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25 Jahre Sido – gleich 2 mal im Kölner Tanzbrunnen
Echoes of Rebellion: Synthpop und Post-Punk in Köln
Jan Delay im Westfalenpark Dortmund: Eine Mitmach-Party für die ganze Familie
Echoes of Rebellion: Das Kölner Underground-Festival am 18. Juli 2025
Cypress Hill beim Kunstrasen: Gruppen-Kiffen zu 90er Oldschool HipHop
Castle Rock in Mülheim: Von mechanischen Drummern und Electro-Goths auf Metalpfaden

Archiv fürJuli, 2025


24
Jul

25 Jahre Sido – gleich 2 mal im Kölner Tanzbrunnen

Er ist bis heute einer der größten und wichtigsten Musiker des Deutschraps und hat inzwischen schon eine gewaltige Musik- und Bühnengeschichte hinter sich: Sido feiert sein 25-jähriges Jubiläum. Ein Jubiläum, das auf eine abwechslungsreiche Geschichte zurückblickt. Einst war er einer der wichtigsten Musiker des Berliner Labels Aggro Berlin, bekannt für eher derbere Texte. Seine obligatorische Maske gehörte immer dazu, nur wenige wussten einst, wie der Rapper unter seiner silbernen Maske wirklich aussah. Mit ersten Hits wie dem “Arschficksong” noch im Visier des Jugendschutzes, war er sozusagen Mitbegründer des deutschen Gangsta-Rap. Seine Musikvideos bekamen noch eine Altersfreigabe ab 16 Jahren und liefen eher in den Abendstunden bei den Musiksendern.

Sido
Foto: © THINK BIG Event-und Veranstaltungs-GmbH

Heute hat sich der Rapper längst gewandelt. Sein Auftreten deutlich softer, die Maske hat er abgelegt und die Texte wesentlich familientauglicher. Zahlreiche Kooperationen mit Künstlern wie Mark Forster, Apache 207, Kool Savas und vielen anderen sollten folgen. Mit Charts-Hits wie “Bilder im Kopf” und “Astronaut” dann endgültig vom Gangster-Image weg, im Mainstream der deutschen Musikszene angelangt – und schlussendlich sogar noch erfolgreicher. Eine Karriere, die auch nach 25 Jahren kein Ende nehmen soll. Und die Grund genug ist, diese musikalische Laufbahn mit einem Rückblick auf ein Vierteljahrhundert ausgiebig Open Air zu feiern.

Sido ist dabei immer noch so erfolgreich, dass ein einzelnes Open Air-Konzert im Tanzbrunnen Köln, der Platz für bis zu 12.000 Besucher bietet, nicht ausreicht. Gleich zwei Mal verschlägt es den Rapper also nach Köln: Jeweils am 30. und 31. Juli 2025 präsentiert Sido die größten Hits seiner Karriere. Tickets gibt es bei Eventim und den üblichen Vorverkaufsstellen.


24
Jul

Echoes of Rebellion: Synthpop und Post-Punk in Köln

Die großen Festivals mit den bekanntesten Bands im Line-Up kennen wir alle. Kleinere Veranstaltungen sehen ihre Aufgabe jedoch darin, all jenen Bands eine Bühne zu geben, die (noch) nicht auf den kommerziellen Events gebucht werden. Das Echoes of Rebellion findet daher traditionell an jenem Freitag im Juli statt, in dem tausende Goths ohnehin nach Köln pilgern. Der kleine Club Volta, direkt neben dem bekannten Carlswerk Victoria gelegen, bietet Platz für 450 Besucher aus der schwarzen Szene und sorgte damit für ein familiäres Treffen der Szene. Die großen Headliner sind dabei außen vor, stattdessen gab es von kleinen Synthpop-Bands bis Post-Punk aus UK eine spannende musikalische Vielfalt.

Beyond Border bei Echoes of Rebellion
Eine der aufsteigenden Bands des Synthpop: Beyond Border begeisterten als zweiter Act

Es ist dabei im wahrsten Sinne, wie ein kleines Familientreffen. Viele der Besucher kennen sich gegenseitig – aus den Clubs, den anderen kleinen Szene-Events in NRW und so manchem Gothic-Treffen, das während dem Sommer im Ruhrgebiet zustande kommt. Sogar manch andere Musiker finden sich hier, die selbst gar keinen Auftritt haben. Etwa Sänger Paul Kuhs von “The Saint Paul”, der seit je her ein großer Unterstützer des Events ist und das sogar in seinem Song “Be a Rebel” zeigte. Und plötzlich stehen die Anhänger der schwarzen Szene mit anderen Künstlern da, feiert die kleinen Bands auf der Bühne und stoßen gemeinsam zum Bier an – Momente, die man auf den großen Festivals doch eher selten erlebt.

Die Acts auf der Bühne luden aber in der Tat zum Feiern ein. Nach einer kleinen Stärkung mit Wraps vom Food Truck und bei manchem mit leckerem belgischem Grimbergen vom Fass in der Hand eröffneten dann The Brute das Event. Mit dem progressiv-experimentellem Sound lieferten sie einen gelungenen Start und nach und nach füllte sich dann auch der Club Volta in Köln. Die nächsten dann längst keine Unbekannten mehr in der Szene: Beyond Border gehören zu den aufsteigenden Acts und begeisterten mit ihrem fantastischen Synthpop. Bei den Zuhörern ist der Sound so beliebt, dass sie in diesem Jahr sogar den Newcomer-Wettbewerb beim in Kürze stattfindenden Mera Luna Festival gewonnen haben – und damit erstmals den zweiten Tag eines großen Festivals eröffnen dürfen.

Isaac Howlett bei Echoes of Rebellion
Isaac Howlett (auch Sänger bei Empathy Test) lockte viele jüngere Besucher an

Ähnlich beeindruckend auch Sydney Valette, der extra aus Frankreich zum Echoes of Rebellion angereist ist. Der Künstler aus Paris zeigte dabei, dass man ein komplettes Konzert gänzlich allein spielen kann. Sydney Valette tritt nämlich als Einzelperson auf – mit Gesang und seinen elektronischen Instrumenten. Das Ergebnis sind elektronische Klänge, mit denen wir ihn sicher bald noch häufiger sehen werden. Vielleicht ähnlich häufig, wie Isaac Howlett, der mit seiner Band “Empathy Test” in der Szene bereits fest etabliert ist. Sein Solo-Konzert, das er auf dem Echoes of Rebellion präsentierte, ist hingegen noch recht selten. Trotzdem wurde schnell deutlich: Viele der jüngeren Besucher kamen vor allem wegen Isaac auf die Veranstaltung und drängten sich in die erste Reihe, die so nah ist, dass man hier ohne einen Bühnengraben auskommt. Bei diesem Event gibt’s die Sänger zum Anfassen – und Isaac Howlett hat da auch keine Berührungsängste.

Seit je her wichtiger Bestandteil der schwarzen Szene ist aber auch traditioneller Post-Punk, der schon in den 80ern und 90er Jahren die Gothic-Szene mitdominierte. Dass eine Post-Punk-Band aus Groß-Britannien daher auch Headliner sein sollte, erschien naheliegend. Und auch wenn der Name Ist Ist auf deutsch irgendwie besser klingt, als im englischen Original, zeigte die Band um Sänger Adam Houghton, dass sie harte punkige Gitarrensounds bestens beherrschte. Mit insgesamt fünf Bands gab es also gute sechs Stunden Programm zzgl. einer Party im Anschluss – und das für überschaubare Kosten. Dabei steht das Datum für das nächste Event ebenfalls schon: Am 24. Juli 2026 geht es traditionell am Freitag vor dem Amphi Festival in die nächste Runde.

Ist Ist bei Echoes of Rebellion
Post-Punk aus UK: Ist Ist als Headliner in den musikalischen Traditionen der schwarzen Szene

Fotos: Rene Daners


23
Jul

Jan Delay im Westfalenpark Dortmund: Eine Mitmach-Party für die ganze Familie

Der Westfalenpark in Dortmund bietet in jedem Jahr eine fantastische Location für all jene, die ihre Musik am liebsten Open Air bei gutem Wetter genießen. Doch während das Juicy Beats Festival zum letzten Mal im gewohnten Rahmen stattfindet, platzen die Einzelkonzerte, die vorab auf der großen Bühne stattfinden, aus allen Nähten. Am 11. Juli 2025 durfte erst einmal Jan Delay auf die Bühne. Man sieht es ihm kaum an, wirkt er doch noch immer flink wie ein junger 30-Jähriger: Seine aktuelle Tour ist auch sein 25-jähriges Jubiläum. Ein Vierteljahrhundert voller musikalischer Geschichte – von großen Chartserfolgen über legendäre Raggae-Hits bis hin zu mancher musikalischer Wandlung. Vor knapp 10.000 Besuchern, die nach Dortmund gekommen sind, um einen der größten deutschen Musiker auf der Bühne zu sehen, spielte er einen bunten Mix aus seiner gesamten Bühnengeschichte.

Und wenn Jan Delay auf der Bühne steht, dann macht er das inzwischen nicht mehr alleine. Eine mehr als 10-köpfige Band bringt er da mit, denn bei seinem Sound ist nicht nur die außergewöhnliche Stimme live, sondern auch jedes Instrument handgemacht. Gemeinsam mit Disko No. 1, die im Hintergrund eine perfekt abgestimmte Live-Band liefern, ist hier alles dabei: Vom eindrucksvollen Saxophon, über Trompeten, Gitarren, Bass, Keyboard und vieles mehr. Sogar drei großartige weibliche Background-Sängerinnen hat er am Start, denn selbst die weiblichen Stimmen, die wir auf seinen Studio-Hits hören, sind echt – und live mit von der Partie.

Jan Delay im Westfalenpark Dortmund
Hut und Sonnenbrille: Das Markenzeichen von Jan Delay schmückt auch das Bühnenbild

So vielfältig wie seine Musik aus 25 Jahren ist, sind all diese Instrumente aber auch nötig. Seine großen Hits gehören da natürlich dazu, auch ganz alte wie “Irgendwie, irgendwo, irgendwann”. Genauso aber auch “Oh Johnny” oder seine legendäre Liebesbekundung an Hamburgs Stadtteil “St. Pauli”. Bei seinen Raggae-Songs, die er zwischendurch gemacht hat, ist er nicht ganz so sicher, was er spielen soll. Gleich drei Songs stehen zur Auswahl, von denen das Publikum zwei mit ihrem lautstarken Jubel wählen darf. Auf große politische Statements verzichtet er dabei komplett, das verarbeitet er seit je her lieber in seinen Songs. Sein Hit “Spass”, in dem er den Hass von rechts mit mangelnder Lebensfreude und fehlender Liebe erklärt, schafft es natürlich auch auf die Bühne. Haltung geht eben auch ohne Parolen, ohne lange Reden.

Aktiv werden darf hingegen lieber das Publikum, denn Jan Delay macht aus seinem Auftritt ein regelrechtes Mitmachkonzert. Ob es die Aufforderung ist, ein Kleidungsstück zu einem Propeller werden zu lassen oder die Person neben sich auf den Schultern zu tragen – die Zuschauer machen da gerne mit und sorgen immer wieder für einen eindrucksvollen Anblick auf dem Infield vor der Bühne. Und wenn sie eben das leichteste Familienmitglied auf die Schultern stemmen: Zum Auftritt von Jan Delay im Westfalenpark sind auch viele Familien mit Kindern gekommen, denen spendiert man doch gerne den besseren Blick. Da gibt es ja bekanntlich auch viel zu sehen, denn neben der großen Band darf auch Rapper Afrob, der schon als Support das Publikum eingeheizt hat, einen Song mit performen – während er unterdessen ein gewisses Talent als Comedian offenbart.

Jan Delay im Westfalenpark Dortmund
Zahlreiche Musiker unterstützen Jan Delay an den Instrumenten

Nach zwei Stunden (ohne Support, nur Jan Delay) ist dann Ende und die glücklichen Gesichter aus mehreren Generationen begeben sich zur Haltestelle des hervorragend angebundenen Westfalenpark. Und für manchen Besucher darf es noch etwas Merchandise oder ein leckerer Weg-Cocktail von dem ein oder anderen Stand sein, der über das einladende Parkgelände verteilt zu finden ist. Jan Delay setzt unterdessen seine Tour fort und hat bundesweit noch einige Open Air-Termine zu bieten – darunter im August auch einen weiteren Auftritt in NRW.

Fotos: Rene Daners


16
Jul

Echoes of Rebellion: Das Kölner Underground-Festival am 18. Juli 2025

Wenn die schwarze Szene am Wochenende wieder für ein Festival nach Köln pilgert, schwingt auch immer wieder ein besonderer Wunsch mit: Ein bisschen mehr Abwechslung, statt immer wieder die gleichen Bands, die sich große Festivals jährlich hin und her schieben. Mit dem Echoes of Rebellion gibt es da am Freitag, dem 18. Juli 2025 genau die passende Ergänzung: Konzipiert als non-profit Festival, bei dem laut Motto “Kunst vor Kommerz” steht, werden Bands erwartet, die sonst nicht unbedingt zum “schwarzen Mainstream” gezählt werden. Anders als in früheren Jahren, findet das Event jedoch nicht mehr auf einem Schiff statt, sondern im gemütlichen Club Volta direkt am beliebten Carlswerk Victoria in Köln-Mülheim.

Als Headliner haben sich die Veranstalter eine Post-Punk-Band aus Groß-Britannien geholt, die doch einen eher ungewöhnlichen Namen hat: Ist Ist sind selbst auf vielen Gothic-Festivals eher seltene Gäste, werden unter Kennern jedoch seit je her für ihren außergewöhnlichen Sound gefeiert, den sie inzwischen schon seit über 10 Jahren auf der Bühne präsentieren. Für das (bei ihm oftmals etwas jüngere) Publikum zudem ein besonderes Highlight: Empathy Test-Sänger Isaac Howlett präsentiert eines seiner seltenen Synthpop-Solo-Konzerte. Mit seiner Band “Empathy Test” lockt er bereits seit Jahren ein großes Publikum an und beweist damit, dass junge Bands selbst in der Gothic-Szene ein junges Nachwuchs-Publikum anlocken können.

Isaac Howlett / Empathy Test
Isaac Howlett (hier mit seiner Band “Empathy Test”) gehört zu den Highlights des Festivals / Foto: Rene Daners

Doch auch bei den startenden Bands werden bereits rund 450 Gäste erwartet. Dann nämlich dürfen Sydney Valette mit französischem Synthwave / Darkwave begeistern, Beyond Border wird die Freunde der elektronischen Klänge mit ihrem Electropop überzeugen und bei The Brute erwarten das Publikum anspruchsvolle Electro-Rock-Experimente mit einigen spannenden Besonderheiten. Unterdessen soll für das leibliche Wohl natürlich auch gesorgt sein: Vor der Tür erwartet die Besucher ein Food Truck von “Little Beirut” mit erstklassigen Wraps, die auch mit PayPal bezahlt werden können, wenn das Bargeld einmal knapp wird und natürlich auch in veganer Variante angeboten werden. Drinnen überzeugt der Club Volta wiederum mit einer spannenden Bier-Auswahl aus Belgischem und Craft Beer vom Fass auch den anspruchsvolleren Hopfenfreund. Ein Rundum-Sorglos-Paket mit 5 Bands für unter 40 Euro – Tickets gibt es unter rausgegangen.de


16
Jul

Cypress Hill beim Kunstrasen: Gruppen-Kiffen zu 90er Oldschool HipHop

Sie standen schon auf der Bühne, da war so mancher aktuelle Rapper noch gar nicht geboren. Fast so, als gehörten sie zu den Erfindern des HipHop. Nun standen sie also wieder auf der Bühne beim Kunstrasen Bonn: Mit ihren 55 und 59 Jahren bilden die beiden Rapper B Real und Sen Dog noch immer die legendären Cypress Hill. Gemeinsam mit Percussionist Eric Bobo und Turntablist DJ Lord, der ersatzweise für DJ Muggs dabei war und einst bei Public Enemy spielte, fühlt sich ein Konzert mit derartigen Legenden und Größen des HipHops an wie eine Zeitreise zurück in die 90er Jahre. Damals als im Jahre 1991 ihr erstes Album erschien und schon Songs wie “How I Could Just Kill a Man” schon zu kleinen Hits wurden, die sie noch heute auf der großen Bühne am 8. Juli 2025 performten.

Die Umgebung und das Publikum ein bisschen gewöhnungsbedürftig, wenn man zum ersten Mal ein Konzert von Cypress Hill besucht. Schon seit ihrer Gründung propagiert die Band den Cannabiskonsum und setzt sich für dessen Legalisierung ein. Auf dem Logo, den Alben, dem Merchandise, der Sonnenbrille – überall macht ein Cannabisblatt die Einstellung der Band zu Drogen deutlich. Die Fans machen da natürlich gerne mit und zünden sich kollektiv einen Joint an, bis die Open Air-Fläche riecht wie die Straßen von Amsterdam. Aber man beschwert sich ja nicht, wenn man den “highest man in the world”, wie B Real liebevoll von seinem Kollegen Sen Dog genannt wird, auf der Bühne sehen will – und ist doch erstaunt, wie friedvoll so ein Cypress Hill-Konzert sein kann.

Cypress Hill beim Kunstrasen Bonn
Back to the 90s: B Real von Cypress Hill mit kultigem Oldschool HipHop

Cypress Hill beweisen unterdessen immerhin ein bisschen Selbstbeherrschung. Erst nach dem dritten Song, wenn die Fotografen den Bühnengraben wieder verlassen haben, zünden sich auch die Rapper auf der Bühne eine Tüte an – was bis zum Ende des Konzerts so bleiben sollte. Den passenden Song gab’s gleich dazu: “Dr. Greenthumb” handelt von B Reals Alter Ego, einem Cannabis-Züchter, der seine eigene Perspektive erzählt. So wird das Konzert dann auch fortgesetzt, gefühlt die meisten Songs aus dem Repertoire handeln vom Cannabiskonsum, womit der Auftritt auch schon einem gewissen Konzept folgt. Ob “Hits From the Bong” oder “Weed Medley” – man wäre ja schon fast enttäuscht, wenn das Publikum nicht zum kollektiven Gruppen-Kiffen gekommen wäre.

Auch ihre größten Hits gehörten natürlich zur Setlist, sodass Fans nach Jahrzehnten noch einmal die Gelegenheit hatten, die Tracks live zu hören. “Insane in the Brain” gehört da natürlich zu den am meisten gefeierten Songs, zu denen das Publikum erwartungsgemäß auch gewaltig abgeht. Und zwischendurch durfte DJ Lord zeigen, warum noch heute vor allem HipHop DJs bei den DMC World DJ Championships ganz oben auf der Rangliste stehen. Beeindruckende Scratching-Skills werden mit dem Percussion zu einem DJ Battle der anderen Art kombiniert und zeigen den EDM DJs mit ihren Sync-Buttons, warum im HipHop immer noch die besten der Welt an den Turntables stehen.

Cypress Hill beim Kunstrasen Bonn
Sen Dog: Auch mit 59 Jahren noch voller Energie

Nach gerade einmal 70 Minuten beendeten Cypress Hill ihren Gig dann mit einem Song, der gar nicht von ihnen selbst stammt: Das House of Pain-Cover “Jump Around” lud noch ein letztes Mal zum abfeiern und abtanzen ein, sodass das Publikum trotz des vergleichsweise kurzen Auftritts mit einem Lächeln nach Hause ging. Manche von ihnen werden wiederkommen, denn der Kunstrasen Bonn hat noch einige weitere Konzerte zu bieten. Hier die folgenden Termine:

19.07. Deichkind
23.07. Samu Haber
27.07. The Dead South
03.08. Johannes Oerding
05.08. The Smashing Pumpkins
06.08. Air
13.08. Queens of the Stone Age
14.08. Jan Delay & Disco No. 1 + Das Bo
16.08. BAP (ausverkauft)
19.08. Fontaines D.C.
23.08. Kasalla

Fotos: Rene Daners


16
Jul

Castle Rock in Mülheim: Von mechanischen Drummern und Electro-Goths auf Metalpfaden

Mülheim an der Ruhr, die hübsche Stadt zwischen Essen und Duisburg, mag unscheinbar wirken – doch für die Gothic-Szene ist sie einer der zentralen Anlaufpunkte im Ruhrgebiet. Am Schloss Broich, unweit der Innenstadt, finden nicht nur regelmäßige lose Treffen der Szene statt, sondern auch ein Mal im Jahr eines der wichtigsten Festivals der lokalen Szene. Auf dem Castle Rock Festival, das am 4. und 5. Juli 2025 wieder knapp 3000 Besucher anlockte, treffen Metal-Fans und die schwarze Szene aufeinander. Das liegt auch an der abwechslungsreichen, aber durchgehend rockigen Bandauswahl, die von Neue Deutsche Härte, über typischen Dark Rock bis hin zu orchestralem Symphonic Metal reicht. Doch vorab trafen sich die allergrößten Fans des Events erst einmal bei einer ganz besonderen Warm Up-Veranstaltung.

Exklusive Schifffahrt mit dem Oomph!-Sänger
Bereits am Donnerstag, noch bevor der erste offizielle Festivaltag startete, wartete bereits ein Schiff der weißen Flotte Mülheim auf seine exklusiven Gäste. Knapp 100 Besucher nehmen jedes Jahr an dem Warm Up-Event teil, bei dem sie das Schiff kurzerhand zur “schwarzen Flotte” umtaufen und entsprechend düster dekorieren. Für mehr Teilnehmer ist auf dem kleinen Schiff gar keinen Platz – und das macht die Vorab-Veranstaltung zu einem besonderen Highlight. Auf dem Schiff trafen die Fans nämlich auch auf einen exklusiven Stargast: Daniel Schulz, einst Sänger der Gothic Rock-Band “Unzucht” und seit einiger Zeit der neue Frontmann von Oomph! gab eines seiner wenigen außergewöhnlichen Akustik-Konzerte an Bord. So nah kommt man dem Sänger, der sich sonst auch mal ein Meet & Greet bezahlen lässt, nur überaus selten. Und zugleich war das auch die Gelegenheit, den ein oder anderen Song zu spielen, den man von ihm doch eher selten zu hören bekommt. Ein Konzert ganz nach Lust und Laune – bei dem das Bierchen mit den Fans an Bord natürlich auch dazu gehört.

Castle Rock Festival: Roboter-Drummer bei Maschinist
Ein Roboter als Drummer: R.O.B. ist festes Mitglied der Band “Maschinist”

Circle Pits auch für zierlichere Besucher/-innen
Für die restlichen fast 3000 Besucher ging es am Freitag Nachmittag dann am Schloss Broich, gar nicht so weit weg vom Wasserbahnhof, erst so richtig los. Mit einem Gitarrengewitter und Frauenpower an der Front eröffneten Dawn of Destiny eindrucksvoll das Castle Rock Festival und machten schon einmal deutlich, welcher Härtegrad auf dem Event zu erwarten ist. Der ein oder andere Circle Pit natürlich inklusive, denn den gab es bereits bei der zweiten Band: Wenn Vanaheim mit ihrem Pagan Metal an den Start gehen, lockt das für gewöhnlich nämlich vor allem jüngeres Publikum an. Während sich hier selbst zierliche Besucher und Besucherinnen in den Circle Pit wagen, möchte so schnell keiner mehr sagen, die Metalszene werde immer älter.

Sogar die Römer zogen nach Mülheim
Bereits am ersten Tag bewies das Castle Rock Festival ein gutes Gespür für die Trends der Szene und hatte etwa mit Soulbound eine der aktuell am schnellsten aufsteigenden Bands der schwarzen Szene auf der Bühne. Schaut man sich die Häufigkeit von “Soulbound”-Hoodies auf anderen Events an, wird schnell klar, dass wir die Bielefelder Metalband rund um Johannes Stecker zunehmend auf den großen Festivals sehen werden – sogar inzwischen bis nach Wacken. Direkt danach blieb es bei harten Gitarren mit Bands, die in der Szene längst keine Unbekannten mehr sind: Während Ost+Front ein bisschen nach Rammstein klingen und seit je her mit ihrer blutigen selbstironischen Show begeistern, kamen mit Warkings kurzerhand die Römer auf die Bühne und warfen die Flammenwerfer an. Ganz schön eingeheizt – und das schon am ersten, deutlich kürzeren Festivaltag.

Castle Rock Festival: Circus Bizarre
Die ausgefallensten Outfits gab es bei “Circus Bizarre”

Metal-Zirkus und ein Roboter als Drummer
Am zweiten Festival-Tag sah das Line-Up nicht weniger spektakulär aus: Mit einem Start um 12 Uhr Mittag begann der Tag schon deutlich früher und präsentierte sogleich die ausgefallensten Outfits und Bühnenauftritte. Bei Circus Bizarre etwa war der Name Programm und die Band entführte uns mit ihren gitarrenlastigen Geschichten in eine fantasievoller Welt voller mysteriöser Abenteuer – verpackt in einem farbenfrohen Erscheinungsbild, das ein wenig an den “Riddler” aus den Batman-Filmen erinnert. Jedes Konzert folgt einem Konzept, einer in sich schlüssigen Geschichte. Nicht mindert außergewöhnlich gleich danach Maschinist, die musikalisch der Neuen Deutschen Härte zuzuordnen sind. Ihre Besonderheit, die es so bei keiner anderen Band gibt: Der Drummer ist ein beweglicher Roboter, der ziemlich exakt im Takt auf die Trommeln hämmert. So ein “Mechanical Drummer” ist mutig, wie einzigartig zugleich. Genauso aber auch ihre Songs wie “Genderwahn” und “Ein Herz für Kinder”, die man sicherlich als kontrovers betrachten kann.

Ein Fest für Anhänger der “LDMV Army”
Dagegen klingen dann Bands wie Lacrimas Profundere oder Mission in Black fast schon ein bisschen wie rockiger Mainstream. Vor allem ersteren gelingt es auf dem Castle Rock Festival jedoch alle paar Jahre erneut, eine große Fanbase hinter sich zu versammeln. Vor allem weibliche Fans kennen den Sänger Julian Larre schließlich bereits von seiner anderen Band “Lessdmv” und sehen sich als Teil des dazugehörigen Fanclubs “LDMV Army”. Dass die jungen Frauen da natürlich in der ersten Reihe stehen, bei der Larre doch glatt mal auf die Absperrung des Bühnengrabens springt, um seinen Fans besonders nahe zu sein, versteht sich schließlich von selbst. Und manche davon darf dann sogar mal kurz mit auf die Bühne.

Castle Rock Festival: Aesthetic Perfection
Von Electro zum Rock: Aesthetic Perfection spielten zum ersten Mal auf einem Metal-Festival

Vom Electro zum Rock
Etwas aus der Reihe tanzt da lediglich Daniel Graves mit seiner Band Aesthetic Perfection. Noch vor wenigen Jahren war die Band vor allem Electro-Act bekannt und vorwiegend im Aggrotech und Futurepop-Bereich angesiedelt – dem elektronischen Teil der schwarzen Szene. Inzwischen ist die Musik deutlich rockiger geworden, Gitarre und Schlagzeug natürlich inklusive. Für Daniel Graves eine Premiere: Nach zahlreichen Gothic-Festivals spielten Aesthetic Perfection beim Castle Rock Festival ihr allererstes reines Metal-Festival. Selbst nach einer Support-Tour mit Till Lindemann immer noch ein gewagtes Experiment. Graves nimmt sich unterdessen selbst nicht allzu ernst: Seinen als “Summer Goth” bezeichneten, kontroversen Modestil zieht er auch beim Castle Rock konsequent durch.

Orchestraler Symphonic Metal mit Leaves Eyes
Ein wenig “traditioneller” dann bei den restlichen Bands. Mit neongrünen Farbtupfern, die etwas an radioaktive Strahlung erinnern, gab es von Motel Transylvania einen ganz klassischen Mix aus Industrial Metal und Neuer Deutscher Härte. Obwohl die Band gar nicht so deutsch war: Extra aus Italien waren sie angereist, um die Besucher mit ihrem Sound zu begeistern. Das gelang ihnen mindestens genauso gut, wie Leaves’ Eyes, die gleich zwei Sänger zu bieten hatten: Mit Sängerin Elina Siirala und Co-Sänger Alexander Krull bot sich dort ein beeindruckendes Symphonic Metal-Duo mit aufregenden Stimmen. Regelrecht orchestral klang dabei das Gitarrengewitter, das die 5-köpfige Band auf das Publikum abfeuerte. Bevor das Event dann Katatonia aus Schweden ihren Abschluss fand. Dass es hier noch ein bisschen härter wird, wurde bereits beim Umbau klar: Eine komplette Wand aus Marshall-Verstärkern wurde da aufgebaut, um die Gitarren noch heftiger klingen zu lassen. So muss das beim Doom Metal – ist doch klar.

Castle Rock Festival: Leaves Eyes
Frauenpower an der Front: “Leaves Eyes” mit orchestralem Symphonic Metal

Erstes Line Up für 2026:
Für das kommende Jahr hat das Castle Rock Festival unterdessen bereits neue Bands angekündigt. Am 3. und 4. Juli 2026 geht es dann wieder am Schloss Broich in Mülheim an der Ruhr in die nächste Runde. Auch hier zeigt sich ein Gespür für einen Mix aus aufstrebenden Bands und bekannten Acts: Mit All for Metal und Nachtblut hat das Event jene Bands am Start, deren Beliebtheit aktuell immer weiter steigt. Tanzwut und Crematory verstärken unterdessen das Line Up als “alte Hasen” und bekannte Top-Acts, während mit Sagenbringer auch die Freunde des Pagan-Metal und des Mets (den es natürlich auch im Ausschank gibt) wieder auf ihre Kosten kommen. Der Vorverkauf für das Festival startet in Kürze unter muelheim-ruhr.de.

Fotos: Rene Daners