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MPS Bückeburg: In Extremo für nur 15 Euro
MPS Bückeburg: Ein mittelalterliches Festival für die ganze Familie
Die perfekte Welle: Juli im Schloss Oberhausen
Kultursommer Witten: Cajun-Musik von Le Clou zum Schnäppchenpreis
Dokomi: Größte Anime- und Japan-Convention mit Besucherrekord
Castle Rock Festival: Dark Rock und Metal im Mülheimer Schlosshof

Archiv fürJuli, 2023


26
Jul

MPS Bückeburg: In Extremo für nur 15 Euro

Das hat es wohl so noch nie gegeben. “Ticketpreise wie vor 30 Jahren” verspricht Veranstalter Gisbert Hiller beim zweiten Wochenende des Mittelalterlich Phantasie Spectaculum in Bückeburg. Das Mittelalterfestival ist schließlich quasi im vollen Gange und geht vom 28. bis 30. Juli 2023 in die zweite Runde. Zum 30. Jubiläum des Events gibt es da aber auch ein ganz besonderes Geschenk für die Fans und Besucher des MPS: In Extremo, eine der größten und bekanntesten Bands des Mittelalter-Rock treten auf der großen Main Stage nämlich für gerade einmal 15 Euro am Freitag, den 28. Juli 2023 auf. Zum Vergleich: Auf der regulären Tour sind die Karten inzwischen nicht mehr unter 45 Euro erhältlich, teilweise liegen die Preise gar über 60 Euro. Ein Schnäppchen also für Fans der Mittelaltermusik. Und das dürfte sich gewaltig lohnen.

Immerhin ist In Extremo nicht ohne Grund eine der beliebtesten Bands der Szene. Wenn die Band mit bekannten Song-Klassikern wie “Herr Mannelig” oder “Sternhagelvoll” auf der Bühne steht, wird das Publikum nämlich ordentlich eingeheizt. Eine opulente Pyrotechnik samt reichlich Flammenwerfern gehören schließlich dazu, denn bei jeder Show gibt es auch eine ordentliche Feuershow. Wenn die Dudelsäcke und E-Gitarren zwischen lodernden Flammen bis aufs Heftigste beansprucht werden, dürfte das Publikum wahrscheinlich die meisten Songs sogar mitsingen können. So mancher “alte Hase” erinnert sich derweil vielleicht sogar noch an das virtuelle Gegenstück der Band im PC-Spiele-Klassiker “Gothic” aus dem Jahre 2001.

In Extremo

Und das soll längst noch nicht alles sein: Im Eintrittspreis von gerade einmal 15 Euro sind auch noch zwei weitere Bands am Freitag inbegriffen. Bereits um 16 Uhr werden die Cobblestones quasi als “erster Support” die Bühne betreten. Als ebenfalls beim MPS-Publikum beliebte Band sind sie aus dem Irish Folk bereits seit Jahren nicht mehr wegzudenken und überzeugen als Multiinstrumentalisten mit zahlreichen tanzbaren Songs. Vom klassischen Folk bis zum mitreißenden Sauflied ist da alles dabei – und das natürlich immer handgemacht. Gleich danach folgen um 18:30 Uhr dann Rauhbein, die mit ihren langen Bärten und fetzigen Folk-Rock die Bühne rocken werden. Sich selbst bezeichnet die Band dabei gern als eine Mischung aus Santiano und Rammstein. Danach dürfte das Publikum ausreichend eingeheizt sein, um gegen 21 Uhr den Headliner In Extremo gebührend zu feiern.

All jene, die für gerade einmal 15 Euro diese drei fantastischen Bands der Mittelalter-Szene erleben möchten, finden den Zugang zur Konzert-Area von der Straße Im Hasengarten aus. Für Bahnreisende bedeutet das: Der Eingang liegt auf der anderen Seite des MPS-Geländes, nicht auf Schlossseite. Der Online-Vorverkauf wurde zwar bereits beendet, dennoch gibt es laut Veranstalter noch reichlich Tickets für 15 Euro an der Tageskasse. Weitere Infos, Spielplan und Anfahrt unter spectaculum.de


24
Jul

MPS Bückeburg: Ein mittelalterliches Festival für die ganze Familie

Die Pirate-Folk-Band “Mr. Hurley und die Pulveraffen” stellt immer wieder fest, dass sie eine Band für die ganze Familie sind. “Die Jüngsten freuen sich über eine Piratenband, die Fans mittleren Alters wollen einfach nur saufen und das ältere Publikum erfreut sich an dem klassischen Schifferklavier”, erkennt Mr. Hurley etwas selbstironisch bei einem der beiden Auftritte am 22. und 23. Juli 2023. So ungefähr kann man das vielleicht auch auf das Mittelalterlich Phantasie Spectaculum in Bückeburg übertragen: Das mittelalterliche Festival möchte für alle Generationen gleichermaßen etwas bieten. Da warten die Bands auf drei Bühnen und leckerer Met für die Erwachsenen, während sich die Kinder über lebensgroße Dinosaurier und ein Bällebad freuen. Für die zehntausenden Besucher, die in einer großen Anzahl sogar authentisch mittelalterlich gewandet das Festival besuchten, das in diesem Jahr das 30. Jubiläum feiert, ist das MPS aber inzwischen genau das: Ein Fest, das sie womöglich seit Jahrzehnten besuchen und auf dem sie nun auch ihre jungen Kinder mitnehmen können.

Das MPS in Bückeburg ist unterdessen auch eines der größten Events der Veranstaltungsreihe. Gleich an zwei Wochenenden lädt Veranstalter Gisbert Hiller, der auf seinem Fahrrad stets den Ablauf des Festivals im Blick hat, auf die zwei riesigen Wiesen unweit des hübschen Schloss Bückeburg. Dort ist das Gelände nicht nur wegen dem Mausoleum einzigartig, das im Rahmen des Festivalbesuchs natürlich auch besichtigt werden kann, sondern auch wegen dem einladenden Blick auf die hübschen Berg- und Naturkulissen, die hinter dem Festivalgelände auf die Besucher warten. Die große “Jubiläumsbühne” macht sich dort natürlich perfekt: Namhafte Größen der mittelalterlichen Musikszene, wie Saltatio Mortis und Feuerschwanz heizten dort im wahrsten Sinne das Publikum ein.

MPS Bückeburg
Mr. Hurley und die Pulveraffen sorgen für Stimmung

Obwohl Saltatio Mortis als erfolgreiche Charts-Band inzwischen vom MPS kaum mehr wegzudenken sind, dürfte der heimliche Headliner des Festivals aber wohl eine andere aufsteigende Band sein: Mr. Hurley und die Pulveraffen werden mit ihrem stimmungsvollen Pirate-Folk nämlich inzwischen gebührend gefeiert. Kaum ihren Auftritt begonnen, tanzen die hervorragend gelaunten Fans mit einem Trinkhorn voller Met in einer Polonaise über das gesamte Infield, während sich die Kinder vor der Bühne natürlich auch reichlich austoben dürfen. Party-Hits wie “Achterbahn am Achterdeck” oder “Blau wie das Meer” sorgen für ausgelassene Stimmung und lassen die große Party schon am Nachmittag beginnen. Für das MPS dann auch Grund genug, die Band gleich an zwei Wochenenden fast jeden Tag auf die Bühne zu lassen.

Dafür kann Saltatio Mortis gleich nach dem eindrucksvollen Auftritt von Feuerschwanz in ihren aufwändigen Ritterrüstungen dann das Publikum umso mehr einheizen. Wenn “Alea, der Bescheidene”, wie sich Frontmann Jörg Roth gerne nennt, die Main Stage betritt, wird die Bühnenshow nämlich gar nicht mehr ganz so bescheiden: Zahlreiche Flammenwerfer wurden rund um die Bühne aufgestellt, um das Publikum auch noch in einigen Metern Entfernung ordentlich warm zu halten. Das kam gut, denn am Abend setzte schließlich auch der erste Regen ein, der die Besucher allerdings nicht davon abhielt, auf der Open Air-Fläche einfach weiter zu feiern. Ein bisschen Wärme schadet dabei allerdings nicht – und da kommen Flammenwerfer, Lagerfeuer und Fackeln auf dem Gelände natürlich besonders gut.

MPS Bückeburg
Spaß für die ganze Familie im Bällebad

Nicht allzu weit weg: Die zweite große Bühne, die sogar ohne zusätzliches Ticket für die großen Headliner-Konzerte besucht werden konnte. Etwas kleinere Bands wie “The Dolmen” durften hier spielen und sorgten ebenfalls für gelungene Stimmung auf dem Festival. Die Aufenthaltsqualität hier natürlich besonders hoch: Eine Bühne umgeben von Tavernen und Essensständen lädt schließlich zum Verweilen und Genießen ein. Ob leckerer Whisky oder das seltene schottische Stout von Belhaven am “Black House”, oder sogar die in deutschen Pubs nicht allzu häufig zu findende English Steak Pie – hier wurden die Besucher mit allerlei kulinarischen Spezialitäten versorgt. Wer es etwas ausgefallener mochte, durfte sich sogar an ein Bier mit Apfelsaft oder – völlig verrückt – einem wortwörtlichen Aalschnaps heranwagen, in den man tatsächlich echten Aal eingelegt hat. Da ist für Unterhaltung und Experimentierfreude gesorgt.

Erstaunlich dabei: Trotz des durchaus hohen Alkoholkonsums mit Met, Whisky und anderen Leckereien, deren Alkoholgehalt im zweistelligen Bereich liegt, begeistert das Mittelalterlich Phantasie Spectaculum Jahr für Jahr mit einem überaus friedlichen Publikum. So friedlich, dass ein strenges Sicherheitskonzept gar nicht erst nötig ist. Zu vielen mittelalterlichen Gewandungen gehören schließlich auch Äxte und Schwerter, die von den Teilnehmern der zahlreichen authentischen Heerlager auch gern offen auf dem Gelände getragen werden. Selbst in der Menschenmenge vor der Konzertbühne sieht man auf dem MPS die ein oder andere Axt am Gürtel, ohne dass dies zu einem Problem führen würde. Dass unter solchen Umständen auch auf die Verwendung von Plastik verzichtet wird und Getränke lieber in Glas oder Tonbechern ausgeschenkt werden, versteht sich da natürlich von selbst.

MPS Bückeburg
Headliner des ersten Wochenendes: Saltatio Mortis

Ein solch extrem friedliches und verantwortungsvolles Publikum macht das MPS aber auch seit je her zu einer der familienfreundlichsten Veranstaltungen im gesamten Festival-Sommer. Völlig sorgenfrei können hier auch die Kleinsten über die weitläufigen Wiesen toben, denn die nächsten Straßen sind weit genug entfernt. Dass der Veranstalter besonderen Wert auf diese Kinderfreundlichkeit legt, zeigt sich dann aber auch an der Gestaltung des Festivalgeländes: Im Spielparadies ist für Spaß für die Kleinsten nämlich mehr als reichlich gesorgt. Riesige Figuren von Dinosauriern und Haien warten dort darauf, von den Kindern bestaunt zu werden. Auf manchen darf sogar geklettert und geritten werden. Und in der Mitte des Kinderbereiches: Das riesige Bällebad zwischen Heuballen, in die die Eltern auch einfach mal mit hineinspringen dürfen. Dazu Märchenstunden, kostümierte Seifenblasenkünstler oder wandelnde Walking Acts in Dinosaurier-Kostümen. Hier haben definitiv auch die Jüngsten ihren Spaß.

Von all dem dürfen sich die Besucher auch noch an einem weiteren Wochenende überzeugen. Vom 28. bis 30. Juli 2023 findet das MPS Bückeburg nämlich an gleich drei Tagen noch einmal statt. Das Dino- und Spieleparadies für die Kinder wird es da natürlich noch immer geben. Hinzu kommt die Dinosaurier-Band Heavysaurus, die am Sonntag Nachmittag Heavy Metal für Kinder auf der Main Stage präsentieren – und von Familien auf keinen Fall verpasst werden sollte. Die Erwachsenen dürfen sich unterdessen auf In Extremo. Fiddler’s Green, Subway to Sally oder Versengold freuen. Tickets für das komplette Erlebnis gibt es ab 29 Euro, Kinder bis 14 Jahren zahlen den halben Eintrittspreis, Kinder unter 7 Jahren dürfen sogar komplett kostenlos auf das Festival. Infos und Tickets unter spectaculum.de


20
Jul

Die perfekte Welle: Juli im Schloss Oberhausen

Es ist schon ein paar Jahre her, dass die deutsche Pop-Band Juli ihre größten Hits veröffentlicht hat. Im Jahre 2004 erschien mit “Die perfekte Welle” wohl ihr bisher bekanntester Song, auch “Elektrisches Gefühl” aus dem Jahre 2010 war nochmal ein richtiger Charts-Hit. Danach war es einige Jahre ruhig, das letzte Album erschien sogar schon im Jahre 2014 – was immerhin inzwischen ganze neun Jahre her ist. Nun das große Comeback, nachdem die Band nun endlich ein neues Album angekündigt hatte. Gesagt, getan: Im April 2023 erschien “Der Sommer ist vorbei” und damit einhergehend darf natürlich auch eine Tour mit Live-Konzerten nicht fehlen. Dabei füllen sie nach so langer Ruhepause zwar keine Stadien, für ein paar Stopps wie etwa beim Indie Radar Ruhr vor mehreren hundert Besuchern reicht es dann aber trotzdem. Am 16. Juli 2023 gastierten sie im Innenhof des hübschen Schloss Oberhausen unweit vom berühmten Gasometer oder der großen Arena.

Und so mancher Besucher im Publikum, der die Band vielleicht vor über zehn Jahren zum letzten Mal gesehen hat, ist wahrscheinlich perplex. Steht da wirklich Sängerin Eva Briegel auf der Bühne? Soll diese Frau, die aussieht wie Ende 20 allen Ernstes inzwischen 44 Jahre alt sein und ihre größten Hits schon zehn bis zwanzig Jahre her sein? Es ist fast ein bisschen wie eine Zeitreise, denn gealtert ist hier offenbar niemand. Wäre da nicht das noch immer gleiche Gesicht, käme schnell das Gefühl auf, wir würden noch immer die Band Juli aus dem Jahre 2004 live erleben. Eva Briegel jedenfalls tobt und hüpft auf der Bühne herum, als wäre sie locker zwanzig Jahre jünger – und kann genau damit für ordentlich Stimmung sorgen.

Juli @ Indie Radar Ruhr

Beim Publikum – das unterdessen überraschend jung ist – hat das offenbar eine recht ansteckende Wirkung. Hunderte Menschen tanzen, singen und feiern zu den Hits der Band mit und kennen offenbar sogar so manchen ihrer neuen Songs vom neuen Album. Verwundert mag man sich fragen: Waren die Menschen in diesem Publikum wirklich alle schon geboren, als “Die perfekte Welle” im Radio hoch und runterlief? Jedoch egal, welche Generation hier gerade vor der Bühne steht: Songs wie “Die perfekte Welle”, “Elektrisches Gefühl” und Geile Zeit” sorgen auch heute noch für Partystimmung auf den Konzerten. Und wenn hier mehrere Generationen gemeinsam zum Konzert gehen, mag auch kein Zweifel bestehen: Auch der zukünftige Erfolg der Band ist garantiert, denn selbst die neuen, etwas ruhigeren Songs im Singer-/Songwriter-Stil finden noch immer ihre Fans. Wer das auch einmal selbst erleben möchte, kann die Band im August noch in Würselen, Hamburg und Rietberg erleben. Und auch der Indie Radar Ruhr geht mit zahlreichen Bands noch den ganzen Sommer weiter. Infos dazu findet ihr unter indie-radar-ruhr.de


20
Jul

Kultursommer Witten: Cajun-Musik von Le Clou zum Schnäppchenpreis

Kultur und Musik muss gar nicht teuer sein. Das dürfen Fans der Live-Musik vor allem bei diversen Open Air-Konzerten im Sommer immer wieder herausfinden. Im Haus Witten in der gleichnamigen Stadt Witten zwischen Hagen und Dortmund ist vor kurzem nämlich der Kultursommer des Kulturforums gestartet. Für gerade einmal rund 13 Euro gibt es da jede Woche Open Air-Konzerte verschiedenster Genres. Inmitten des Gemäuers einer ehemaligen Burg ist nämlich richtige Vielfalt angesagt – und sogar ein bisschen Weltmusik. Eine Band wie Le Clou, die seit Jahrzehnten französischsprachige Cajun-Musik aus Louisiana spielt, darf da natürlich nicht fehlen. Die fünfköpfige Band rund um Sänger und Geiger Johannes Epremian trat am 15. Juli 2023 in der hübschen Location auf.

Le Clou @ Haus Witten

Für die Hörgewohnheiten heutiger Charts-Zuhörer vielleicht manchmal ein bisschen gewöhnungsbedürftig und auch gerne ein etwas älteres Publikum anlockend, kann die Cajun-Musik aus dem Mississippi-Delta allerdings auch ordentliche Stimmung erzeugen. Multi-Instrumentalisten stehen hier schließlich auf der Bühne, die nach eigenen Worten “altmodische Tanzmusik” spielen. Warum an diesem Abend also Tische und Stühle, die das Publikum vom Tanzen abhalten, auf der Fläche vor der Bühne stehen – das war lange Zeit doch ein ziemliches Rätsel. Klar: Hier wird Getrunken, Gegessen, generell ziemlich viel genossen und doch dauerte es ein wenig, bis die Stimmung auf das Publikum überschwappte. Ein bisschen lauernd, als wüssten die Besucher noch nicht ganz, ob sie hier wirklich das Tanzbein schwingen dürften, so schien es zumindest in der ersten halben Stunde.

Einen Satz haben wir aber vermutlich noch nie zuvor in einem Konzert-Bericht geschrieben: Zum Glück kam endlich der Regen! Für Le Clou war die Regenschauer in der zweiten Hälfte des Abends dann doch plötzlich ein Segen. Der einzige überdachte Bereich im Haus Witten war nämlich ausgerechnet die Tanzfläche ganz vorne direkt vor der Bühne. Und wenn das Publikum erst einmal einen Unterschlupf sucht, wird an so einer Position auch ganz schnell getanzt. Schnell wurde klar: Diese Besucher haben doch ganz schön Lust, das Tanzbein zu schwingen. Durch den Regen wurde wider Erwarten die Stimmung besser, der Abend lockerer und auch die Band hat schnell strahlende Gesichter, wenn die Zuschauer auf einmal mitmachen. Am Ende war der Abend dann doch noch ein gelungener Abend. In diesem Sinne: Nächstes Mal die Stühle weg, dann klappt’s auch mit der Party.

Le Clou @ Haus Witten

Die nächsten Konzerte stehen im Haus Witten auch schon wieder an. Bereits am 21. Juli 2023 wird die Burg ein bisschen schwarz: Die aufsteigende Synthpop-Band Rroyce, die sich auf Gothic-Festivals wie dem Amphi Festival bereits einen Namen machen konnte, heizt das Publikum mit elektronischen Beats und einer sympathischen Stimme von Sänger Casi ein. Und selbst das wird zum Schnäppchenpreis, denn auch hier gibt es die Tickets für knapp 13 Euro. In den darauffolgenden Wochen folgt eine Vielfalt aus Rock’n’Roll, Blues, Soul und anderen spannenden Auftritten. Tickets und Infos gibt es unter kulturforum-witten.de


10
Jul

Dokomi: Größte Anime- und Japan-Convention mit Besucherrekord

Wie sich der Erfolg der Anime- und Japan-Convention Dokomi einmal entwickeln würde, hätte so wohl niemand erwartet. Noch keine fünfzehn Jahre ist es her, dass die Veranstaltung mit weniger als zweitausend Besuchern in einem Düsseldorfer Gymnasium stattfand – von Fans für Fans eben. Und auch als wir im Jahre 2014 zum ersten Mal von dem Event berichteten, wurde für die rund 17.000 Besucher lediglich das Congress Centrum im südlichen Teil der Messe gebucht. Inzwischen ist die Anime-Convention allerdings zu einem professionellen Massen-Event herangewachsen und schafft es mit seinen sechs zusätzlichen Messehallen der Messe Düsseldorf auf sage und schreibe 150.000 Besucher. Ein Event, das einst mit einigen ehrenamtlichen Helfern gestartet ist, die selbst Anime-Fans waren, gehört nun neben dem Japantag in Düsseldorf zu den größten und bedeutendsten Japan-Events ganz Europas. Eine beachtliche Leistung, die sich auch inhaltlich auf dem Messegelände bemerkbar macht.

Gesund gewachsen und organisatorisch in keinster Weise überfordert, deckt das Groß-Event inzwischen alle Aspekte der Anime- und Japanszene ab. Kaum von der U-Bahn, die mit zahlreichen Sonderzügen zwischen Innenstadt und Messe pendelt, das Messegelände betreten, waren die Besucher von der Größe des Angebots schlichtweg überwältigt: Hier gab es schließlich alles, was das Anime- und Mangaherz begehrt. Selbst die Zeichner, egal ob professionell oder einfacher Amateur-Comiczeichner, bekamen eine eigene große Halle in der “Artist Alley”. Fans und Besucher konnten hier die zahlreichen selbstgemachten Bilder bestaunen, einzigartige T-Shirts mit den Motiven erwerben oder so manchem Zeichner sogar ein bisschen Merchandise abkaufen.

Dokomi 2023
Zahlreiche Besucher erschienen im Cosplay

Für die Erwachsenen war dann nur einige Meter weiter gesorgt: Wer den abgetrennten 18er Bereich der Dokomi betreten wollte, musste an einem Stand seinen Ausweis vorlegen und bekam gegen einen Altersnachweis ein spezielles Bändchen. Und da war das Event rigoros: Selbst ältere Besucher mit grauen Haaren mussten ausnahmslos dort ihr Alter nachweisen, auf Diskussionen am Eingang ließen sich die Helfer nicht ein. Und das hatte auch seinen Grund: Hinter der Wand gab es sexuell eindeutige Hentai-Kunst zu erwerben, freizügige Cosplayerinnen machten Fotos in knappen Outfits und selbst ein Fesselkünstler führte interessierte Besucher in die Kunst des japanischen Shibari Bondage ein. Nichts für die jüngsten Besucher also.

Für die Jüngeren gab es dafür umso mehr in den zahlreichen anderen Hallen: Merchandise, Händler und Foodstände durften schließlich auch nicht fehlen. Egal, ob Sammelfiguren japanischer Animes, niedliche Plüschtiere, leckere japanische Süßigkeiten oder echte Kimonos – der Japan-Fan kam hier sehr großzügig auf seine Kosten und fand hier so ziemlich alles, wonach man suchen konnte. Dazu weitere Highlights wie etwa eine Itasha-Fahrzeugaustellung, bei der folierte Autos mit japanischen Anime-Figuren zu sehen waren oder ein Gaming-Bereich, in der die Besucher namhafte Gamer und Influencer etwa dabei zusehen konnten, wie sie sich in einer Partie Mario Kart schlugen.

Dokomi 2023
Die Itasha-Ausstellung mit folierten Autos ist ebenfalls fester Bestandteil der Dokomi

Vor allem für die jüngeren Besucher war also ausreichend gesorgt und das war schließlich auch nötig: Das Durchschnittsalter auf der “Dokomi” ist im Vergleich zu anderen Conventions und Messen nämlich überraschend niedrig. Während Besucher der ersten Ausgabe der Dokomi inzwischen Mitte 30 sein dürften, finden sich auch heute noch zahlreiche Minderjährige im Publikum – sofern diese nicht sogar die Mehrheit ausmachten. Das hat die Veranstaltung dementsprechend ernst genommen: So gab es nämlich auf dem gesamten Messegelände keinerlei Alkoholausschank – mit Ausnahme des abgetrennten 18er Bereiches. Nicht einmal ein Glas Bier konnten erwachsene Besucher an den Getränkeständen erwerben. Fraglich allerdings, ob man nicht auch dafür einfach die Bändchen für den 18er Bereich auf dem Rest des Geländes hätte nutzen können. Aber: Man möchte eben ein Familien-Event sein.

Das führt unterdessen allerdings auch dazu, dass die Dokomi wohl jenes Event ist, auf der ausgesprochen viele Cosplayer in aufwändigen Kostümen anzutreffen sind. Ob draußen im japanischen Garten, wo sich Cosplayer schon seit über zehn Jahren gerne für hübsche Fotoshootings treffen, oder quer verteilt über das gesamte Messegelände: So manches Cosplay ließ die Besucher vom 30. Juni bis 2. Juli 2023 staunen. Das wurde dann dementsprechend auch gewürdigt: Die Main Stage, auf der unter anderem der Cosplay Contest stattfand, bekam immerhin eine komplette eigene Halle: Tausende Besucher konnten dort ohne Platzprobleme die Kostüme auf der Bühne bewundern. Bleibt abzuwarten, ob die Dokomi 2024 erneut einen Besucherrekord aufstellen wird.


10
Jul

Castle Rock Festival: Dark Rock und Metal im Mülheimer Schlosshof

Es ist schon ein interessanter Anblick, wenn Goths und Metalheads mal wieder zu einem gemeinsamen Festival erscheinen. Wenn in Mülheim an der Ruhr der Patchouli-Duft nicht weit ist und die typischen Metal-Westen mit ihren vielfältigen Aufnähern ebenso die Straßenbahnen bevölkern, dann kann am historischen Schloss Broich nur eines stattfinden: Das Castle Rock Festival lockt wieder die gesamte Vielfalt der Schwarzen Szene in den Schlosshof. Wie in jedem Jahr gab es dort nämlich am 30. Juni und 1. Juli 2023 wieder einen bunten Genre-Mix aus Dark Rock, Metal, Neue Deutsche Härte bis hin zum Pirate Folk Metal. Anders als auf “schwarzen” Festivals, auf denen auch elektronische Musik einen großen Anteil ausmacht, konzentriert sich das Castle Rock gemäß ihres Namens auf die rockige Seite der schwarzen Szene.

Los ging es am Freitag Nachmittag bereits mit voller Wucht dank Bands wie Soulbound, die sich mit ihrem Nu Metal eher der härteren Gangart verschrieben haben. Da mag Frontmann Johannes Stecker vielleicht auf manchen Konzerten etwas dazu neigen, viel über Politik, Psyche und seine eigene Vergangenheit zu sprechen – aber gleichzeitig werden auch ordentliche Gitarrenriffs in die E-Gitarren geschreddert. Als noch vergleichsweise unbekannte Band gelingt es ihnen stets, bereits als Eröffnungsact das Publikum einzuheizen und auf “Betriebstemperatur” zu bringen. Und das passte gut, denn insgesamt war Line Up ohnehin in diesem Jahr etwas härter ausgefallen.

Castle Rock 2023
Heldmaschine-Sänger Rene Anlauff mit Megafon

Zu einem beliebten Genre der “schwarzen Szene” gehört schließlich auch die sogenannte Neue Deutsche Härte, wie sie von berühmten Bands wie Rammstein gespielt wird. Während aktuell die Skandale rund um Missbrauchsvorwürfe gegen Till Lindemann allseits präsent sind, hatte das Castle Rock Festival einige spannende, durchaus ähnlich klingende Alternativen am Start: Mit Megaherz kam etwa die ehemalige Band von “Eisbrecher”-Frontmann Alex Wesselsky auf das Festival, die heute mit einem anderen Alex, nämlich Alexander Wohnhaas auf die Bühne gehen. Mit ihren typisch schwarz-weiß geschminkten Gesichtern spielten sie unter anderem Klassiker wie “Miststück”, die heute auch noch auf der Setliste von “Eisbrecher” zu finden sind. Die Fans allerdings vergessen nie: “Megaherz” war der Beginn dieses Erfolgs, der übrigens bereits ein Jahr vor Rammstein gegründet wurde.

Eine etwas andere Geschichte dann beim zweiten “Neue Deutsche Härte”-Act Heldmaschine, der sich da musikalisch anschloss und vom Publikum ausgiebig gefeiert wurde. Die Band um Sänger René Anlauff startete schließlich einst als reine Rammstein-Coverband “Völkerball”. Inzwischen konnten sie aus dem Schatten von Rammstein – und da muss man angesichts der aktuellen Debatte wohl beglückwünschen – aber heraustreten und durch Heldmaschine mit eigenen Songs erfolgreich werden. Ihr besonderes Merkmal: Die Stimme des Frontmanns klingt jener von Till Lindemann in manchen Songs zum Verwechseln ähnlich. Da gibt es dann zwar keine “Feuerzone”, dafür aber ordentlich Gitarrenlärm auf der Bühne. Und der macht verdammt viel Spaß.

Castle Rock 2023
Megaherz im typischen Styling

Für Kontrast sorgten dann aber auch Bands wie Warkings, die mit ihrem Power Metal nicht nur ordentlich einheizten, sondern auch noch aufregende Kostüme auf die Bühne brachten. Die Band, die vielleicht ein bisschen an “Powerwolf” erinnert, tritt nämlich komplett in den historischen Kostümen römischer Soldaten zur Zeit Cäsars auf. Da dürfen sich die Bandmitglieder zwar allesamt maskieren, das Bühnenbild aus Templerwappen und dem antiken römischen Hoheitszeichen macht optisch aber schon einiges her. Da schlossen sich dann auch Nachtblut an, die mit ihren beeindruckend gruseligen Outfits und blass geschminkten Gesichtern doch recht explizite, teils nihilistische oder gar menschenverachtende Texte auf der Bühne präsentieren. Doch die schwarze Szene weiß: Provokation gehört im Gothic eben auch ein bisschen dazu – und das Publikum weiß solche Bands daher zu schätzen.

Ein bisschen “harmloser”, dafür aber vor allem auch mit weiblicher Verstärkung, kamen etwa Bands wie Null Positiv daher. Mit ihren schwarz-blau-weißen Rastas ist Frontfrau Elli Berlin auf jeden Fall ein ziemlich auffälliger Hingucker. Musikalisch gab es dann ordentlichen Metal auf die Ohren – und so mancher Zuschauer war dann doch beeindruckt, wie schnell und intensiv die Sängerin zwischen ihrem Klargesang und den überraschend tiefen Growls hin und her wechseln kann. Auch die aufsteigende “Pirate Folk Metal”-Band Storm Seeker hatte mit Fabienne Kirschke an der Drehleiher, die mit ihrer lila Haarfarbe auffiel, überzeugende weibliche Unterstützung an Bord. Zwar noch nicht der große Headliner eines Festivals, aber durch gemeinsame Auftritte etwa mit “Mono Inc” längst keine Unbekannten mehr in der Szene.

Castle Rock 2023
Lacrimas Profundere auf Tuchfühlung mit den Fans

Headliner des Festivals, das am Samstag Abend endete, waren dann The 69 Eyes, die mit ihrem Dark Rock und Glam Rock das Publikum begeisterten. Trotz gelegentlichen Regenschauern am Samstag Nachmittag und vereinzelten Bier-Engpässen am Getränkestand hielten die mehr als tausend Besucher des Festivals schließlich bis zum Schluss durch – und das günstigste Vorverkaufskontingent für das kommende Jahr, das die Besucher bereits vor Ort kaufen konnten, war bereits am Sonntag Mittag ausverkauft. Kein Wunder: Im nächsten Jahr sind am 5. und 6. Juli 2024 unter anderem Acts wie Orden Ogan, Gothminister und Unzucht, deren Frontmann nun auch der neue Sänger von “Oomph!” wurde, bereits angekündigt. Tickets gibt es in Kürze auch online unter muelheim-ruhr.de