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Umsonst & draußen: Hier bekommt ihr 2026 gratis Konzerte
WGT in Leipzig: Das Treffen der schwarzen Szene zu Pfingsten überrascht mit Kim Wilde
Heidenfest in Oberhausen: Von Metal-Flamingos und finnischen Trollen
Pretty Woman: Vom Kino-Hit der 90er zum Musical in Oberhausen

Archiv fürFebruar, 2026


11
Feb

Umsonst & draußen: Hier bekommt ihr 2026 gratis Konzerte

Die Inflation schmerzt auf dem Konto, die Tickets für Festivals und Konzerte werden immer teurer und mancher bezieht vielleicht sogar Sozialleistungen: Nicht jeder kann es sich leisten, teure Eintrittskarten für Kultur zu bezahlen. Insbesondere in den Sommermonaten gibt es aber trotzdem zahlreiche Gelegenheiten, trotzdem nicht vollständig auf Live-Musik verzichten zu müssen. An manchen Orten gibt es sogar komplett kostenlose Festivals mit durchaus beachtlichem Line Up und großen Namen. Andere wiederum sorgen für einen gemütlichen Abend mit Indie-Bands in einem Cafe. Wir geben euch einen kleinen Überblick, was in diesem Jahr so alles möglich ist:

Stadtklang
Die Event-Reihe Stadtklang hat ihren Ursprung eigentlich in NRWs Hauptstadt Düsseldorf. Dort ist sie auch am größten: In zahlreichen Cafes, Kneipen, Restaurants und anderen spannenden Locations bietet Stadtklang eine Bühne für kleinere Indie-Musiker, um ihre Musik dem Publikum näher zu bringen. Einige davon haben es von der Stadtklang-Bühne letztendlich sogar zum Vorentscheid des Eurovision Song Contest geschafft. “Julika” wurde einst erstmals via Stadtklang bekannt und ist auch heute noch gerne bei den Events mit dabei. Inzwischen aber beschränkt sich die Eventreihe nicht mehr auf Düsseldorf: Europaweit finden sich inzwischen kostenlose Konzerte mit Indie-Musikern – von Amsterdam über London bis Florenz. Darunter sind inzwischen auch zahlreiche andere deutsche Städte, etwa Stuttgart, stärker vertreten. Eine Übersicht über die anstehenden Termine findet ihr unter stadtklang.org

Mittwochsreihe
Gar nicht so weit entfernt von Düsseldorf, wartet die Mittwochsreihe in Mülheim an der Ruhr auf interessiertes Publikum. Wie der Name schon sagt, gibt es hier auf einer Freilichtbühne jeden Mittwoch gratis Konzerte im Biergarten. Da gibt es neben Mitsingkonzerten und Singer-Songwritern z.b. auch die Krautrock-Band “Bröselmaschine”. Die Eröffnung des Biergartens ist im Mai, wenn sich dann hoffentlich auch sommerliche Temperaturen einstellen und einige weitere Bandankündigungen stehen sicherlich noch aus. In der Vergangenheit waren insbesondere auch Folk-Punk und Post-Punk-Bands in Mülheim vertreten. Infos findet ihr unter regler-produktion.de

Metalheads auf einem Festival
Kostenlose Festivals haben vor allem für Metal-Fans einiges zu bieten (Foto: Rene Daners)

Rage against racism
Ein bisschen politischer wird es in Duisburg, wo jedes Jahr im Sommer das Rage against racism Festival stattfindet. Das Festival richtet sich – wie der Name bereits erahnen lässt – gegen Rassismus und widmet sich voll und ganz dem Metal und Rock. In diesem Jahr findet das Event an gleich 2 Tagen statt und lädt seine Besucher am 5. und 6. Juni 2026 nach Duisburg – selbstverständlich umsonst & draußen. Das komplette Line Up samt Timetable ist ebenfalls schon größtenteils fix: Bands wie Darkness, Ignition und Eisenpimmel wollen dem Publikum gewaltig einheizen. Infos unter rageagainstracism.de

Nord Open Air
Dass das Ruhrgebiet einiges zu bieten hat, haben wir ja bereits rausgefunden. So ist die “Einkaufsstadt” Essen vor allem auch ein Treffpunkt für Metalheads, Goths und die gesamte alternative Szene des Ruhrgebiets. So mancher trifft sich unter der Woche auf Burger und Bier im Cafe Nord am Viehofer Platz. Direkt vor der Tür gibt es im Sommer auch immer ein kostenloses Festival: Am 21. und 22. August 2026 hat das Nord Open Air zahlreiche namhafte Metal-Bands mitten in der Innenstadt von Essen zu bieten. Früh da sein lohnt sich: Der Andrang auf dem Viehofer Platz ist jedes Jahr enorm. Infos unter cafe-nord.com

Pottfest
Bleiben wir in Essen: Die Stadt bekommt im August nämlich direkt noch ein zweites kostenloses Event. Das Pottfest setzt vom 28. – 30. August 2026 gleich an drei Tagen hintereinander auf Vielfalt. Da gibt’s insbesondere Techno, Graffiti-Workshops, Kunst und allerlei andere aufregende Aktivitäten. Das Pottfest ist damit neben Projekt Rüttenscheid bereits das zweite kostenlose Umsonst & draußen-Festival des Veranstalters. Infos unter essendiese.com

Eselrock
Etwas hochkarätiger wird es beim EselRock in Wesel. Das Festival zwar an zwei Tagen umsonst und draußen statt, schafft es aber trotzdem in jedem Jahr recht große Bands zu engagieren. In diesem Jahr sind mit Emil Bulls und Callejon immerhin einige echte Größen des Rock und Metal am Start. Das ehrenamtlich durchgeführte Eselrock findet am 15. und 16. Mai 2026 im Heubergpark Wesel statt. Alle Infos unter Eselrock.de

SWB Sommerfest
In Bonn wiederum gibt es kostenlose Konzerte im Sommer praktisch ganze zwei Monate lang. Das Restaurant an der Rheinaue präsentiert im Juli und August schließlich das SWB Sommerfest und hat dabei fast jeden Tag kostenlose Live-Musik zu bieten. Neben zahlreichen Coverbands wird es sicher auch die ein oder andere Kölschrock- und Folk-Band auf die Bühne der Rheinaue schaffen. Im Anschluss geht dann lediglich ein Hut im Publikum herum, bei dem Spenden freiwillig sind. Infos und Timetable demnächst unter rheinaue.de

Ihr veranstaltet auch ein kostenloses Event, steht aber nicht auf dieser Liste? Dann meldet euch gerne bei uns und wir nehmen euch ebenfalls in unseren Artikel auf.


09
Feb

WGT in Leipzig: Das Treffen der schwarzen Szene zu Pfingsten überrascht mit Kim Wilde

Seit über 30 Jahren ist es ein Pflicht-Programm für Goths und Anhänger der schwarzen Szene. Jedes Jahr über Pfingsten treffen sich rund 20.000 düstere Gestalten in Leipzig, um ihre Musik, ihre Kultur, ihre Fashion und ihren Lebensstil zu zelebrieren. Für die Einheimischen der Stadt ist das immer wieder ein beeindruckender Anblick: Auf einmal ist die Mehrheit der Menschen in der Innenstadt von Leipzig schwarz gekleidet, der Goth ist plötzlich keine Minderheit mehr. Das macht das Wave-Gotik-Treffen, das auch in diesem Jahr vom 22. – 25. Mai stattfindet, so besonders: Es ist eines der wenigen Events in Europa, bei denen sich die Goths einmal fühlen können, als wären sie selbst die Mehrheit und keine “alternative Szene”. Das liegt auch daran, dass es sich beim Wave-Gotik-Treffen, kurz WGT, um das einzige Gothic-Festival Deutschlands handelt, das dezentral durchgeführt wird. Konkret heißt das: Kein festes Gelände, sondern alle Konzerte und Programmpunkte sind über zahlreiche Locations in der Stadt verteilt.

Dreh- und Angelpunkt ist und bleibt dabei aber natürlich das Messegelände Agra, auf dessen großer Main Stage in der Messehalle die Headliner des Festivals auftreten dürfen. Dabei überrascht das WGT in diesem Jahr sogar mit einer Künstlerin, die man zunächst nicht unbedingt dem Gothic zuordnen würde: Die britische Popsängerin Kim Wilde, die mit Hits wie “Kids in America” berühmt wurde, sorgt für Verwunderung und Begeisterung zugleich unter den Goths. Die Buchung ist allerdings gar nicht so verwunderlich: So hat sich in den vergangenen Jahren herausgestellt, dass die Gothic-Szene durchaus eine Vorliebe für Musik der 80er Jahre hat. Auch Bands wie OMD, Alphaville, Anne Clark oder Man Without Hats sind regelmäßige Gäste auf Gothic-Festivals.

Das Ich
Bereits angekündigt: Das Ich sind eine der wichtigsten Bands der Szene.

Während die Agra unterdessen auch zur Shopping- und Flaniermeile wird, auf der die Besucher sich mit den schicksten, natürlich schwarzen, Kleidungsstücken eindecken können, sorgen zahlreiche andere Konzertlocations wiederum für deutlich “gruftigeres” Programm. Zu den bekannten Bands der Szene, die für Pfingsten 2026 angekündigt wurden, gehören unter anderem Das Ich rund um Sänger Bruno Kramm, die mit ihrer Neuen Deutschen Todeskunst seit je her wohl der Inbegriff der Gothic-Musik sind. Mit Covenant, Clan of Xymox, Rotersand und unzähligen anderen Bands der Szene hat das WGT darüber hinaus aber das umfangreichste Musik-Line Up aller deutschen Gothic-Festivals zu bieten (eine komplette Liste der angekündigten Bands findet ihr auf der Webseite des WGT).

Da ist das musikalische Programm längst nicht das Einzige, was das WGT so einzigartig macht. Denn in WGT steckt schließlich auch das Wort “Treffen” und damit gehören zahlreiche andere, nicht-musikalische Programmpunkte, bei denen Goths ihre Interessen ausleben können, selbstverständlich zum Festival dazu. So finden sich etwa “gruftige” Ausstellungen in den örtlichen Museen auf dem Programm, aufregende Führungen auf Friedhöfen, spannendes Kinoprogramm und Lesungen und nicht zu vergessen die zahlreichen Partys, die als wesentlicher Bestandteil des Community-Treffens dienen.

Viktorianisches Picknick WGT
Kein WGT ohne das Viktorianische Picknick: Hier präsentieren die Besucher ihre besten Outfits

Für die Schaulustigen und aufwändig Gewandeten darf obendrein natürlich das Viktorianische Picknick nicht fehlen, auf dem sich tausende Teilnehmer in den aufwändigsten Outfits und Kleidern treffen, um zu picknicken, sich von Fotografen ablichten zu lassen oder einfach die begeisterten Reaktionen der Interessierten zu genießen. Beim Viktorianischen Picknick ist klar: Hier werden die aufwändigsten und teuersten, manchmal auch selbstgemachten Outfits getragen – egal, ob es sich dabei wirklich um Gothic-Kleider handelt, oder um viktorianische Gewänder, Steampunk-Outfits oder vielleicht sogar das ein oder andere Cosplay. Die Übergänge zwischen unterschiedlichen Szenen sind gerade bei jüngeren Goths immerhin fließend und so mancher Besucher des WGT hat an Gothic, Mittelalter und Steampunk gleichermaßen seinen Spaß.

Der Ticketverkauf für das WGT ist vor Kurzem unter wave-gotik-treffen.de gestartet. In diesem Jahr müssen Besucher inflationsbedingt etwas tiefer in die Tasche greifen: Ganze 190 Euro kostet das Ticket für vier Tage Festival in der gesamten Stadt Leipzig. Angesichts des umfangreichen Line Ups immer noch erheblich günstiger, als viele andere Festivals gleicher Länge. Lediglich die neuen Wohnwagen-Karten sorgen unter Fans und Besuchern aktuell für etwas Unmut. Doch eines ist klar: Ein Pflichtprogramm wie das WGT, lassen sich die meisten Goths nicht entgehen. Zumal bis zum Start zu Pfingsten noch zahlreiche weitere Bands angekündigt werden.

Fotos: Rene Daners


09
Feb

Heidenfest in Oberhausen: Von Metal-Flamingos und finnischen Trollen

Unter Metalheads mag es sicher böse Stimmen geben, die ganz eng definieren, was für sie “richtiger Metal” ist. Der Folk-Metal, der gerne zu akustischen Instrumenten greift, mag innerhalb der Metalszene vermutlich auf unterschiedliche Meinungen stoßen. Doch eines ist sicher: Wenn man sich selbst bei den Genregrenzen nicht ganz so bitterernst nimmt, wirkt sich das auch auf die Stimmung, den Bühnenauftritt und die Einzigartigkeit des Sounds aus. Beim Heidenfest in der Turbinenhalle Oberhausen konnte man das am 6. Februar 2026 ziemlich gut beobachten. Das Publikum beim Folk- und Pagan-Metal ist verglichen mit anderen Metalgenres vergleichsweise jung und hat für engstirnige Konventionen nicht allzu viel übrig. Das wird auch deutlich bei den Bands, die sie feiern: Je abgedrehter und verrückter der Bühnenauftritt aussieht, desto mehr scheinen sie die jeweiligen Bands zu begeistern.

Trollfest beim Heidenfest in Oberhausen
Für jeden Spaß zu haben: Trollfest erschienen in Flamingo-Kostümen auf der Bühne

Bei der norwegischen Folk-Metal-Band Trollfest wird das besonders klar, denn der Name ist bei ihrem Auftritt gleich doppelt Programm. Ihre Songs handeln nicht nur von skandinavischen Trollen und sind oftmals in der fiktiven Sprache “Trollspråk” geschrieben, sondern auch ihr Publikum scheinen sie liebendgern trollen zu wollen. Die Norweger erscheinen da doch kurzerhand einfach mal in pinken Flamingo-Kostümen auf der Bühne und machen damit sehr deutlich, dass man ihren Auftritt nicht allzu ernst nehmen sollte. Der Sound ist dagegen schon fast ein Kontrast: Die spaßigen Texte werden von überraschend harten Gitarrenriffs begleitet, die den Headbangern sichtlich großen Spaß machen. Und die machen dann auch mal eine Polonaise mit, die vom Bassisten angeführt, durch die gesamte Halle führt.

Vorher allerdings gab es als Auftakt noch einen kleinen Abstecher in piratige Gefilde. Trollfest hatten nämlich ihre Freunde von The Dread Crew of Oddwood mitgebracht, die sich dem wahrhaftigen Pirate Folk widmeten – und sich dabei mit den Gitarren etwas zurückhielten. Ihr Sound erinnert dabei ein wenig an “Mr. Hurley und die Pulveraffen”, die sich auf deutschen Mittelalterfesten inzwischen großer Beliebtheit erfreuen. “The Dread Crew of Oddwood” verzichten dabei allerdings auf die Albereien und nehmen den Piraten-Folk deutlich ernster. Ein Fest für all jene, die den Pirate-Folk auch mögen, wenn er sich nicht mit Spaß-Texten selbst auf den Arm nimmt. Und damit ein musikalisch aufregender Opener für Metalheads, die offen für Experimente sind.

Finntroll beim Heidenfest in Oberhausen
Finnische Trolle brauchen auch passende Ohren: Finntroll als zweiter Headliner

Nach den “Metal-Flamingos” von Trollfest dann jene niederländische Band, für die ein Großteil des Publikums womöglich gekommen sind. Heidevolk sind inzwischen nämlich eine Art Aushängeschild des Pagan Metal, haben es deshalb auch gar nicht so sehr nötig, mit verrückten Kostümen aufzufallen. Mit ihrem zweistimmigen Gesang von Jacco de Wijs und Daniël Wansink sorgen sie derweil für einen epischen Sound, bei dem Pagan Metal schon fast einen Hauch von Symphonic Metal aufweist. Mit ihren einprägsamen Rhythmen sind sie – passend zum Namen des Events – schon so etwas wie der Publikumsliebling des Heidenfest.

Hochkaräter hatte das Heidenfest aber einige am Start, denn bei der Auswahl der musikalischen Acts hat man sich international an den Größen des Folk- und Pagan-Metal orientiert. Neben Niederländern und Norwegern, dürfen da natürlich auch Finnen nicht fehlen: Finntroll machen dabei ihrem Namen alle Ehre und tragen konsequent Trollohren auf der Bühne. Dabei wurde Sänger Mathias „Vreth“ Lillmåns aus gesundheitlichen Gründen zwar ausnahmsweise von Kistelach ersetzt, doch der stellte sich als würdiger Ersatz heraus. Zuschauer, die “Finntroll” an diesem Abend zum ersten Mal live sahen, wäre ohne eine Erwähnung vermutlich gar nicht aufgefallen, dass es sich hierbei nicht um eine reguläre Besetzung handelt. Auch das Hineinsteigern in paganistische Trollbeschwörungen beherrscht Kistelach als Frontmann zweifelsohne genauso gut, wie “Vreth”.

Korpiklaani beim Heidenfest in Oberhausen
Pagan Metal von einem echten Ureinwohner Finnlands: Korpiklaani mit einem Mix aus Folk-Metal und Humppa

Einen echten Schamanen und Ureinwohner Finnlands hat allerdings dann doch nur eine Band zu bieten: Headliner Korpiklaani sorgte zum Abschluss für Partystimmung bis gegen Mitternacht – und machte das 6-stündige Programm des Heidenfest damit rund. Ein bisschen schade war derweil, dass sich die Turbinenhalle während ihres Auftritts doch sichtbar etwas leerte – was womöglich der schwierigen Bahnsituation rund um Duisburg geschuldet sein mochte. An ihrem Auftritt kann es jedenfalls nicht gelegen haben: Die Finnen rund um Sänger Jonne Järvelä sorgten mit ihrem Mix aus Folk-Metal und Humppa für einen außergewöhnlichen Sound, den so mancher Fan im Publikum überraschenderweise sogar mitsingen konnte, obwohl sie ihre Songs natürlich auf finnisch singen. Wer bis zum krönenden Abschluss blieb, zu dem bei Korpiklaani selbstverständlich auch eine Zugabe gehörte, verließt die Turbinenhalle jedenfalls mit zufriedenen Gesichtern – und so manchem Merchandise aus Plakaten, Shirts und Platten. Bereits jetzt steht fest, dass das Heidenfest auch im nächsten Jahr zurückkehren wird: Das Heidenfest startet zunächst im Januar 2027 in Spanien und zieht anschließend weiter nach Deutschland, wo mit hoher Wahrscheinlichkeit auch ein NRW-Termin wieder dabei sein wird.

Fotos: Rene Daners


05
Feb

Pretty Woman: Vom Kino-Hit der 90er zum Musical in Oberhausen

Es gibt wahrscheinlich nur wenige Filme, die sich auch nach über 30 Jahren noch immer so großer Beliebtheit vor allem beim weiblichen Publikum erfreuen. Die Rollen des reichen Edward und der Prostituierten Vivian führten zum großen Durchbruch für Richard Gere und Julia Roberts und sorgten dafür, dass sie aus dem Genre der Romantic Comedy kaum noch wegzudenken waren. Heute lockt Pretty Woman Mütter und ihre Töchter gleichermaßen vor den Fernseher. Die Story des Films, wie auch des Musicals ist dabei allseits bekannt: Die verzweifelte Prostituierte Vivian trifft auf den reichen Finanzinvestor Edward, der ihr plötzlich das höchste Einkommen ihres Lebens beschert. Während der Bitte, ihn als Escort-Dame eine Woche lang zu Business Meetings zu begleiten, entwickeln die beiden zunehmend romantische Gefühle füreinander – und die Beziehung könnte sich für Vivian als Ausweg aus der Prostitution herausstellen. Das Aufeinandertreffen zweier völlig unterschiedlicher Gesellschaftsschichten sorgt jedoch unterdessen für großartige Unterhaltung. Und das soll sich auch in der Musical-Variante im Metronom-Theater Oberhausen, wo die Aufführung bis zum 15. März 2026 läuft, nicht ändern.

Pretty Woman - Das Musical
Shanna Slaap und Mathias Edenborn in der Opernszene

Im Vergleich zu mancher ganz großen Produktion ist das Bühnenbild etwas einfacher gehalten, der Kontrast bei den Kostümen kommt aber bereits in den ersten Szenen besonders stark zur Geltung. Das billige “nuttige” Outfit der Prostituierten, das (gewollt) beinahe auch ein Kostüm aus einem Karnevalsladen sein könnte, trifft auf schicke Anzüge vom Designer und schicke Abendkleider. War in den Wochen zuvor noch “Kinky Boots” ein ernsthaftes Drama über Geschlechterrollen, möchte “Pretty Woman” damit aber eher ein leichtes Wohlfühl-Musical sein, das stärker auf Comedy als auf gesellschaftliche Themen setzt. Das etwas grobe Verhalten von Vivian, die die Etikette der Reichen und Schönen einfach nicht gewohnt ist, sorgt dabei für das unterhaltsame Highlights der Aufführung.

Gesanglich ist das anfangs noch etwas zurückhaltend, trotz der Bryan Adams-Songs zunächst gar ein bisschen durchschnittlich. Das mag vielleicht auch daran liegen, dass bei den schwedischen und niederländischen Darstellern der Dialekt beim deutschen Gesang doch einen kleinen Hauch durchzuhören ist. Beim Schauspiel allerdings überzeugen sie schnell: Shanna Slaap, die auch schon die Titelrolle in der niederländischen Premiere bekam, sorgt für einen routiniert brillanten Auftritt der Vivian. Ab 16. Februar dann zusätzlich verstärkt durch Sofie De Schryver, die für eine hochkarätige Doppelbesetzung ihrer Rolle sorgt. Auch Mathias Edenborn überzeugt glaubhaft als reicher Finanzinvestor Edward in seiner anfänglichen Skrupellosigkeit und seinem abgehoben-schicken Outfit.

Pretty Woman - Das Musical
Vivian fühlt sich etwas zu wohl beim reichen Edward

In der zweiten Hälfte ist “Pretty Woman” dann aber noch für so manche Überraschung zu haben – sogar beim Gesang. Hier nämlich können die Nebenfiguren sich von ihrer besten Seite zeigen und haben noch einige Highlights abseits des typischen Musical-Gesangs zu bieten. Ivan Persson etwa ist anfangs eher in unauffälligen Nebenrollen zu sehen, bringt das Publikum dann aber als Tenor in einer Opernszene wahrlich zum Staunen und liefert damit den gesanglich besten Moment der Show. Auch Benjamin Plautz kann sein Können als Musical-Schauspieler unter Beweis stellen, wenn er in der Rolle des Philip Stuckey eine – zumindest angedeutete – Vergewaltigungsszene spielen darf. Sicherlich keine einfach zu spielende Szene auf der Bühne.

Interessanterweise macht das Musical vor allem dann Spaß, wenn die zahlreichen Nebenrollen ihre starken Momente erhalten. Sei es Benedikt Ivo als Hotelmanager Thompson, der Vivian einfühlsam zur Seite stehen darf, oder ein Concierge, der mit seinen albernen Slapstick-Einlagen ziemliche Abwechslung in das Musical bringt. Damit gelingt es der Show auch, sich mit ein paar Besonderheiten von der Filmvorlage abzuheben und auch für Kenner unterhaltsam zu sein. Tickets gibt es ab rund 50 Euro bei Eventim

Fotos: Dominik Flohr / Semmel Concerts