02
Nov
Joe Bonamassa in Dortmund: Halloween mit dem Meister des Blues

Joe Bonamassa gilt als einer der besten Gitarristen unserer Zeit
Nur dreizehn Songs sollte Joa Bonamassa am Halloween-Abend spielen, an dem sich tausende Besucher entschieden haben, lieber zu seinem Konzert in die Westfalenhalle Dortmund zu kommen, statt eine gruselige Halloween-Party zu besuchen. Das reicht bei Bonamassa trotzdem aus, um damit mehr als zwei Stunden Konzert zu füllen, denn anders als bei den üblichen Charts-Musikern gehen Songs hier nicht unbedingt nur drei Minuten. Bonamassa nimmt sich die Zeit, die ein Song braucht. Häufig fünf oder sechs Minuten lang, manchmal vielleicht sogar acht, wenn die Emotionen das her geben. Selbst wenn mancher Song scheinbar vorbei ist, darf es auch nochmal das zusätzliche Gitarrenriff sein – oder gar ein ziemlich ausgedehntes Gitarrensolo, mit dem er scheinbar vermeintlich nach Gefühl seine Songs ausklingen lässt.
Eigentlich würden Konzerte von Joe Bonamassa auch funktionieren, wenn er solo und instrumental auf der Bühne stünde und nur seine Gitarre spiele – so sehr fesseln seine Fingerfertigkeiten. Dass er zugleich aber auch ein begnadeter Sänger mit einer beeindruckend sanften Stimme ist, die sich perfekt in seine Songs einfügt, mag manchen Zuschauer womöglich schon fast erstaunen. Und es wäre nicht Bonamassa, wenn er nicht auch ein Perfektionist wäre: Begleitet wird er von einer Band, die nur aus den besten Musikern besteht, die er finden konnte und jedes einzelne Instrument verstärkt seine einzigartigen Talente an der Gitarre zusätzlich.

Zwei Background-Sängerinnen unterstützen Bonamassa mit ihrer gospelartigen Stimme
Da zieht vor allem Keyboarder Lachy Doley hin und wieder die Aufmerksamkeit des Publikums auf sich, spielt er schließlich spektakulär gleich mehrere Instrumente gleichzeitig. Von Bonamassa auch mal liebevoll “The Rocket Scientist” genannt, kommen da teils rasante und abgefahrene Tonfolgen zustande, die man kaum für möglich gehalten hätte, würde er nicht derartig live in die Tasten hauen. Spannend auch die beiden Background-Sängerinnen im Hintergrund, die immer sanft und kaum zu hören den Star akustisch begleiten – bis sie plötzlich ihren Einsatz haben und unter Beweis stellen, dass wir da zwei absolut großartige Gesangstalente sehen, die Bonamassa selbst in nichts nachstehen. Das erinnert gar ein bisschen an besonders hochwertigen Gospel-Gesang.
Ein besonderes Highlight zu Halloween gab es allerdings nicht, obwohl das Konzert am 31. Oktober 2026 stattfand. Extra für Halloween hat sich Joa Bonamassa allerdings “als Joe Bonamassa verkleidet”, stellt er mit seinem trockenen Humor fest – und sorgt damit für Gelächter im Publikum. Der Blues-Rocker steht also nicht im Gruselkostüm auf der Bühne, sondern in seinem obligatorischen Anzug mit Sonnenbrille. Dafür sind manche Besucher sogar “durch ganz Deutschland gereist, etwa aus Köln und Düsseldorf”, ist Bonamassa einmal mehr zum Scherzen aufgelegt, offenbar wohl bewusst, dass die Entfernung nicht allzu hoch ist. Aber für das Talent eines Bonamassa wäre vielen wohl kein Weg zu weit. Auch um Songs wie “Sloe Gin” zu hören, mit dem er in der Zugabe seine Konzert beendet und nochmal beweist, wie sehr er auch die anspruchsvollsten Songs beherrscht. Auch einer dieser Songs wegen denen man Bonamassa für den besten Gitarristen und Blues-Musiker unserer Zeit hält.

Fotos: Rene Daners