkirchen: Alice Cooper rockt auch noch mit 78!
Kunstrasen Bonn: Marillion überzeugen – aber ohne Kayleigh
Mülheim an der Ruhr: Abschied vom Castle Rock Festival
Flexx: Fans der experimentellen elektronischen Musik trotzen der Hitze

Archiv fürJuli, 2026


19
Jul

Gelsenkirchen: Alice Cooper rockt auch noch mit 78!

Wenn es einen Rockmusiker gibt, den man als echte Legende bezeichnen könnte, ist das wohl zweifelsohne der inzwischen 78-jährige Alice Cooper. Schon in den 1970ern erreichte er mit ersten Hits wie “I’m Eighteen” seinen Durchbruch. Dass er solche Songs auch am 9. Juli 2026 bei seinem Open Air-Konzert im Amphitheater Gelsenkirchen spielte, versteht sich von selbst. Die besondere Location am Rhein-Herne-Kanal war der einzige deutsche Stopp zwischen seinen zahlreichen Festival-Auftritten in diesem Sommer. Für sein Alter besonders: Selbst mit 78 Jahren ist er noch immer mit zwei Touren gleichzeitig unterwegs, sowohl als Solo-Künstler, als auch mit Hollywood Vampires.

Alice Cooper im Amphitheater Gelsenkirchen
Alice Cooper begeistert auch mit seinen aufwändigen Bühnenoutfits

Auf der Bühne sieht man ihm das Alters aber keineswegs an. Bei der Performance turnt er in seiner Show herum, als wäre er gerade einmal in seinen 30ern. Schlank und fit, als hätte er seine Musikkarriere erst vor kurzem begonnen, schlüpft er während seines Auftritts immer wieder in aufwändige, teils auch elegante Outfits, um auch wirklich wie ein echter Rockstar zu wirken. Alice Cooper hat den Schock-Rock eben erfunden und dazu gehören auch maßgeschneiderte Gothic-Anzüge, Zwangsjacken und Rüschenhemden. Besonders eindrucksvoll ist eine Szene, in der er von einer Guillotine enthauptet wird und auch Ehefrau Sheryl Cooper, mit der er inzwischen 50 Jahre lang verheiratet ist, als Künstlerin eine wichtige Gastrolle erhält.

Bei seinen regelrechten Theatershows auf der Bühne macht Alice Cooper allerdings nie den Eindruck, als würden visuelle Showelemente die Musik kaschieren. Stattdessen fügt sich die Show verhältnismäßig zurückhaltend und passend in die Thematik der einzelnen Songs ein. Immerhin darf seine Frau ihm dann persönlich zeigen, dass “Only Women Bleed” nicht so ganz zutrifft, bevor er mit “Second Coming” seine anschließende (untote) Wiedergeburt auf der Bühne feiert. Einen gewissen Unterhaltungswert hat das allemal, selbst wenn man die Show zum Beispiel auf einem Festival bereits mehrfach gesehen hat.

Alice Cooper im Amphitheater Gelsenkirchen
Alice Cooper mit Gitarristin Anna Cara und seinem langjährigen Bassisten Chuck Garric

Die Fans aber feiern natürlich besonders seine ganz großen Hits, die auch Teil der “Attic”-Tour in Gelsenkirchen waren. Spielt er erst einmal “Poison”, singen schnell die meisten der tausenden Besucher des Amphitheaters mit. Für die nötige Härte und mitreißende Atmosphäre sorgt unterdessen natürlich auch die neue Gitarristin Anna Cara, die aktuell Nita Strauss in ihrer Babypause vertreten darf – und als Anerkennung ihrer Talente auch mal ein Giatarrensolo spendiert bekommt. Spätestens dann haben auch die letzten Fans keine Zweifel mehr an ihrem Können und feiern später insbesondere bei “School’s Out” so richtig mit. Und wenn du Alice Cooper bist, dann darfst du dir in der Zugabe auch mal das Nirvana-Cover “Smells Like Teen Spirit” erlauben. Für die meisten Fans ist hier wohl klar: Solange Alice noch auf der Bühne steht, werden sie wiederkommen. Denn Alice Cooper liefert trotz seines hohen Alters wie kaum ein anderer Rockstar.

Fotos: Rene Daners


19
Jul

Kunstrasen Bonn: Marillion überzeugen – aber ohne Kayleigh

Erwähnt man die Band Marillion, kommt einem vor allem der Song “Kayleigh” in den Sinn. Im Jahre 1985 feierte die britische ProgRock-Band mit diesem kitschigen Liebessong ihren großen Durchbruch. Das Problem dabei: Bereits vier Jahre später folgte mit Steve Hogarth ein neuer Sänger und anschließend noch über 15 weitere Alben. Trotzdem wird die Band bis heute auf diesen einen viel zu klischeehaften, kitschigen Song reduziert – obwohl hunderte deutlich anspruchsvollere Lieder die Discografie der Band ausmachen. Für Hogarth ist das Fluch und Segen zugleich: Einerseits lockt das noch immer tausende Besucher auf die Konzerte, andererseits möchten sie doch vermehrt die späteren Songs spielen. Besonders auf einem Open Air-Event wie dem Kunstrasen Bonn, das nicht Teil einer normalen Clubtour ist, ist das schwierig.

Marillion beim Kunstrasen Bonn

Nicht wenige der rund 3500 Besucher werden am 5. Juli 2026 zum ersten Mal auf einem Marillion-Konzert gewesen sein und sich bis zur Zugabe besonders auf diesen Song gefreut haben. Das Problem nur: Marillion haben “Kayleigh” einfach nicht gespielt. Auch nicht in der Zugabe, nicht einmal als Gag und schon gar nicht als abgewandelte Version. Steve Hogarth spielt lieber die neueren Songs, die mit ihm als Frontmann entstanden sind, bei dem Konzert und stößt damit vielleicht dem ein oder anderen vor den Kopf. Hat man sich darauf eingelassen, bekam man aber durchaus anspruchsvollen, eher softeren Progressive Rock, der insbesondere auch Instrumental überzeugen konnte. Da sticht vor allem Gitarrist Steve Rothery als einziges verbliebenes Gründungsmitglied hervor, dessen technisch mehr als einwandfreie Talente an der Gitarre schon fast ein bisschen an Bonamassa erinnern.

Steve Hogarth wiederum wirkt sympathisch zurückhaltend, gestikuliert während seiner Songs immer wieder mit den Armen. Ganz so, als würde er seine Musik auch heute noch regelrecht fühlen, ohne aber bei der eher ruhigen Show auf der Bühne zu übertreiben. Marillion liefern eben kein Metalkonzert, sondern immer noch typischen “Kuschelrock”, wie man früher gesagt hätte. Ein Moment wirkte dennoch merkwürdig: Hogarth wollte offenbar links von der Bühne herabklettern, um seine Fans im Bühnengraben zu besuchen. Nachdem sich dort allerdings gar keine Treppe fand, schien es zunächst, als sei er – zum Glück unverletzt – tatsächlich von Bühne heruntergefallen. Was da genau los war, weiß er vermutlich nur selbst, sorgte jedoch für eine verstärkt aufmerksame Security, wenn er sich dem Rand der Bühne näherte. Das Publikum hat das jedenfalls nicht weiter gestört, sondern stattdessen insbesondere Songs wie das Tour-Debüt “Go!” ziemlich gefeiert.

Marillion beim Kunstrasen Bonn

Fotos: Rene Daners


12
Jul

Mülheim an der Ruhr: Abschied vom Castle Rock Festival

Für die Stadt Mülheim an der Ruhr war das Castle Rock Festival am Schloss Broich wahrscheinlich das wichtigste Event des Jahres. Die lokale Gothic-Szene fand das Event sogar so relevant, dass sie sich bei dessen Ausfall in der Corona-Zeit spontan im anliegenden Park traf, weil sie das Festival offenbar so vermisste. Für viele ist daraus seitdem ein echtes Community- und Familientreffen geworden. Nicht wenige Besucher kennen sich aus dem Phoenix Club in der gleichen Stadt und haben sich längst untereinander angefreundet. Gerettet werden konnte das Castle Rock aber trotzdem nicht: Veranstalter Michael Bohnes geht in Pension und konnte keinen Nachfolger finden, der szeneaffin genug ist, um das Event weiterzuführen. In seiner Form war das Festival nämlich einzigartig: Ein Gothic-Festival durchgeführt von einem städtischen Veranstalter dürfte bundesweit eine Seltenheit sein. Mit einem weinenden Auge versammelten sich die Goths und Metalheads also noch einmal, um zwei Tage lang eines ihrer Lieblingsfestivals zu zelebrieren.

Auch für die Bands war das ein besonderer und zugleich trauriger Anlass. Die meisten von ihnen verbindet eine lange Geschichte mit dem Castle Rock Festival und waren in den vergangenen 25 Jahren immer wieder im Line Up mit dabei. Da hat man vielen Acts natürlich angemerkt, dass sie hier noch einmal so richtig Vollgas geben wollen und abrocken “bis der Arzt kommt”. Für jene, die es nach der Arbeit recht früh auf das Festival schafften, gab es bereits um 16 Uhr ordentlichen Gitarrensound auf die Ohren, denn der erste Festivaltag stand ganz im Zeichen des Metal. Als Opener konnten Die Legende von Nord bereits mit ihrem Heavy Metal das Publikum gut einheizen – und die Stimmung passend für die nächsten Bands vorbereiten.

Snow White Blood beim Castle Rock Festival
Schneewittchen in schwarz: Snow White Blood überzeugen mit engelsgleichem Dark Symphonic Metal

Mit Snow White Blood und ihrer engelsgleichen Stimme kamen nämlich gleich danach die Fans des Dark Symphonic Metal voll auf ihre Kosten. Fast schon wie eine “schwarze Schneewittchen” begeisterte sie das Publikum, um sich gesanglich irgendwo neben Nightwish und ähnlichen Genre-Bands einzuordnen. Später konnte man sich über die Umstände des Auftritts von The Other zwar streiten, schließlich gingen sie als Ersatz für Elli Berlin an den Start, die wegen politischer Vorwürfe nicht mehr auf dem Festival vertreten waren. Ihr Horrorpunk hat aber schon seit vielen Jahren zahlreiche Fans auf dem Festival und begeistert seit je her die Besucher des Caslte Rock. Dazu tragen auch die aufregenden Vampir-Outfits bei, mit denen sie ihren Sound auch noch optisch verstärken.

Bei den beiden Headlinern des ersten Tages kamen dann zwei der beliebtesten Bands der Szene auf die Bühne. Die Mittelalter-Rockband Tanzwut rund um Sänger “Teufel” mit seiner typischen teufel-artigen Frisur ist gerade aus der Mittelalterszene kaum mehr wegzudenken. Nachdem sie im vergangenen Jahr auf einem anderen Festival bewiesen, dass sie sogar bei Stromausfall spontan unplugged weiterspielen können, verwundert es kaum, dass sie auch auf dem Castle Rock entsprechend abliefern. Das gilt aber natürlich auch für Nachtblut, die mit etwas derberen Texten begeistern und insbesondere in der ersten Reihe einige weibliche Fans versammelten. Die liefern nicht nur mit ihrem harten Sound und dem speziellen Gesang, sondern beherrschen auch optisch die Darstellung des Vorzeige-Gruftis perfekt. Eigentlich hätte Sänger Askeroth die viele Schminke im Gesicht gar nicht nötig, um gruselig und respekteinflößend zu erscheinen.

The Other beim Castle Rock Festival
Ersatz für Elli Berlin: The Other begeistern seit Jahren mit ihrem Horrorpunk

Der zweite Festivaltag ging dann deutlich länger und startete bereits früh um 12 Uhr mittags. Nachdem es sich dann erst langsam füllte, überzeugten zu Beginn insbesondere Eigensinn und Wisborg mit den ersten beiden Auftritten. Spätestens mit Heimataerde füllte sich dann auch der Innenhof des Schloss Broich zunehmend, konnte die Band schließlich einige Fans anlocken. Kein Wunder, verkleidet als Templer liefern sie einen einzigartigen Mix aus Mittelaltermusik und Electro und bieten damit einen Sound, den man so bei keiner anderen Band zu hören bekommt. Das passende Wein-Ritual auf der Bühne und das gemeinsame (eher spaßige) Gebet ist da natürlich obligatorisch.

Bei Sagenbringer, die zum ersten Mal auf dem Castle Rock mit dabei waren, war dann offenbar aber auch Heimataerde-Sänger Ashlar von Megalon ziemlich neugierig, denn der verbrachte die meiste Zeit im Publikum. Schnell waren wir uns mit ihm dann natürlich einig: “Der Metdrache ist sehr wichtig”. Sagenbringer, die nordische Sagen aus Sylt mitbringen (ja, sowas gibt es da), singen schließlich insbesondere von derartig wichtigen Dingen. Bei ihrem Pagan Metal hatten dann auch die ersten Besucher schon Lust auf einen Circle Pit und versprachen damit einen energiegeladenen Nachmittag.

Heimataerde beim Castle Rock Festival
Die Templer von Heimataerde heizten mit ihrem einzigartigen Mittelalter-Electro ein

Letztendlich sollte es dann natürlich auch erst einmal mittelalterlich bleiben, denn auch Haggefugg lieferten überzeugenden Mittelalter-Rock. Die Spielmänner aus Köln sind längst keine Unbekannten in der Szene mehr und konnten mit spannenden Lyrics punkten, die überwiegend an die Klischees des typisch mittelalterlichen Marktsprechs erinnern. Zum Abschluss des Abends wurde es dafür dann aber immer metal-lastiger: Schon die Supergroup All for Metal, die sich aus Künstlern anderer Bands zusammensetzt und gerne einmal mit dem obligatorischen Sixpack auftritt, heizt bekanntlich gewaltig ein. Trotz einiger personeller Veränderungen (so ist etwa Jasmin Pabst nicht mehr an Bord) machen die gitarrenlastigen, harten Auftritte dann doch ziemlichen Spaß.

Zu guter Letzt bei den beiden Headlinern dann aber deutlich ernsthafter: Bei Crematory gibt es keine Albereien, keine Kostüme und keinen Blödsinn. Hier wird geradliniger Gothic-Metal abgeliefert, wie die Fans ihn leben. Schnörkellos, ohne Geplänkel und noch nicht einmal alle Bandmitglieder im Gothic-Schwarz. Muss ja auch nicht sein: Wer musikalisch abliefert, der braucht keine große Show. Und das haben sie definitiv.

Lord of the Lost beim Castle Rock Festival
Headliner Lord of the Lost verbindet eine langjährige Geschichte mit dem Festival – bereits vor dem ESC

Als Headliner kann aber am Ende natürlich nur noch eine Band auftreten: Lord of the Lost sind seit ihrem Auftritt beim Eurovision Song Contest kaum noch aus der schwarzen Szene wegzudenken und stehen zurecht auf der Position des Headliners. Für Frontmann Chris Harms war das letzte Castle Rock ein besonderer Auftritt, denn eine langjährige Geschichte verbindet die Band mit dem Festival. Veranstalter Michael Bohnes hat an die Band offenbar schon geglaubt, als sie sonst noch niemand kannte und sie noch einen der ersten Slots erhielten. Lange vor dem ESC waren Lord of the Lost bereits fester Bestandteil des Castle Rock Festival. Dass Chris daher auch ein Geschenk für den Veranstalter dabei hatte, versteht sich von selbst. Gleichzeitig haben sie ein so hartes und intensives Set gespielt, als würden sie auf diesem Event um ihr Leben spielen. Wer bisher noch nicht Fan von Lord of the Lost war, ist es vermutlich nach ihrem Auftritt auf dem Castle Rock geworden.

Ein paar letzte Worte durften von Veranstalter Michael Bohnes aber natürlich nicht fehlen. Er bedankte sich beim Publikum noch einmal für all die Jahre und all die Erfahrungen und stellte letztendlich auch die zahlreichen Mitarbeiter auf der Bühne vor, die bereits seit 25 Jahren fest an seiner Seite stehen, um die Veranstaltung zu begleiten. Dass es auch ihm alles andere als leicht fiel, dieses Event zu beerdigen, wurde da schnell klar. Wie besonders dieses für alle anderen ist, zeigten dann einige Fotografen, die nicht nur ein paar Abschiedsworte parat hatten, sondern ebenfalls ein Abschiedsgeschenk mit auf die Bühne brachten. Eine solche Verbindung zwischen Veranstalter, (Presse)Fotografen, Publikum und allen Beteiligten ist bei einem Festival wahrlich eine Seltenheit. Und auch das hat das Castle Rock über so viele Jahre so besonders gemacht.

Fotos: Rene Daners


12
Jul

Flexx: Fans der experimentellen elektronischen Musik trotzen der Hitze

Manchmal muss ein Veranstalter einfach mutig sein, denn einfach hatte es die neue Veranstaltungsreihe FLEXX im Kulttempel Oberhausen nicht. Das Event setzte dort am 26. Juni 2026 nicht nur auf kleinere Künstler mit experimentellen Sounds, mit denen es eine Veranstaltung ohnehin schon etwas schwieriger hat, Publikum anzulocken. Gleichzeitig mussten die Besucher auch noch gegen die 39 Grad heiße Hitzewelle außerhalb des Gebäudes ankämpfen – was sicher auch einige Besucher von einem Erscheinen abgehalten hat. Diejenigen, die trotzdem gekommen sind, wurden jedoch mit allen Maßnahmen belohnt, die man gegen Hitze auffahren kann: Kulttempel-Inhaber Peter Jurjahn hatte sogar riesige Industrieventilatoren aufgestellt, um für Abkühlung vor der Bühne zu sorgen – denn seine Gäste sind nach eigenen Worten schließlich “die besten Gäste der Welt”.

Für die Künstler stand dabei natürlich eine besondere Herausforderung an: Sie mussten trotz den Temperaturen auf der Bühne performen und kamen dabei gewaltig ins Schwitzen. Das machte sich vor allem beim Opener Aktion: Fiasko bemerkbar. Mit einem spannenden Mix, der wie eine Mischung aus “Grausame Töchter”, Punk und einem Hauch EBM klingt, gab Sängerin Franzi auf der Bühne natürlich Vollgas und stelle mit ihrer “Berliner Schnauze” fest, dass es in der Heimatstadt gar nicht so heiß gewesen sei, wie im Ruhrgebiet. Dem Publikum war unterdessen offenbar dank des Ventilators wohl nicht zu heiß, denn bereits bei diesem Act wurde ausgiebig getanzt und kein Bein stand still.

Aktion: Fiasko bei Flexx
Aktion Fiasko: Sängerin Franzi überzeugt mit “Berliner Schnauze”, Punk-Attitüde und EBM-Touch

Das war natürlich auch beim zweiten Act Nin Kuji nicht anders, auch wenn hier vor allem die Fans der härteren elektronischen Klänge mehr auf ihre Kosten kommen. Mit Noise und IDM sorgte dieser für einen Sound, wie man ihn sonst auch bei den Events des Plattenlabels Hands kennt. Da reicht es auch mal aus, wenn Nin Kuji einfach hinter seinem riesigen Pult steht. und bei der Hitze darf das auch mal oberkörperfrei und barfuß sein, sollte ja niemand umkippen. Dass das Publikum den Sound des Künstlers, der ein bisschen aussieht wie ein japanischer Ninja lieben, ließ sich dann nicht übersehen.

Umso interessanter dann, dass man Noise offenbar auch mit analogen statt elektronischen Instrumenten spielen kann. Bei Architect gehört die Trommel natürlich mit auf das Pult, um für musikalische Abwechslung bei seinem Set zu sorgen. Weniger hart und tanzbar war das deswegen nicht, analoge Instrumente hatten am Ende aber durchaus seine Vorteile: Mag der Laptop wegen Überhitzung nämlich erst einmal den Betrieb verweigern, ist es doch ganz praktisch, noch ein paar andere Möglichkeiten zu haben. Bei Flexx konnten seine Fans daher vermutlich ein einzigartiges, improvisiertes Set zum Ende seines Auftritts erleben.

Motor!k bei Flexx
Rockmusik geht auch ohne Sänger: Die belgische Krautrock-Band Motor!k wagt das instrumentale Experiment

Mit einem Mix aus Techno, IDM und Industrial nahm der vierte Act dann die schwarze Szene besonders ernst, denn er hatte sie schließlich schon im Namen. Bei Blac Kolor sollte wohl klar sein, dass es eher düstere-elektronisch zur Sache geht. Der Leipziger Hendrick Grothe heizte dem Publikum jedenfalls ordentlich ein und dürfte die Temperatur im Raum wohl eher noch weiter erhöht haben. Aber macht ja nichts: Das Bier, das an diesem Abend wegen der Hitze überwiegend alkoholfrei über die Theke ging, stand schließlich kalt genug, um auch diese Tanzeinlagen auszuhalten.

Die spannendste Band war dann wohl zugleich auch der Headliner. Motor!k wollten an diesem Abend nämlich beweisen, dass man für gute Rockmusik keinesfalls einen Sänger braucht. Das belgische Krautrock-Trio ist nämlich komplett instrumental unterwegs und schafft es, damit ein komplettes Konzert-Set zu spielen. Interessant dabei: Auch ganz ohne Gesang wird das zu keinem Zeitpunkt jemals langweilig. Ein aufregendes Experiment, bei dem auch die Veranstalter neugierig waren, ob das Konzept beim Publikum so funktioniert. Klar ist: Das hat es. Und damit darf man sich beim nächsten Event sicher auch über steigende Besucherzahlen freuen.

Fotos: Rene Daners