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Köln: Amphi Festival gibt finale Bandwelle bekannt
Castle Rock bestätigt Lord of the Lost als Headliner
Helden der Leinwand: Filmmusik mit Oscars vom Live-Orchester
Kinky Boots: Das Cindy Lauper Musical begeistert Oberhausen
Slime in Köln: Oldschool-Punk mit neuem Feuer zurück auf der Bühne
Unzucht: Erste Tour mit neuem Sänger auch in Düsseldorf
E-Tropolis Festival: Das finale Line Up steht!
Slime: Kultiger Punk-Rock kommt nach Köln und Düsseldorf
Dämonentänze: Schunkeln mit Hämatom

Archiv fürJanuar, 2026


28
Jan

Köln: Amphi Festival gibt finale Bandwelle bekannt

Für die Gothic-Szene ist es eines der wichtigsten Festivals in Deutschland, in NRW sogar das größte seiner Art: Das Amphi Festival im Tanzbrunnen Köln lockt im Sommer Jahr für Jahr rund 12.000 Fans der schwarzen Szene an, um auf drei Bühnen ihre Lieblingsbands zu sehen. Das Besondere an diesem Festival ist nicht nur die außergewöhnliche Location mit einer Amphibühne und einem Sandstrand mit Blick auf den Kölner Dom, sondern auch die Tatsache, dass die kleinste dritte Bühne auf einem Schiff der Köln-Düsseldorfer Schifffahrtsgesellschaft stattfindet. Auch damit ist das Festival einzigartig. Nach zahlreichen Ankündigungen, zu denen natürlich auch VNV Nation als Headliner gehören, nachdem Ronan Harris aus gesundheitlichen Gründen im vergangenen Jahr den Auftritt absagen musste, hat das Festival nun die finale Bandwelle bekanntgegeben.

Dabei bekommt es die schwarze Szene auch mit musikalischen Größen zu tun, die man vor einigen Jahrzehnten noch eher in der Neuen Deutschen Welle verortet hätte. Der Erfinder des “Goldenen Reiter” hat sich inzwischen zu einem “Gothic-Opa” in entsprechenden Outfits gemausert und rockt inzwischen die Bühnen der Szene. Mit seinem heutigen musikalischen Stil ordnet sich Joachim Witt klar beim Gothic-Rock ein und wird damit in der Szene seit Jahren gefeiert. Den Spaß, seinen “Goldenen Reiter” auch hin und wieder mal vor Goths zu spielen, lässt er sich auf den meisten Festivals aber für gewöhnlich nicht nehmen.

Joachim Witt
Der goldene Reiter: Joachim Witt spielt heute auf Gothic Festivals

Ein paar unbekanntere Bands kann man auf dem Amphi Festival aber natürlich auch immer wieder entdecken – insbesondere auf der dritten Bühne auf dem Schiff. So sorgt das noch recht junge französisch-italienische Duo Echoberyl für spannenden Post-Punk und düsteren Dark Wave. Mit ihrem Sound werden sie sicher viele neue Fans hinzugewinnen. Da schließt sich das Berliner Projekt Dina Summer sicherlich gerne an. Hier erwartet das Publikum einen Mix aus Italo Disco und Dark Wave – und zeigt, dass Gothic und schwarze Szene auch moderne, alternative Sounds beherrscht.

Etwas bekannter ist da schon die Dark Rock-Formation Florian Grey. Der Name kommt nicht etwa daher, dass die Band irgendetwas mit Dorian Grey oder 50 Shades of Grey zu tun hätte, sondern ist schlicht der Name des Frontmanns. Bekannt wurde die Band unterdessen in der Szene bereits durch eine engere Zusammenarbeit mit Lord of the Lost-Sänger Chris Harms, der auch als Coproduzent des ersten Albums in Erscheinung getreten ist. Auf Florian Grey dürften sich also viele Anhänger der schwarzen Szene freuen. Ähnliches dürfte auch auf Kllsignl zutreffen, die einen etwas experimentellen, aber überaus düsteren Electro-Trap präsentieren. Auf Grund ihrer Musikvideos, in denen sie auch gerne ein Geweih tragen, könnte man gar einen Hauch Pagan unterstellen. Eines ist das aber sicherlich: anders dunkel.

Motel Transylvania
Motel Transylvania begeistern mit harten Gitarren und mitreißendem Metal

Deutlich härter und gitarrenlastiger werden dann Motel Transylvania. Ihre harten Gitarrenriffs verordnen sich schnell in der Nähe der Neuen Deutschen Härte. Meist trifft man sie dort an, wo Bands wie “Heldmaschine” oder “Der Maschinist” ebenfalls spielen. Die Fans des düsteren Rocks werden sich auf den Auftritt beim Amphi sicherlich freuen. Aber auch die Fans der etwas softeren Klänge sollen bei der letzten Bandwelle natürlich auf ihre Kosten kommen: Die Synthpop-Band Silent Runners schlägt doch eher melodischere, weichere Töne an. Spannend ist dabei, dass sie modernen Synthpop mit der typischen Stimme eines Post-Punk-Projekts kombinieren.

Fans von letztem kommen aber mit The Sweet Kill ohnehin nochmal auf ihre Kosten. Feiner, eleganter Gesang trifft auf ruhige, melodische Gitarren in einem nachdenklich-melancholischen Sound. Wenn etwas wohl der Gothic-Musik zugeordnet werden kann, ist es zweifelsohne die Musik von “The Sweet Kill”. Neugierig geworden? Das Amphi Festival findet am 25. und 26. Juli 2026 in Köln statt. Tickets gibt es unter amphi-shop.de

Fotos: Rene Daners


28
Jan

Castle Rock bestätigt Lord of the Lost als Headliner

Eine schönere Kulisse kann man für ein Festival fast gar nicht mehr haben. Das beliebte Schloss Broich in Mülheim an der Ruhr ist keines dieser Schlösser, das von Touristen bei Besichtigungen überrannt wird, sondern ein richtiges Event-Schloss, das den Bürgern von Mülheim für zahlreiche Veranstaltungen zur Verfügung steht. Eine davon findet inzwischen seit über 25 Jahren jedes Jahr statt. Beim Castle Rock Festival gibt es an zwei Tagen feinsten Rock und Metal nahe der schwarzen Szene. Grund genug für Goths und Metal-Fans aus dem Ruhrgebiet am 3. und 4. Juli 2026 nach Mülheim an der Ruhr zu pilgern.

Neben zahlreichen Bands, die sich wachsender Beliebtheit erfreuen und zu denen unter anderem Nachtblut, Tanzwut und Crematory gehören, hat das Castle Rock für 2026 auch bereits einen ganz besonderen Headliner angekündigt. Seit ihrem Auftritt beim Eurovision Song Contest im Jahre 2023 ist die Band um Chris Harms auch abseits der Szene bekannt. Auf dem Castle Rock waren sie jedoch schon vor dem ESC hin und wieder zu Gast und in der schwarzen Szene finden sie bereits seit ihrer Gründung zahlreiche Fans. Nun sind sie zurück: Lord of the Lost wird zum Aushängeschild für das Festival im Ruhrgebiet und werden nicht nur ihren großen Hit “Blood & Glitter” auf der Bühne, eingebettet zwischen der Schlosskulisse, präsentieren.

Chris Harms von Lord of the Lost
Lord of the Lost sind der Headliner beim Castle Rock Festival (Foto: Rene Daners)

Gleichzeitig gibt es auch eine schlechte Nachricht: Nach internen Auseinandersetzungen mit ihrem Gitarristen und dem Umgang mit antifaschistischen Statements, hat sich die Band Stoneman bis auf weiteres aufgelöst und spielt in diesem Jahr keinerlei Konzerte mehr. Das betrifft natürlich auch ihren Auftritt beim Castle Rock Festival, den sie sodann abgesagt haben. Als Ersatz wurde vor kurzem Elli Berlin angekündigt, die zuvor bereits als Sängerin der Band “Null Positiv” in Erscheinung getreten ist. Unterdessen gibt es auch bei All for Metal personelle Veränderungen: Der zweite Sänger Antonio Calanna hat die Band vor kurzem verlassen, um sich auf seine Solo-Karriere zu konzentrieren. Sollte die Band bis zum Festival keinen Ersatz finden, wird sie mit verringerter Größe beim Castle Rock auftreten – ist jedoch weiterhin dabei.

Fans des düsteren Rock dürfen sich aber ohnehin auch auf diverse weitere Bands freuen. Mit Sagenbringer und Haggefugg kommen schließlich die Fans des Folk- und Mittelalter-Metal voll auf ihre Kosten. Ebenso wird Heimataerde einen mitreißenden Mix aus Mittelalter, Metal und Dark Electro spielen und damit einen einzigartigen Sound auf die Bühne bringen. Außerdem dürfen Snow Withe Blood, Wisborg, Eigensinn und Die Legende von Nord das fantastische Line Up ergänzen. Tickets und weitere Infos unter muelheim-ruhr.de.


26
Jan

Helden der Leinwand: Filmmusik mit Oscars vom Live-Orchester

Die Niederrheinischen Sinfoniker sind bekannt für ihre zahlreichen Konzerte der klassischen Musik. Doch immer zu Jahresbeginn veranstalten sie unter der Leitung von Dirigent Sebastian Engel und Moderator Ronny Tomiska etwas, das ihnen vermutlich selbst besondere Freude macht, weil es auch für sie eine Besonderheit ist: Sie spielen die Musik oscarprämierter Filmklassiker – von Hans Zimmer bis John Williams – live mit einem riesigen Orchester. Geigen, Violinen, Kontrabass, Schlagzeug, Trompeten, Saxophon, Harfe, Klavier und alle möglichen anderen Instrumente, die man in ein Orchester mit beachtlicher Teilnehmerzahl einbauen kann, sorgen dafür, dass die Musik der Filmgeschichte mit einer besonderen Wucht zur Geltung kommt. Während Ausschnitte aus den Filmen im Hintergrund auf der Leinwand präsentiert wurden, lockte Helden der Leinwand am 25. Janauar 2026 im Theater Mönchengladbach-Rheydt vor allem älteres Publikum an, das so manchen Klassiker noch selbst auf der Leinwand gesehen hat.

Helden der Leinwand mit den Niederrheinischen Sinfonikern
Die Filmmusik aus “Der Zauberer von Oz” – gespielt vom großen Orchester

In der ersten Hälfte des Konzerts sollte die typische Zielgruppe eines klassischen Konzertes auch auf ihre Kosten kommen. Hier wurden vor allem die Hits älterer Titel vom Orchester gespielt. Ob die legendäre Melodie aus “Der Zauberer von Oz” aus dem Jahre 1939, die Ouvertüre aus “Lawrence von Arabien” aus dem Jahre 1962 oder die gruseligen Sounds aus dem originalen “Der weiße Hai”. Das ältere Semester hatte sichtlichen Spaß, die Film-Hits ihrer eigenen Jugend live und beeindruckend unplugged präsentiert zu bekommen. Insbesondere der letzte Hit vor der Pause, die Songs aus dem legendären “Ben Hur” entfalteten dabei eine monumentale, geradezu epische Wucht, die bereits jetzt manchen Zuhörer mit offenen Mündern in die Halbzeit schickte.

In der zweiten Hälfte dann etwas moderner, sodass auch das jüngere Publikum mehr auf seine Kosten kam. Die legendäre Suite aus “König der Löwen” durfte da natürlich nicht fehlen und die zweite Hälfte würdig einleiten. Moderiert vom stets gut gelaunten Ronny Tomiska, der auch immer wieder spannende Anekdoten und so manchen Witz auf Lager hatte – aber auch einen heftigen Klassiker wie “Schindlers Liste” angemessen anmoderieren konnte. Besonders eindrucksvoll wurde dann aber natürlich die Mitte der zweiten Hälfte, wenn die spannenden Momente aus “Titanic” und “Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs” jene Bühne erhielten, die sie auch benötigen. Anschließend sollten “La La Land” und “Oppenheimer” dann beweisen, welch Vielfalt die Filmmusik doch zu bieten hat. Letzterer spaltet zugleich die Gemüter: Während die einen den Song etwas zu kurz fanden, wirkte dieser auf andere durch das abrupte Ende, das die Explosion der Atombombe schildern sollte, gerade richtig.

Helden der Leinwand mit den Niederrheinischen Sinfonikern
Moderator Ronny Tomiska führte charmant durch den Abend

Bei der Filmmusik zum legendären Disney-Zeichentrickfilm “Aladdin” waren sich dann aber alle einig: Das ist nicht nur Musik, die jede Generation wiedererkennt, sondern die mit ihren Rhythmen besonders mitreißend und intensiv sein kann. Für die Standing Ovations und den sehr ausgiebigen Applaus des Publikums gab es dann aber auch noch eine Verlängerung: Die Filmmusik aus “Der Pate” mit dem Streichorchester zu spielen, kam überraschend, entfaltete aber seine volle Wirkung. Und zu guter letzt darf mit dem Soundtrack aus Star Wars natürlich jene Musik nicht fehlen, auf die hier wahrscheinlich das gesamte Publikum an diesem Abend gehofft hat. Für viele Besucher steht jetzt schon fest: Im Januar 2027 sind sie wieder mit dabei – schließlich kommen einige von ihnen schon seit Jahren ins Theater Mönchengladbach oder Krefeld, um bei diesem besonderen Erlebnis dabei zu sein.

Fotos: Rene Daners


26
Jan

Kinky Boots: Das Cindy Lauper Musical begeistert Oberhausen

Für die großen Musicals vom Broadway muss es gar nicht immer der Weg nach Hamburg sein, auch mitten im Ruhrgebiet findet sich so manche spannende Vorführung. Für wenige Wochen hat das Metronom Theater in Oberhausen nämlich nun ein ganz besonderes Musical nach Deutschland geholt: Kurz nachdem Cindy Lauper ihre große Musikkarriere beendet hat, können wir ihre Songs in Kinky Boots noch ein wenig weiter erleben. Und das ist nicht etwa eine deutsche Kopie des Musicals, sondern der Veranstalter hat tatsächlich die englischsprachige Originalproduktion nach Deutschland geholt. “Kinky Boots” wird nicht übersetzt, sondern kommt bei Songs und Dialogen im Original daher – und profitiert vor allem in seiner Hauptrolle davon.

Ganz so “verrucht” und “pervers”, wie der Titel vermuten mag, ist das Musical dann aber tatsächlich doch nicht. Stattdessen handelt die Geschichte vom Sohn des Inhabers einer Schuhfabrik. Als dessen Vater verstirbt, muss er das Unternehmen weiter zum Erfolg führen, obwohl er gemeinsam mit seiner Partnerin eigentlich andere Pläne für seine Karriere hatte. Und dabei soll ihm ausgerechnet ein Travestiekünstler helfen, eine spannende Marktlücke zu schließen: Die perfekte Fusion eines Männer- und Frauenschuhs. Ein Frauenschuh, getragen von Männern, die als Drag Queen auftreten oder als Transsexuelle leben. Und dabei steht schnell die Frage im Fokus, was eigentlich das Geschlecht, die Kleidung oder eben den Schuh eigentlich ausmacht und warum nicht auch ein Mann in sexy High Heels schlüpfen kann.

Kinky Boots Musical im Metronom Theater Oberhausen
Tosh Wanogho-Maud ist als Drag Queen das Highlight der Show

Geboten bekommt der Zuschauer also einen Mix aus Musical mit Cindy Lauper Songs und hochwertiger Drag Show mit aufregenden Kostümen und beeindruckendem Schauspiel. Ein Highlight ist ganz besonders die Hauptrolle der Drag Queen Lola, gespielt von Tosh Wanogho-Maud, der hier ein absolut spektakuläres Schauspiel-Theater auf der Bühne abliefert. Seine Körpersprache und seine Mimik zeugen von einer Spielfreude, die selbst das legendäre “Moulin Rouge” in den Schatten stellt. Und spätestens mit seinem Gesang bringt er das Publikum zum Staunen: Trotz seines maskulinen und muskulären Auftritts, gelingt ihm eine beeindruckend hohe feminine Stimme, die an afroamerikanische Soul-Sängerinnen erinnert. Gesang in Extraklasse, wie man ihn nur selten in einem Musical erlebt. Tosh Wanogho-Maud allein wäre in der Lage, die Show zu tragen.

In Kombination mit Dan Partridge in der Rolle des Firmenerbes Charlie, der hier den typisch kitschigen Musical-Gesang liefert, geben die beiden ein herausragendes Duo ab. Aber auch in den Nebenrollen profitiert “Kinky Boots” durchaus davon, im englischen Original aufgeführt zu werden: Viele der Nebenrollen – vom Lagerleiter bis zum draufgängerischen Arbeiter – präsentieren sich “very british” und machen auf Grund ihres britischen Humors und ihres vor allem im Englisch funktionierenden Wortwitzes großen Spaß. Wer mit der Sprache ein wenig Probleme hat, findet in der oberen linken und rechten Ecke eine deutsche Übersetzung als Übertitel – dafür ist ein Sitzplatz weiter hinten allerdings empfehlenswert, um den Text besser im Blickfeld zu haben.

Kinky Boots Musical im Metronom Theater Oberhausen
Dan Partridge spielt die einfühlsame Hauptrolle als Charlie

Für alle anderen, die einigermaßen gut englisch verstehen, lohnt sich hingegen ein Sitzplatz weiter vorne: Je näher das Publikum am Bühnengeschehen dran ist, desto beeindruckender wirkt das Schauspiel. Ein bisschen “Schulenglisch” reicht durchaus aus, um die Alltagsunterhaltungen zwischen den Protagonisten zu verstehen. Durch das Bühnenbild, welches durchgehend dem Inneren einer Schuhfabrik entspricht, entsteht in den vorderen Reihen jedoch etwas mehr das Gefühl, selbst Teil dieses Raumes zu sein. Optisch ist das zwar im Vergleich zu anderen Musicals nur “zweckmäßig”, aber insgesamt trotzdem liebevoll detailliert. Übrigens: Auf das Klischee verzichtet man. Cindy Laupers größten Hit “Girls just wanna have fun” gibt es – wider erwarten – nicht zu hören. Das aber macht das Musical auch zu einem abgerundeten Erlebnis, ohne aufgesetzten Fanservice. Das Musical läuft noch bis zum 1. Februar 2026 und wird anschließend von “Pretty Woman” abgelöst. Tickets gibt es u.a. bei Eventim

Fotos: Pamela Raith / Semmel Concerts


26
Jan

Slime in Köln: Oldschool-Punk mit neuem Feuer zurück auf der Bühne

Bei einer Band, die seit 1979 auf der Bühne steht, erwartet man eigentlich eher älteres Publikum. Die Mehrheit mag zwar sicherlich über 50 sein, doch zwischen der Menschenmenge finden sich auch immer wieder jüngere Zuschauer mit Iro oder Metalkutte, die den Oldschool-Punk von Slime noch immer feiern. Anders, als etwa der Hardrock von Bands wie AC/DC scheint der traditionelle Punkrock doch irgendwie zeitlos. Vielleicht auch, weil die Band selbst ihre Show wohl als “politische Veranstaltung” einstufen würde. In alle Richtungen gegen die Übel der Welt auszuteilen, das funktioniert eben bei jung und alt. Und in schwierigen Zeiten mit einer komplizierten Weltlage kommt der Sound der Punks noch immer an.

Slime in der Kantine Köln
Michael Mayer (rechts) steht seit 1979 mit Slime auf der Bühne

Aber erst einmal durften die Jüngeren auf die Bühne. Mit der Leipziger Punkband 100 Kilo Herz hatten Slime sich nämlich schlagfertigen Support mit in Die Kantine in Köln gebracht. “Wir sind eine antifaschistische Band, bei uns ist jeder Willkommen” macht Sänger Steffen zu Beginn des Abends klar, als müsste man das bei einem Punk-Konzert tatsächlich erwähnen. Dass Bands und Publikum politisch eher links eingestellt sind, dürfte bei diesem Genre wohl jeder erwarten. Ein bisschen anders ist der Sound von “100 Kilo Herz” – die sich im Vergleich zu Slime politisch schon fast etwas zurückhalten – aber doch: “Brasspunk” nennen sie das, wenn sie ihren mitreißenden Punkrock mit Trompete und Saxophon begleiten. Das gibt dem Sound einen modernen, fetzigen Touch, der eigentlich schon einen Besuch auf der eigenen Headliner-Tour verdient hätte.

Ein Großteil der Fans aber sind für die – frech gesagt – Alt-Punks von Slime gekommen, die im vergangenen Jahr ihr neuestes Album veröffentlicht haben. Dabei sind die Hamburger mit ihrem echten St. Pauli-Punk gar nicht alle so alt, Sänger Tex Brasket kam schließlich erst im Jahre 2021 neu dazu. Er ist wahrscheinlich auch der Grund, warum die Punk-Rocker, die noch immer mit dem 1979er Gründungsmitglied Michael „Elf“ Mayer auf der Bühne stehen, noch heute relevant sind. Nicht nur die Texte machen den Sound aus, sondern auch die mitreißende Stimme von Tex Brasket, die dem modernen, heutigen Sound von Slime das nötige Feuer geben, das auch neue junge Fans begeistert. Böse Zungen mögen der Band unterstellen, damit auch ein bisschen mainstreamiger geworden zu sein, vielleicht ein bisschen mehr nach Nu-Metal zu klingen. Aber verdammt: Der Mann kann singen – und das ist im Punk ja bekanntlich keine Selbstverständlichkeit.

Slime in der Kantine Köln
Slime begeistern noch immer alle Generationen

Die Energie erinnert dank Tex ein bisschen an den jungen feministischen Punk von “The Baboon Show” und das merkt man dem Publikum auch schnell an. In der Mitte, auf der “Tanzfläche” der Kantine wird der Moshpit immer größer. Kaum ein Song, zu dem die Menge nicht im Pogo feiert. Und auch die Crowdsurfer, die mangels Bühnengraben gleich auf der Bühne in den Armen des Stagerunners landen, lassen nicht lange auf sich warten. Textlich relevant sind aber erstaunlicherweise sowohl die älteren, als auch die neueren Songs. Slime lassen es sich natürlich nicht nehmen, auch ihren provokanten Song “Deutschland muss sterben” zu spielen, mit dem sich sogar das Bundesverfassungsgericht im Jahre 2000 beschäftigen musste. Denn eines scheint sowas wie das Motto auf den Konzerten der Band zu sein: Wir wollen niemals “Sein wie Die”. Und dabei weiß man gar nicht immer so genau, wer damit so alles gemeint ist.

Slime trauten sich nämlich auch schon immer, auch gegen die eigenen Reihen auszuteilen und ein bisschen selbstkritisch zu sein. Das ist provokant und weit entfernt von dem, was in “gegnerischen” Kreisen wohl als “Gratis-Mut” bezeichnet würde. Nach mehr als 90 Minuten soll schließlich auch noch eine ausgiebige Zugabe kommen und da bekommt jeder sein Fett weg: Mit “Linke Spießer” teilen sie gegen ihre eigene Zielgruppe aus, die selbst zum “Teil des Systems” geworden sind. Und auch von “Religion” halten die Punk-Rocker nicht viel – egal, um welche Glaubensrichtung es geht. Doch am Ende erinnern sie mit ihrem Song “Irgendwas mit Saufen” vom aktuellen Album, dass wir trotz all der Politik doch alle auch zum Saufen gekommen seien. Aber an Umsatz an der Theke wird es bei einem Punk-Konzert wohl niemals mangeln.

Besucherinnen bei Slime in Köln
Fans beim Konzert in der Kantine Köln

Fotos: Rene Daners


14
Jan

Unzucht: Erste Tour mit neuem Sänger auch in Düsseldorf

Bei der beliebten Gothic Rock- und Metalband Unzucht ging es in den vergangenen Jahren drunter und drüber. Nachdem Daniel Schulz zu Oomph! wechselte, standen Unzucht eine ganze Weile ohne Sänger da. Eine Weile wurde es ruhig und die spannende Frage kam auf, ob die alten Fans die Musik wohl auch mit neuem Sänger noch mögen würden. Nun ist es so weit: Timm Hindorff trat der Band im Jahre 2024 als neuer Sänger bei und versucht, der Rock-Band eine neue Identität zu verleihen. Auf Festivals spielten sie bereits einige der damaligen Songs zusammen, im Frühjahr 2026 dürfen sich alte und neue Fans dann selbst davon überzeugen, ob die neue Konstellation tatsächlich funktioniert.

Unzucht
Unzucht mit neuem Sänger (Foto: Extratours)

Mit “Neon Dom” steht das erste Album mit neuem Sänger in den Startlöchern und die neuesten Songs, an denen Timm Hindorff auch beteiligt war, wollen vor Live-Publikum getestet werden. Mit kleinen Schritten soll es dann erst einmal los gehen: Unzucht dürfen in den legendären Düsseldorfer Punk-Schuppen Ratinger Hof, in dem selbst Die Toten Hosen vor einigen Jahrzehnten ihre frühe Karriere begannen. Die perfekte Umgebung und das perfekte Publikum also, um gitarrenlastige Songs auszuprobieren. Knapp 250 Menschen passen in die Location in der Düsseldorfer Altstadt, bei der die Band am 15. Mai 2026 hautnah ausprobiert, was die Fans von dem neuen Sound halten. Einen Tag später geht es weiter nach Stuttgart. Da darf man vielleicht auch mit dem ein oder anderen Circle Pit rechnen. Tickets gibts für günstige rund 37 Euro bei Eventim und den üblichen Vorverkaufsstellen.


10
Jan

E-Tropolis Festival: Das finale Line Up steht!

Die Gothic-Szene ist mehr als nur traditioneller Goth aus den 80er Jahren, klassischer Post-Punk oder der Gothic Rock der großen Festival. Einmal im Jahr kommen die Anhänger der Szene aus NRW zusammen, um in Oberhausen ein spezielles Genre zu feiern: Das E-Tropolis Festival widmet sich der rein elektronischen Seite der schwarzen Szene. Genres wie Aggrotech, EBM, Synthpop und Dark Electro dominieren dabei am 28. März 2026 die Turbinenhalle Oberhausen. Vom Cybergoth mit den bunten neonfarbenen Plastikhaaren über martialisch anmutende EBMler, bis hin zum Goth im klassischen Schwarz kommt die “schwarze Familie” zusammen, um so manche Größe der Szene auf der Bühne zu sehen.

Als Headliner ist dabei eine Band am Start, die schon in den 90er Jahren auf sich aufmerksam machte und noch heute eine der wichtigsten Bands der Szene ist: Project Pitchfork überzeugten schon mit ihrem Hit “Timekiller”, der einst selbst auf den deutschen Musiksendern hoch und runterlief. Songs wie “Rain” oder “Beholder” schlossen sich später an, um noch immer die Goths auf die Tanzflächen der Clubs zu bewegen. Ohne Zweifel wird die Dark Electro und Synth Rock-Band auch in diesem Jahr wieder zahlreiche Fans auf das Festival locken.

Kite
Kite bei einem Auftritt im Jahre 2025

Auch Combichrist sind auf schwarz-elektronischen Events schon fast eine fixe Instanz. Während sie inzwischen eigentlich deutlich Rock- und Metal-lastiger unterwegs sind, kann es beim E-Tropolis Festival natürlich nur ein elektronisches Oldschool Set geben. Sie spielen auf der großen Bühne der Halle 1 noch einmal ihre großen Hits, mit denen sie einst groß wurden, bevor die E-Gitarren zum festen Bestandteil ihrer Show wurden. Fans können sich da wieder auf Songs wie “Electrohead” und “Shut up and swallow” freuen – Sänger Andy LaPlegua natürlich an der Front.

Mit Kite wird es dann schon ein wenig experimenteller und spezieller. Wenn die schwedische Band, die sich irgendwo zwischen Synthpop und New Wave einsortiert, ihre zahlreichen Instrumente und elektronischen Geräte auf der Bühne aufbaut, dürfte ein Laie wohl ziemlich schnell den Überblick verlieren. Die riesige Installation, die hier von Nicklas Stenemo und Christian Berg mit nur zwei Personen gespielt wird, sorgt nicht nur für ein optisches Spektakel, sondern liefert auch einen einzigartigen Sound, den bisher noch keine weitere Band zu kopieren geschafft hat. “Kite” sind ein Erlebnis, bei dem sich mancher Szeneangehörige zurecht fragt, wieso sie nicht längst als Headliner auf dem Plakat stehen.

Etwas früher am Abend wird es dann mit Funker Vogt eine gewaltige Nummer härter werden. Die martialisch anmutende Band hat bereits eine sehr lebhafte Geschichte mit diversen Wechseln des Sängers hinter sich. Mit Sänger Bastian Polak starten sie aber längst wieder voll durch und heizen das Publikum gewaltig ein. Und das nicht nur mit ihrem Sound, sondern auch mit einer ordentlichen Ladung Pyrotechnik, zu der auch ein Handflammenwerfer gehört. Ein wahrer “Elektro-Krieg” auf der Bühne der Turbinenhalle.

Funker Vogt
Funker Vogt: Sänger Bastian Polak mit Flammenwerfer

Mit einer Verschnaufpause sollten Electrofans dann allerdings nicht rechnen: Bei Noisuf-X wird es wahrscheinlich kaum jemanden geben, der die Füße still halten kann. Der Aggrotech ist geradezu geschaffen für den flotten Tanzstil des “Industrial Dance”, zu dem die Cybergoths das Tanzbein mit einem beachtlichen Umkreis schwingen. Damit gibt’s wohl auch eine der flottesten und härtesten Bands des E-Tropolis Festival.

Auch SynthAttack schließen sich da an und machen ihrem Namen alle Ehre: Mit harten Beats und reichlich Synthesizer-Sounds wollen sie beweisen, dass auch kleinere Bands der Szene die Tanzfläche füllen können. Da ist eine ordentliche Härte garantiert und musikalisch gibt es auch hier im wahrsten Sinne “voll auf die Fresse”. Der Electrohead der härteren Gangart wird daran sicherlich seine Freude haben.

Wem das noch nicht reicht, bekommt zudem einige weitere namhafte Bands der Szene geboten. Mit Faderhead und Welle: Erdball stehen zwei weitere Größen auf der Bühne, die auf kaum einem Gothic-Festival fehlen dürfen. Letztere inspirieren sich dabei sichtlich bei der Kultband “Kraftwerk” und liefern aufregenden C64-Sound mit hübscher Retro-Showeinlage. Bei Neuroticfish und Ultra Sunn wird es hingegen etwas melodischer, sodass auch Fans des gesangslastigeren Synthpop etwas stärker auf ihre Kosten kommen, bevor Fix8:Sed8 im wahrsten Sinne eine wandelnde Vogelscheuche auf die Bühne holt und damit zum Augenschmaus für viele Besucher wird. Darüber hinaus werden auch Vanguard und Zweite Jugend das Festival verstärken. Karten gibt es für 73 Euro unter amphi-shop.de

Fotos: Rene Daners


10
Jan

Slime: Kultiger Punk-Rock kommt nach Köln und Düsseldorf

Es gibt Bands, die haben schon einige Jahre nach ihrer Gründung sowas wie einen Legendenstatus. Die seit 1979 immer mal wieder auf der Bühne stehenden Punk-Rocker von Slime gehören da sicherlich dazu. Ihre Bandgeschichte ist so spannend und so voller Kontroversen, wie die politische Laufbahn mancher Staaten: Sogar in der eigenen Szene war die Band immer mal wieder umstritten, nachdem sie es wagte, ihre ganz persönliche Haltung zu vertreten und sie in ihren Songs frei Schnauze rauszuhauen. Die antiamerikanischen Songs der 80er Jahre stießen selbst in der linksorientierten Punkszene nicht immer auf Gegenliebe, Songs wie “Wir wollen keine Bullenschweine” waren sogar einmal Teil eines Ermittlungsverfahren. Aber so ist Punk nunmal: Rebellisch, gegen das System, auch dann, wenn es unbequem wird. Und trotz gelegentlicher Bandauflösungen, kamen sie doch immer wieder auf die Bühne zurück.

Slime
Foto: Mirja Nicolussi / Concert Team NRW

Im August 2025 dann schließlich auch mit einem neuen 13. Album. – und damit der zweiten Platte mit dem aktuellen Sänger Tex Brasket. Die Linie bei “3!+7(hoch 1)” ist geblieben: Mit Songs wie “Armes Deutschland” oder “Generalstreik” besingen sie einmal mehr das, was so mancher Zuhörer vielleicht nicht hören will. Erfolgreich sind sie damit trotzdem seit eh und je, denn genug Punkfans feiern diesen Sound. Und das kann man dann in Kürze auch in einem Moshpit in NRW: Die Punkrocker kommen nämlich am 23. Januar 2026 nach Köln in Die Kantine, sowie am 30. Januar 2026 nach Düsseldorf in den legendären alternativen Club Zakk. Tickets für Köln gibt es für rund 45 Euro unter eventim.de und für Düsseldorf direkt auf der Webseite des zakk.


07
Jan

Dämonentänze: Schunkeln mit Hämatom

Dass die Metal-Band Hämatom für manchmal arg kontroverse Kooperationen bekannt ist, dürfte längst nicht Neues mehr sein. Bereits im Jahre 2024 traten sie auf dem Wacken Open Air gemeinsam mit Rapper Finch auf – und sorgten dabei für gemischte Reaktionen bei den Fans und Metalheads. Dieses Mal setzen sie gar noch einen drauf: Statt Rap oder HipHop, soll es dieses Mal Schlager sein, der mit ihnen gemeinsam auf die Bühne darf. Und das ist so oldschool, dass es bis in die 60er Jahre zurück geht. Mit Fernando Express als ersten Support gab es am 29. Dezember 2025 im Carlswerk Victoria Köln waschechten Schlager der wirklich alten Schule. Beide Bands und auch die Fans machten sich einen riesigen Spaß daraus, Songs wie “Mit dem Albatross nach Süden” gemeinsam zu performen. Wenn Hämatom mit ihren Masken und Fernando Express im schicken Anzug nebeneinanderstehen, war das schon ein eher ulkiger Anblick.

Hämatom und Fernando Express
Einzigartig: Hämatom und Schlager-Band Fernando Express teilen sich die Bühne

Eigentlich hatte die Band sich im Laufe des Jahre 2025 sowieso schon aufgelöst. Durch eine Freundschaft zwischen den Musikern sollte das wirklich endgültige Abschiedskonzert also gemeinsam mit Hämatom in Köln stattfinden. Für die meisten Besucher des Konzerts wohl Premiere und Abschied zugleich: Sie wurden Zeuge des letzten Bühnenauftritts, den “Fernando Express” jemals absolvieren und haben sie wahrscheinlich gleichzeitig zum ersten Mal überhaupt live gesehen. Scherzhaft stellte Sängerin Heidi Schütz schon zu Beginn fest: “Die gute Nachricht: Ihr müsst uns jetzt nur eine halbe Stunde ertragen und danach nie wieder”. Sogar beschriftete Pappen mit den Songtexten hatten sie mitgebracht, schließlich dürfte niemand im Publikum ihre Songs kennen. Metalheads aber sehen zwar manchmal böse aus, machen aber jeden Spaß mit: Und so dauerte es nicht lange, bis die über 1000 Fans in der Halle plötzlich zu Schlagermusik schunkelten. Na nu?

Fast schon, als wollte man sie gleich danach für ihr Durchhaltevermögen entschädigen, kam dann als zweiter Support bei den “Dämonentänzen” auch schon ein Kontrast auf die Bühne, dem man beinahe unterstellen könnte, noch einen Tick härtere Gitarren zu spielen, als Hämatom selbst. Mit Dymytry Paradox, quasi sowas wie der internationalen Nachfolge-Band des tschechischen Metal-Acts “Dymytry” wurde das Publikum dann gewaltig eingeheizt. Verkleidet als Außerirdische, die in einem Chemielabor arbeiten, zeigen sie, dass junger Metal ziemlich hart sein kann. Ihr aktuelles Album “Five Angry Men” ist auf der Bühne schon geradezu Programm. Da war dann für die nächsten 40 Minuten auch mal keinen Platz für Schlager. Purer, geradliniger Metal, ohne genrefremde “Extras”. Ein bisschen Erholung für die beanspruchten Ohren der langhaarigen Kuttenträger.

Dymytry Paradox
Harter Kontrast: Dymytry Paradox entschädigen die Metalheads nach der Schlager-Attacke

Beim eigentlichen Headliner Hämatom weiß man aber, dass die sich selbst nicht immer so ernst nehmen. Das wird schon mit dem Einhorn deutlich, das kurz vor Beginn des Konzerts das Publikum vor einer LGBTQ-Flagge ein wenig vorbereitet. Dass bei diesem doch eher spaßigeren Metal dann auch Heidi Schütz hin und wieder mal mitsingen darf, ist doch fast selbstverständlich. Den Fans wird der Abend dadurch in Erinnerung bleiben: Die “Dämonentänze” werden die einzige Tour sein, bei der Hämatom jemals mit der Schlagerband gemeinsam auftreten werden. Aber um lustig zu sein, haben sie “Verstärkung” aus dem Schlager auch gar nicht nötig. Schon mit ihrem ersten Song “We wish you a metal christmas” sorgen sie für einige schmunzelnde Gesichter.

Ein bisschen ernsthaft wird es zwischendurch aber auch, etwa wenn sie ihrem verstorbenen Bassisten Peter „West“ Haag gedenken. “Gott muss ein Arschloch sein”, ist da doch das perfekte Statement, wenn jemand viel zu früh aus dem Leben scheidet. Und gemeinsam mit den Fans an diesem Abend zu feiern, das hätte ihr Freund und ehemaliges Bandmitglied doch gewollt. Perfekter Einstieg ohnehin, um mit “Zeig es meinem Mittelfinger” und “Scheiße kommt, scheiße geht”, gleichermaßen spaßig-aggressiv in der Spur zu bleiben und damit die Halle zum Beben zu bringen. Spätestens mit dem Marteria-Cover “Kids” haben sie den Höhepunkt ihres Abends aber auch schnell im Blick. Mit perfektem brachialem Sound und einem crowdsurfenden Schlagzeuger (ja, während er das Schlagzeug spielt!), liefert Hämatom einen Abriss, der seinesgleichen sucht und beweist, dass sie ganz oben im Metal-Genre angelangt sind.

Hämatom: Crowdsurfing mit dem Schlagzeug
Spektakulär: Schlagzeuger Frank „Süd“ Jooss crowdsurft mit dem Schlagzeug!