05
Feb
Pretty Woman: Vom Kino-Hit der 90er zum Musical in Oberhausen

Shanna Slaap und Mathias Edenborn in der Opernszene
Im Vergleich zu mancher ganz großen Produktion ist das Bühnenbild etwas einfacher gehalten, der Kontrast bei den Kostümen kommt aber bereits in den ersten Szenen besonders stark zur Geltung. Das billige “nuttige” Outfit der Prostituierten, das (gewollt) beinahe auch ein Kostüm aus einem Karnevalsladen sein könnte, trifft auf schicke Anzüge vom Designer und schicke Abendkleider. War in den Wochen zuvor noch “Kinky Boots” ein ernsthaftes Drama über Geschlechterrollen, möchte “Pretty Woman” damit aber eher ein leichtes Wohlfühl-Musical sein, das stärker auf Comedy als auf gesellschaftliche Themen setzt. Das etwas grobe Verhalten von Vivian, die die Etikette der Reichen und Schönen einfach nicht gewohnt ist, sorgt dabei für das unterhaltsame Highlights der Aufführung.
Gesanglich ist das anfangs noch etwas zurückhaltend, trotz der Bryan Adams-Songs zunächst gar ein bisschen durchschnittlich. Das mag vielleicht auch daran liegen, dass bei den schwedischen und niederländischen Darstellern der Dialekt beim deutschen Gesang doch einen kleinen Hauch durchzuhören ist. Beim Schauspiel allerdings überzeugen sie schnell: Shanna Slaap, die auch schon die Titelrolle in der niederländischen Premiere bekam, sorgt für einen routiniert brillanten Auftritt der Vivian. Ab 16. Februar dann zusätzlich verstärkt durch Sofie De Schryver, die für eine hochkarätige Doppelbesetzung ihrer Rolle sorgt. Auch Mathias Edenborn überzeugt glaubhaft als reicher Finanzinvestor Edward in seiner anfänglichen Skrupellosigkeit und seinem abgehoben-schicken Outfit.

Vivian fühlt sich etwas zu wohl beim reichen Edward
In der zweiten Hälfte ist “Pretty Woman” dann aber noch für so manche Überraschung zu haben – sogar beim Gesang. Hier nämlich können die Nebenfiguren sich von ihrer besten Seite zeigen und haben noch einige Highlights abseits des typischen Musical-Gesangs zu bieten. Ivan Persson etwa ist anfangs eher in unauffälligen Nebenrollen zu sehen, bringt das Publikum dann aber als Tenor in einer Opernszene wahrlich zum Staunen und liefert damit den gesanglich besten Moment der Show. Auch Benjamin Plautz kann sein Können als Musical-Schauspieler unter Beweis stellen, wenn er in der Rolle des Philip Stuckey eine – zumindest angedeutete – Vergewaltigungsszene spielen darf. Sicherlich keine einfach zu spielende Szene auf der Bühne.
Interessanterweise macht das Musical vor allem dann Spaß, wenn die zahlreichen Nebenrollen ihre starken Momente erhalten. Sei es Benedikt Ivo als Hotelmanager Thompson, der Vivian einfühlsam zur Seite stehen darf, oder ein Concierge, der mit seinen albernen Slapstick-Einlagen ziemliche Abwechslung in das Musical bringt. Damit gelingt es der Show auch, sich mit ein paar Besonderheiten von der Filmvorlage abzuheben und auch für Kenner unterhaltsam zu sein. Tickets gibt es ab rund 50 Euro bei Eventim
Fotos: Dominik Flohr / Semmel Concerts