Neueste Artikel:
Dämonentänze: Schunkeln mit Hämatom

Archiv fürJanuar, 2026


07
Jan

Dämonentänze: Schunkeln mit Hämatom

Dass die Metal-Band Hämatom für manchmal arg kontroverse Kooperationen bekannt ist, dürfte längst nicht Neues mehr sein. Bereits im Jahre 2024 traten sie auf dem Wacken Open Air gemeinsam mit Rapper Finch auf – und sorgten dabei für gemischte Reaktionen bei den Fans und Metalheads. Dieses Mal setzen sie gar noch einen drauf: Statt Rap oder HipHop, soll es dieses Mal Schlager sein, der mit ihnen gemeinsam auf die Bühne darf. Und das ist so oldschool, dass es bis in die 60er Jahre zurück geht. Mit Fernando Express als ersten Support gab es am 29. Dezember 2025 im Carlswerk Victoria Köln waschechten Schlager der wirklich alten Schule. Beide Bands und auch die Fans machten sich einen riesigen Spaß daraus, Songs wie “Mit dem Albatross nach Süden” gemeinsam zu performen. Wenn Hämatom mit ihren Masken und Fernando Express im schicken Anzug nebeneinanderstehen, war das schon ein eher ulkiger Anblick.

Hämatom und Fernando Express
Einzigartig: Hämatom und Schlager-Band Fernando Express teilen sich die Bühne

Eigentlich hatte die Band sich im Laufe des Jahre 2025 sowieso schon aufgelöst. Durch eine Freundschaft zwischen den Musikern sollte das wirklich endgültige Abschiedskonzert also gemeinsam mit Hämatom in Köln stattfinden. Für die meisten Besucher des Konzerts wohl Premiere und Abschied zugleich: Sie wurden Zeuge des letzten Bühnenauftritts, den “Fernando Express” jemals absolvieren und haben sie wahrscheinlich gleichzeitig zum ersten Mal überhaupt live gesehen. Scherzhaft stellte Sängerin Heidi Schütz schon zu Beginn fest: “Die gute Nachricht: Ihr müsst uns jetzt nur eine halbe Stunde ertragen und danach nie wieder”. Sogar beschriftete Pappen mit den Songtexten hatten sie mitgebracht, schließlich dürfte niemand im Publikum ihre Songs kennen. Metalheads aber sehen zwar manchmal böse aus, machen aber jeden Spaß mit: Und so dauerte es nicht lange, bis die über 1000 Fans in der Halle plötzlich zu Schlagermusik schunkelten. Na nu?

Fast schon, als wollte man sie gleich danach für ihr Durchhaltevermögen entschädigen, kam dann als zweiter Support bei den “Dämonentänzen” auch schon ein Kontrast auf die Bühne, dem man beinahe unterstellen könnte, noch einen Tick härtere Gitarren zu spielen, als Hämatom selbst. Mit Dymytry Paradox, quasi sowas wie der internationalen Nachfolge-Band des tschechischen Metal-Acts “Dymytry” wurde das Publikum dann gewaltig eingeheizt. Verkleidet als Außerirdische, die in einem Chemielabor arbeiten, zeigen sie, dass junger Metal ziemlich hart sein kann. Ihr aktuelles Album “Five Angry Men” ist auf der Bühne schon geradezu Programm. Da war dann für die nächsten 40 Minuten auch mal keinen Platz für Schlager. Purer, geradliniger Metal, ohne genrefremde “Extras”. Ein bisschen Erholung für die beanspruchten Ohren der langhaarigen Kuttenträger.

Dymytry Paradox
Harter Kontrast: Dymytry Paradox entschädigen die Metalheads nach der Schlager-Attacke

Beim eigentlichen Headliner Hämatom weiß man aber, dass die sich selbst nicht immer so ernst nehmen. Das wird schon mit dem Einhorn deutlich, das kurz vor Beginn des Konzerts das Publikum vor einer LGBTQ-Flagge ein wenig vorbereitet. Dass bei diesem doch eher spaßigeren Metal dann auch Heidi Schütz hin und wieder mal mitsingen darf, ist doch fast selbstverständlich. Den Fans wird der Abend dadurch in Erinnerung bleiben: Die “Dämonentänze” werden die einzige Tour sein, bei der Hämatom jemals mit der Schlagerband gemeinsam auftreten werden. Aber um lustig zu sein, haben sie “Verstärkung” aus dem Schlager auch gar nicht nötig. Schon mit ihrem ersten Song “We wish you a metal christmas” sorgen sie für einige schmunzelnde Gesichter.

Ein bisschen ernsthaft wird es zwischendurch aber auch, etwa wenn sie ihrem verstorbenen Bassisten Peter „West“ Haag gedenken. “Gott muss ein Arschloch sein”, ist da doch das perfekte Statement, wenn jemand viel zu früh aus dem Leben scheidet. Und gemeinsam mit den Fans an diesem Abend zu feiern, das hätte ihr Freund und ehemaliges Bandmitglied doch gewollt. Perfekter Einstieg ohnehin, um mit “Zeig es meinem Mittelfinger” und “Scheiße kommt, scheiße geht”, gleichermaßen spaßig-aggressiv in der Spur zu bleiben und damit die Halle zum Beben zu bringen. Spätestens mit dem Marteria-Cover “Kids” haben sie den Höhepunkt ihres Abends aber auch schnell im Blick. Mit perfektem brachialem Sound und einem crowdsurfenden Schlagzeuger (ja, während er das Schlagzeug spielt!), liefert Hämatom einen Abriss, der seinesgleichen sucht und beweist, dass sie ganz oben im Metal-Genre angelangt sind.

Hämatom: Crowdsurfing mit dem Schlagzeug
Spektakulär: Schlagzeuger Frank „Süd“ Jooss crowdsurft mit dem Schlagzeug!