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Ratinger Hof: Feelgood McLouds mit Folk-Punk in Düsseldorf
Düsseldorf: Zeitreise in die 80er mit Thomas Anders

Archiv fürApril, 2026


07
Apr

Ratinger Hof: Feelgood McLouds mit Folk-Punk in Düsseldorf

Um den legendären Düsseldorfer Punk-Laden Ratinger Hof gab es viele Jahre ein ziemliches Hin und Her. Immer wieder gab es neue Betreiber, immer mal wieder wurde die Location geschlossen und anschließend wieder eröffnet. Unter der Führung von D.Live und Concertteam NRW steht im Ratinger Hof aber endlich wieder jene Musik auf der Bühne, die dort hin gehört. Und das kann neben klassischem Punk-Rock eben auch mal der mitreißende Folk-Punk sein, der typischen Irish Folk deutlich schneller spielt, als die meisten ihn kennen. Am 27. März 2026 gab es dank The Feelgood McLouds genau das: Einen richtigen Abriss in der kleinen “Wohnzimmer”-Location, die gerade einmal gemütliche 250 Besucher fasst.

Feelgood McLouds im Ratinger Hof Düsseldorf

Bevor der Moshpit aber so richtig los legt, durfte zunächst ein alter Bekannter aus der Folk-Punk-Szene seine Band präsentieren. Genrekennern war Paddy Maguire (bürgerlich Patrick Hagedorn) schon seit vielen Jahren durch seine Band “The O’Reillys and the Paddyhats” bekannt, die zu den wichtigsten Acts des Genres gehörten. Nachdem sie sich erst vor kurzem wegen interner Streitereien aufgelöst haben, bleibt Paddy aber natürlich mit seiner anderen Band auf der Bühne: Die Punch Drunk Poets durften als Support den Abend eröffnen und boten damit vielen Folk-Punk-Fans eine passende Gelegenheit, mal in Paddys kleineres Projekt hineinzuhören. Da geht es zwar deutlich rockiger zu, doch der punkige “Stadionrock”, wie die Band ihre Musik selbst bezeichnet, traf hier durchaus auf das richtige Publikum in der richtigen Location.

Dass das erst recht auf den Headliner The Feelgood McLouds zutreffen sollte, versteht sich von selbst. Ein Teil des Publikums kam an diesem Abend, weil sie ohnehin schon jahrelang Fans waren, ein anderer bestand einfach aus Düsseldorfer Punks, die bei den günstigen Preisen des Ratinger Hofs neugierig auf neue Bands sind. Dass beide ihren Spaß hatten und auf ihre Kosten kamen, wurde dann schnell klar: Es dauerte keine drei Songs, bis sich in der Mitte der recht engen Location ein immer größer werdender Circle Pit bildete, der zu ihrer Musik richtig abging. Und dieser Abriss, für den The Feelgood McLouds an diesem Abend sorgte, sollte bis zum Ende des Konzerts nicht mehr abreißen.

Feelgood McLouds im Ratinger Hof Düsseldorf

Ganz im Gegenteil: Der Band mit dem Irish Folk-Punk aus Saarbrücken gelang es von Song zu Song sogar, das immer wieder bis hin zur totalen Eskalation zu steigern. Immerhin hat die Band, die einst selbst noch als Support von “The O’Reillys and the Paddyhats” spielte, längst die notwendigen Tricks dafür raus. Da wird der Beach-Volleyball ausgepackt, das aufblasbare Krokodil in die Menge geworfen oder gleich persönlich das Konfetti verteilt. Die Stimmung wurde im Ratinger Hof immer weiter angeheizt und beim Moshen kamen doch so einige ins Schwitzen. Zu guter Letzt auch die Bandmitglieder selbst, denn wenn sich ein Konzert von The Feelgood McLouds dem Ende neigt, mischen die doch gern selbst mit ihren Instrumenten im Moshpit mit. Klar ist: So muss Folk-Punk. Und solche Musik gehört in den Ratinger Hof!

Fotos: Rene Daners


07
Apr

Düsseldorf: Zeitreise in die 80er mit Thomas Anders

Die großen erfolgreichen Hits von Modern Talking sind inzwischen schon eine ganze Weile her. Das letzte Album des Duos erschien bereits im Jahre 2003, die meisten bekannten Songs hingegen stammen sogar aus dem 80ern. Und dass Dieter Bohlen und Thomas Anders noch einmal gemeinsam auf der Bühne stehen, dürfte ziemlich unwahrscheinlich sein. Einer der beiden lässt es sich aber nicht nehmen, die Klassiker trotzdem weiter zu spielen. Begleitet von einer 6-köpfigen Band sorgte Thomas Anders, der seit kurzem auch wirklich mit Nachnamen Anders heißt, am 26. März 2026 für eine Zeitreise in die 80er Jahre in der Mitsubishi-Electric-Halle Düsseldorf.

Auf den ersten Blick mochte dabei manchen überraschen, dass die Hits von Modern Talking auch nach Jahrzehnten noch eine so große Halle füllen können. Ganz so ausgebucht war es dann aber doch nicht: Der Konzertabend “Thomas Anders sings Modern Talking” war schließlich auch im Innenraum vollständig bestuhlt und die oberen Ränge sogar ganz geschlossen. Die tatsächlichen Besucherzahlen dürften also weniger als der Hälfte der regulären Stehkapazität der Halle entsprechen. Und für das oftmals erwartungsgemäß etwas ältere Publikum gab es zu Beginn auch noch ein bisschen Eigenwerbung: Das neueste Musikvideo wurde auf der Leinwand präsentiert, ehe Thomas Anders dann selbst seinen neuesten eigenen Song “Cherokee Highway” performte. Das mögen die Leute zwar auch, aber bald wurde klar, dass die großen Hits von Modern Talking doch ein bisschen mehr zum Tanzen animierten.

Thomas Anders sings Modern Talking

Doch während die Musik für eine Zeitreise in die 80er sorgte, irritierten die Videos auf der Leinwand eher mit dem Gegenteil. Sowohl das neueste Musikvideo, als auch die grafische Begleitung zu den weiteren Songs, entpuppte sich als sehr offensichtlich KI-generiert. In den meisten Videosequenzen ließ sich Thomas Anders mit Hilfe von KI verjüngen und platzierte ein Ich aus den 80ern in die Neuinterpretation vermeintlicher Musikvideos. “Cringe” wäre vermutlich die Reaktion des jüngeren Publikums, das den “AI Slop” auf den ersten Blick erkennt. So richtig tat sich Thomas Anders damit keinen Gefallen – auch wenn das dem Publikum spätestens bei “Cheri Cheri Lady” dann auch wieder egal ist.

So modern er mit künstlicher Intelligenz auch sein möchte, so 80er wirkt zu Beginn doch sein Weltbild. “Das ist nicht ganz meine Welt”, verriet er doch noch über seine Einstellung zu politischer Korrektheit und dass man “Indianer” heute nicht mehr sagen dürfe – schließlich habe die Welt größere Probleme. Mit einem Publikum etwa im Alter des Sängers kann man das auch mal ignorieren, schließlich war so mancher hier Fan seit dem 14. Lebensjahr, wie uns eine Besucherin verriet. Und bei aller Kritik: Wenn “Brother Louie” oder “Geronimo’s Cadillac” erklingen, können auch die 30-Jährigen hier den gesamten Songtext mitsingen.

Thomas Anders sings Modern Talking

Während so manche junge Frau in ihren 20ern von der Mutter “mitgeschleppt” wurde, stellen sich die Songs von Modern Talking doch schnell als so etwas wie ein “Guilty Pleasure” heraus. Das ist jene Musik, von der die meisten jungen Leute behaupten würden, sie auf keinen Fall zu hören und doch können sie jeden Hit auswendig. Und man muss gestehen: Selbst spätere Hits wie “Sexy Sexy Lover” funktionieren zum Tanzen auch heute noch, auch wenn die Security beim Freihalten der Gänge ein wenig überpingelig sein mochte. Außerdem: Wenn Thomas Anders für ein 80er Rock Medley plötzlich in die gute alte Lederjacke schlüpft, wirkt er trotz der Pause in der Mitte seines Konzerts, doch gar nicht mehr, als wäre er schon 63 Jahre alt. Eine Pop-Legende beim (manchmal sogar erfolgreichen) Versuch, irgendwie jung zu bleiben.

Fotos: Rene Daners