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Archiv fürNovember, 2018


27
Nov

Fallout 76

Der verheerende Atomkrieg, der den gesamten Planeten völlig unbewohnbar machte, liegt schon viele Jahrzehnte zurück. Generationen sind inzwischen in den Bunkern aufgewachsen, ohne jemals die Erdoberfläche oder gar Tageslicht gesehen zu haben. Nun allerdings gibt es Hoffnung für die Menschheit, denn zum ersten Mal sank die Strahlung weit genug ab, um die Bunker erstmals wieder verlassen zu können und die Welt da draußen zu erkunden. Der Tag der Rückeroberung ist gekommen und die Bewohner von Vault 76 sind die ersten, die fortan ihre Heimat wieder aufbauen und eine neue blühende Welt erschaffen sollen. Doch das ist alles andere als einfach, denn grauenhafte mutierte Kreaturen warten in den Ruinen der einst blühenden Städte und angesichts der immer noch vorhandenen Strahlung sind Nahrungsmittel ebenfalls knapp…

Kritik:
Die Veröffentlichung des reinen Online-Ablegers der beliebten „Fallout“-Reihe stand eigentlich von Anfang an unter keinem guten Stern. Immerhin war ein MMORPG so ziemlich das letzte, was die Fans der Spielereihe wollten. Immer wieder kam der Wunsch nach einem neuen, reinen Singleplayer-Spiel auf, in dem wir in eine lebendige Welt eintauchen können und mit interessanten anderen Charakteren interagieren durften. Doch bereits das Grundszenario von „Fallout 76“ macht das praktisch unmöglich: Als die ersten Menschen, die nach dem nuklearen Fallout die Erdoberfläche wieder betreten, bekommen es die Spieler praktisch mit einer komplett leeren Spielwelt zu tun. Das allerdings ist auch ein Problem.

Fallout 76

Eine Welt nach dem Fallout
So hat sich Bethesda überraschenderweise schließlich dazu entschlossen, abgesehen von Monstern und Robotern, auf NPCs vollständig zu verzichten. Menschliche KI-Charaktere, mit denen wir etwa interagieren können und die uns spannende Quests geben, suchen wir hier vergebens. Kein Wunder also, dass die Spielwelt von „Fallout 76“ so manchem Spieler etwas zu leer, trostlos und deprimierend erscheint. Dabei passt die Atmosphäre durchaus gut: Die Tatsache, lediglich auf die Leichen der einst verstorbenen Wissenschaftler zu treffen und gelegentlich den Überbleibseln damaliger Roboter zu begegnen, macht das Gefühl einer völlig leeren und zerstörten Welt, die wir nach langer Zeit erstmalig betreten, erstaunlich glaubwürdig.

Kaum Interaktion mit anderen Spielern
Leider haben die Entwickler allerdings nicht bedacht, dass man eine Spielwelt trotzdem mit Leben füllen muss, um die Spieler von Beginn an zu begeistern und auch langfristig am Ball zu halten. Die Vergabe von Quests ausschließlich auf Computerbildschirme zu beschränken, wirkt früher oder später doch etwas zu einfach und eintönig. Da hat man sich offenbar gedacht, die Spieler würden stattdessen untereinander ganz eigene Geschichten erleben und die Spielwelt von ganz alleine irgendwie voranbringen. Ungünstig, dass die Rechnung allerdings nicht ganz auf ging, denn „Fallout 76“ verleitet die Spieler insgesamt viel zu wenig dazu, wirklich miteinander zu interagieren. So mangelt es unter anderem auch komplett an reinen Koop-PVE-Quests, die man nur gemeinsam mit anderen Spielern lösen kann und die zum gemeinsamen Spielen anregen. Von alleine entwickelt sich in „Fallout 76“ aber leider gar nichts.

Mehr Spaß im Koop
Unter dem Strich führte das in unserem Test dann dazu, dass ein Großteil der an Singleplayer gewöhnten „Fallout“-Fans letztendlich auch dieses MMO so spielte, als wären sie ganz alleine unterwegs. Kommunikation zwischen den Spielern fand kaum statt und es bedarf schon echter Freunde, mit denen man sich zum Spielen verabredet, um sich im Koop an die zahlreichen Missionen zu wagen. Dann nämlich entfaltet „Fallout 76“ überhaupt erst seinen ganzen Spielspaß und kann doch noch ziemlich gut punkten. Doch auch hier das Problem: Die meisten Käufer haben angesichts des hohen Preises keine Mitspieler und werden online schlicht auch keine Neulinge finden, da Kommunikation mit Fremden größtenteils ignoriert wird.

Fallout 76

Eine einsame Welt
Das wird schlussendlich auch durch die schiere Größe der Map noch weiter verstärkt, die sich über viele viele Kilometer erstreckt. Was einerseits gut sein mag, weil die Landkarte von „Fallout 76“ ziemlich viel Abwechslung zu bieten hat und in einem enormen Umfang zum Erkunden einlädt, ist andererseits aber auch eher hinderlich, wenn man mit anderen Spielern zusammenstoßen möchte. Mitunter kann es da passieren, dass sich auf einem Server lediglich eine einstellige Anzahl von Spielern befindet, die so großflächig über die Map verteilt sind, dass sie sich kaum über den Weg laufen werden, wenn sie es nicht absichtlich darauf anlegen. Wenn es dann im Gegenzug, wie oben erwähnt, keinerlei NPCs gibt, passiert es eben doch schnell, dass „Fallout 76“ einfach deutlich zu leer erscheint.

Viel zu tun beim Wiederaufbau
Dabei hätte man zumindest genügend Möglichkeiten, hier am Ball zu bleiben und mit anderen Spielern die Quests zu erledigen. Genug zu tun gibt es hier schließlich zu jeder Zeit und spätestens nach ein paar Stunden haben wir bereits so viele Quests offen, dass wir den gesamten Bildschirm damit füllen können. Die große Vielzahl an Aufgaben ist dann immerhin ein großer Pluspunkt und sorgt dafür, dass trotz allem immerhin keine Langeweile bei „Fallout 76“ aufkommt. Zumindest dann, wenn man sich auf die Einfachheit der Queststruktur einlässt, denn manchem Spieler dürfte auch das zu einfach sein: Viele Quests beschränken sich doch darauf, Gebäude zu erkunden, Gegenstände zu besorgen oder bestimmte Gegner zu töten. Da wird schnell klar: Selbst manche kostenlosen Free 2 Play-Titel haben hier ein aufwändigeres Questdesign.

Dummheit ist tödlich
Nun könnte man an dieser Stelle natürlich hoffen, dass zumindest die zahlreichen Monster und Mutanten für gewisse Herausforderungen sorgen und das Interesse der Spieler aufrecht erhalten. Tatsächlich stellen erfahrene Spieler aber dann ernüchternd fest, dass die Gegner in „Fallout 76“ eigentlich keine richtige Herausforderung sind. Selbst Monster auf mittlerem Level sind für Einsteiger nach wenigen Stunden schon problemlos zu bewältigen, was nicht einmal an ihrer mangelnden Stärke liegt, sondern schlicht an den groben KI-Aussetzern: Nicht selten kommt es vor, dass die Gegner einfach gar nicht auf uns reagieren, an irgendeiner Position hängen bleiben oder sich beim Kampf alles andere als intelligent verhalten. Die Anzahl der Monster, denen es tatsächlich gekonnt gelingt, das Gelände auszunutzen, kann man dann schnell an einer Hand abzählen.

Fallout 76

Kräfte messen? Nein danke.
Gleichzeitig ist es aber auch so, dass ein richtiger PVP-Modus, bei dem Spieler gegeneinander antreten, ebenfalls nicht vorhanden ist. Stattdessen ist das absolute Gegenteil der Fall und viele Spieler erfreuen sich über die ausgesprochen hohe Freundlichkeit ihrer Mitspieler, was gerade in Onlinespielen ein eher seltenes Vergnügen ist. Leider führt das aber auch nicht dazu, dass sich die Spieler untereinander messen können, in dem sie im Kampf gegeneinander antreten. Das Beschießen der menschlichen Mitspieler ist zwar durchaus möglich, kommt aber kaum vor und führt zugleich auch zu kaum Schadenspunkten, solange sich der Gegner nicht wehrt (und das tut er selten). Da fragt sich dann doch so mancher Spieler, warum er dauerhaft dieses Spiel spielen soll.

Technische Probleme
Kommt es dann auch noch zu zahlreichen Bugs, Grafikfehlern und mitunter auch Abstürzen, kann „Fallout 76“ leider nicht einmal aus technischer Sicht überzeugen. Ganz im Gegenteil müsste man gar behaupten, dass der aktuelle Zustand zum Release des Spiels schon fast als Frechheit zu bezeichnen ist. Immer wieder kommt es zu Texturfehlern oder Blackscreens auf manchen Konfigurationen, Quests lassen sich teilweise nicht vollständig oder korrekt beenden und selbst einen 21:9 Modus für den entsprechenden Bildschirm muss man schmerzlich vermissen. Man kann also abschließend nur feststellen, dass „Fallout 76“ definitiv noch einige zusätzliche Monate Entwicklungszeit benötigt hätte, um den letzten Feinschliff dann auch noch zu meistern.

Fallout mit Survival-Mode
Was bleibt ist am Ende immerhin ein funktionierendes Skill- und Survivalsystem, das auf gelungene Weise etwas von den früheren „Fallout“-Titeln abweicht. Anstelle des sogenannten SPECIAL-Systems, bekommen wir beim Levelaufstieg nun ein Lootpaket aus Skillkarten, die wir nach Belieben verteilen können und dürfen zusätzlich Erfahrungspunkte auf einzelne Charaktereigenschaften anwenden. So spannend das auch ist, hat sich bei manchem davon uns doch die Frage gestellt, welcher Sinn sich in Ermangelung von NPCs dahinter verbirgt. Während etwa Stärke noch offensichtlich ist, erschließt sich nur selten, wofür wir etwa die „Charisma“-Skills anwenden sollen, wenn nicht um bessere Gesprächsoptionen bei NPCs zu erhalten. Bei unseren menschlichen Mitspielern können wir sie schließlich kaum anwenden und die Nutzung an einem der Computerterminals wirkt dann doch ein wenig zu belanglos.

Fallout 76

So kann man wohl nur noch zu dem Schluss kommen, dass es sich bei „Fallout 76“ eindeutig um den bisher schlechtesten Teil der gesamten „Fallout“-Reihe handelt, macht das Spiel doch nahezu alles falsch, was ein MMO falsch machen kann: Angefangen bei den zahlreichen technischen Problemen, über die viel zu leere Spielwelt, bis hin zu den mangelnden Anreizen für Spieler, tatsächlich miteinander zu interagieren. Vielleicht lohnt sich ja in einem Jahr nach dem Release nochmal ein Blick in das Spiel, momentan allerdings kann man von einem Kauf (vor allem zum Vollpreis) eher nur abraten. Schade.

Fazit:
Durch die insgesamt viel zu leere Spielwelt, mangelnde Interaktionsanreize mit anderen Spielern und unzählige technische Probleme gelingt es „Fallout 76“ nur selten, den hohen Ansprüchen der Fans gerecht zu werden.

Fallout 76 Wertung


27
Nov

Cocktail Audio X14 (Hardware-Test)

Die Zeiten, in denen man noch die neueste CD seines Lieblingskünstlers kaufte, scheinen längst vorbei. Heute scheinen sich nur noch zwei Medien durchzusetzen, die praktisch nebeneinander existieren: Legt man Wert auf eine aufwändige Verpackung und etwas Hochwertiges in der Hand, greifen viele inzwischen wieder zum guten alten Vinyl. Der Rest hingegen wechselt doch zunehmend auf rein digitale Inhalte – seien es Downloads im MP3-Format oder inzwischen viel öfter Musik im verlustfreien Lossless-Format. Selbst Streaming-Angebote etwa von Spotify, Deezer oder Tidal sind aus dem Alltag kaum mehr weg zu denken und wer doch noch ein paar CDs hat, der rippt sie nicht selten für den mobilen Einsatz auf dem heimischen PC. Da kommt so manchem die Überlegung: Warum nicht einfach komplett auf Festplatten und rein digitale Medien setzen? Den heimischen Rechner aber möchte man da nicht immer hochfahren.

Die Lösung scheint in diesem Fall ziemlich naheliegend: Ein Audioserver und Streamer muss her. Und zwar am besten ein solcher, der so ziemlich alles kann: Lossless-Formate ebenso, wie Streaming von Spotify und Tidal, der direkte Zugriff auf das NAS und am besten auch noch die Fähigkeit, das Smartphone gleich via Bluetooth zu verbinden und so noch mobiler zu sein. Der koreanische Hersteller Cocktail Audio scheint mit dem X14, wie man so schön sagt, die eierlegende Wollmilchsau anzubieten: Eine Streaming-Box, die praktisch alles kann – selbst den Anschluss von Lautsprechern direkt an die Box, sodass man sogar auf einen Verstärker verzichten kann.

Cocktail Audio X14

Musikserver für Audiophile
Dass man sich mit einem Preis ab 700 Euro ganz klar an den High-End-Markt mitsamt seinen sehr anspruchsvollen Kunden richtet, dürfte ziemlich schnell klar sein. Der Preis aber hat auch einen Grund: Der Cocktail Audio X14 kommt immerhin mit 24 Bit und 192 Khz daher und kann somit nicht nur praktisch alle Lossless-Formate, sondern bietet obendrein eine MQA-Zertifizierung und hat Studioqualität zu bieten. Oder anders gesagt: In unserem Test war der X14 problemlos in der Lage, echte Referenzqualität abzuliefern und machte den Unterschied zwischen komprimierten MP3-Dateien und den Lossless-Formaten mit Leichtigkeit deutlich. Ganz egal, ob wir Kopfhörer oder Lautsprecher direkt an den Streamer anschließen, ihn mit Aktivlautsprechern verbinden oder doch noch einen Verstärker dazwischen stecken: Die Klangqualität ist stets so ausgewogen, dass der X14 in der Regel höchsten Ansprüchen genügt.

Abstriche beim Analogausgang
Mit einer Ausnahme und die betraf leider den analogen Cinch-Ausgang. Wohlgemerkt allerdings nur dann, wenn der Cocktail Audio X14 mit einer Festplatte betrieben wird. Dann nämlich scheint die Abschirmung leider nicht auszureichen, um Zugriffsgeräusche der Festplatte zu unterdrücken. Schon beim Scrollen mit der Fernbedienung durch das Menü sind über den Analogausgang manchmal seltsame Quietschgeräusche zu entnehmen, die den echten audiophilen Käufer womöglich stören könnte. Interessant allerdings dabei, dass man das Phänomen durch den Einbau einer SSD vermeiden kann, gibt diese schließlich keine Geräusche mehr von sich. Möchte man also wirklich einen kompromisslosen Musikgenuss erleben, bleibt dem Käufer nichts anderes übrig, als zur deutlich teureren SSD-Variante zu greifen.

Leicht zugängliche Festplatte
Ein Glück ist dabei aber sicherlich, dass wir die Festplatte oder SSD ziemlich leicht ausbauen können. Über ein Fach an der Seite des Geräts öffnen wir einfach eine kleine Klappe, stecken Strom- und SATA-Kabel aus und brauchen die Festplatte eigentlich nur rausziehen. Wem der Aufpreis der SSD-Variante zu teuer ist, der kann hier auch problemlos zur Festplattenversion greifen und einfach selbst eine SSD nachkaufen. Bei immer weiter sinkenden Preisen für SSDs dürfte dieser Weg schließlich um einiges günstiger ausfallen, als etwa der direkte Kauf der Streaming-Box mit SSD. Spätestens bei einer sehr stark gefüllten Musikdatenbank hat das aber auch noch andere Vorteile, verläuft der Ladevorgang nämlich deutlich schneller und der X14 profitiert so auch von verbesserten Zugriffszeiten.

Cocktail Audio X14

Hervorragende Erweiterbarkeit
Allerdings: An Platzmangel dürfte vermutlich niemand jemals leiden, denn zugleich hat der X14 auch noch drei USB-Anschlüsse zu bieten – davon einer vorne und zwei weitere auf der Rückseite des Geräts. Hier gestaltet sich die Nutzung ziemlich einfach: Wir stecken einfach einen USB-Stick oder eine externe Festplatte ein und können über den Dateibrowser anschließend leicht auf unsere Musik zugreifen. Auch der Import der Musik auf die interne Festplatte gestaltet sich ziemlich einfach und klappt in nur wenigen Knopfdrücken im Menü. Spannend: Wer die Geräusche des Analogausgangs vermeiden möchte, kann alternativ auch den Laufwerksschacht im Inneren des Geräts leer lassen und ausschließlich externe Festplatten via USB verwenden. Der Speicher für die Musikdatenbank lässt sich nämlich leicht verändern und auch ein externer Speicher dafür festlegen. Wer möchte, könnte prinzipiell sogar einen großen USB-Stick verwenden, um die Musikdatenbank darauf zu speichern.

CD-Ripper
Dass der X14 obendrein ein ziemlicher Alleskönner ist, wird spätestens dann deutlich, wenn wir herausfinden, dass das Gerät zugleich auch als CD-Player taugt. Dafür reicht es vollkommen aus, ein externes CD-Laufwerk per USB anzuschließen und schön können wir problemlos unsere gekauften Audio CDs oder aber auch MP3 CDs abspielen. Wie praktisch, dass sich dann sogar noch eine Digitalisierungsmöglichkeit ergibt, denn der Cocktail Audio X14 ist gleichzeitig in der Lage, die Audio CDs auch zu rippen und in ein beliebiges vorher festgelegtes Format umzuwandeln. Da braucht man nicht einmal mehr einen Computer, um die eigenen Audio-CDs zu kopieren und in seiner zentralen Musikdatenbank zu speichern.

Digitalisierung von Schallplatten
Apropos Digitalisierung: Für die Aufnahme von analogen Medien eignet sich das Gerät übrigens auch noch, denn ein analoger Eingang findet sich auf der Rückseite des X14 ebenso. Selbst die Digitalisierung von Schallplatten stellt kein Problem dar, vorausgesetzt man schließt dazwischen noch einen passenden Vorverstärker an. Da es den allerdings mitunter schon ab 40 Euro zusätzlich zu kaufen gibt, ist der X14 somit vielleicht die einfachste Variante, um seine alten Platten in hochwertiger Studioqualität zu digitalisieren. Davon profitieren dann nämlich auch die Nutzer von hochwertigen Tonabnehmern: Denn was ein teurer Shibata-Schliff wiedergeben kann, möchte man auch in angemessener Qualität aufnehmen und speichern – und das hat der X14 mehr als herausragend drauf.

Bluetooth-Empfänger, aber kein Sender
Wem das alles zu kompliziert ist, der pairt hingegen einfach sein gewöhnliches Smartphone mit dem X14 und spielt anschließend seine Musik direkt über Bluetooth ab. Das klappt dank „Plug & Play“-Verbindung erstaunlich einfach und ist innerhalb von Sekunden bereit. Leider allerdings nur in eine Richtung, denn der X14 verfügt zwar über einen Bluetooth-Empfänger, jedoch leider nicht über einen Sender. Wer also gehofft hat, seinen Bluetooth-Kopfhörer ebenfalls drahtlos verbinden zu können, wird an dieser Stelle leider enttäuscht. Das ist ziemlich schade, liefern diverse Hersteller immerhin auch im High End-Segment inzwischen hochwertige Bluetooth-Kopfhörer, die sich für einen Einsatz am X14 ansonsten angeboten hätten.

Cocktail Audio X14

Mögliche Zusatzkosten
Schade ist unterdessen, dass der X14 an anderer Stelle nicht über ganz so umfangreiche drahtlose Möglichkeiten verfügt: Standardgemäß müssen wir auf eine WLAN-Funktionalität nämlich verzichten. Die gibt es leider nur, wenn wir für knapp 30 Euro einen WLAN-Adapter zusätzlich kaufen, den wir dann per USB an den X14 anschließen können. Das ist ziemlich schade, denn gerade beim Einsatz von Streaming-Anbietern wäre eine solche Mobilität wohl wünschenswert gewesen. Dafür allerdings gibt es einen LAN-Anschluss, über den wir die Box mit einem Router verbinden – und anschließend auch via App oder Webinterface steuern können. Doch auch da muss man leider Abstriche machen: Während die Fernbedienung per App zwar funktioniert, lassen sich Dateien etwa vom Smartphone nicht ohne Umwege direkt via WLAN auf dem X14 abspielen. Angesichts der ohnehin bereits vorhandenen Fernbedienung, verringert das den Nutzen der App dann doch deutlich.

Schwacher Equalizer
Aber zurück zum Klang: Schade ist angesichts der herausragenden Klangqualität nämlich, dass die Funktionalität des integrierten Software-Equalizers dann doch ziemlich überschaubar ausfällt. Ganz egal, welche Einstellung wir hier auch auswählen: Bei keiner davon werden die Frequenzen so stark angehoben oder abgesenkt, dass wir einen deutlichen Unterschied zum Ursprung feststellen. Das fiel in unserem Test vor allem beim Anschluss an einen analogen Equalizer mit Frequenzanhebung von bis zu 8 dB auf. Der Equalizer des X14 von Cocktail Audio dürfte unter diesen Werten also deutlich darunter liegen, was somit auch den Equalizer zu einem gewissen Teil recht überflüssig erscheinen lässt. Bei unserem Test haben wir uns entschlossen, doch die standardgemäße „Classic“-Einstellung ohne Veränderung der Frequenzen zu bevorzugen, liefert diese dann doch die besten Klangergebnisse.

Zweckmäßigkeit statt Überdimensionierung
Ansonsten kann man bei diesem audiophilen Gerät jedenfalls nicht viel falsch machen. Auch technisch sieht es im Inneren nämlich neben der Soundqualität durchaus gut aus: So kommt der X14 immerhin mit einem 1 Ghz schnellen Dual Core ARM Prozessor, der für die meisten Zwecke problemlos ausreichen dürfte. An seine Grenzen kommt dieser allenfalls beim Erstellen eines vollständigen Festplattenbackups, während wir gleichzeitig versuchen, Musik aus der Musikdatenbank abzuspielen. Mit diversen Menühängern muss man in diesem Fall also leider tatsächlich rechnen, obwohl der X14 ansonsten im regulären Betrieb vollkommen flüssig und schnell seine Arbeit erledigt. Eine Unterstützung von bis zu 8 TB pro Speichermedium sollte zudem für ausreichende Kapazität sorgen, um selbst seine riesige Lossless-Sammlung auf dem X14 speichern und verwalten zu können.

Fazit:
Mit seinen audiophilen Klangeigenschaften und seiner extremen Funktionsvielfalt dürfte der Cocktail Audio X14 auch den anspruchsvollsten Musikliebhaber überzeugen können. Abstriche müssen wir lediglich beim analogen Ausgang und dem fehlenden WLAN-Modul machen.


27
Nov

Dutch Comic Con: Gaten Matarazzo spricht über Staffel 5 von Stranger Things

Die meisten Comic Cons in Deutschland überschlagen sich regelrecht mit der Anzahl ihrer Stargäste und nicht selten kommen gleich über zwanzig hochkarätige Stars aus Filmen und Serien. In den Niederlanden allerdings ist alles ein bisschen anders: Gerade einmal sechs Schauspieler aus den erfolgreichsten Serien reichen aus, um die Messehallen der Jaarbeurs Utrecht mit zehntausenden Besuchern zu füllen. Und das so erfolgreich, dass die somit wohl größte niederländische Convention inzwischen sogar zwei Mal im Jahr stattfindet. Aus dem ganzen Land reisten Nerds und Geeks deshalb auch am 24. und 25. November 2018 wieder an, um sich voll und ganz ihrer Leidenschaft zu widmen. Und selbst deutsche Besucher sind inzwischen keine Seltenheit mehr, obwohl die Konkurrenz bei uns nicht weniger groß ist und die Dutch Comic Con nicht einmal ihr Programm ins englische übersetzt.

“Once upon a time” begeistert weibliche Fans
Das aber schien die – auch zu einem beachtlichen Teil weiblichen – Besucher der Winter Edition der Dutch Comic Con gar nicht weiter zu stören, kamen schließlich einige ihrer Lieblingsstars in die Niederlande. Und da wurde dann auch schnell klar, wieso bei so manchem Q&A-Panel der Stars geschätzt zu 90% nur noch weibliches Publikum vor der Bühne zu sehen war: Mit Daniel Gillies aus “Vampire Diaries”, sowie Lana Parilla und Rebecca Mader aus “Once upon a time” sorgte man schließlich schnell dafür, dass die Herzen der weiblichen Fans höher schlugen. Da wird auch ersichtlich: Es braucht gar keinen Ian Somerhalder, um trotzdem die Schlangen an den Autogramm- und Fotoshootständen dieser Stars reichlich füllen zu können.

Dutch Comic Con

Daniel Gillies ganz privat
Für zwei der weiblichen Fans ging beim Panel von Daniel Gillies dann sogar ein richtig großer Traum in Erfüllung: Da eine ihrer Freundinnen am Samstag nicht auf der Dutch Comic Con anwesend sein konnte, wollten sie im Q&A-Panel schließlich an ihrer Stelle die Fragen an den Star richten und die Antworten live mit einem Videotelefonat übertragen. Die große Überraschung ließ da aber nicht lange auf sich warten, als Gillies sich spontan das Smartphone der Mädchen schnappte und auf der Bühne ein ganz persönliches Gespräch mit seinem Fan führte. Angesichts vieler anderer zurückhaltenderer Stars dürfte das wohl ein unvergessliches Erlebnis gewesen sein. Da wird aber auch deutlich: Die Dutch Comic Con scheint sich bewusst Stars auszusuchen, die eine gewisse Offenheit gegenüber den Fans an den Tag legen und kann so auch mit einer nur geringen Anzahl an Stargästen über ein komplettes Wochenende unterhalten.

Jungdarsteller punktet bei Netflix-Fans
Zudem kommt hinzu: Während sich viele Conventions die immer gleichen Stargäste gegenseitig zuschieben, hatte die Dutch Comic Con auch so manchen Schauspieler zu bieten, der nicht gerade ein Stammgast auf europäischen Conventions ist. Einer davon: Gaten Matarazzo aus der beliebten Netflix-Serie “Stranger Things”. Mit seinem geringen Alter von gerade einmal 16 Jahren war er nicht nur der wohl jüngste Stargast auf der Con, sondern brachte auch ein ganz besonders jugendliches Selbstbewusstsein mitsamt einer erfrischenden Lockerheit mit. Oder anders ausgedrückt: Matarazzo ist sich für keinen Spaß zu schade und ließ sich im Panel auf jeden Quatsch ein: Egal, ob er etwa zum Singen aufgefordert wurde, oder schlicht Geräusche seiner Rolle aus der Serie nachmachen sollte.

Staffel 5 von Stranger Things bestätigt?
Auf die Frage hin, wie viele Staffeln von “Stranger Things” es seiner Meinung nach voraussichtlich geben wird, hat er sich in jugendlicher Naivität aber vielleicht auch ein wenig verplappert: Matarazzo gab immerhin zu, dass er mit insgesamt fünf Staffeln rechne – fügte dann aber im letzten Moment doch noch hinzu, nichts offiziell bestätigen zu wollen. Das allerdings macht ein Ende der Serie nach Staffel 5, wie es einige Gerüchte bereits seit dem vergangenen Jahr verbreiten, immer wahrscheinlicher. Gaten Matarazzo allerdings sieht darin zugleich auch kein Problem, da er sich über eine sinnvoll abgeschlossene Handlung mehr freuen würde, als über eine ewig fortgesetzte Serie, die den richtigen Absprung einfach nicht schafft. So bekommen Fans der Serie immerhin Hoffnung auf eine weiterhin konstant hohe Qualität, dessen Handlungsrahmen bereits im Vorfeld feststeht.

Dutch Comic Con

Fishing for compliments: Richard Dean Anderson
Ein etwas anderes Auftreten legte hingegen der erfahrene “MacGyver”- und “Stargate”-Darsteller Richard Dean Anderson an den Tag. Durch seine bekanntesten Rollen für viele Besucher der Veranstaltung immer noch ein Idol, verleitet ihn nach zahlreichen Besuchen auf Conventions jedenfalls nichts mehr dazu, sich in irgendeiner Weise über aktuelle Projekte zu verplappern. Anderson weiß schließlich ganz genau, wie er beim Publikum punktet und mitunter sogar ein wenig “Fishing for compliments” betreiben kann: Sei es durch Verlautbarungen seiner politischen Ansichten (die natürlich völlig kalkuliert auf Jubel seitens des Publikums stießen) oder durch ein bisschen Werbung für seine Aktivitäten bei der Tierschutzorganisation Sea Shepherd, die für ihn nach wie vor eine wichtige Rolle spielt. Nun: Beim Publikum ist er damit auf jeden Fall angekommen – hat aber zugleich auch genügend Gag-Vorlagen für Daniel Gillies bereitgestellt, der seinen Kollegen einige Stunden später recht subtil auf den Arm genommen hat, indem er sich etwa mit exakt gleichen Ansprachen für seinen Bart, statt für Trump entschuldigte. Ein spontaner Eigenhumor kommt offenbar manchmal sogar noch etwas besser beim Publikum an.

Comic Con in Weihnachtsstimmung
Die Besucher allerdings waren ohnehin in recht guter Laune und wenig überraschend auch schon in weihnachtlicher Stimmung: Denn während so mancher Fan in den aufwändigsten Kostümen auftauchte, durften auch “Cosplays” des Weihnachtsmannes mitsamt der traditionell niederländischen Variante des “Zwarte Piet” nicht fehlen. Die damit einhergehende hohe Anzahl von begleitenden Elfen mag allerdings für Comic Cons dann doch ein etwas ungewöhnliches Bild gewesen sein. Vielleicht lag es aber auch an dem zeitgleich nebenan stattfindenden “Sinterklaasfest”, auf dem sich wohl so mancher Weihnachtsmann gedacht hat, er möchte doch lieber den Tag auf der womöglich spannenderen Dutch Comic Con verbringen. Die jüngeren Besucher waren jedenfalls begeistert und haben sich liebendgern mit den Weihnachtsmännern ablichten lassen. Lange müssen wir auf eine Fortsetzung übrigens nicht warten: Bereits am 23. und 24. März 2019 geht die Dutch Comic Con in ihre “Spring Edition” – dann aber sehr wahrscheinlich ohne Weihnachtsmänner.


14
Nov

Leisure Suit Larry: Wet Dreams Don’t Dry

Die letzte Nacht muss für Larry Laffer ganz schön wild gewesen sein, denn er kann sich einfach nicht daran erinnern, wie er unter dem Kanaldeckel von Leftys Bar gelandet ist. Vermutlich liegt es an dem neuen Gesöff von Lefty, das der Gesundheitsbehörde ohnehin schon seit längerem ein Dorn im Auge ist. Doch das erklärt nicht, wieso sich noch so viele andere Dinge geändert haben: Gestern noch im Jahre 1987 die hübschesten Frauen aufgerissen, scheint das inzwischen längst nicht mehr zu klappen: Online-Dating auf Timber steht an der Tagesordnung und dann haben auch noch alle diese seltsamen eckigen Geräte in der Hand. Da wird auch dem schmierigen Lustmolch plötzlich klar: Er muss offenbar irgendwie im Jahre 2018 gelandet sein. Doch wie er in die Vergangenheit zurückkehrt, scheint den Aufreißer überhaupt nicht zu interessieren, denn für ihn ist nur eine Frage wichtig: Wie bekommt man die Frauen im 21. Jahrhundert rum? Damit hatte Larry Laffer aber ja schon immer mehr Schwierigkeiten, als er es selbst wahrhaben möchte…

Kritik:
Mehr als dreißig Jahre ist es inzwischen her, dass wir zum ersten Mal in die Rolle des Lustmolches Larry Laffer schlüpfen und ihn am heimischen Rechner schwanzsteuern konnten. Nun hat er seinen geliebten Larry endlich wieder hochbekommen und kommt (kommen, hihi) endlich wieder (zurück auf den PC).

Larry versteht die Welt nicht mehr
Die Idee des neuen Publishers Assemble Entertainment ist dabei so einfach, wie genial: Um die alte Spielereihe auch auf den neuen Zeitgeist und ein neues Publikum zuzuschneiden, hat man Larry Laffer einfach eine kleine Zeitreise machen lassen: Vom Jahre 1987 wird er so kurzerhand in das Jahr 2018 katapultiert, wo die alten Aufreißtechniken nicht mehr so ganz funktionieren. Einfach in der nächsten Bar die hübschen Frauen aufreißen wie damals – das scheint in der heutigen Zeit, in der alle auf eckige Bildschirme starren, überhaupt nicht mehr zu funktionieren. Timber, Instacrap und das neue PiPhone dominieren die Gesellschaft und selbst das Dating des anderen Geschlechts scheint nur noch darüber möglich sein. Und damit ist die wichtigste Hauptquest des Spiels auch schon geschaffen: Larry Laffer muss seinen Timber-Score erhöhen, um endlich seine Traumfrau ins Bett zu bekommen.

Leisure Suit Larry

Sex Sells – ganz zur Freude von Larry
Der Weg dahin ist allerdings gar nicht so einfach, auch wenn die neue sexuelle Offenheit dem einstigen Macho offenbar ganz gut gefällt: Erst einmal einen Schritt in die Innenstadt von New Lost Wages gesetzt, wird er von lauter Phallussymbolen und Sex Sells schon fast erschlagen. In einem beinahe niedlichen Zeichentrickstil gestaltet, hat das neueste „Leisure Suit Larry“-Spiel so ziemlich alles zu bieten, was sich die unanständigen Spieler so wünschen: Häuser in der Form von Penissen, Smartphone-Logos geformt wie weibliche Genitalien, schmierige Flüssigkeiten wohin man auch schaut, reichlich Nacktfotos auf Instacrap und was noch viel wichtiger ist: Sexspielzeug fast an jeder Ecke. Die Fantasie des witzigen Larry Laffer kann man damit reichlich beflügeln – was es für ihn umso frustrierender macht, einfach keinen Erfolg bei den Frauen zu haben.

Die Sache mit dem Kondom und der Ratte…
Aus spielerischer Sicht brauchen wir die meisten Objekte sogar, denn in dem Point & Click-Adventure warten reichlich Kombinationsrätsel auf den Spieler. Die sind genau genommen eigentlich nicht schwer, können aber trotzdem dazu führen, dass selbst erfahrene Spieler einmal völlig auf dem Schlauch stehen. Nicht deshalb, weil man seine grauen Zellen dafür übermäßig anstrengen müsste, sondern weil sie zum Teil so komplett absurd sind, dass man erstmal damit… äh, darauf kommen müsste. Ein bisschen Ekelresistenz kann dabei übrigens nicht schaden: In einem Rätsel müssen wir etwa ein Kondom, eine leere Toilettenpapierrolle und ein angefressenes Kaugummi miteinander kombinieren, um daraus eine Rattenfalle zu bauen, mit der wir eine solche dann auch kurzerhand einfangen. Und jeder Genrefan wird wahrscheinlich zustimmen: Wenn man wegen solch verrückter Lösungswege dann doch im Netz nach einer Lösung suchen muss, weil man einfach nicht darauf kommt, passiert genau das, was Adventurespieler am wenigsten mögen. Denn eigentlich möchte man die Rätsel doch ohne fremde Hilfe meistern.

Too much input
Aber keine Sorge: Allzu explizit wird „Leisure Suit Larry – Wet Dreams Don’t Dry“ auch in der ekligsten Szene nicht, denn es sind doch vor allem die Dinge, die wir nicht sehen können, die beim Spieler ein gewisses Kopfkino auslösen. So müssen wir uns etwa auf Einladung eines Schwulen (wie blöd für Larry) in einen Darkroom begeben, in dem wir tatsächlich ein schwarzes Bild auf dem heimischen Bildschirm zu sehen bekommen. Lediglich durch „Ertasten“ mit der Maus finden wir dann allerlei haarige, feuchte und riechende Dinge, die Larry natürlich liebend gerne einmal ausprobiert. Die Vorstellungskraft alleine reicht hier schon aus, um explizite sexuelle Darstellungen gar nicht erst sehen zu wollen. Von den Gurken und Gummipuppen fangen wir lieber gar nicht erst an…

Leisure Suit Larry

Larrys Schicksal ist vorbestimmt
Damit ist aber auch klar: Spielerisch gibt das neue „Leisure Suit Larry“ – wohl ähnlich wie die damaligen Klassiker – nicht allzu viel her. Wir machen eben das, was man in einem Point & Click-Adventure üblicherweise so tut: Wir klicken uns durch die Gegend und kombinieren im Inventar gefundene Gegenstände, um damit neue… nunja, etwas absurdere Gegenstände zu basteln. Dazwischen warten vor allem ziemlich viele und überaus witzige Dialoge, die uns für das Weiterkommen (hihi, kommen) behilflich sein können. Schade ist nur, dass die Auswahl unserer Antworten überhaupt keine Rolle spielt, denn der Spielverlauf- und ausgang ist grundsätzlich immer derselbe. Wie wir uns entscheiden hat überhaupt keine Auswirkungen auf den Inhalt oder die Story des Spiels. Und das macht die Dialoge eigentlich sogar ein bisschen belanglos.

Mit dem Larry gegen den Zeitgeist
Problematisch ist das aber nicht, denn „Leisure Suit Larry“ setzt vor allem auf den Humor. Da geht es gar nicht einmal so sehr darum, was Larry Laffer so sagt, denn es ist ohnehin meistens zum Fremdschämen peinlich und wird dementsprechend von seiner Smartphone-KI kommentiert, sondern viel wichtiger ist, wie es Larry sagt. Mit eigentlich ununterbrochenen sexuellen Anspielungen und Witzen weit unterhalb der Gürtellinie, ist das neue „Leisure Suit Larry“ vielleicht das humorvollste Spiel, das wir in den letzten Jahren gespielt haben. Und da entpuppt sich sogar die Anpassung an den heutigen Zeitgeist als hervorragend, denn hier bekommt einfach jeder sein Fett weg: Hipster, Nerds, Cosplayer, Veganer, Bodybuilder, Apple-Jünger, Smartphone-Süchtige, Feministen, Influencer und wer sonst noch alles eine Steilvorlage dafür gibt, dass Menschen aus den 80iger Jahren vermutlich gewaltig mit dem Kopf schütteln würden. Und ja: Selbst die Schwulen-Szene nimmt sich selbstironisch auf die Schippe, denn mit der hat Larry Laffer – erfolglos wie er beim Aufreißen von Frauen nunmal ist – doch bekanntlich am meisten zu tun.

Fazit:
Der Lustmolch aus den 80iger Jahren ist wieder gekommen (kommen, hihi): Assemble Entertainment versetzt den alten Aufreißer Larry Laffer per Zeitreise in die Gegenwart und konfrontiert ihn dort humorvoll mit dem heutigen Zeitgeist. Verpackt als klassisches Point & Click-Adventure ist das nicht nur witzig und schlüpfrig, sondern regt auch das Kopfkino mehr als genug an.

Leisure Suit Larry Wertung


13
Nov

Royole Moon (Hardware-Test)

Es sieht aus wie ein Virtual Reality-Headset, ist aber eigentlich keines: Die Royole Moon kommt nämlich komplett ohne einen Bewegungssensor und richtet sich vor allem an die eingefleischten Heimkino-Fans. Simuliert wird im Innern ein richtiges mobiles Kino zum Mitnehmen: Mit einem groß wirkenden curved AMOLED-Display, echter 3D-Fähigkeit und im 3D-Modus sogar in nativem 1080p ist die Bildqualität deutlich höher, als wir das etwa von Oculus Rift oder der HTC Vive gewohnt sind. Und da sind die Einsatzmöglichkeiten recht vielfältig: Ob via HDMI an einem beliebigen (optional auch 3D-fähigen Gerät) oder per App mittels Stream direkt aus dem Internet – das überlässt Royole völlig dem Kunden. Denn mitgeliefert wird auch gleich eine Android-Box, die nicht nur das Signal von einem HDMI-fähigen Zuspieler anzeigen kann, sondern praktisch auch mit jeder App umgehen kann, die im Netz verfügbar ist. Netflix, Amazon Video, Maxdome und zahlreiche weitere VOD-Anbieter sind daher kein Problem.

Intuitive Steuerung
Gesteuert wird die Royole Moon dann wahlweise standardgemäß mit einem Touchpad auf der rechten Ohrmuschel des Kopfhörers oder aber auch über eine optional anschließbare Maus und Tastatur, die mittels Micro-USB problemlos per Plug & Play funktioniert. Die meisten werden sich aber mit ersterer Option zufrieden geben, denn der Einstieg ist ziemlich leicht: Wie sich der Mauscursor auf dem Bildschirm steuert, ergibt sich für die meisten Nutzer recht intuitiv und bedarf eigentlich keiner Erklärung. Hat man schon einmal an einem Notebook gesessen, erklärt sich die Steuerung an dieser Stelle praktisch von selbst: Wir streichen einfach mit der rechten Hand über das Touchpad, Öffnen und Bestätigen mit einem einfachen Tastendruck und kehren mit dem doppelten Tastendruck zum vorherigen Bildschirm zurück. Rund um das Touchpad befindet sich außerdem der Lautstärkeregler, den wir ebenfalls durch Ziehen des Fingers über den Außenring verwenden. Und abgesehen von einer Umschalttaste für 2D oder 3D, wenn das Videomaterial einmal mit nebeneinander stehenden Bildern ausgeliefert wird, sind das auch schon fast alle Bedienelemente, die es zur Benutzung des Headsets benötigt.

Royole Moon

Passend auch für Brillenträger
Interessant allerdings dabei: Unterhalb des Bildschirmelements befinden sich zusätzliche Tasten zum Verstellen der Linsen und der Schärfe. Ganz egal also, ob wir einen eher schmalen oder sehr breiten Kopf haben: Hier lassen sich die Linsen problemlos seitlich verschieben, sodass wir wirklich keinerlei Doppelbilder zu sehen bekommen und die Optik recht flexibel auf unsere eigene körperliche Anatomie anpassen können. Im Prinzip sind die Einstellmöglichkeiten hier vergleichbar etwa mit Oculus Rift und HTC Vive, die über ähnliche Tasten auf der Unterseite verfügen. Spannend an dieser Stelle: Auch die Schärfe lässt sich problemlos auf unsere Sehstärke einstellen, sodass sich die Royole Moon auch für Nutzer mit Brille perfekt eignet und selbst bei einem dominanten Auge die Sehstärke für jedes der Augen einzeln einstellen lässt. Man müsste also schon eine stärker ausgeprägte Sehbehinderung haben, um an dieser Stelle Probleme zu bekommen, denn Royole Moon lässt sich hier durchaus gut anpassen.

Komfort ist Mangelware
Aus technischer Sicht kann die Royole Moon also für Heimkino-Fans eine echte Option sein, denn optisch macht der Filmgenuss auf dem Gerät tatsächlich Spaß. Wäre da nicht die Problematik mit der mangelnden Polsterung: Warum Royole also ausgerechnet bei einem rund 700 Euro teuren Headset tatsächlich auf eine Polsterung der Nase verzichtet hat, wird sich so manchem potentiellen Käufer vermutlich nicht erschließen. So kommt es also, dass wir unkomfortable knapp 700 Gramm Plastik auf der Nase sitzen haben und diese auch in jedem Moment spüren. Bereits nach zehn Minuten Nutzung, klagt so mancher Nutzer über ein starkes Drücken auf der Nase. Nach einem zweistündigen Film ist man dann gar nicht selten doch froh, das Headset endlich wieder absetzen zu können. Kommt es dann noch dazu, dass man immer wieder dazu neigt, das Headset während der Nutzung mit seiner Hand abstützen zu wollen, kann man an dieser Stelle wohl nur noch sagen: Die Royole Moon ist so unglaublich unbequem, dass man den Komfort am besten zunächst selbst ausprobieren sollte, bevor man sich für einen Kauf entscheidet. Leicht wird das aber nicht, denn die Brille außerhalb des Internets zu erhalten, dürfte überaus schwierig werden.

Kein Raumklang, dafür qualitatives Stereo
Dabei ist das große Potential ja durchaus gegeben, denn obwohl der Preis von rund 700 Euro nicht gerade günstig erscheint, ist er auf den zweiten Blick durchaus gerechtfertigt: Neben der optischen Qualität des Bildschirms und der Linsen, überzeugt vor allem der ausgewogene Noise Cancelling-Kopfhörer, der selbst vermutlich schon in einem Preissegment von rund 150 Euro liegen könnte, wenn er denn einzeln erwerbbar wäre. Insgesamt macht der Kopfhörer nämlich einen recht neutralen Eindruck: Höhen und Mitten kommen sauber und passend rüber, werden auch nach Stunden nicht unangenehm. Tiefen haben ausreichend Bass für actionreiche Filme, übertreiben es dabei aber nicht mit einer zu starken Basslastigkeit. Die Präsenz der Höhen und Tiefen hält sich somit insgesamt in der Waage, was die Brille eigentlich sogar für den Musikgenuss interessant machen könnte.

Royole Moon

Abtauchen in andere Welten
Perfekt ist Royole Moon also durchaus für all jene, die sich in einer hellen oder lauten Umgebung einfach einmal abschotten möchten, weil sie sich auf dem normalen Fernseher kaum auf einen Film konzentrieren könnten. Mit einer lauten oder nervigen Familie um sich herum, bekommt man unter der Royole Moon einfach überhaupt nichts mehr von der Umgebung mit. Das Augenteil lässt schließlich kaum Streulicht von der Seite hinein und die mit etwas Saugdruck anliegenden Ohrmuscheln unterdrücken Geräusche ebenfalls so gut, dass man selbst laute Geräusche kaum mehr wahrnehmen dürfte, sobald ein Film erst einmal gestartet ist. Schade ist da lediglich, dass wir auf einen richtig simulierten Raumklang dann doch leider verzichten müssen, obwohl sich das Headset ja gerade an Cineasten richtet, die bereit sind, etwas mehr Geld zu investieren.

Die Entlarvung der Kompression
Die insgesamt gute optische und akustische Qualität kann mitunter aber auch schnell einige Nachteile haben, denn sie entlarvt komprimierte Formate jederzeit kompromisslos. Das fällt nicht nur beim Sound auf, sondern vor allem auch bei komprimierten Streams etwa von Amazon Video. Mögen etwaige Artefakte eines HD-Streams auf dem Fernseher womöglich noch nicht aufgefallen sein: Auf der Royole Moon sehen wir sie sofort. Und das fällt bei den VOD-Anbietern mitunter verstärkt bei roten Farben und in dunkleren Szenen auf. Vor allem bei letzterem lässt sich auf dem integrierten AMOLED-Display sogar ein stark ausgeprägtes Color Banding erkennen, welches den Filmgenuss erheblich stört. Erst eine Veränderung der Helligkeitseinstellung von hell oder mittel auf „weich“ lässt diesen Effekt halbwegs verschwinden und die Komprimierungsartefakte von Amazon Video endlich nahezu verschwinden. Durch das geschlossene Sichtfeld ohne Streulicht ist das aber auch kein Problem, da selbst diese Einstellung noch hell genug ist, um einen Film zu genießen.

Schwache WLAN-Leistung
Zugleich allerdings offenbart die Royole Moon beim Streaming auch gleich eine weitere Schwäche: Im Test ließ die Stärke des WLANs leider doch ein wenig zu Wünschen übrig. Bereits bei vorhandenen zwei Balken scheint das Headset schon Probleme mit der Geschwindigkeit zu haben und kommt bei Amazon Video oder Netflix manchmal ins Stocken. Gerade im mobilen Einsatz etwa auf Hotelzimmern kann das dann schon zum Problem werden, wenn die Royole Moon nicht mehr in der Lage ist, bei einem schwachen WLAN-Signal trotzdem noch das Videomaterial flüssig und ohne Nachladen zu streamen – während übrigens weder Chromecast, noch der FireTV Stick im selben WLAN und bei gleicher Entfernung zum Router beim Test irgendwelche Probleme hatten. Da ist man glatt froh über den Offlinemodus so mancher Anbieter, denn dessen Nutzung empfiehlt sich unbedingt, wenn das Headset außerhalb des eigenen Zuhauses eingesetzt wird. Dafür allerdings liefert die dabei liegende Android-Box immerhin 32 GB Speicher mit, die sicherlich für den ein oder anderen Film ausreichend sollten.

Royole Moon

App Store – wer braucht denn sowas?
Schade ist dann nur, dass die Nutzung mancher VOD-Anbieter sich doch etwas umständlich gestaltet, denn die Royole Moon wird leider komplett ohne einen App Store ausgeliefert, wodurch auch der sonst standardgemäß installierte und vertraute Google Play Store komplett fehlt. Im bereits vorinstallierten Browser finden wir zwar ein paar Direktlinks zu den APK-Dateien etwa von Netflix oder Amazon Video – bei allem anderen, wie etwa der App von DAZN, müssen wir jene Installationsdateien dann aber komplett manuell aus dem Netz besorgen. Und dabei kann es nicht nur problematisch werden, tatsächlich seriöse Quellen dafür zu finden, sondern auch Updates werden zu einem Problem: Die erfolgen schließlich auch nicht automatisch über den Play Store, sondern müssen manuell in die Wege geleitet werden. Insgesamt sollte Royole diese Praxis wohl besser noch einmal überdenken.

Ein paar kostenlose Extras
Immerhin kann man aber erfreulicherweise feststellen, dass selbst der sonst so geschlossene VOD-Anbieter Amazon Prime Video offensichtlich kein Problem mit der Nutzung ihrer App auf dem Royole Moon hat – und das auch in der neuesten Version nicht. Wer sich in der Vergangenheit vielleicht einmal eine Android-Streaming-Box wie die Nvidia Shield angeschafft hat, wird nämlich herausgefunden haben, dass das leider nicht immer selbstverständlich ist und Amazon gerne einmal die Nutzung auf „nicht-autorisierten“ Geräten blockiert, sodass Streams dann gerne komplett den Dienst verweigern. Im Test ließ sich aber sowohl Amazon Video, als auch Netflix problemlos nutzen. Und obendrein liefert Royole auch noch einen Gutschein-Code für den eigenen VOD-Dienst Royole Lounge mit, in der wir uns drei kostenlose Filme von Sony Pictures aussuchen können – wobei wir an der Sinnhaftigkeit zweifeln, wenn diese dort lediglich in 480p vorliegen und häufig ohne deutsche Sprachausgabe daher kommen.

Das beste 3D
Dann doch lieber die Royole Moon an den eigenen heimischen BluRay-Player anschließen, denn hier kommen die großen Stärken des Headsets erst so richtig zum Vorschein: Vor allem die Sichtung von 3D Blurays macht auf dem Headset enorm viel Spaß, denn es handelt sich womöglich um das beste 3D Bild, das wir jemals gesehen haben. Ghosting und Doppelbilder etwa sind für die Royole Moon ein absolutes Fremdwort, sodass wir knackscharfe Bilder in Dual Full HD geboten bekommen, deren Tiefeneffekt sogar viele Fernseher übertrifft. Insofern ist das Headset vielleicht gerade für jene Cineasten eine Überlegung wert, die echte Fans von 3D Material sind und denen die Qualität der üblichen aktiven und passiven 3D-Technik einfach nicht ausreicht. Und wenn wir das Headset dann auch noch mit unkomprimiertem Material vom BluRay-Player versorgen, sind auch Color Banding und entlarvende Kompressionsartefakte kein Problem mehr und die Royole Moon kann ihre äußerst hohe Bildqualität erst so richtig entfalten.

Fazit:
Mit einer echten Full HD-Auflösung bietet die Royole Moon nicht nur deutlich höhere Bildqualität als die bekannten VR-Brillen, sondern liefert zugleich die absolute Referenzoptik bei der Darstellung von 3D Material. Leider lässt der Komfort des Headsets vor allem bei längerer Nutzung stark zu Wünschen übrig und auch auf einen für Virtual Reality notwendigen Bewegungssensor müssen wir verzichten. Filmfans mit einer Vorliebe für 3D BluRays sollten aber zumindest mal einen Blick riskieren – vorausgesetzt sie versorgen das Headset mit unkomprimiertem HD-Material.


11
Nov

Planetarium Erkrath: Treffen der Babylon 5-Fans

Ein bisschen abgelegen liegt es ja schon, das snh-Planetarium und Stellarium Erkrath im Stadtteil Hochdahl. Dort, wo die Busse nur stündlich verkehren und außer einer Schule und einem Supermarkt kaum etwas in der nächsten Umgebung zu finden ist. Trotzdem hat die Wahl dieser speziellen Location einen Grund: Wie könnte man besser erkennen, dass der harte Kern des Science-Fiction-Fandoms so richtig unter sich ist, als an einem Planetarium als Veranstaltungsort? Immerhin vielleicht der Kindheits-Lieblingsorts eines manchen Genrefans. Und so kam es dann auch, dass am vergangenen Samstag, den 10. November 2018 immerhin ganze 55 Fans der Science-Fiction-Serie “Babylon 5″ nach Erkrath zur “Bab-Con” kamen. Und bei all den großen Conventions, die seit einigen Jahren wie Pilze aus dem Boden sprießen, konnte man doch schnell vergessen, wie es eigentlich so ist, wenn Gleichgesinnte komplett unter sich sind, statt unter den Massen der Autogrammjägern unter zu gehen.

Die hier zum ersten Mal stattfindende “Bab-Con” hat sich für den kleinen Rahmen nämlich ganz bewusst entschieden. Aus der Annahme heraus, dass das Fandom von Babylon 5 einfach nicht mehr groß genug sei, um eine Convention mit tausenden Besuchern stemmen zu können, wollte ein kleines Team aus Podcastern, die sich normalerweise im Internet der Serie widmen, einfach mal die echten Fans zusammenbringen. Große Stars und Schauspieler aus der Serie suchte man hier allerdings vergeblich, denn die wären in dem kleinen Rahmen kaum finanzierbar gewesen. Trotzdem hatten die meisten Besucher weit mehr Spaß, als die winzige Veranstaltung auf den ersten Blick erwarten ließ, wenn etwa die eingefleischten Fans Ralph und Marion Kruhm bei ihrem Panel von den Erinnerungen an alte Convention-Zeiten erzählten, der ehemalige ProSieben-Mitarbeiter Torsten Dewi (Bild 1) seine ganz eigenen (mitunter recht witzigen) Erfahrungen zu berichten hatte und mit Michael Erdmann (Bild 2) immerhin der Synchronregisseur von “Babylon 5″ zu Gast war und damit zumindest halbwegs als sowas wie einen Stargast durchging.

Torsten Dewi @ Bab-Con Erkrath

Und immerhin beteiligte sich sogar das Planetarium selbst am Programm der Bab-Con, denn echte Science-Fiction-Fans gibt es offensichtlich auch da. Wenn ein Mitarbeiter des Planetariums uns etwa eine Stunde lang virtuell durch die Milchstraße führt und dabei erzählt, wie die Science-Fiction auch seine Arbeit beeinflusst hat, wird das schnell zum puren Entertainmentprogramm, für das sich normalerweise schon ohne eine Convention der Besuch in einem Planetarium lohnt. Das Planetarium Erkrath hat dafür schließlich die passende Technik: Mit mehreren Projektoren sind sie in der Lage, die komplette Kuppel rundherum zu bestrahlen und damit ein Gefühl aufkommen zu lassen, wie es sonst nur Virtual Reality-Brillen bieten – nur eben hier für die komplette Gruppe innerhalb des Saals. Und während so manchem Besucher dabei fast ein wenig schwindelig wurde, wird dieses Erlebnis sicher etwas länger in Erinnerung bleiben.

Große Sprünge machte das Event in Anbetracht der enormen Konkurrenz aber natürlich trotzdem nicht, das wird schon daran deutlich, dass die Auswahl der Location nicht für alle Zwecke optimal war. Eng, warm und vor allem düster war es nämlich unter der Kuppel des Planetariums, weil das Budget offenbar so niedrig war, dass sogar ein Scheinwerfer fehlte, um die Vortragenden bei den Panels – die natürlich auch unter der Kuppel stattfanden – zu beleuchten. Aber immerhin: Die 55 extrem bequemen Kinosessel unter der Kuppel waren alle ausverkauft und mehr wollten die Macher der winzigen Veranstaltung gar nicht erreichen. Und eines haben sie dann doch geschafft: Das alte Feeling noch einmal aufleben zu lassen, das damals in den Bürgerhäusern aufkam, als Conventions noch nicht haufenweise Fandoms gleichzeitig bedienten, Autogramme noch kostenlos waren und der Kommerz noch keine große Rolle spielte. Das Feeling, welches entsteht, wenn völlig fremde Personen plötzlich auf den Gängen stehen und sich gemeinsam über ihre Lieblingsserie unterhalten, weil sie eine gemeinsame Leidenschaft teilen. Und dafür reisten manche Fans sogar von etwas weiter an – auch wenn die große Masse vermutlich Zweifel an der Notwendigkeit einer Convention ohne Stargäste haben wird, wo es doch inzwischen Conventions wie Sand am Meer gibt. Ob, wann und in welchem Rahmen es eine Fortsetzung gibt, steht allerdings noch völlig offen: Ein paar Jahre Pause soll es laut Veranstalter zumindest auf jeden Fall geben.

Michael Erdmann @ Bab-Con Erkrath


06
Nov

Trans Europa (Brettspiel)

Das Zeitalter der Eisenbahn hat begonnen und nun gilt es, die wichtigsten Städte von Europa so schnell wie möglich miteinander zu verbinden und zum großen Eisenbahnmogul heranzuwachsen. Doch die Konkurrenz ist stark, denn bis zu sechs Eisenbahnunternehmen konkurrieren im Wettstreit um die europäische Vorherrschaft und nutzen nur liebend gerne Tricks aus, um das bereits aufgebaute Schienennetz der Konkurrenz einfach mal mitzuverwenden. Und für die meisten ist das auch bitter nötig, wenn es durch schwieriges Terrain wie die Alpen, oder über Flüsse und Meere geht, um etwa Inseln wie Groß-Britannien an das eigene Streckennetz einzubinden…

Kritik:
Brettspiele, in denen wir Streckennetze der Eisenbahn aufbauen müssen, erfreuen sich auch nach vielen Jahren noch großer Beliebtheit und findet man vermutlich zuhauf. Legendäre Titel wie „Zug um Zug“ oder auch das inzwischen nicht mehr produzierte „Union Pacific“ sorgten schon bei vielen Familien für lange spaßige Abende und einen gewissen Suchtfaktor. Ein ähnliches Spiel ist dabei auch „Trans Europa“, das bereits vor knapp fünfzehn Jahren zum ersten Mal erschienen ist und ebenfalls auf das Aufbauen eines Eisenbahn-Streckennetzes setzt. Anders als etwa bei „Zug um Zug“ gilt es hier aber nicht, die Gegner möglichst zu blockieren, sondern deren Streckennetz geschickt mitzunutzen, um seine eigenen Ziele schneller miteinander zu verbinden.

Trans Europa

Hübsche Neuauflage
Vergleicht man die Neuauflage von Ravensburger nun mit dem damaligen Original, hat sich doch einiges verändert und das Brettspiel ist insgesamt größer und auch hübscher geworfen. Die Landkarte des Brettspiels wurde immerhin ein wenig in die Breite gezogen und nimmt auf dem heimischen Wohnzimmertisch nun ein wenig mehr Platz ein. Und der ist auch dringend nötig, denn anstelle von schnöden kleinen Holzteilen finden wir nun liebevoll modellierte Schienen vor, an denen sich die Spieler gemeinsam bedienen können. Und auch beim sonstigen Spielmaterial hat man sich ein paar Neuigkeiten ausgedacht: Die mitgelieferten Sonderkarten sorgen nämlich für regelmäßige Änderungen der Spielregeln und machen den Ablauf somit noch ein wenig spannender.

Zug um Zug trifft Europareise
Trotzdem ist das Spielprinzip aber insgesamt recht simpel ausgefallen. Frei inspiriert durch Spiele wie Europareise oder Deutschlandreise ziehen schließlich alle zwei bis sechs Spieler fünf Karten aus unterschiedlichen Regionen der Landkarte. Für die Spieler gilt es nun, alle diese fünf Städte möglichst schnell miteinander zu verbinden – und je mehr Streckenabschnitte zum Verbinden aller Städte am Ende der Runde noch notwendig sind, umso weniger Punkte bekommt der Spieler im Einzelnen. Letztendlich wiederholt sich das Spielprinzip dann so lange, bis einer der Spieler eine bestimmte Anzahl von Punkten erreicht hat. „Trans Europa“ sorgt somit für ein eher simples und kurzweiliges Spielerlebnis, in das vor allem auch jüngere Spieler schnell und einfach einsteigen können. Immerhin beschränkt sich auch die Anleitung auf wenige Seiten.

Die Liebe zur Einfachheit
Schade ist dann allerdings, dass „Trans Europa“ weder die spielerische Tiefe von „Zug um Zug“, noch die hohe Spannung von „Union Pacific“ erreicht. Das liegt vor allem daran, dass sich die jeweiligen Strecken kaum voneinander unterscheiden, wenn man einmal davon absieht, dass etwa Gebirge oder Flüsse gleich zwei Züge statt nur einen benötigen und dadurch einen längeren Bau benötigen. Dass man aber etwa unterschiedliche Schienenkarten wie in „Union Pacific“ oder Strecken mit farblichen Besonderheiten wie in „Zug um Zug“ vorfindet, kommt bei „Trans Europa“ leider nicht vor. Auch auf Aktien, Gelder oder Blockadetaktiken müssen wir verzichten. Damit eignet sich das Spiel zwar umso mehr für ein noch jüngeres Einstiegsalter, könnte aber vor allem erwachsene und erfahrene Spieler auch schnell langweilen.

Trans Europa

Ein kleiner Bonus
Damit das nicht ganz so schnell passiert, liefert Ravensburger aber immerhin gleich zwei Spiele in einem: Auf der Rückseite des Spielbretts finden wir nämlich auch noch eine Karte der Vereinigten Staaten von Amerika. Anders ausgedrückt: Neben „Trans Europa“ findet sich somit auch das Gegenstück „Trans Amerika“ in der Schachtel, das man in der Vergangenheit noch einzeln kaufen musste. Vor allem für Neueinsteiger bietet sich somit eine enorme Preisersparnis im Vergleich zur Erstauflage von Winning Moves. Das Spielprinzip allerdings unterscheidet sich auch auf der amerikanischen Karte nicht wirklich und bleibt langfristig ähnlich eintönig. Da hätten wir uns doch ein paar spannendere Neuheiten gewünscht, die es in der damaligen Version noch nicht gab. Dennoch: Für den kurzweiligen Familienspaß, der ohne große Erklärungen der Regeln auskommt, eignet sich „Trans Europa“ trotzdem perfekt.

Fazit:
Auch die Neuauflage des inzwischen knapp fünfzehn Jahre alten Klassikers des Eisenbahn-Legespiels sorgt noch immer für einen kurzweiligen Spaß für die ganze Familie, der mit einem sehr einfachen Einstieg überzeugt. Leider erreicht „Trans Europa“ dabei aber zu keiner Zeit die Spieltiefe von „Zug um Zug“ oder „Union Pacific“.

Trans Europa Wertung


06
Nov

Chronicles of Crime (Brettspiel)

Eigentlich handelt es sich um den typischen Alltag eines Ermittlers und doch ist der heutige Tag ein klein bisschen anders, als wir das Büro des Detective im Scotland Yard betreten. Ein Mordfall hat sich im Hyde Park ereignet und wir sollen ermitteln. Gemeinsam mit einigen anderen Polizisten begeben wir uns zum Tatort, befragen Zeugen und durchsuchen die Umgebung nach wichtigen Hinweisen. Jeder einzelne davon ist überaus wichtig, um mögliche Zeugen und Verdächtige damit zu konfrontieren und weiterführende Informationen zu erhalten, die uns bei der Lösung des Falls behilflich sein können. Doch einfach wird das nicht: Die Zeit drängt und wenn wir nicht zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort auftauchen, können wichtige Zeugen vielleicht längst verschwunden sein. Oder im schlimmsten Fall wird sogar ein weiterer Mord geschehen…

Anders als die Geschichte von „Chronicles of Crime“ womöglich vermuten lässt, handelt es sich dabei nicht um ein Computer- oder Videospiel. Tatsächlich haben wir es hier mit einem Brettspiel zu tun, das schon auf den ersten Blick ein wenig anders aussieht. Das Brett entspricht viel mehr einer Tafel, auf der Hinweise und Indizien abgelegt werden, wie es die Ermittler in den Filmen normalerweise an der Pinnwand tun. Rechts und links daneben: Die jeweiligen Tatorte, Wohnorte von Zeugen und Verdächtigen und noch viele andere wichtige Locations, an denen wir möglicherweise nach Hinweisen suchen müssen oder Personen zu befragen haben. Mit einer kleinen Besonderheit: Bei „Chronicles of Crime“ sind wir nicht mit klassischen Spielfiguren unterwegs, sondern mit dem Smartphone oder Tablet.

Chronicles of Crime

Tatsächlich nämlich stimmt es nicht so ganz, dass es sich hierbei ausschließlich um ein Brettspiel handelt. „Chronicles of Crime“ kombiniert nämlich analoge und digitale Technik recht geschickt: Das Brettspiel mit seinen physischen Tafeln und Karten einerseits, die dazugehörige App mit Kamerafunktion und Befragungsmodus andererseits. Recht geschickt kombiniert das Spiel also das klassische Brettspiel mit einer App, in der wir nach Hinweisen suchen und Zeugen befragen. Und das geht erstaunlich einfach, denn auf praktisch allen Tafeln und Karten findet sich ein QR-Code, mit dem wir an den jeweiligen Ort reisen, Objekte einscannen und Personen befragen. Einfach den QR-Code der Ortstafel gescannt und wir reisen an den Ort. Dann den QR-Code der jeweiligen Person einscannen, um sie zu befragen. Und worüber wir sie befragen wollen, legen wir dann auch einfach mittels QR-Code fest, in dem wir den Code des jeweiligen Hinweises einscannen.

Haben wir zuvor die richtigen Hinweise am Tatort gefunden, entwickelt sich so nach und nach eine spannende Story, in der wir immer mehr Informationen über den Tathergang aufdecken. Die Befragten auf die richtigen Ereignisse oder Objekte angesprochen, verraten sie uns vielleicht wichtige Hinweise auf weitere Personen, andere Orte und noch viele andere spannende Dinge. Und das kann ganz schön komplex werden: Manche Personen halten sich nur zu bestimmten Uhrzeiten an bestimmten Orten auf und wenn wir erst einmal sechs oder sieben Orte mit jeweils bis zu drei Personen pro Ort rund um unser Spielbrett ausgelegt haben, sieht auch „Chronicles of Crime“ schon bald aus, wie die Hinweistafel eines echten Ermittlers. Optisch macht das schon einen coolen Eindruck – und ist aber auch spielerisch absolut notwendig, um die zahlreichen komplexen Hinweise überhaupt alle im Kopf behalten zu können.

Spannend wird es aber vor allem deshalb, weil es sich bei „Chronicles of Crime“ um ein kooperatives Brettspiel handelt. So suchen wir uns bis zu drei Mitspieler und rätseln gemeinsam über den Täter und den Tathergang. Das allein kann schon für einen spannenden Austausch sorgen, wenn alle Mitspieler anhand der erhaltenen Informationen in ihren Köpfen Theorien ausdenken, denen wir womöglich nachgehen sollten. Tatsächlich gibt es bei „Chronicles of Crime“ nämlich stets mehrere Möglichkeiten, um in der Story voran zu kommen und die Spieler müssen untereinander abstimmen, wie sie als nächstes vorgehen möchten: Etwa zu welchem der sechs Orte auf ihrem Tisch sie als nächstes reisen möchten, welchen Zeugen sie als nächstes befragen möchten oder welche der mitunter bis zu zwanzig Hinweisen sie verwenden möchten, um bestimmte Personen damit zu konfrontieren.

Chronicles of Crime

Jede Entscheidung hat dabei Auswirkungen auf den Spielverlauf: Mit jeder Reise, jeder Befragung und jeder Hinweissuche vergeht innerhalb der App nämlich eine gewisse Zeit. Und Zeit ist ein überaus wichtiger Faktor in „Chronicles of Crime“, denn regelmäßige Zufallsereignisse sorgen dafür, dass etwa potentielle Verdächtige verschwinden, Zeugen ermordet werden oder andere überaus spannende Dinge passieren. Damit hat das Spiel sogar einen gewissen Wiederspielwert, wenn wir beim nächsten Versuch eine andere Vorgehensweise wählen möchten und vielleicht einen vorzeitig verschwundenen Verdächtigen beim zweiten Durchgang doch noch rechtzeitig befragen. Und so bekommt man bei „Chronicles of Crime“ schnell das Gefühl, es handele sich um das erste Spiel, das Brettspiel und App tatsächlich sinnvoll miteinander kombiniert. Denn Spannung ist hier zu jeder Zeit garantiert.

Schade ist allerdings, dass die App dann doch gelegentliche Macken hat. Etwa wenn die Reihenfolge unseres Vorgehens etwas zu sehr durcheinander gerät. So kann es etwa passieren, dass wir eine Zeugin auf eine bereits verstorbene Person ansprechen und sie bei anderen Fragen dann plötzlich doch nichts mehr von dessen Tod weiß. Ein paar Kinderkrankheiten scheint die dazugehörige App also zum aktuellen Zeitpunkt noch zu haben, vor allem was den Ablauf der Dialoge bei den Befragungen betrifft. Außerdem sind wir beim Test mit einem Sony Xperia X immer wieder auf das seltsame Phänomen gestoßen, dass bestimmte Buttons innerhalb der App erst nach mehrmaligem Betätigen reagiert haben. Das hat zwar zu keinem Zeitpunkt das Weiterspielen tatsächlich behindert, nervte auf Dauer aber doch ganz gewaltig. Trotzdem sind wir an dieser Stelle zuversichtlich, dass zukünftige Patches den Fehler noch beheben werden.

Chronicles of Crime

Eines allerdings funktioniert bereits hervorragend: Mit der zusätzlich erhältlichen „VR-Brille“ können wir recht tief in die jeweiligen Tatorte eintauchen. Dabei stecken wir eine zusammenklappbare Brille einfach in der Mitte auf unser Smartphone, bekommen dann zwei Einzelbilder für die jeweiligen Augen generiert und können uns dank des Bewegungssensors unseres Mobiltelefons tatsächlich im 360° Modus am Tatort umsehen und nach wichtigen Hinweisen suchen. Spannend: Die Zeit ist dabei begrenzt und bei jedem erneuten Versuch vergeht zusätzliche Ingame-Zeit. Doch auch hier wird der Teamgeist schnell gestärkt: Die Spieler können das Gerät schließlich herum reichen, sodass jeder einmal die Gelegenheit erhält, nach den Hinweisen am Tatort zu suchen. Und das kann schon recht spaßig werden, wenn dem ein oder anderen vielleicht etwas auffällt, was seine Mitspieler nicht gefunden haben. Damit wird „Chronicles of Crime“ zum perfekten Spiel für all jene, die lieber miteinander, statt gegeneinander spielen und die zudem auch noch viel Spaß an spannenden Krimigeschichten haben.

Fazit:
Das spannende Krimispiel um die Ermittlungen der Scotland Yard kombiniert Brettspiel, digitale App und virtuelle Realität auf recht gekonnte Weise und sorgt für ein unterhaltsames Koop-Erlebnis, bei dem die Spieler zusammenarbeiten müssen, statt gegeneinander zu spielen.

Chronicles of Crime Wertung


06
Nov

Train Simulator: München – Rosenheim

Für den täglichen Pendlerverkehr zwischen München und seinen zahlreichen Vororten ist die Stammstrecke der S-Bahn unerlässlich. Seit vielen Jahren kommt es vor allem im Tunnel durch die Innenstadt von München jedoch regelmäßig zu Engpässen und einem Verkehrsaufkommen im Minutentakt. Eine zweite Stammstrecke ist noch immer Zukunftsmusik und bei einer Störung kann mitunter der gesamte Verkehr zum Stillstand kommen. Für den (virtuellen) Lokführer kann die Fahrt mit der S-Bahn zwischen Grafing und München Pasing daher zu einer echten Herausforderung werden. Ein Glück für so manchen Fahrgast, dass er auch auf die daneben liegende Schnellfahrstrecke für den Regional- und Fernverkehr ausweichen kann – sofern er in einer der größeren Städte wohnt. Denn die Route nach Rosenheim ist zugleich eine der wichtigsten Strecken zur österreichischen Grenze, die auch von der ÖBB in Richtung Brennerpass befahren wird…

Kritik:
Dass sich auch das dazugehörige Addon für den Train Simulator durchaus sehen lassen kann, dürfte den meisten schon bei der Darstellung des Münchener Hauptbahnhofes klar sein. Mit möglichst vielen Details gestaltet, macht der riesige Kopfbahnhof mit seinen mehr als zwanzig Gleisen und dem enormen Streckennetz schon einen ziemlich guten Eindruck – auch in der Simulation. Münchener werden sich freuen, dass sie auf der Strecke „München – Rosenheim“ vor allem die Innenstadt der Metropole schnell wiedererkennen können. Dazu zählt der ZOB mit seinen Fernbussen an der Hackerbrücke ebenso, wie die eindrucksvollen Bürogebäude am Leuchtenbergring. An der oberirdischen Darstellung von München gibt es also nicht allzu viel auszusetzen, außer dass auf den Brücken vielleicht ein bisschen zu sehr an Fahrzeugen mangelt.

Train Simulator: München - Rosenheim

Der fiktive Marienplatz
Ganz anders allerdings der unterirdische Abschnitt der Stammstrecke, der bereits bei vielen Fans des Train Simulator für reichlichen Unmut sorgte. Nicht nur, dass die Tunnel insgesamt zu breit und zu hell ausgefallen sind: Vor allem die Gestaltung des Bahnhofes am Münchner Marienplatz kann man wohl getrost als fiktiv bezeichnen. Verkehren die Gleise in der Realität noch auf zwei Etagen untereinander, haben die Entwickler von Dovetail die beiden Gleise doch schlichtweg nebeneinander gelegt. Insgesamt machen die Bahnhöfe der unterirdischen Stammstrecke daher größtenteils den Eindruck, sie wären einfach mehrfach kopiert worden und hätten unterschiedliche Texturen erhalten. Für Kenner der Strecke wird es hier schon recht schwierig, die realen Bahnhöfe wiederzuerkennen.

Kirchseeon – gibt’s da was?
Ähnlich detailarm geht es dann leider an den kleinen S-Bahnhöfen der oberirdischen Stammstrecke weiter. Machen die Münchner Bahnhöfe noch einen guten Eindruck und haben diverse Gebäude zur Wiedererkennung zu bieten, sieht das etwa an Bahnhöfen wie Kirchseeon oder Eglharting schon ganz anders aus. Nicht einmal Supermärkte, Gaststätten oder Gebäude von Banken direkt neben dem Bahnhof wurden korrekt eingebaut, obwohl diese von der realen Strecke aus durchaus gut sichtbar gewesen wäre. Würden die jeweiligen Ortsnamen nicht auf den Bahnhofsschildern stehen, würde es Kennern der Strecke der S-Bahn Linie 4 wohl recht schwer fallen, ihre Heimat tatsächlich wiederzuerkennen. Insgesamt kann man es wohl als optisch recht schwach bezeichnen, wenn bis auf die großen Bahnhöfe München, Grafing und Rosenheim praktisch kein einziger wirklich realitätsgetreu umgesetzt wurde. In dieser Hinsicht schwächelt „München – Rosenheim“ auch im Vergleich zu den anderen Train Simulator-Addons aus München.

Der verschollene Meridian

Schade ist dann, dass sich eben dieser Eindruck dann auch beim Rollmaterial fortsetzt. Mitgeliefert werden hier lediglich die S-Bahnen der Baureihe 423 und eine Baureihe 101 mit dazu passenden IC-Waggons. Ein auf der Strecke üblicher Meridian-Triebwagen fehlt ebenso, wie die hübschen Railjets der ÖBB mit ihren Taurus-Lokomotiven, die fast im Stundentakt auf der Schnellfahrstrecke verkehren. Das führt dann auch schnell zu einem erheblichen Problem: Mit nur zwei mitgelieferten Zügen kann man das enorme Verkehrsaufkommen rund um den Münchener Hauptbahnhof nicht einmal ansatzweise wiedergeben. Insgesamt wirkt es hier eindeutig zu leer – vor allem auch, da die zahlreichen Regionalbahnen ebenso fehlen, wie die in München endenden und beginnenden ICEs. Ein realistisches Feeling kommt so nur äußerst selten auf.

Train Simulator: München - Rosenheim

Ganz schön sauber
Dabei ist das vorhandene Rollmaterial immerhin einigermaßen gut umgesetzt – vor allem, was die Baureihe 423 betrifft. Hier hat man sich gar größte Mühe gegeben, das Anfahrtsgeräusch der Münchener S-Bahn originalgetreu einzubauen und auch die schnelle Beschleunigung dieser Baureihe physikalisch glaubwürdig umzusetzen. Auch optisch können sich die Züge und überzeugen mit einer hübschen Glanzlackierung, detallierter Dachkonstruktion und einem umfangreichen Führerstand. Selbst die Zugzielanzeiger der IC-Waggons und S-Bahn-Triebwagen, welche die Richtung unseres Zuges anzeigen, entsprechend hier dem Original und sorgen für ein paar kleine zusätzliche Details, auf die Bahnfans sicherlich achten werden.

Strafe für zu schnelles Fahren…
Schade bleibt dann, dass die Strecke insgesamt alles andere als fehlerfrei umgesetzt wurde. So fehlen nicht nur die Haltepositionsschilder an den Bahnsteigen für den Regional- und Fernverkehr, sondern es kommt auch immer wieder zu fehlerhaften Geschwindigkeitsbegrenzungen, die den Spielspaß erheblich trüben. Wenn etwa die Geschwindigkeitsbegrenzung ohne jeden Grund für ein paar Sekunden auf 60 km/h fällt, obwohl wir eigentlich mehr als 100 km/h fahren dürften und wir im Karrieremodus dafür reichlich Minuspunkte kassieren, kann das leider schon ziemlich frustrierend sein. Die erhoffte Maximalpunktzahl zu erreichen, ist so zwar nicht gänzlich unmöglich, aber doch erheblich erschwert. Dass solche Fehler aber nach mittlerweile drei Jahren immer noch nicht behoben wurden, wirft hierbei zudem kein gutes Licht auf die Entwickler, denn eine Behebung ist auch für die Zukunft nicht ersichtlich.

Train Simulator: München - Rosenheim

Verzögerungen im Betriebsablauf
Angesichts all solcher Probleme hofft der Eisenbahnfan dann in aller Regel darauf, dass immerhin die Szenarien unterhaltsam umgesetzt wurden, aber selbst das trifft nur begrenzt zu. Immerhin die Fahrten bei Regen und Nebel, bei denen ein langsamer Zug vor uns die freie Fahrt verhindert, macht das Addon „München – Rosenheim“ halbwegs interessant. Die restlichen fünf von sieben Szenarien allerdings bieten lediglich den üblichen Standardbetrieb, bei dem wir zu unterschiedlichen Tageszeiten schnöde von A nach B fahren und dabei an den jeweiligen Stationen anhalten. Abwechslung kommt so jedenfalls kaum zustande. Und das vor allem auch deshalb, weil mit dem mitgelieferten Rollmaterial natürlich auch kein Güterverkehr möglich ist, obwohl die Strecke einen solchen normalerweise hergeben würde. Wer dieses Addon interessant machen möchte, wird leider nicht drumherum kommen, zusätzliche Erweiterungen etwa von 3Dzug oder anderen Anbietern zu erwerben.

Fazit:
Mit einer fehlerhaften Umsetzung der Münchener Stammstrecke, auch nach drei Jahren noch nicht behobenen diversen Bugs und zu wenig Rollmaterial wird „München – Rosenheim“ vermutlich die meisten Fans des Train Simulators enttäuschen. Daran ändert auch ein hübsch gestalteter Münchener Hauptbahnhof nichts.

Train Simulator: München Rosenheim Wertung


04
Nov

Weekend of Hell: Action-Legenden auf der Horrorfilm-Convention

Für Fans von Horrorfilmen führt inzwischen kein Weg mehr an den Dortmunder Westfalenhallen vorbei. Denn wenn dort das Weekend of Hell stattfindet, stehen Horrorfilme- und serien so sehr im Mittelpunkt, dass sogar die Schauspieler selbst dorthin reisen, um auf der Bühne von ihren Erfahrungen zu erzählen oder Autogramme für die (zahlenden) Fans zu schreiben. Mittlerweile ist das Weekend of Hell sogar so erfolgreich, dass es gleich zwei Mal im Jahr stattfindet: Das normale Herbstevent im November und eine “Spring Edition” im April. Als es am 3. und 4. November 2018 aber wieder einmal so weit war, mag sich so mancher Besucher gefragt haben, ob sich die Headliner der Veranstaltung wohl im Genre geirrt haben?

Obwohl es mit Robert Englund und zahlreichen Stars aus “The Walking Dead” zwar auch namhafte Stars aus Horrorfilmen und -serien gab, dreht sich hier doch alles um die großen Action-Legenden, die seit vielen Jahrzehnten als echte Kultstars des Actiongenres zählen. Allen voran natürlich Steven Seagal, der bereits im Jahre 1992 mit “Alarmstufe: Rot” seinen Durchbruch feierte und für seinen etwas speziellen Auftritt in seinen zahlreichen Filmen bekannt ist. Mittlerweile zwar vor allem für seine vielen B-Actionfilme bekannt, die zeitweise wie am Fließband erschienen sind, kann der einstige Martial Arts-Star auch heute noch die Autogrammschlangen füllen. Für happige 90 Euro weigerte der sich zwar sogar, eine Widmung zu schreiben, überraschte dann aber trotzdem mit seiner Bereitschaft für den ein oder anderen Plausch und einer überaus gemütlichen Ausstrahlung. Da wurde so manchem Fan schnell klar: Die Mimik in seinen Filmen ist offenbar nicht gespielt, denn seinen typischen steif-ruhigen Blick trägt Seagal auch im echten Leben.

Nur wenige Meter von der Action-Legende entfernt, konnte dann aber auch ein anderer Actionheld aus den Kindheitstagen mancher Besucher begeistern: Der mit 74 Jahren inzwischen auch optisch stark gealterte Rutger Hauer gilt seit seinen Rollen in “Blade Runner” und “Hostile Waters” als einer der ganz großen Stars der 80iger und 90iger Jahre. Kein Wunder daher, dass vor allem das ältere Publikum sich nur allzu gerne auf seine (mit 40 Euro etwas günstigeren) Autogramme stürzte und ihn für einen der meist unterschätzten Schauspieler aller Zeiten hält. So mancher Besucher aber mag sich gewundert haben: Mit seinem Erscheinungsbild, das sich in den vergangenen 30 Jahren erheblich verändert hat, hätten einige Fans ihn womöglich gar nicht mehr erkannt, würde sein Name nicht an der Wand hinter ihm zu sehen sein.

Weekend of Hell

Ganz anders hingegen bei den deutlich jüngeren Stars aus “The Walking Dead”, deren Dreh noch gar nicht allzu lange zurück liegt und die noch ziemlich genau aussehen, wie in der beliebten Horrorserie. Immerhin kam beim Anblick der 16-jährigen Brighton Sharbino, die auch ohne allzu viel Makeup ihrer Rolle extrem ähnelt, doch so mancher ins Staunen. Als zugleich jüngste aller Stars auf dem Weekend of Hell brachte sie nicht nur ihre 3 Jahre ältere Schwester Saxon Sharbino aus “I spit on your grave” mit, sondern hatte von so mancher interessanten Erfahrung als Jungdarstellerin am Set und den Umgang ihrer Eltern mit ihrem Job zu berichten – denn die waren offenbar anfangs gar nicht mit ihrer Schauspielerei einverstanden, wie Brighton Sharbino amüsiert bei ihrem Panel am Samstag zugibt. Ein Glück für Fans von The Walking Dead, dass sie sich dann doch durchsetzen konnte.

Immer spaßig ging es bei ihrem gemeinsamen Panel mit IronE Singleton und Chad L. Coleman allerdings nicht zu, immerhin haben die Stars aus “The Walking Dead” erst vor kurzem einen geliebten Kollegen verloren. Erst vor einem Monat erlag der 76-jährige Scott Wilson nämlich seiner Leukämieerkrankung. Für die drei Schauspieler war das Anlass genug, in Gedenken an ihren Kollegen einen Moment der Stille während ihres Panels einzulegen und die Fans an den verstorbenen Darsteller von Hershel zu erinnern. Den restlichen Tag sollte das aber nicht trüben, denn grundsätzlich präsentierten sich die drei Stars überaus gut gelaunt gegenüber ihren Fans und machten nur allzu gern den ein oder anderen Spaß beim Photoshooting mit.

Gleich im Anschluss an ihren Auftritt hatte sich aber auch der Japaner Sho Kosugi eine echte Besonderheit ausgedacht. Der Martial Arts-Darsteller, der mit Actionfilmen wie “Ninja Assassin” bekannt wurde, hat die im Film verwendeten Schwerter kurzerhand einfach mit nach Dortmund genommen. Und da hat er all seine Fans davon überzeugen wollen, dass er die Kampfkünste in den Filmen tatsächlich selbst ausführt und legte kurzerhand eine echte Martial Arts-Aufführung hin, in denen er einige seiner wichtigsten Moves vorführte und auch mal die beiden Schwerter schwingen durfte. Verletzt wurde dabei zum Glück niemand, unterhalten dafür aber umso mehr, denn: Eine solche Show sieht man auch auf Conventions nicht alle Tage.

Wie gut daher, dass wir nicht allzu lange auf das nächste Weekend of Hell warten müssen. Am 13. und 14. April 2019 geht es nämlich bereits mit der “Spring Edition” in den Dortmunder Westfalenhallen weiter. Stargäste sind dazu zwar noch nicht bekannt, dürften aber in Kürze vom Veranstalter angekündigt werden. Tickets dafür gibt es unter weekend-of-hell.com

Weekend of Hell