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Spectaculum Köln: Das Mittelalterfest schrumpft und gibt Kleinkunst eine größere Bühne
Mead & Greed Festival in Oberhausen: Das Pagan Metal Event ist erfolgreich zurück
Forms of Hands: 25. Jubiläum des Noise-Festivals mit zwei Weltpremieren

Archiv fürMai, 2026


21
Mai

Spectaculum Köln: Das Mittelalterfest schrumpft und gibt Kleinkunst eine größere Bühne

Es mag schon einige Jahre her sein, dass das Mittelalterfest am Fühlinger See in Köln größere Dimensionen hatte. Nach der Übernahme durch den neuen Veranstalter war der Plan klar: Das Spectaculum Köln sollte kleiner und traditioneller werden, sich wieder dem ursprünglichen Charakter eines kleinen Mittelaltermarktes nähern. Statt den großen Bands sollte es daher also mehr Gemütlichkeit und klassischere Shows geben. Vom 1. bis 3. Mai 2026 sah man dem Mittelalterfest genau das auch schon an: Selbst im Vergleich zum Vorjahr war die Veranstaltung sichtbar geschrumpft, sogar der Eingang von der Haltestelle Seeberg kommend deutlich nach hinten verschoben. Auf eine Bühne musste aber nicht verzichtet werden: Bereits vor der Brücke zur zweiten Insel fand sich die Main Stage unweit des Whisky-Standes und präsentierte fesselnden Irish Folk. Rapalje aus den Niederlanden sind bereits langjährige Gäste auf dem Event und begeisterten einmal mehr mit ihrem traditionellen Folk mehrmals am Tag.

Rapalje beim Spectaculum Köln
Rapalje begeisterten auf der großen Bühne mit ihrem Irish Folk

Kleinere Bands statt die großen Headliner, das stand also auf dem Programm des Spectaculum Köln. Und damit war auch klar, wohin der Weg geht: Man möchte Kleinkünstlern eine größere Bühne geben, die sonst neben den großen Festival-Acts untergehen würden. Das macht sich auch bei Sebardian von Unten bemerkbar, der als Singer-Songwriter auf der kleineren Bühne sein Publikum fand – und dabei sogar schlagkräftige weibliche Begleitung mitbrachte. Gaukler und Zauberer sorgten zudem für Spaß für die ganze Familie und standen voll im Fokus des kleiner werdenden Mittelalterfestes.

Ganz neu dabei: Wo früher eine Bühne mit den größeren Bands stand, fand sich in diesem Jahr ein großes Ritterturnier von Stuntpferde.de, das für ein regelrechtes Spektakel zu Pferd sorgte. Für die gemütliche Atmosphäre des Events war das durchaus zuträglich, füllte das den schrumpfenden Markt doch insgesamt gut aus und sorgte dafür, dass es hier keineswegs so leer wirkte, wie eingangs befürchtet. Und gerade die Familien mit Kindern hatten sichtlichen Spaß, wenn die Reiter mit ihren Pferden nach dem Turnier noch einmal zum Abklatschen bei den Kindern vorbeischauten. Und auch wenn die Abwesenheit bekannter Händler wie Beerenweine zunächst irritierte, kam das doch den zahlreichen anderen Anbietern zugute, die bereits am Sonntag Mittag teilweise verkündeten, ausverkauft zu sein, nachdem sie wohl so gutes Geschäft machten, wie in keinem anderen Jahr je zuvor. Einer Wiederholung im Jahre 2027 sollte demnach also nichts im Wege stehen.

Ritterturnier beim Spectaculum Köln
Das Ritterturnier von Stuntpferde.de sorgte für Action bei der ganzen Familie

Fotos: Rene Daners


21
Mai

Mead & Greed Festival in Oberhausen: Das Pagan Metal Event ist erfolgreich zurück

Endlich wieder da: Nach einer einjährigen Pause im Jahre 2025 und einer zu dieser Zeit ungewissen Zukunft, fand am Wochenende des 1. und 2. Mai 2026 endlich wieder das Mead & Greed Festival im Resonanzwerk Oberhausen statt. Mead & Greed – das ist aber nicht etwa falsch geschrieben, sondern steht für Met (Honigwein) und die Plünderungen der Wikinger, oder viel mehr dessen Musik: Nordischer Pagan-Metal. Zwei Tage lang gab es also wieder internationalen Pagan- und Viking Metal aus Deutschland und Skandinavien und lockte mehrere hundert Fans des Genres in die heilige Met-Halle unweit des Oberhausener CentrO.

Der für ein eher jüngeres und aufgeschlossenes Publikum bekannte Pagan-Metal nimmt die Genregrenzen dabei aber nicht immer ganz so ernst, sondern macht im Zweifel zu jeder Musik einen Moshpit, solange sie Spaß macht. Da darf ein Opener also auch mal gewaltig aus der Reihe tanzen, sodass man ein Metal-Festival eben auch mal mit Folk eröffnet. Als eher familiäres Fest, bei dem viele Acts doch untereinander oder mit den Veranstaltern befreundet sind, ließ man daher Lily of the Devil, die man eher im mittelalterlichen Folk verordnen könnte, das Festival eröffnen. Ein eher ruhiger und sanfter Beginn also für die Metalheads, die erst noch in die passende Stimmung kommen wollten oder gerade erst die Met-Wanderung hinter sich hatten, bei der doch so einiges vom leckeren Honigwein die Kehle runterfloss.

Fabula Rasa beim Mead & Greed Festival
Freitag auf der Bühne, Samstag als Helfer am Gastro-Stand: Fabula Rasa

Spätestens beim zweiten Act mussten dann aber doch alle am Start sein: Mit Fabula Rasa stand eine Band auf der Bühne, die für langjährige Fans des Mead & Greed Festivals schon sowas wie alte Hasen sind. Bei ordentlichen Gitarrenriffs konnten die Metalheads in der ersten Reihe hier bestens mitsingen und bildeten auch schon den ersten kleinen Circle Pit in der Mitte der Halle. Und da wurde auch klar, wie familiär das Festival wirklich ist: Freitags stand Sänger Achim noch mit seiner Band auf der Bühne, Samstags packte er bewaffnet mit einem Crew-Shirt am Gastro-Stand mit an, um beim Abwasch zu helfen. Voller Einsatz also – von Fans für Fans.

Während anschließend Toter Fisch, Vermilia und Vanaheim den Abend weiterhin etwas mittelalterlastig ließen, wurde zum späteren Abend auch klar, wieso vor allem der erste Maifeiertag zahlreiche Besucher mit Tagestickets anlockte. Die Melodic-Death-Metal-Band Asenblut war immerhin der ziehende Headliner des ersten Festivaltages und brachte reichlich Fans mit, die in diesem Jahr zum ersten Mal das Mead & Greed Festival besuchten. Mit stählerner Brust, harten Gitarrenriffs und dem Ruf der Methörner sorgten die zugleich für einen würdigen Abschluss des ersten Tages.

Für alle, die ein bisschen zu viel Honigwein in ihren Hörnern hatten, ging aber auch der zweite Festivaltag eher gemächlich los und tanzte zunächst nochmal ein bisschen aus der Reihe. Die ruhigen, mittelalterlichen Klänge von Baumbart sind schließlich der perfekte Einstieg für Metalheads, die vom Met noch einen kleinen Kater haben. Erst einmal akklimatisieren und neue Energie für den nächsten Moshpit sammeln, bevor das Mead & Greed Festival dann am zweiten Tag erst so richtig durchstartete.

Asenblut beim Mead & Greed Festival
Asenblut lockte zahlreiche Tagesgäste am Freitag aufs Mead & Greed Festival

Jene Energie war schließlich bereits für den zweiten Act des Tages definitiv nötig. Machten sich einige Besucher noch im Vorfeld über den Namen der Band Mourning Wood lustig, der übersetzt wohl “Morgenlatte” heißen würde, wenn man ihn korrekt Morning Wood geschrieben hätte, so entpuppte sich der “Epic Party Folk Metal”, wie die Band ihre Musik selbst nennt, als ziemlicher Überraschungshit. Irgendwo angesiedelt zwischen Electric Callboy und Trollfest erweckten schon die Hawaiihemden, Verkleidungen und Mützen den Eindruck, als nehme sich die Band nicht allzu ernst. Ihr Sound wiederum ist im wahrsten Sinne eine reine Metal-Party, die es auf Spaß, Circle Pits und Humor angelegt hat – und damit, obwohl bei vielen Besuchern noch recht unbekannt, zum Highlight des Wochenendes wurde.

Danach legte auch die Härte einen deutlichen Gang zu, denn statt Pagan Metal gab es erst einmal waschechten Death Metal von Neverus und Vanir. Mit den beiden Bands aus den Niederlanden und Dänemark zeigte das Mead & Greed Festival damit zugleich seine internationale Seite, ließ die Gitarren aber auch deutlich härter werden. Wer sich darauf einließ, hatte in der Menschenmenge sichtlichen Spaß und Fans der härteren Gangart kamen damit ordentlich auf ihre Kosten. Für den Gitarristen von Vanir aber sicherlich nicht ganz unanstrengend: Der nämlich legte gleich ein Doppelkonzert hin und war anschließend bei Vansind auch noch mit dabei. Als Supergroup, die sich aus Bandmitgliedern zahlreicher anderer Bands des Genres zusammensetzt, gab es damit auch eine Gelegenheit, gleich zwei Mal hintereinander auf der Bühne zu stehen. Die Fans wussten das zu würdigen.

Mourning Wood beim Mead & Greed Festival
Party Folk Metal als Überraschungs-Hit: Mourning Wood begeisterten als Spaß-Metal-Band am Samstag

Während es dann mit Thorondir etwas Abwechslung gab und im wahrsten Sinne die Trolle heraufbeschworen wurden, sollten später Obscurity beweisen, dass es harten Death Metal tatsächlich auch aus NRW geben kann. Die Velberter überzeugten nicht nur als Co-Headliner des wichtigen, zweiten Festivaltages, sondern stellten sich zugleich als eine der härtesten Bands des gesamten Mead & Greed Festivals heraus. Eine perfekte Gelegenheit also, das Publikum für Headliner Manegarm anzuheizen, die ebenfalls als regelmäßige Gäste des Festivals schon reichlich Fans gewonnen haben – und damit dafür sorgten, dass auch wirklich jeder bis zum Ende blieb.

Das wiederum lohnte sich auch, denn zum Schluss gab es auch schon die Ankündigungen für das nächste Jahr. Obwohl die Wirtschaftlichkeit des Festivals bis kurz vor seinem Start zunächst nicht klar war, lässt sich inzwischen mit Sicherheit sagen, dass es im kommenden Jahr eine weitere Ausgabe geben wird. Dann möchten die Veranstalter wieder zurück in den Winter, da das dem Konzept des Festivals besser gerecht wird. Am 26. und 27. Februar 2027 soll es also schon soweit sein, dass sich die Tore des Mead & Greed Festivals erneut in Oberhausen öffnen. Erste Band wurden auch bereits angekündigt. So sind neben Svartsot und Grymheart, auch Trold, Vera Lux und Tales of Ratatösk bereits angekündigt. Tickets gibt es bereits für 60 Euro unter tickets.meadandgreed.de

Fotos: Rene Daners


18
Mai

Forms of Hands: 25. Jubiläum des Noise-Festivals mit zwei Weltpremieren

Harte Beats, tanzbare Rhythmen, elektronische Musik – und trotzdem ein Teil der schwarzen Szene. So mancher Besucher des zweitägigen Festivals Forms of Hands würde sich wohl selbst als “Techno-Fan im schwarzen Gewand” bezeichnen. Für viele der Teilnehmer handelt es sich um ein jährliches Widersehen unter Freunden, fast wie ein Familientreffen bei dem jeder die anderen kennt. Am 24. und 25. April 2026 fand es inzwischen zum 25. Mal statt und feierte damit das große Jubiläum. Für Veranstalter Udo Wiessmann hätte es dabei kaum ein besseres Geschenk geben können: Zum ersten Mal war das Event mit 500 Besuchern vollständig ausverkauft.

Die Noise-Musik vom Label Hands Productions ist allerdings selbst innerhalb der schwarzen Szene eher eine Nische. Zu dem Konzept aus heftigen, teils maschinenartigen und rauen Tönen gehört natürlich auch die passende Location: Ein Gebäude der Industriekultur ist daher ein Muss für den Austragungsort. Vor 25 Jahren in einem Bahnbetriebswerk in Arnstadt begonnen, bleibt Forms of Hands dieser Ausrichtung treu: Der Förderturm Bönen war einst Teil des Steinkohle-Bergwerks und dient heute als Industriedenkmal und Event-Location. Für manchen Bahnfahrer zwar etwas abgelegen, könnte es für dieses Festival kaum eine passendere Location geben. Den einzigartigen Sound, der auch ein bisschen an frühere “Maschinenfest”-Veranstaltungen erinnert, kann es nur in einer solchen Stahlumgebung geben. Den Hinweis an der Tür, doch besser einen Hörschutz zu tragen, sollte man hier also definitiv ernst nehmen. Schon Sans-Fin konnte das als erster Act des Freitags unter Beweis stellen.

Monya bei Forms of Hands 2026
Auch Frauen können Noise: Monya begeistert am Freitag bei Forms of Hands

Besondere Highlights des Events waren zwei Weltpremieren von Künstlern, die in der schwarzen Szene zwar keine gänzlich unbekannten sind, in dieser Konstellation jedoch noch nie auf der Bühne standen. So hatten sich etwa Claus Larsen von Leaether Strip und David Christian von Cervello Elettronico unter dem Namen Torture Gallery zusammengetan, um erstmals gemeinsam ein Noise-Projekt zu präsentieren. Insbesondere für Larsen, der für gewöhnlich eher klassischen EBM spielt, war das eine überraschende Neuheit. Gemeinsam lieferten sie einen Sound, der eher an frühere Zeiten des Noise und Industrial erinnert: Statt tanzbar-technoider Rhythmen gab es eher einen atmosphärischen Sound, der dank der harschen Stimme von Larsen glatt wie die Vertonung eines Horrorfilms wirkte. Ein spannendes Projekt, das vor allem Fans begeisterte, die schon in den Anfangszeiten von Forms of Hands dabei waren.

Für eine noch deutlich härtere Gangart sorgten am zweiten Festivaltag dann Nullvektor und Maschinenkrieger KR52. Auch diese beiden Künstler standen erstmals gemeinsam auf der Bühne und kombinieren dafür den passenden Namen Nullmaschine. Und wenn sich zwei der härtesten Künstler des Labels zusammentun, sorgt das für gewaltige Vibrationen an der massiven Stahlkonstruktion des Förderturms in Bönen. Der tanzenden Menge sah man schnell an, dass diese neue Kombination innerhalb weniger Minuten überzeugen konnte.

Torture Gallery bei Forms of Hands 2026
Weltpremiere: Leaether Strip und Cervello Elettronico als “Torture Gallery”

Zwischendurch gab es zahlreiche andere Künstler, die bei Hands Productions zu den festen Stammgästen gehören. Mit Monya Cperski, hier einfach unter ihrem Künstlernamen Monya auftretend, weiß inzwischen auch eine Frau mit ihren elektronischen Klängen zu überzeugen – was immerhin bei derart hartem Sound immer noch eine Seltenheit ist. Spätestens seit ihrem Track “Einweg Ausweg Ende” aus dem Jahre 2022, den sie bei Forms of Hands auch mit begleitendem Live-Gesang performt, hat sie sich in dem Genre jedenfalls fest etabliert. Ebenso wie MS Gentur und Sven Phalanx, bürgerlich Sven Lemke, der zu den Events von Hands Productions schon eine richtige Fanbase mitbringt, die den Events des Veranstalters regelrecht hinterher reist.

Die Fanlieblinge sind aber ebenso seit vielen Jahren klar: Ah Cama-Sotz, Mono No Aware und Monolith stehen schließlich nicht grundlos in der Nacht als Headliner auf der Bühne. Beim Belgier Ah Cama-Sotz, der mit Fledermaussymbolik und höllischen Teufelsgrafiken auf der Leinwand für echte Grufti-Stimmung sorgt, kann niemand einfach vorzeitig gehen. “Immer wieder geil”, hört man doch von einigen Fans, die dafür bis nach 2 Uhr nachts in der Halle des Turms blieben. Mono No Aware wiederum punktet womöglich auch mit seiner körperlichen Performance: Passend zu seinem japanischen Namen, der für sowas wie die melancholische Wertschätzung für die Vergänglichkeit steht, sieht sein Bühnenauftritt auch eher wie japanische Kampfkunst aus. Dieser Mann fühlt seine Musik mindestens genauso, wie seine Fans.

Nullmaschine bei Forms of Hands 2026
Nullvektor und Maschinenkrieger KR52 gemeinsam mit ihrem Projekt “Nullmaschine”

Abgerundet wurde das Festival mit zahlreichen weiteren Acts, die für rund 18 bis 20 Stunden Live-Programm sorgten. Und wer neugierig geworden ist, den Sound von Hands Productions einmal selbst zu erleben, hat schon sehr bald die nächste Gelegenheit dazu: Bereits am Pfingst-Wochenende kommen einige Acts des Labels zum Wave-Gotik-Treffen in Leipzig, um die WGT Noise Floors mit fettem Sound zu versorgen. So gibt es Donnerstag, Samstag und Montag besten Noise in der Moritzbastei, sowie Auftritte von MS Gentur + Sven Phalanx und Ah Cama-Sotz am Pfingstsonntag im Täubchenthal. Bis spät in die Nacht werden all jene mit Party versorgt, die nach den letzten Bands des Tages längst nicht genug vom WGT haben.

Fotos: Rene Daners