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Strandkorb Open Air: Die Auferstehung des Flash Gordon
Dokomi: Das Experiment Großveranstaltung während der Corona-Pandemie
Schandmaul: Mittelalterlicher Rock beim Strandkorb Open Air
Strandkorb Open Air: Eine Reise in die elektronische Vielfalt mit Peter Heppner
Dritte Wahl: Punk-Rock beim Strandkorb Open Air
Kommentar: Warum Alarmstufe Rot die Veranstaltungsbranche nicht retten wird

Archiv fürSeptember, 2020


30
Sep

Strandkorb Open Air: Die Auferstehung des Flash Gordon

God save the Queen beim Strandkorb Open Air

Er war eine Legende und so mancher seiner Fans würde ihn als einen der besten Musiker aller Zeiten bezeichnen. Doch 29 Jahre ist es inzwischen bereits her, dass Freddie Mercury im Alter von 45 Jahren nach einer AIDS-Erkrankung starb. Seine Songs sind dabei in die Geschichte eingegangen und werden noch heute gefeiert. So sehr, dass richtige Coverbands es sich zur Aufgabe gemacht haben, seine Band “Queen” nachzuahmen und selbst Freddie optisch zu imitieren. Die unter dem Namen “God save the Queen” auftretende Queen Revival Band macht genau das: Mit einem Sänger, der sich exakt wie sein großes Vorbild kleidet, stehen sie als professionelle Coverband auf den großen Bühnen des Landes. Ein paar optische Unterschiede mögen dabei zwar auffallen, doch die große stimmliche Ähnlichkeit mit Freddie Mercury fällt umso mehr auf.

Wenn Frontmann Harry Rose zu Singen beginnt, muss man schon genauer hinschauen, ob hier nicht doch der legendäre Freddie Mercury von den Toten auferstanden ist. Denn würde das Publikum die Augen schließen, wären die beiden Sänger akustisch vermutlich nicht mehr voneinander zu unterscheiden. Den ersten Song beherrscht Rose schließlich genauso gut, wie die darauffolgenden: “God save the Queen” beginnt den Abend mit einem echten Kult-Klassiker und lässt die Erinnerungen an den Sci-Fi-Trash wieder aufleben. Die Titelmelodie zum Science-Fiction-Film “Flash Gordon” ertönt und wir sehen vor unserem inneren Auge regelrecht Sam J. Jones auf seinem Raketoped durch das All düsen. Vielleicht schon eines der größten Highlights für Filmliebhaber an diesem Abend.

Neben den richtig großen Hits der Band, beherrscht “God save the Queen” aber auch die schwierigeren Stücke. So manche Solonummer von Freddie Mercury darf dabei ebenso performt werden, bevor sich Harry Rose später sogar persönlich ans Klavier setzt, um es seinem großen Vorbild gleich zu tun. Die Fans, zum Teil auch im etwas höheren Alter, lieben den Auftritt, denn die Klassiker von “Queen” können sie praktisch im Schlaf mitsingen. Deswegen ist der Auftritt am 25. September 2020 auch schon das zweite von drei Konzerten beim Strandkorb Open Air. Keine andere Band, die vor rund 1000 Zuschauern unter Corona-Bedingungen spielte, hatte so viele Tickets verkauft, dass sie gleich zwei Zusatzkonzerte gab, die sich ebenfalls hervorragend verkauften. Das gelang nicht einmal Größen wie Schandmaul oder Peter Heppner.

Die richtigen Songs zum Mitfeiern durften dann natürlich auch nicht fehlen. Wenn das legendäre “We will rock you” ertönt und das Publikum liebendgern mitstampft, ist man doch plötzlich froh, vor den Strandkörben stehen und sich zur Musik bewegen zu dürfen, während auf den meisten anderen Veranstaltungen wegen Corona noch Tanzverbot herrscht. Da wird auch der immer wieder einsetzende Regen bei recht kühlen Temperaturen an diesem Abend rigoros ignoriert. Selbst dann, wenn es einmal ruhiger zu geht und “Bohemian Rhapsody” auch die Fans der großartigen gleichnamigem Filmbiografie begeistert. So mancher davon hat sogar gleich Tickets für mehrere Konzerte gekauft. Am Tag der deutschen Einheit, dem 3. Oktober 2020 geht es nämlich gleich weiter: Dann kommen “God save the Queen” zu ihrer zweiten Zusatzshow in den Sparkassenpark Mönchengladbach und heizen noch einmal das Publikum ein, bevor das Strandkorb Open Air sich seinem Ende neigt.

Die nächsten Termine beim Strandkorb Open Air:

2.10.2020 Brings
3.10.2020 God save the Queen – 2. Zusatzshow
4.10.2020 Höhner – Classic
7.11.2020 Seelöwe-Sitzung

Tickets gibt es unter sparkassenpark.de

God save the Queen beim Strandkorb Open Air


30
Sep

Dokomi: Das Experiment Großveranstaltung während der Corona-Pandemie

Dokomi 2020

Seit Anfang des Jahres beschäftigt das Coronavirus die Welt. Strenge Maßnahmen wurden ergriffen und Veranstaltungen dürfen nur noch unter besonderen Auflagen stattfinden. Genau deshalb wurden die meisten vor allem größeren Veranstaltungen abgesagt oder auf das kommende Jahr verschoben. Doch für Messeveranstaltungen gelten besondere Regeln: Hier dürfen weit mehr Besucher erscheinen als bei anderen Veranstaltungen, während das Gelände vergrößert und ein Hygienekonzept vorgelegt werden muss. Am 26. und 27. September 2020 hat es die aus dem Mai verlegte Anime- und Japan-Convention Dokomi gewagt. Rund 13.000 Besucher kamen in die Messe Düsseldorf, um in 5 Hallen die zahlreichen Cosplayer zu bestaunen, Anime-Merch einzukaufen und ein vielfältiges Bühnenprogramm zu erleben.

Beim ersten Anblick der extrem langen Warteschlange am Samstag hätte sich so manch Unwissender bereits verwundert fragen können: “Das wurde wirklich erlaubt?”. Die Schlange der tausenden Besucher war dabei mehr als einen halben Kilometer lang, Abstände wurden nicht immer eingehalten – doch die Infektionsgefahr ist im Freien ja bekanntlich etwas geringer als drinnen. Umso besser gelang das Konzept allerdings im Innern der Hallen: Besonders breite Gänge sorgten dafür, dass die Besucher ausreichend Abstand halten konnten, 100 Security-Mitarbeiter kontrollierten die Maskenpflicht und Desinfektionsmittel, das auch am Abend der Veranstaltung noch zur Verfügung stand, stand an jeder Ecke bereit. Und das wurde von den überwiegend jungen Besuchern im Alter von 15 bis 30 Jahren, die sich auf dem Messegelände dann vorbildlich an die Maskenpflicht hielten, auch großzügig genutzt.

Ansonsten allerdings hielten sich die Einschränkungen in Grenzen, sodass eine solche Veranstaltung entgegen den Befürchtungen vieler Besucher dann doch eine ganze Menge Spaß machen konnte: Trotz Abstand konnten sich die Besucher auf dem Gelände frei bewegen, gemütlich die Stände der Händler und Zeichner durchstöbern, Fotos von den Cosplayern machen und mit jeweils einem Meter Abstand das Programm der “Black Stage” genannten Hauptbühne genießen. Für die jungen Besucher, die bereits seit März auf “Convention-Entzug” sind, war das ein geradezu befreiendes Erlebnis: Endlich wieder Freunde und Gleichgesinnte treffen und ein wenig Normalität erleben. Eine aufregende Abwechslung im von Corona-Regeln bestimmten Alltag.

Dokomi 2020

Ein paar Nachteile durch die Corona-Pandemie gab es dann allerdings doch: Die Ehrengäste aus Japan konnten auf Grund der bestehenden Reisebeschränkungen leider nicht zur Dokomi kommen, wodurch der ein oder andere Programmpunkt dann doch wegfiel. Dafür präsentierte die Convention allerdings ein abwechslungsreiches Programm, das “von Fans für Fans” gestaltet wird. Deutsche Fan-Coverbands wie Endgegner oder Haru Kiss performten auf der Bühne schließlich die bekanntesten Anime-Hits, beim DanceOff Contest konnten Tänzer und Tänzerinnen ihr Können zu J- und K-Pop-Musik unter Beweis stellen und auch die besten Kostüme der Veranstaltung wurden schließlich am Sonntag Nachmittag vor großem Publikum prämiert.

Generell ist die Dokomi, die sich in den vergangenen Jahren von einer überschaubaren Veranstaltung im Kongresszentrum Süd zu einer riesigen Messe-Convention entwickelt hat, eine Convention, die auf prominente Stargäste eher verzichtet und stattdessen zum “Mitmachen” einlädt. Ob Hobby-Zeichner, die ihre Eigenkreationen in der Künstler-Area verkaufen oder Workshops, bei denen die Besucher K-Pop-Tanzschritte oder die Zubereitung japanischer Speisen erlernen konnten – die Dokomi ist eine interaktive Veranstaltung, bei der die Besucher immer wieder aktiv mit eingebunden werden. Natürlich immer mit dem aktuell notwendigen Abstand und – unter diesen besonderen Voraussetzungen – mit einem überraschend gut funktionierenden Konzept. Das Experiment Großveranstaltung während der Corona-Pandemie ist damit geglückt und könnte womöglich die Tore für weitere Events dieser Art öffnen.


25
Sep

Schandmaul: Mittelalterlicher Rock beim Strandkorb Open Air

Schandmaul beim Strandkorb Open Air

Ein Stadionkonzert ist für die Mittelalter-Rockband “Schandmaul”, die für gewöhnlich vor wenigen tausend Zuschauern spielt, schon recht ungewöhnlich. Doch Corona macht es möglich, denn zum Strandkorb Open Air im Sparkassenpark Mönchengladbach dürfen nur rund 950 Leute kommen – inklusive entsprechender Abstände natürlich. In einem solch besonderen Jahr kam es dann dazu, dass der Auftritt am 24. September 2020 überraschenderweise auch schon das zweite Stadionkonzert für die Band war, denn das ausverkaufte erste Konzert bekam noch eine Zusatzshow. Genau genommen sogar erst das zweite Konzert überhaupt, das Schandmaul in diesem Jahr spielte. Und bis Weihnachten sollen auch nur noch zwei weitere folgen. Die langjährigen Fans, teils sogar mit offiziellen “Schandmaul”-Masken gekleidet, kamen daher von überall her, um ihre Lieblingsband zu bewundern.

Für die wenigen, die gleich beide Konzerte beim Strandkorb Open Air mitgemacht haben, hatte Schandmaul außerdem ein kleines Special zu bieten: Zwei neue Songs, die die Band noch nie zuvor live gespielt hatten, wurden bei der Zusatzshow am 24.9. erstmals vor dem begeisterten Publikum gespielt. Dabei ging es musikalisch recht kreativ zu: Obwohl Schandmaul für eine mittelalterliche Band oftmals recht rockig und modern daher kommt, spielen traditionelle mittelalterliche Instrumente eine recht große Rolle. Die Drehleier muss da schließlich genauso gespielt werden, wie Flöten und eine Schäferpfeife, die optisch an einen Dudelsack erinnert. Als 6-köpfige Band sind Schandmaul echte Multitalente, die eine enorme Vielfalt an Instrumenten beherrschen.

Das Publikum dankte der Band mit ausgelassener Stimmung: Während dem gesamten Konzert standen alle Zuschauer vor ihren Strandkörben und feierten zu den rockigen Mittelalter-Songs. Selbst dann, als plötzlich der Regen einsetzte – denn normalerweise sind die Fans schließlich dichtes Gedränge bei noch schlechteren Witterungsbedingungen auf Festivals gewohnt. Für manchen Song war das Strandkorb Open Air mit seinen notwendigen Hygienemaßnahmen und Abständen natürlich nicht das optimale Ambiente, um richtig ausgelassen zu feiern. Das stellte auch Frontmann Thomas Lindner fest, der hier aber “keine Revolution starten” wollte, denn “das sei ja unsinnig”. Stattdessen sollte das Publikum vor ihren Strandkörben so richtig Gas geben, als sie ihren Kracher “Walpurgisnacht” spielten – was dieses dann auch prompt tat.

Schandmaul beim Strandkorb Open Air

Mit ähnlichen Powersongs ging es dann auch über die knapp zwei Stunden weiter, bis die Band in der Zugabe dann doch anmerkte: “Auf jedem Konzert muss es wenigstens eine Schnulze geben”. Mit “Dein Anblick” wurde es dann auf einmal so richtig romantisch und das Publikum wurde aufgefordert, die Performance mit ihren leuchtenden “Wischfernsehern”, die als moderne Alternative zum Feuerzeug dienen, zu unterstützen. So gelingt es Schandmaul selbst aus einem Corona-Konzept eine optisch eindrucksvolle Menschenmenge zu zaubern. Doch auf die Gegebenheiten einzugehen, fällt dem Sänger ohnehin leicht: Die Einteilung der Besucherzonen in “Inseln” war schließlich auch der perfekte Aufhänger, um das Publikum die Hände in die Höhe strecken zu lassen. “Seid jetzt mal das Meer” reichte aus, um die Menge im Takt zur Musik winken zu lassen.

Richtig Spaß hatten an diesem Abend auch die Gewinner unserer Ticket-Verlosung auf Facebook, die extra für das Konzert aus der Nähe von Hamburg angereist waren und uns berichteten, sie hätten sogar auf ihrer Hochzeit bereits zu Schandmaul getanzt. Besonders gefallen hat ihnen, die Band endlich wieder live gesehen zu haben. “Das ist natürlich ungewohnt, ich erlebe Konzerte sonst immer mittendrin. So hatte man mehr Platz und so gehen Live-Konzerte in der Corona-Pandemie”, sagte Gewinner Philipp K. im Anschluss an das Konzert, bevor sie sich auf ihren rund 4-stündigen Heimweg machten. Den durften sie zum Glück mit einem Ohrwurm antreten, denn Schandmaul spielten zum Abschluss nochmal einen ihrer bekanntesten Hits, den die Besucher problemlos mitsingen konnten.

Die nächsten Termine beim Strandkorb Open Air:

26.9.2020 Kasalla
27.9.2020 Amigos
30.9.2020 Die Pochers hier!
2.10.2020 Brings
3.10.2020 God save the Queen
4.10.2020 Höhner – Classic
7.11.2020 Seelöwe-Sitzung

Tickets gibt es unter sparkassenpark.de


18
Sep

Strandkorb Open Air: Eine Reise in die elektronische Vielfalt mit Peter Heppner

Peter Heppner beim Strandkorb Open Air

Er war die Stimme von Wolfsheim. In der elektronischen Musikszene erlangte er an der Seite von Schiller und Paul van Dyk Berühmtheit. Seine Single “Die Flut” wurde einst mit Platin ausgezeichnet und sogar den Echo gewann er mit der “besten Dance Single”. Und selbst mit Goethes Erben und Nena hat er bereits zusammengearbeitet. Die musikalische Laufbahn von Peter Hepper ist vielfältig. Doch geprägt ist sie vor allem von einem: Seiner unverwechselbaren, harmonischen Gesangsstimme, mit der er am 17.9.2020 auch das Publikum beim Strandkorb Open Air im Sparkassenpark Mönchengladbach begeisterte. Unter normalen Umständen wäre Peter Heppner nämlich gar nicht da gewesen: Am Tag seines Auftritts in Mönchengladbach sollte eigentlich seine Akustik-Tour in Hannover starten, doch alle Auftritte wurden wegen Corona ins kommende Jahr verschoben. So manch ein Zuschauer kam deshalb sogar von weit her, selbst der Fanclub hatte sich Plätze in der ersten Reihe gesichert.

Peter Heppner aber lässt sich von der ungewohnten Umgebung nicht aus der Ruhe bringen: Routiniert und mit melodischen elektronischen Klängen ging es daher, wenn er seine größten Songs präsentierte. Songs, die zum Entspannen und Genießen einluden – und zum Kuscheln. Perfekt für die Strandkörbe, die ausschließlich mit zwei Sitzplätzen gebucht werden können und daher häufig von Paaren besetzt werden. Kuscheln aber war für manche Besucher auch nötig, als im Laufe des Abends die Temperaturen auf unter 20 Grad sanken. Selbst Peter Heppner, der im Pullover auf der Bühne stand, merkte mehr als einmal an, dass es doch unerwartet kalt sei.

Ein Grund, warum sich Peter Heppner zwischen den Songs kurz hielt. Der Künstler ist kein Mann der großen gesprochenen Worte, er lässt lieber seine Musik für sich sprechen. Keine Corona-Statements, keine politischen Aussagen und auch nicht viel Smalltalk mit den Zuhörern. Erfrischend in einer Zeit, in der es sich die meisten Musiker nicht nehmen lassen, ihren Unmut über die Corona-Situation kund zu tun. Doch nicht so Peter Heppner, der sich auf ein gelegentliches “Danke” für den Applaus beschränkt und dann auch schon den nächsten Song anstimmt. Sogar bei der Zugabe nimmt er die Abkürzung und fordert das Publikum auf, doch einfach “Zugabe” zu rufen, statt zuvor von der Bühne zu verschwinden. Bei den niedrigen Temperaturen wollte er seine Zuschauer einfach nicht warten lassen und lieber Non-Stop-Gesang präsentieren.

Nur eine einzige Besonderheit an diesem Abend lässt ihn dann doch für einen kurzen Moment die musikalische Routine pausieren: Keyboarder Dirk Riegner hatte schließlich Geburtstag und ein kleines Ständchen von Peter Heppner darf da natürlich nicht fehlen. Sogar der Fanclub wusste Bescheid und stand in der ersten Reihe mit einem Transparent, das Glückwünsche für den Keyboarder bereithält. Zur Belohnung gab es dann noch ein paar weitere seiner bekanntesten Hits.

Die nächsten Termine beim Strandkorb Open Air:

18.9.2020 Metfest
19.9.2020 Mia Julia
20.9.2020 Tom Gaebel
20.9.2020 Giovanni Zarrella
21.9.2020 Jinjer
23.9.2020 Booster
24.9.2020 Schandmaul
26.9.2020 Kasalla
27.9.2020 Amigos
30.9.2020 Die Pochers hier!

Tickets gibt es unter sparkassenpark.de

Peter Heppner beim Strandkorb Open Air


17
Sep

Dritte Wahl: Punk-Rock beim Strandkorb Open Air

Dritte Wahl beim Strandkorb Open Air

Es ist ein gewagtes Unterfangen. Wenn Punk-Fans sich auf einem Konzert treffen, dann geht es dabei nämlich normalerweise recht ruppig zu. Geschubst und geschlagen wird da, zum Pogo getanzt und vor allem gehört intensiver Körperkontakt zur Tagesordnung. Den allerdings kann es in Corona-Zeiten und mit Hygienekonzept nicht geben, denn Abstand muss gehalten werden. Der Sparkassenpark Mönchengladbach hat es trotzdem gewagt und die Rostocker Punkrock-Band “Dritte Wahl” am 16.9.2020 zu einem Auftritt vor Strandkörben eingeladen. Ein bisschen was fehlte dann doch, wenn sich das Publikum nicht gegenseitig anrempeln darf und brav bei seinem Strandkorb bleiben muss. Immerhin: In seinem Korb saß niemand, über die komplette Länge des Konzertes wurde gestanden. Alles andere würde ja schließlich überhaupt nicht zum Punk passen. Vielleicht war das aber auch der Grund, wieso “Dritte Wahl” vor teils leeren Strandkörben spielen mussten: Nur geschätzt zwei Drittel der rund 1000 Tickets wurden verkauft, gekommen sind vor allem die eingefleischten Fans der Band.

Für die allerdings war die Punkband so gar keine “Dritte Wahl”, sondern offenbar viel mehr die Erste: Oftmals als “Die Toten Hosen des Ostens” bezeichnet, lieferten die einen Mix aus eingängigen Songs, akustischer Experimente und natürlich auch eine gewisse Portion Politik – das gehört zum Punk, der traditionell links ist, natürlich dazu. Und so gab es harsche Kritik am Krisenmanagement der Regierung, die laut Frontmann Gunnar Schroeder nur Glück im Unglück hatte: “Die Regierung hatte einfach nicht genug Zeit, das Gesundheitssystem herunterzuwirtschaften. In zehn Jahren hätte die Pandemie das Land viel schlimmer getroffen.” An rechten Verschwörungstheorien wollte sich die Band aber trotzdem nicht orientieren: “Dass Bill Gates kleine Kinder aussaugt, das glaube ich übrigens auch nicht”, so Schröder.

Woran die Band stattdessen glaubt, das dürfte offensichtlich der im Punk obligatorische Anarchismus sein, das Prinzip des “Gegen das System”. Denn damit hat eine Band, die ihre Anfänge bereits in der DDR hatte und auch dort schon das Regime kritisierte, schließlich mehr als genug Erfahrung. In Songs wie “Bad K”, der mutmaßlich vom Tod des RAF Terroristen Wolfgang Grams in der mecklenburg-vorpommerischen Stadt Bad Kleinen handelt, wird das schnell deutlich. Die Fans kennen den Song natürlich längst auswendig und gröhlen zu den treibenden Gitarrenriffs liebendgern mit. Etwas überraschender kommen da die anderen Instrumente, mit denen “Dritte Wahl” ihr Können und ihre Vielfalt unter Beweis stellt. So kommt am Abend sogar eine Trompete zum Einsatz, die den typischen Punk-Sound fast ein bisschen mit “Seeed”-Klängen kombiniert und richtig ausgefallen wird es später mit einem “Applausometer” und dem Einsatz des Bassisten als “Plattenspieler-Spieler”.

Schon um 21:20 Uhr sollte dann nach knapp 80 Minuten eigentlich Schluss sein – doch damit haben “Dritte Wahl” die Rechnung ohne ihre Fans gemacht. Gleich zwei Zugaben gaben die Rostocker und hängen noch glatt eine halbe Stunde hinten dran. Und selbst danach sind die Fans längst nicht in der Laune, nach Hause zu fahren: Mehrere Minuten nachdem die Band bereits die Bühne verlassen hat, singen die Besucher noch immer die Lyrics des 2006er Songs “Fliegen”, bei dem das Publikum eine solch große Textsicherheit besitzt, dass sie den Song beinahe selbst performen könnten. Für einen kurzen Abschied lässt sich “Dritte Wahl” dann doch nochmal auf der Bühne blicken und bedankte sich bei den Fans mit der Hoffnung im nächsten Jahr hoffentlich wieder ohne Abstand und mit Schubsen, Schlägen und gebrochenen Knöcheln spielen zu können, “so wie es sein soll” beim Punk.

Die nächsten Termine beim Strandkorb Open Air:

17.9.2020 Peter Heppner
18.9.2020 Metfest
19.9.2020 Mia Julia
20.9.2020 Tom Gaebel
20.9.2020 Giovanni Zarrella
21.9.2020 Jinjer
23.9.2020 Booster
24.9.2020 Schandmaul
26.9.2020 Kasalla
27.9.2020 Amigos

Tickets gibt es unter sparkassenpark.de

Dritte Wahl beim Strandkorb Open Air


10
Sep

Kommentar: Warum Alarmstufe Rot die Veranstaltungsbranche nicht retten wird

Alarmstufe Rot Demo Berlin

Ein Kommentar von Rene Daners, 9.9.2020.

Seit einigen Monaten macht die Aktion “Alarmstufe Rot”, ehemals “Night of Light” auf sich aufmerksam. Bereits am 22. Juni 2020 wurden tausende Gebäude der Veranstaltungsbranche in Deutschland rot beleuchtet, um darauf hinzuweisen, dass die Veranstaltungsbranche unter den aktuellen Corona-Maßnahmen leidet und eine Pleitewelle drohen würde. Inzwischen ist die Aktion gewachsen. In Berlin findet am heutigen 9. September 2020 eine Großdemonstration statt, bei der die Veranstalter bis zu 10.000 Teilnehmer erwarten. Der Großteil davon tatsächlich in der Veranstaltungsbranche tätig, mit einheitlichen roten Shirts gekleidet und natürlich die Maskenpflicht und Abstandsregeln einhaltend. Dort fordern sie finanzielle Hilfen vom Staat, um eine Pleitewelle in der Veranstaltungsbranche zu verhindern. Was sie jedoch ausdrücklich nicht fordern: Eine Beendigung oder zumindest Lockerung der Maßnahmen. Die finden die Veranstalter richtig und unterstützenswert.

Das ist zunächst einmal nachvollziehbar. Die Aktion “Alarmstufe Rot” möchte ernstgenommen werden und sich damit deutlich von sogenannten “Covidioten”, die Ende August auf der “Querdenken”-Demo in Berlin aufgetaucht sind, distanzieren. Das ist auch notwendig, um von den Medien nicht diffamiert und von der Politik angehört zu werden. Lobenswert auch, dass sich die Aktion deutlich von Reichsflaggen-Trägern, Verschwörungstheoretikern und Qanon-Gläubigern distanziert. Das Problem dabei ist allerdings: Damit die Veranstaltungsbranche tatsächlich überleben kann, ist eine Lockerung oder Rücknahme der Maßnahmen zwingend erforderlich. Die Aktion selbst gibt an, die Veranstaltungsbranche sei mit einem Umsatz von 130 Milliarden Euro der sechstgrößte Wirtschaftszweig Deutschlands. Nun nehmen wir einmal an, es gäbe einmalige staatliche Hilfen, wie sie etwa auch die Gastronomie und andere Branchen erhalten hat: Wie lange würde die Veranstaltungsbranche damit auskommen? Zwei Monate? Vielleicht drei? Wie viele Gelder müssten regelmäßig gezahlt werden, damit die Branche angesichts eines solchen Umsatzes tatsächlich dauerhaft überleben kann? Wohlgemerkt: Ein Ende der Maßnahmen ist bisher nicht in Sicht. Wann Großveranstaltungen wieder möglich sein werden, liegt in den Sternen. Und die deutsche Regierung ist aktuell regelmäßig in der Laune, das Verbot doch gleich nochmal mehrere Monate im Voraus zu verlängern. Sogar der Karneval im Februar 2021(!) soll möglicherweise ausfallen. Der Sommer aber ist praktisch vorüber und die unter Hygienemaßnahmen stattfindenden Open Air-Veranstaltungen wird es in wenigen Monaten nicht mehr geben können.

Demgegenüber stehen zahlreiche neue Erkenntnisse über das Coronavirus, die eine Lockerung der Maßnahmen ohne Zweifel möglich machen müssten. Die Großdemonstrationen der Maßnahmen-Gegner von “Querdenken” hatten, ebenso wie die “Black Lives Matter”-Demos mit vergleichbar hohen Teilnehmerzahlen, keine nachweisbaren Auswirkungen auf das Infektionsgeschehen. Das wissen wir spätestens seit Anfang August. Warum sind Open Air-Veranstaltungen aber immer noch nicht mit regulärer Besucherzahl möglich? Auch die neuesten Daten über die Gefährlichkeit des Virus geben keinen Anlass mehr zur Beunruhigung: Auf Grund einer wesentlich breiteren Teststrategie, die alle Bevölkerungsgruppen einschließt, stellen wir fest: Das Coronavirus bewirkt in etwa 80% der Fälle keinerlei Symptome, die Sterblichkeit ist nur noch geringfügig höher als bei der normalen Grippe. Gleichzeitig sinkt die Anzahl der Hospitalisierungen, obwohl die Infektionszahl in den vergangenen Wochen stieg. Am heutigen Tag sind gerade einmal 227 Intensivbetten bundesweit belegt, wie dem Intensivregister zu entnehmen ist. Am 31. August waren es noch 246, am 1. August noch 261. Wäre es nicht sinnvoller, die Maßnahmen daran zu orientieren, wie stark das Gesundheitssystem tatsächlich ausgelastet ist, statt sich auf tägliche Infektionszahlen zu konzentrieren, obwohl die Mehrheit der Infektionen ohnehin symptomfrei bleiben? Prof. Hendrik Streeck hatte Ähnliches erst vor kurzem in einem Interview bei Maischberger vorgeschlagen. Und zwischenzeitlich wurde sogar das letzte Argument für die Schärfe der aktuellen Maßnahmen, nämlich dauerhaft bleibende Langzeitfolgen durch das Coronavirus, durch Wissenschaftler widerlegt.

Aus meiner Sicht ist damit klar: Eine sachliche, wissenschaftlich fundierte und sinnvolle Debatte über die Maßnahmen und die damit verbundenen Verbote ist von Seiten der Veranstaltungsbranche also dringend notwendig. Warum Alarmstufe Rot aber dermaßen davor zurückschreckt, ist für mich nicht nachvollziehbar. Mit Zahlen des RKI, Argumenten von ernstzunehmenden Wissenschaftlern und einer Analyse der Entwicklungen der vergangenen Monate lässt sich eine solche Debatte führen, ohne sich dabei auch nur ansatzweise in die Nähe von Rechten, Verschwörungstheoretikern oder “Corona-Leugnern” zu begeben. Langfristig überleben wird die Veranstaltungsbranche jedenfalls nur, wenn sie ihrer Arbeit wieder im einigermaßen normalen Umfang nachgehen kann und Großveranstaltungen wieder erlaubt werden. Finanzhilfen sind allenfalls eine kurzfristige, jedoch in keinem Fall eine dauerhafte Lösung.