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Lichter-Weihnachtsmarkt Dortmund: ASP eröffneten den Konzert-Winter
Alienare: Beim 10-jährigen Jubiläum geht es in die kleinen Clubs
E-Tropolis Festival: Das jährliche Treffen der Electro-Goths in Oberhausen
David Duchovny in Köln: Der Akte X-Star kann auch singen
Oomph! mit neuem Sänger: Ein Experiment vor skeptischen Fans
Gothic im roten Nebel: Blutengel starteten die Herbst-Tour in Köln
Irish Folk Festival wird 50: Handgemachte Musik in den nobelsten Locations
Oomph! auf Tour: Mit neuem Sänger in Bochum und Köln
Madsen: Headliner-Tour im Dezember in Oberhausen
Zirkus des Horrors: Ein Wiedersehen nach 10 Jahren

Archiv fürNovember, 2023


27
Nov

Lichter-Weihnachtsmarkt Dortmund: ASP eröffneten den Konzert-Winter

Er ist in jedem Jahr eine feste Institution im Ruhrgebiet und für viele Besucher einer der wohl schönsten Weihnachtsmärkte NRWs. Der Phantastische Lichter Weihnachtsmarkt rund um den Fredenbaumpark in Dortmund lockt mit seiner außergewöhnlichen Beleuchtung, der aufwändigen Dekoration und den zahlreichen mittelalterlichen Ständen und Händlern jedes Jahr viele tausende Besucher an. Doch nicht nur dadurch ist dieser Weihnachtsmarkt einer der ganz Besonderen in NRW, sondern auch wegen seiner außergewöhnlichen Attraktion in der Mitte des Geländes: Große Bands aus den Bereichen Mittelalter, Gothic, Rock und Folk spielen vor tausenden Besuchern und machen den Phantastischen Lichter-Weihnachtsmarkt zu dem wohl einzigen echten Konzert-Weihnachtsmarkt Deutschlands. Nachdem der Markt bereits am 23. November seine Pforten öffnete, durften erste Bands am Samstag, dem 25. November auch endlich die große Winter-Konzert-Saison eröffnen.

Two Minds Collide - PLWM Dortmund
Lias Schwarz von “Two Minds Collide” spielte später auch als Gitarrist bei ASP

In diesem Jahr hat der Veranstalter aus einigen Problemen aus dem Vorjahr gelernt: Zum ersten Mal gibt es anstelle einer Open Air-Konzertfläche ein riesiges beheiztes Zelt, in dem Bands und Besucher ein etwas angenehmeres Klima vorfinden. Nachdem im Vorjahr unter anderem die Folk-Band Versengold bei eisigen Temperaturen zwischen -5 und -10 Grad auftreten mussten (wir berichteten), wurden die Witterungsbedingungen bei stundenlangem Konzertaufenthalt als unangenehm empfunden. Nun fühlen sich Bands so pudelwohl, dass sie gleich im T-Shirt die Bühne betreten und auch die Konzertbesucher finden Schutz vor der Kälte vor und ziehen gerne mal ihre Jacken aus.

Das machte sich auf der Bühne auch sehr schnell bemerkbar. Den Anfang machte gegen 17:30 Uhr die noch vergleichsweise unbekannte Dark Rock-Band Two Minds Collide, die extra aus dem Saarland anreiste, um das Publikum schon einmal für die nachfolgenden Headliner ordentlich einzuheizen. Da gab es ordentliche Gitarrenriffs, bei denen vor allem Fans des etwas härteren Rock auf ihre Kosten kamen. Ungewöhnlich: Sänger Lias Schwarz spielt gleichzeitig auch die Gitarre und drängt sich dadurch gar nicht so sehr als Frontmann der Band auf. Noch ungewöhnlicher: Fans wussten bereits, dass sie ihn später an diesem Abend noch einmal wiedersehen würden, denn Lias Schwarz entpuppte sich am Abend auch noch als Gitarrist des Headliners ASP und spielte somit in gleich zwei Bands.

Diary of Dreams - PLWM Dortmund
Diary of Dreams lockten zahlreiche Goths auf den Weihnachtsmarkt

Zunächst aber durfte zwischendurch auch noch Diary of Dreams auf die Bühne. Vermutlich jene Band, die dafür sorgte, dass der halbe Weihnachtsmarkt an diesem Samstag gefühlt zur Hälfte von Goths besucht wurde. Das Publikum in tiefschwarzer Kleidung breitete sich schließlich schnell auf den Wegen des Fredenbaumparks aus, sind aber ohnehin schon lange gern gesehene Gäste des MPS und PLWM. Zumeist in rotes Licht getaucht, gab es dann erneut Klänge des Gothic Rock auf die Ohren. Die Fans kennen ihre Songs geradezu auswendig und singen da auch gerne mal mit. Vor allem ihr bekannter Hit “Traumtänzer” kommt beim Publikum, das schnell den Refrain “wie meine Augen glitzern” im Chor mitsingt und dabei eine ganz besondere Atmosphäre aufbaut. Für manchen Fan mag Diary of Dreams vielleicht schon der wahre Headliner der Herzen gewesen sein.

Die großen “Meister des Gothic Rock” von ASP durften aber zum Abschluss ebenfalls nicht fehlen. Sänger Alexander Frank Spreng begeistert schließlich schon seit Jahren mit seinen recht schicken düsteren Outfits und dem hochwertigen Gesang auf der Bühne. Dabei verzichtete ASP dieses Mal aber auf viele der alten Songs, die auf der diesjährigen “Weltunter Horrors”-Tour gespielt wurden und präsentierte eher ein typisches Festival-Konzert mit einem Best Of der großen Hits. Schon bei “Sandmann GmbH & Compagnie”, das von Spreng im noblen Jackett und Hut vorgetragen wird, wurde im Publikum das Tanzbein geschwungen. Ihren ganz großen Hit “Ich will brennen” sparte sich die Band allerdings für die Zugabe auf – und die sollte es “nicht für eure Smartphones geben”, forderte Spreng sein Publikum auf, die Geräte doch wegzustecken. Auf jedem ihrer Konzerte ist es ASP nämlich wichtig, eine Verbindung mit dem Publikum eingehen zu können, statt vor daueraufnehmenden Handykameras zu spielen. Die meisten Besucher hielten sich auch an die Aufforderung.

ASP - PLWM Dortmund
ASP begeisterten als Headliner mit ihren großen Hits

Hatte man nach den Konzerten um 22 Uhr noch längst nicht genug vom Phantastischen Lichter Weihnachtsmarkt, lud der Markt aber auch bis Mitternacht weiterhin zum Verweilen ein. Da gab es neben klassischem Glühwein, nämlich auch den obligatorischen Glüh-Met, den erhitzten Honigwein. Die ein oder andere Live-Musik etwa am schottischen Stand von The Black House sorgte für gemütlichen Runden trotz des eher feuchten Wetters an diesem Samstag und die zahlreichen Ölkerzen auf dem See ließen den Abend vor allem für Paare recht romantisch ausklingen. Sowieso ist der Phantastische Lichter Weihnachtsmarkt eher für seine Gemütlichkeit bekannt. Niemand wird hier pünktlich zu Mitternacht vom Gelände geworfen, immer gibt es die Möglichkeit, den Abend gelassen und ruhig ausklingen zu lassen. Einer der Gründe, wieso sich zahlreiche Fans der Mittelalterszene auch in den späten Abendstunden noch an einem der warmen Lagerfeuer versammeln, die über das gesamte Gelände verteilt sind.

Damit hat der Phantastische Lichter Weihnachtsmarkt, der bis in den Januar hinein geöffnet hat, aber gerade erst begonnen. In den kommenden Wochen stehen weitere große Konzerte von Bands wie Mr. Hurley und die Pulveraffen, VNV Nation oder gar die Rammstein-Coverband Völkerball an, die das Publikum mit ihren zahlreichen Flammenwerfern stets ganz schön einheizen. Tickets für die Konzerte (inklusive Markteintritt) gibt es zwischen 43 und 60 Euro. Wem das zu teuer ist, kann für nur 15 Euro jedoch auch nur ein Ticket für den Weihnachtsmarkt kaufen – und bekommt auf diversen kleineren Bühnen ebenfalls reichlich Live-Musik etwa von Tanzwut oder Kupfergold geboten. Erhältlich sind diese unter phantastischer-lichterweihnachtsmarkt.de


20
Nov

Alienare: Beim 10-jährigen Jubiläum geht es in die kleinen Clubs

Gerade einmal zehn Jahre alt und trotzdem schon “retro”. Das schafft sicher auch nicht jede Band. Das Synthpop-Phänomen Alienare hat seit der Gründung aber inzwischen genug Songs veröffentlicht, dass sie mit ihren älteren Titeln auch einfach mal auf Retro-Tour gehen können. Die soll, ganz wie damals zu den Anfangszeiten, nochmal in den ganz kleinen Clubs stattfinden. Oftmals Locations, in die gerade einmal 100 – 200 Besucher passen. Ganz nah dran und ganz familiär also – auch wenn Alienare auch heute noch keine Band ist, die Stadien füllen würde. Für das Publikum bedeutet das aber auch: Hier tauchen die eingefleischten, langjährigen Fans auf. Und die kommen – etwas untypisch für die Gothic-Szene – auch gerne einmal mit neongrüner Krawatte zu einem schwarzen Hemd. Das gilt übrigens auch für die weiblichen Fans von Alienare.

Alienare
Alienare im Sommer beim Mono Inc. Jubiläumskonzert

Ein aufmerksamkeitserregendes Phänomen bleibt “Alienare” damit auf jeden Fall, nachdem sie es als wohl einzige Band innerhalb der Gothic-Szene jemals geschafft hat, eine Farbe wie Neongrün in der sonst so schwarz geprägten Szene zu etablieren. Das sah man bisher allenfalls bei Cybergoths, die innerhalb der Szene nochmal eine ganz eigene kleine Nische darstellen und normalerweise zu deutlich härteren Klängen tanzen, als zu dem etwas softeren Synthpop der zweiköpfigen Band aus Tim Schulschenk und Timo Hanusch. Die Fans aber lieben das, vor allem, wenn Alienare quasi “Ihren” Hit “#Neon” spielen. Spannend bleibt jedoch, welche anderen “außerirdisch” angehauchten Besonderheiten die beiden wohl bei ihrer “Welcome Back to Area 51″-Retrotour spielen werden.

Geplant sind dabei immerhin drei Termine. Den Beginn macht Köln am 12. Januar 2024. Dort geht es ins Stereo Wonderland, einer Kneipe direkt gegenüber der bekannten kleinen Konzerthallen Blue Shell und Luxor im Kölner Süden. Bereits einen Tag später folgt dann die nächste Show in Ludwigsburg, wo sich Fans im kleinen Four Runners Club auf die Band freuen dürfen. Den Abschluss macht dann am 19. Januar unsere Hauptstadt Berlin, wo die Hafenbar Tegel sogar vorab noch einen besonderen Ausblick aufs Wasser bietet. Tickets gibt es für knapp 24 Euro unter eventim.de


20
Nov

E-Tropolis Festival: Das jährliche Treffen der Electro-Goths in Oberhausen

Es ist so etwas wie die kleine Schwester des Amphi Festivals. Doch mit einem entscheidenden Unterschied: Das E-Tropolis Festival widmet sich voll und ganz der (oftmals härteren) elektronischen Seite der schwarzen Szene. Mit seinen knapp 4000 Besuchern ist es das vielleicht größte deutsche Festival, das sich komplett an die Cybergoth, EBMler und andere Fans der dunklen elektronischen Klänge richtet – und dabei die rockige Hälfte der Szene ein bisschen mehr außen vorlässt. Nach einer Verschiebung in das Jahr 2024 soll die nächste Auflage nun am 2. März 2024 erneut in der Turbinenhalle Oberhausen stattfinden und elektronische Bands auf zwei Bühnen präsentieren.

Suicide Commando
Suicide Commando auf dem Amphi Festival 2022

Als Headliner ist dort so manche große Band der Szene angekündigt. Mit Nitzer Ebb heizen die Meister des Oldschool-EBM ihr Publikum ein, Covenant erfreuen ihre Fans mit klassischem Synthpop, der so manchen auch an VNV Nation erinnern könnte und dank Suicide Commando und Nachtmahr wird auch all jenen “Electroheads” etwas geboten, die den Bass gerne voll in die Fresse bekommen. Da dürfte wieder reichlich abgetanzt werden, wenn gegen Mittag die Tore der Halle öffnen und so mancher Goth wird auch dieses Mal seine neuesten und besten Outfits präsentieren.

Doch auch für den Fan der kleinen Nischen wird im Jahre 2024 einiges geboten. Das E-Tropolis Festival hat Potential und neueste Trend erkannt und bringt jene kleineren Bands auf die Bühne, die von der Szene bereits groß gefeiert werden: Mit Oberer Totpunkt bekommt etwa die Neue Deutsche Todeskunst endlich ihre elektronische Seite, wofür die Band bereits auf der MS Rheinenergie, der dritten Bühne des Amphi Festivals vom Publikum gefeiert wurde. Mit NNHMN (kurz für “Nonhuman”) und Potochkine sind zwei düstere elektronische Bands am Start, die sich auch mal etwas spezielleren Auftritten widmen. Dazu die schwedische Synthpop-Band Kite, die schon desöfteren mit den Düsseldorfer Stars von “Kraftwerk” verglichen wurden.

Rroyce
Rroyce treten ebenfalls auf dem E-Tropolis auf – hier bei einem Auftritt am 21.10.2023 in Turbinenhalle 2

Außerdem dürfen einige Klassiker der Szene natürlich nicht fehlen. Auch wenn so mancher Goth noch darüber rätselt, wie es Sono aus der Technoszene in den Goth geschafft haben, so werden sie für ihren großen Hit “Keep Control” aus dem Jahre 2000 noch immer gefeiert – und der Grufti weiß gute Musik schließlich zu schätzen. Und auch mit Vasi Vallis Projekt Frozen Plasma kommt ein weiteres, fast zwanzig Jahre altes Urgestein der schwarzen Szene auf das E-Tropolis Festival. Ihr wollt dabei sein? Weitere Infos und Tickets gibt es unter etropolis-festival.de


14
Nov

David Duchovny in Köln: Der Akte X-Star kann auch singen

Seinen großen Durchbruch hatte er in der Rolle des Fox Mulder in der Mysteryserie “Akte X”. Neue Fans konnte er Jahre später durch “Californication” für sich gewinnen. Noch heute gehört David Duchovny, der seinen 63. Geburtstag bereits hinter sich hat, zu den absoluten Kult-Stars. Dass der Mann allerdings auch ein begnadeter Sänger ist, der mit einer 6-köpfigen Band auf Tour geht, wissen nicht allzu viele. Einer von nur zwei Deutschland-Terminen fand am 13. November 2023 im Carlswerk Victoria in Köln statt. Der Sänger widmet sich als Singer-Songwriter dem etwas softeren, gesangslastigen Folk-Rock und beweist dabei, dass er mit einer überaus gefühlvollen Stimme gesegnet ist.

So richtig voll war das Carlswerk an diesem Montag allerdings nicht. Nicht einmal die Hälfte der Halle konnte der Serienstar füllen, sogar in den ersten fünf Reihen blieb es bei luftigen Abständen zwischen den Fans und Besuchern. Das macht ein Konzert dieser Art aber auch ein bisschen entspannt und stressfrei. Zu Beginn durfte sowieso erst einmal eine andere Band auf die Bühne: Die Vintage-Rock-Band Komodo aus den Niederlanden befinden sich als Support mit David Duchovny auf Tour und durften erst einmal das Publikum einheizen. Das gelang ihnen mit ihren zahlreichen Instrumenten und mitreißenden Songs auch hervorragend, manche Besucher kauften bereits ein Vinyl, noch bevor Duchovny die Bühne betrat.

David Duchovny - Carlswerk Victoria Köln

Pünktlich um 21 Uhr aber ging es los. Erst die sechs Mitglieder seiner Band, danach ließ sich auch David Duchovny selbst auf der Bühne blicken. Von den Fans gefeiert, schien der Musiker offenbar die Ruhe in Person zu sein. Duchovny strahlte eine Sanftheit und Gemütlichkeit aus, wie man es von Hollywood-Stars nicht unbedingt gewohnt ist. So mancher mutmaßte angesichts der wenig gefüllten Halle, dass Duchovny das hier sowieso mehr als Hobby betreibe. Spaß hatte er jedenfalls sichtlichen. Den ließ er sich auch nicht nehmen, als einige Fans plötzlich “Motherfucker” in Richtung Bühne riefen – offenbar ein Running Gag aus der Serie “Californication”, in der Duchovny den sexsüchtigen Schriftsteller Hank Moody spielt. Ob der Gag richtig ankam, bleibt unklar. Übel nahm der Star es den Fans jedenfalls nicht.

Ganz im Gegenteil, ging Duchovny anschließend sogar auf Tuchfühlung mit seinen Fans. Ganz ohne Begleitung durch Security rannte er bei einem seiner Songs einfach mal quer durch das Publikum, stand plötzlich vor einem und gab fast allen Fans einmal die Hand, während er “Sweet Jane” sang. Und das, obwohl im Vorfeld bereits exklusive Meet & Greet-Tickets für rund 200 Euro verkauft wurden, in denen Autogramme und andere Extras enthalten waren. Aus seiner engen Freundschaft zu Komodo machte er unterdessen auch kein Geheimnis: Während sich Fans auf so manchem Jubiläumskonzert anderer Bands einen gemeinsamen Song wünschen, holte Duchovny seinen Support gleich selbst auf die Bühne, um einen seiner Hits gemeinsam mit ihnen zu performen. Da wurde es dann sogar ein bisschen poppiger und fetziger auf der Bühne.

Seine größten Hits sparte er sich aber dennoch für das letzte Drittel des Konzerts auf. Bei “Hell or Highwater” scheinen einige Fans schon zu wissen, was sie erwartet, sodass manche den Song sogar mitsingen. Mit nach Hause nehmen sollten sie ihn an diesem Abend aber trotzdem nicht: Am Merchandise-Stand von Duchovny lag kein einziges Album aus, weder auf CD, noch auf einem anderen Medium. Auch von “Akte X” gab es nicht viel zu sehen, bis auf ein paar “I want to believe”-T-Shirts, mit denen einige Fans erschienen sind – verkauft wurden diese aber ebenfalls nicht. Das ist erstaunlich, denn insgesamt schien es hier mehr Fans von Akte X zu geben, als von seiner Musik. Wie viele Besucher am Ende wirklich kamen, weil sie Duchovnys Musik mögen und wie viele nur, weil sie Fans der Mysteryserie sind, bleibt wohl ungeklärt. Gefallen hat es dem Publikum, das mit zufriedenen Gesichtern nach Hause fuhr, aber offensichtlich.

David Duchovny - Carlswerk Victoria Köln


14
Nov

Oomph! mit neuem Sänger: Ein Experiment vor skeptischen Fans

Einen neuen Sänger zu akzeptieren, das ist für Fans oftmals nicht leicht. Noch schwieriger wird das, wenn er dafür eine andere, ebenfalls von den Fans geliebte Band verlässt. Nachdem der ehemalige Sänger Dero Goi vor zwei Jahren die Neue Deutsche Härte-Band Oomph! verlassen hat, versuchen die Rocker aber genau das. Ex-Unzucht-Sänger Daniel Schulz kommt neu dazu und wagt das Experiment, die Band neu zu beleben, die einst in den 90igern und Anfang der 2000er ihre großen Hits hatte. Von Unzucht hat er sich dabei scheinbar nicht ganz so friedlich getrennt, Unmut herrscht dort offenbar nach dem Wechsel von “Der Schulz”. Die Fans wagen das Experiment trotzdem: Nicht ganz ausverkauft, aber immerhin sehr gut gefüllt war die Zeche Bochum am 12. November 2023, weil sich die langjährigen Fans dann doch davon überzeugen wollten, wie gut die neue Formation funktioniert. Ein erstes gemeinsames Album mit neuem Sänger haben sie immerhin bereits im September 2023 veröffentlicht.

Oomph! mit Der Schulz
Daniel “Der Schulz” Schulz versucht sich als neuer Sänger von Oomph!

Die Skepsis ist trotzdem groß. Vertreten waren auf dem Konzert größtenteils Anhänger der schwarzen Szene. Die einen Fans der Originalbesetzung von “Oomph!”, die anderen eigentlich Unzucht-Fans, die vor allem wegen Schulz gekommen sind. Skepsis deshalb auf beiden Seiten: Werden die Unzucht-Fans ihren Sänger auch in einer anderen Band mögen? Und wie wird Oomph! wohl klingen, wenn nicht mehr Dero Goi als Frontmann auf der Bühne steht? Eines jedenfalls war schnell sicher: Die neuen Auftritte von Oomph! klingen anders. Nicht schlecht, durchaus mitreißend – aber für Fans erst einmal ungewohnt.

Wie gut das harmoniert, darüber streiten sich wohl auch nach dem Konzert noch die Geister: Die Stimme von Dero Goi hatte Kraft und Tiefe, klang insgesamt ein bisschen “böser”. Schulz hingegen punktet mit einer etwas höheren, melodischeren Stimme. Und doch hat hier mancher den Eindruck, er würde eigentlich Unzucht hören, die gerade Songs von Oomph! covern. Die höhere Tonlage lässt Oomph! plötzlich klingen, wie eine Deutschrock-Band, es fehlt die ruppige Härte, die man aus der Neuen Deutschen Härte eigentlich gewohnt ist. Auch das hat sicherlich seine Berechtigung und auch das wird voraussichtlich gänzlich neue Fans finden, lässt aber auch den ein oder anderen Fan etwas enttäuscht zurück.

Oomph!
Die restliche Originalbesetzung bleibt: Robert Flux an der Gitarre

Für große Überraschung sorgte unterdessen, wie gut Daniel Schulz vor allem mit den alten Songs der Band vertraut ist. Da wurden in den fast zwei Stunden nicht nur Songs des neuen gemeinsamen Albums gespielt, sondern auch zahlreiche Klassiker, die Schulz als Sänger inzwischen textlich gut beherrscht. “Augen auf”, “Gott ist ein Popstar” und “Labyrinth” durften auf der Setliste dabei natürlich nicht fehlen. Viele Fans hatten damit gerechnet, dass sich die neue Besetzung verstärkt auf die Songs des aktuellen Albums stürzen würde. Doch Oomph! bewiesen, dass ihr neuer Sänger auch die alten Songs recht schnell beherrscht. Ob das neue Konzept aber allen Fans letztendlich gefallen wird, sowohl den Oomph!-Fans der ersten Jahre, als auch den Unzüchtigen, wird am Ende aber wohl die Zeit zeigen.


11
Nov

Gothic im roten Nebel: Blutengel starteten die Herbst-Tour in Köln

Es mag ja böse Stimmen geben, die behaupten, Blutengel sei der “Schlager des Gothic”, oder viele Songs klingen zu gleich. Außer Frage steht jedoch: Die Band rund um Sänger Chris Pohl gehört seit mehr als zwanzig Jahren zu den größten Bands der schwarzen Szene. Wenn Blutengel auf einem Festival auftritt, sind sie nicht selten der Headliner des Tages. Und auch bei der nächsten Ausflugsfahrt “Unter schwarzer Flagge” sind sie der Headliner auf der MS Rheinenergie in Köln. Ebenfalls in Köln startete nun am 10. November 2023 die zweite Hälfte der “Un:sterblich”-Tour in der Essigfabrik. Ausverkauft war die Halle nicht, denn aktuell läuft es – sicher auch inflationsbedingt – nicht ganz so perfekt auf der Tour von Blutengel. Chris Pohl versicherte seinen Fans auf Facebook jedoch, dass es keine Absage eines Konzertes seitens Blutengel geben wird, “auch wenn ich ein paar Mark verlieren sollte”.

Blutengel - Essigfabrik Köln
Die Discokugeln der “She hates emotions”-Konzerte schmücken jetzt auch die Blutengel-Tour

Und so freuten sich die Fans trotzdem besonders auf die großen Hits der Band, die sie optisch durchaus etwas ausgefallener spielen. Gleich beim ersten Song kommen die Tänzerinnen mit leuchtenden Stöcken auf die Bühne, die sie ästhetisch sehenswert ihrem Publikum präsentierten. Chris Pohl zeigte unterdessen einmal mehr, dass auch Männer eine feministische Seite haben können: Sein feministisch angehauchtes Gothic-Make Up sitzt perfekt, die Fingernägel schwarz lackiert, dazu im schicken schwarzen Jackett. So kennen Fans ihren Lieblingssänger. Und doch, so richtig gern gibt sich Blutengel auf der Bühne offenbar nicht zu erkennen: Mehr als zehn rote Scheinwerfer, dichter Nebel und Flackerlicht machen es einem Fotografen nicht allzu leicht, die Band zu fotografieren – und auch mit bloßem Auge ist der Schlagzeuger im Hintergrund schon bald kaum noch zu sehen.

Aber macht nichts: Der Sound liefert perfekt und fürs Auge gibt es trotzdem einiges zu sehen. Dafür sorgen auch im weiteren Verlauf die drei Tänzerinnen, die Blutengel jedes Mal mitbringt. Wenn sich die Frauen in blutiger Unterwäsche auf die Bühne machen, um sich gegenseitig erotisch zu bespaßen, ist das fürs Publikum immer wieder ein Augenschmaus. Selbst dann, wenn sie ganz unzüchtig, kurz zuvor noch im Nonnenkostüm umhergelaufen sind. Und ein bisschen was hat sich Blutengel sogar bei der ersten Tour von “She hates emotions”, dem Nebenprojekt von Chris Pohl, abgeschaut: Die vier elektronischen Discokugeln im Hintergrund, die bei “She hates emotions” für ein 80er Jahre Discofeeling sorgten, haben inzwischen auch Einzug bei der Bühnenshow von Blutengel gefunden. Aber sie sind ja schließlich auch hübsch anzusehen.

Blutengel - Essigfabrik Köln
Chris Pohl versteckt sich im roten Nebel, dahinter begeistern die freizügigen Tänzerinnen

Musikalisch gab es einen bunten Mix zu hören. Die großen Hits der Band durften natürlich nicht fehlen, ein paar Klassiker, die es nicht ganz so häufig auf die Konzerte schaffen, wurden aber auch gespielt – ganz zur Freude der langjährigen Fans, von denen manche offenbar die komplette Setlist bereits auswendig kannten. Und dabei brachte Chris Pohl sogar Verstärkung mit: Sängerin Ulrike Goldmann begleitete den Sänger auf die Bühne und war für die großartigen weiblichen Vocals des Konzerts zuständig. Bei Songs wie “Seelenschmerz” konnte sie ihr Gesangstalent besonders gut unter Beweis stellen – und die Fans feiern da besonders mit. Nach knapp 90 Minuten gab es dann nochmal eine Zugabe, die erneut fast 30 Minuten dauerte. Die größten Hits wie “Reich mir die Hand” oder “You walk away” hatten sich Blutengel für den Abschluss des Konzertes aufbewahrt. Vom 17. – 19. November 2023 folgen nun weitere Konzerte in Hamburg, Mannheim und Hannover.


09
Nov

Irish Folk Festival wird 50: Handgemachte Musik in den nobelsten Locations

Unten ein schickes Kino, oben das ganz besondere Kulturprogramm: Das Savoy Theater in Düsseldorf, direkt über dem Atelier Kino, gehört sicherlich zu den nobelsten Locations in der Hauptstadt NRWs. Der hübsche ehemalige Kinosaal im Obergeschoss lädt regelmäßig zu hochwertigem Programm ein – ob Konzerte, Comedy oder manchmal sogar ein bisschen Theater. Am 7. November 2023 war ebenfalls ein recht besonderes Event zu Gast: Das Irish Folk Festival zieht quer durch ganz Deutschland und erfreut fast jeden Tag an einem anderen Ort die Fans der gepflegten traditionell irischen Musik. Und das inzwischen sogar bereits seit recht langer Zeit: Das Festival feiert in diesem Jahr nämlich sein 50. Jubiläum – und gehört damit zu den wohl ältesten Tourneeveranstaltungen Europas.

Auch wenn es die kleinen Video-Rückblicke zu Beginn des Abends vermuten ließen: Ganz so sehr scheint sich das Irish Folk Festival in den 50 Jahren allerdings nicht verändert zu haben. Noch immer ist das Event nicht zu einer großen kommerziellen Massenveranstaltung mit zehntausenden Besuchern geworden, sondern eine Veranstaltung geblieben, die im kleinen Rahmen, mit einigen hundert Besuchern, eine eher gemütliche Atmosphäre schafft. Das Publikum, das zum Teil vielleicht schon vor Jahrzehnten mit dabei war, ist inzwischen natürlich etwas in die Jahre gekommen und die langhaarigen Raucher der 70er Jahre sieht man in dem schicken Savoy auch nicht mehr. Die Vorliebe für handgemachte, echte Musik ist den Fans des Irish Folk Festivals jedoch geblieben. Und so darf es auch mal etwas ruhiger und genussvoller zugehen, wenn die Bands mit ihren zahlreichen Instrumenten die Bühne betreten.

Irish Folk Festival
Cathal Murphy mit schlagkräftiger Unterstützung am Banjo

Den Beginn machte dabei pünktlich um 20 Uhr Cathal Murphy, der eigentlich als Solo-Künstler und Singer-Songwriter unter Beweis stellen mochte, welches Talent in ihm steckt. In Düsseldorf hat er dieses Mal trotzdem noch einen Banjo-Spieler mitgebracht, um sich damit ein bisschen Unterstützung auf der Bühne zu verschaffen. Nötig hätte es der Künstler, der für das Festival extra aus Edinburgh angereist ist, nicht: Seine Stimme überzeugt auch Solo so eindrucksvoll, dass ihm der Applaus schnell sicher ist. Folk kann das Publikum auch dann mitreißen, wenn es nicht so flott gespielt wird wie bei großen Bands wie “Fiddler’s Green” oder “The O’Reillys and the Paddyhats” – das wurde bei diesem Auftritt mehr als deutlich.

Zur Freude der Besucher gehört es aber ohnehin seit nun 50 Jahren zur Tradition des Festivals, authentische Künstler aus Irland und Groß-Britannien einzufliegen – und mit auf Tournee zu nehmen. Das bedeutet: Hier gibt es auch mal Bands und Musiker zu sehen, die in Deutschland doch eher selten auf einer Bühne stehen. Zum Beispiel die irische Band Briste, die in diesem Jahr die Frauenquote etwas nach oben trieb. Normalerweise besteht die Band nämlich ausschließlich aus weiblichen Mitgliedern. Nur wegen der Schwangerschaft eines Bandmitglieds haben sich die drei Frauen dieses Mal etwas männliche Unterstützung dazu geholt. Dem Erfolg tut das keinen Abbruch: Das Quartett harmoniert gemeinsam auf eine Weise, wie es wohl nur echte Profis können. Und wenn bei den mitreißenden Songs der Dudelsack auch mal auf etwas speziellere Weise gespielt wird, haben Briste doch recht schnell die Aufmerksamkeit des Publikums. Nun, ganz zu schweigen von der herausragenden Stimme der Keyboarderin, die für sich allein bereits ein Ohrenschmaus ist.

Irish Folk Festival
Dallahan begeistern als Headliner

Mit der letzten Band und somit dem Headliner Dallahan durfte beim Irish Folk Festival – etwas unirisch – auch der schottische Folk nicht fehlen. Da geht’s schnell ein bisschen klassischer, aber auch poppiger zu: “Bewaffnet” mit Banjo, Akkordeon, Geige und Gitarre bekam das Publikum wohl jenes zu hören, was sie sich am ehesten unter dem bekannten Irish / Scottish Folk vorstellen. Und ein bisschen amerikanischen Sound, den man vielleicht etwas mehr aus dem Zydeco oder dem Bluegrass gewohnt ist, bekommt man da auch zu hören – vor allem, wenn auf dem Banjo doch ein paar ausgefallenere Riffs gespielt werden.

Am Ende gehört es beim Irish Folk Festival aber auch zum Standard, dass alle Bands noch einmal gemeinsam auf die Bühne treten. Nicht nur spielen sie eine kleine Ballade zu Ehren all jener Künstler, die uns in den vergangenen fünfzig Jahren verlassen haben, sondern auch einige mitreißende Songs, die sie gemeinsam für das Festival einstudiert haben. Selbst das Schlagzeug, das bereits den gesamten Abend im Hintergrund auf seinen Einsatz wartete, durfte von Cathal Murphy plötzlich gespielt werden – und man ist doch mitunter überrascht, wie viele Instrumente diese Folk Musiker wohl spielen können. Wer sich davon einmal selbst überzeugen möchte, der hat dazu bis Ende November noch diverse Möglichkeiten. Die kompletten Tour-Termine findet ihr unter irishfolkfestival.de


05
Nov

Oomph! auf Tour: Mit neuem Sänger in Bochum und Köln

Neuer Sänger, neues Glück: Nachdem der einstige Sänger Dero Goi wegen persönlicher Differenzen im Jahre 2021 aus der Kultband Oomph! ausgetreten war, wurde es längere Zeit ruhig um die erfolgreichen Rocker der Neuen Deutschen Härte. Große Hits wie “Augen auf” oder “Labyrinth” erfreuen sich jedoch immer noch großer Beliebtheit und lassen die Vorfreude auf neue Konzerte steigen. Seit einigen Monaten gibt es nämlich einen neuen Sänger: Daniel “Der Schulz” Schulz, ehemaliger Sänger von “Unzucht”, begleitet die Band nämlich als neuer Frontmann auf der gemeinsamen Headliner-Tour. Sogar ein neues Album mit dem neuen Sänger wurde längst aufgenommen. “Richter und Henker” erschien am 8. September 2023 – und schaffte es trotz langer Ruhepause auf Anhieb auf Platz 7 der deutschen Albumcharts.

Während sich “Unzucht” damit nun endgültig von “Der Schulz” trennt und in Kürze das letzte Konzert in bisheriger Formation spielt, dürfen sich “Oomph!”-Fans umso mehr auf die ersten Termine u.a. in NRW freuen. So geht es bereits am 12. November 2023 in die Zeche Bochum – die für ihren außergewöhnlich guten Sound bekannt ist. Eine Woche später folgt dann am 21. November 2023 auch schon der nächste Termin in Köln, wo die legendäre Band dann die Live Music Hall füllen darf. Auf dem neuesten Album bewies die Band bereits, dass der alte Sound auch in neuer Konstellation wieder eingefangen werden kann – auch wenn die leicht höhere, rhythmischere Stimme von Daniel Schulz auf manche Fans ein wenig gewöhnungsbedürftig wirken mag.

Wie es unterdessen mit “Unzucht” weiter geht, ist bis dato unklar. Erst am 3. November 2023 postete die Band auf Facebook, dass sie offenbar nach einem neuen Sänger sucht und rief zu Bewerbungen per E-Mail auf. Wer hier die einzigartige Stimme von Daniel Schulz ersetzen soll und ob das qualitativ überhaupt vergleichbar sein wird, liegt momentan in den Sternen. Ex-Unzucht-Sänger Schulz jedenfalls bereitet sich auf eine neue, aufsteigende Karriere vor, denn mit Oomph! wird er schlagartig zu einer deutlich größeren Berühmtheit finden.

Wer sich von den Qualitäten der neuen Bandformation selbst überzeugen möchte, erhält Tickets für rund 40 Euro bei Eventim

Oomph!
Foto: oomph.de


05
Nov

Madsen: Headliner-Tour im Dezember in Oberhausen

Es gab noch Zeiten, da standen Madsen als Support für Die Toten Hosen oder Avril Lavigne auf der Bühne – was bereits eine vielversprechende Karriere in Aussicht stellte. Heute sind sie als eine der wichtigsten Rockbands Deutschlands wohl nicht mehr wegzudenken. Die nächste Headliner-Tour steht dementsprechend natürlich schon längst in den Startlöchern. Nach einigen kleineren “BBQ Blitz”-Konzerten im Sommer, geht es im Dezember quer durch Deutschland, um die neuesten Hits zu performen. Das “Familienunternehmen” aus drei Brüdern und zwei weiteren Freunden ist dabei bekannt für mitreißende Indie-Rock-Songs und gepflegten Punkrock. Ein bisschen an den typischen deutschen “Singer-Songwriter” erinnernd, liefern sie Songs mit Bedeutung, starkem Inhalt und mindestens genauso vielen Emotionen. Und selbst eine kleine Filmkarriere haben sie längst hinter sich, seitdem sie in Systemfehler – Wenn Inge tanzt sich selbst spielen durften.

Weil aber ein Live-Auftritt immer nochmal eine Nummer besser ist, als so ein Konzert auf dem heimischen Fernseher, geht es unter anderem am 17. Dezember 2023 in die Turbinenhalle Oberhausen. Da wartet die “Hollywood”-Tour zum gleichnamigen Album, das im August veröffentlicht wurde, auf die Fans. Und einmal mehr wollen sie dabei beweisen, dass sie zu Deutschlands besten Live- und Festivalbands gehören. Mit dabei: Die Rocksängerin Deine Cousine, die vor knapp zehn Jahren bereits beim Panikpreis von Udo Lindenberg am Start war und inzwischen sogar ihren Auftritt bei Wacken hatte. Gemeinsam wollen sie die Turbinenhalle im Dezember zum Abrocken bringen.

Tickets gibt es für knapp 50 Euro bei Eventim und diversen anderen Vorverkaufsstellen.

Madsen
Foto: Dennis Dirksen / madsenmusik.de


04
Nov

Zirkus des Horrors: Ein Wiedersehen nach 10 Jahren

Rund um Halloween ein Muss für Fans des gepflegten Grusels: Der Zirkus des Horrors gastiert aktuell auf dem Festplatz Bogenstraße in Bottrop, bevor er schon bald in weitere Städte weiterziehen wird. Schon der Weg zum Eingang des Zeltes ein kleines Abenteuer: Die Besucher, die mit dem ÖPNV anreisen, müssen eine dunkle bewaldete Gasse hinauf laufen und sich vielleicht bis zum versteckten Eingang schon ein bisschen gruseln. Dann aber lädt ein großes Zirkuszelt mit aufwändiger und hübscher Halloween-Dekoration im Vorzelt zu einem ganz besonderen Abend ein. Es ist inzwischen knapp 10 Jahre her, seitdem der Zirkus des Horrors wohl zum ersten Mal seine Premiere feierte, auch damals haben wir der Show einen kleinen Besuch abgestattet. Höchste Zeit also, einmal nachzuschauen, wie sich die besondere Zirkusshow seit damals verändert hat. Welche Klassiker geblieben sind, welche neu hinzugekommen sind und ob sich die Show für ein Wiedersehen auch heute noch lohnt – davon haben wir uns überzeugt:

Zirkus des Horrors
Ein eindrucksvolles Bühnenbild und gelungene Kostüme sorgen für einen unvergesslichen Abend

Ganz ausverkauft war die Show (anders als damals) am Freitag, dem 3. November 2023 allerdings nicht mehr. In der Show um 19:30 Uhr waren noch gut die Hälfte der Sitzplätze frei. Perfekt also, um etwas näher an der Manege zu sitzen und einen perfekten Blick auf das Geschehen zu erblicken. Bei dem aktuellen Bühnenprogramm wird das Publikum in die Hölle entführt. Der Teufel höchstpersönlich wird auf seinem feurigen Thron auf die Bühne gefahren, um gemeinsam mit seiner geliebten Lilith die Besucher zu begrüßen. Kostüme und Bühnenbild machen da schon einiges her und zeigen sich überaus stimmig. Ein paar Klassiker sind an diesem Abend natürlich geblieben: Die bekannte Akrobatik an herabhängenden Tüchern bleibt auch in diesem Jahr eindrucksvoll. Das berühmte Todesrad gehört unterdessen seit zehn Jahren zu den großen Highlights des Zirkus des Horrors.

Ein paar “Spezialitäten” gibt es aber ebenfalls noch. Ekeln darf man sich nämlich bei einer Art “Freak Show”, bei der sich der Protagonist zahlreiche nicht ganz so gesunde Gegenstände in seinen Körper einführt. Da werden Nadeln durch das Gesicht gestochen, ein Nagel in die Nase gehämmert, ein laufender Presslufthammer in die Speiseröhre geschoben und sogar mit einem großen Messer etwa zwei Zentimeter durch das Fleisch des Unterarms geschnitten. Für schwache Nerven ist das nichts und so mancher muss da sogar zwangsläufig wegsehen. Besonders mutige hingegen dürfen die Nadeln persönlich aus seinem Gesicht ziehen und der ein oder andere hat sogar sichtbare Freude an der blutigen Mutprobe. Ein Zirkus des Horrors ohne etwas extremere Horror-Momente geht eben einfach nicht. Ein Grund, wieso die Show nicht unbedingt bestens für Kinder geeignet ist, auch wenn manche Eltern die etwas abgehärteten Kinder dann trotzdem mitnehmen.

Zirkus des Horrors
Der Klassiker: Das Todesrad ist auch nach 10 Jahren noch ein Highlight der Show

Ganz neu hinzugekommen, ist die Comedy-Show eines Horror-Clowns, der des Öfteren mit dem Publikum interagiert. Bei einer etwas schlüpfrigeren Show-Einlage darf ein Paar die ein oder andere peinlichere Frage beantworten, um anschließend den männlichen Part unter einer Guillotine köpfen zu lassen. Hier stirbt natürlich nicht wirklich jemand – eindrucksvoll anzusehen, ist das aber trotzdem. Später gibt’s den Clown dann auch nochmal verkleidet als “Amor”, um so manchen männlichen Gast auf ganz spezielle Weise zu beglücken. Insgesamt scheinen die Akrobatik-Einlagen in den vergangenen zehn Jahren aber etwas weniger geworden zu sein, sodass entstandene Lücken durch Comedy und interaktive Showeinlagen gefüllt wurden.

Spaßig ist und bleibt die Show aber auch heute noch, vor allem aktuell in der Herbstzeit, in der so mancher Besucher ohnehin in Gruselstimmung ist. Um den Abend perfekt zu machen, kann sich das Publikum im Eingangsbereich mit Popcorn, Hotdogs – und vor allem kreative Cocktails, die dank Trockeneis einen eindrucksvollen Nebel erzeugen und dadurch optisch besonders viel her machen. Hier lässt es sich auch nach dem Ende der Show noch gut ein wenig verweilen und die Artisten der Show stehen in ihren Showkostümen für aufregende Fotos bereit. Insgesamt mag der Zirkus des Horrors damit artistisch vielleicht nicht die eindrucksvollste Zirkusshow aller Zeiten sein, das gelungene atmosphärische Horror-Setting sorgt aber dennoch für einen spaßigen Abend und könnte vor allem Zirkus-Muffel mal wieder in den Zirkus locken. Bis zum 5. November gastiert die Show noch in Bottrop, bevor sie anschließend in neue Städte weiterzieht.

Zirkus des Horrors
Nicht nur Grusel: Der Zirkus des Horrors überzeugt auch mit professioneller Artistik