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Le Clou: Cajun-Musik aus Louisiana bringt Harmonie Bonn zum Feiern
Blacksad
Epiccon Münster: Japanische Tradition trifft westliche Popkultur

Archiv fürJanuar, 2020


28
Jan

Le Clou: Cajun-Musik aus Louisiana bringt Harmonie Bonn zum Feiern

Einmal im Jahr in der Harmonie Bonn muss dieser Auftritt einfach sein: Für die Cajun-Band “Le Clou” ist es eine Art Heimspiel, denn so manches Bandmitglied stammt aus der direkten Umgebung der Stadt. Vor 44 Jahren, im Jahre 1976 hat dort praktisch alles angefangen und heute ist die Band, die ihr Zuhause in den kleinen Clubs hat, eine feste Instanz in der ehemaligen Hauptstadt Bonn. Viele Fans sind ihr treu geblieben und schon seit Jahrzehnten mit dabei. Dementsprechend etwas höher dürfte das Durchschnittsalter des Publikums in Bonn gewesen sein. Kein Wunder, denn “Le Clou” spielt “altmodische Tanzmusik aus Louisiana”, wie Frontmann Johannes Epremian etwas selbstironisch die nachfolgenden zweieinhalb Stunden ankündigt. Dabei ist die Band selbst gar nicht so altmodisch, wie sie sich gerne gibt: Mit Neuzugang Steve Crawford, der vor etwa einem Jahr als Ersatz für den in den Ruhestand gegangenen Bandgründer Michel David hinzugekommen ist, hat sich “Le Clou” nämlich eigentlich eher verjüngt. Eine Folk-Stimme aus dem schottischen Aberdeen schließlich kann für frischen musikalischen Wind auf der Bühne sorgen.

Le Clou @ Harmonie Bonn 2020

Etwas ungewöhnlich mag das natürlich schon sein: “Le Clou” nämlich spielt keine schottischen Songs, sondern die Musik der französischen Einwanderer in den Bayous. Für Neulinge mag das ein bisschen wie Countrymusik mit französischen Texten klingen, wenn die Band mit Geige, Flöten, Akkordeon und sogar einem Waschbrett auf der Bühne steht und die Menge einheizt. Und mit “Jambalaya” findet sich immerhin auch ein Coversong des früh verstorbenen Countrymusikers Hank Williams auf der Setlist von “Le Clou”. Natürlich ein bisschen aufgepeppt mit flotteren Rhythmen und fetzigeren Sounds. Das weiß das Publikum in der Harmonie Bonn zu schätzen: Je schneller die Songs werden, desto größer auch die Stimmung bei den eingefleischten Fans der Cajun-Band – und so mancher konnte sich nicht mehr davon abhalten, das Tanzbein zu schwingen. Da ist dann auch schnell vergessen, dass der Vorverkauf – sicherlich dem Donnerstag geschuldet – ein wenig schleppender lief, als man das bei ihren Konzertauftritten in Bonn gewohnt ist.

Eigentlich sollte das “Heimspiel” in Bonn ja ursprünglich sogar ein besonderes Konzert werden. Über drei Jahre ist es immerhin schon her, dass “Le Clou” – damals noch in alter Besetzung – ihr letztes Album veröffentlicht hat und für gewöhnlich bietet sich das Konzert in der Harmonie Bonn immer auch als Releaseparty einer neuen CD an. Doch, was die Produktion eines Albums betrifft, da ist die Band nach eigener Aussage “etwas langsam”. Aber wir wissen alle: Gut Ding will Weile haben – und so soll das erste Album mit Johannes Epremian als Frontmann und Steve Crawford als erstes schottisches Bandmitglied wohl dieses Jahr noch in den Startlöchern stehen. Fleißig waren die Musiker von “Le Clou” aber in der Zwischenzeit trotzdem: Johannes Epremian hat erst im Oktober sein erstes Solo-Album veröffentlicht, auf dem er minimalistisch als Sänger mit Geige zu hören ist. Natürlich stilecht aufgenommen in Louisiana – wo sonst. Und Steve Crawford vertreibt sich seine Zeit unterdessen durch gemeinsame Duett-Auftritte mit der Irish Folk-Musikerin und Geigerin Sabrina Palm.

Le Clou @ Harmonie Bonn 2020

Da war es natürlich naheliegend, eine solch ungewöhnliche Konstellation gleich im April ebenfalls in der Harmonie Bonn anzubieten: Beim “Fiddle Festival” am 26. April 2020 gibt es nicht nur die Gelegenheit, den minimalistischen Solo-Cajun-Sound von Johannes Epremian live zu erleben, sondern auch Steve Crawford und Sabrina Palm geben sich die Ehre, selbst mit ihrer Musik vertreten zu sein. Als Extra gibt es obendrein Joon Laukamp auf die Ohren, der mit amerikanischer Bluegrass-Musik noch ein bisschen mehr Abwechslung in den Festival-Abend bringt. Ein Abend, an dem das Publikum erleben kann, welch spannende verschiedene Musikrichtungen allein mit einer Geige und etwas Gesang umgesetzt werden können.


17
Jan

Blacksad

New York in den 50iger Jahren: Der Besitzer eines Boxklubs, Joe Dunn, wird eines Tages in seinem eigenen Ring tot aufgefunden. Sein bester Kämpfer Bobby Yale, der zudem die größte Hoffnung für die finanzielle Lage des Klubs war und eigentlich kurz vor dem wichtigsten Kampf seiner Karriere stand, ist außerdem unter mysteriösen Umständen verschwunden. Sofia Dunn, die Tochter des verstorbenen Besitzers, die fortan die Leitung des Klubs übernehmen muss, heuert den Privatdetektiv John Blacksad an, um dem Verschwinden ihres aufsteigenden Stars auf den Grund zu gehen. Dumm nur, dass Blacksad damit tief in die dunkelsten Abgründe der New Yorker Unterwelt eindringen muss, um dem Geheimnis um Bobby Yale auf die Schliche zu kommen. Und auch an dem Tod von Joe Dunn scheint so einiges faul zu sein…

Blacksad

Kritik:
Spieleumsetzungen zu interessanten Comics sind schon seit vielen Jahren keine Seltenheit mehr. Manchmal allerdings sind einige Comics nicht weltbekannt, sondern genießen eine gewisse Popularität eher in einzelnen Regionen. So auch „Blacksad“: Die gleichnamigen Comics spielten auf dem deutschen Markt bisher keine allzu große Rolle, in Frankfreich hingegen sind die Geschichten der beiden Spanier Juan Diaz Canales und Juanjo Guarnido kaum mehr aus den Regalen wegzudenken. Und mit dem gleichnamigen Spiel, bietet sich auch hiesigen Comic-Interessierten die Möglichkeit, einmal in diese ungewöhnliche Geschichte einzusteigen.

Vom Comic zum Spiel
Das Krimi-Adventure rund um Privatdetektiv John Blacksad orientiert sich nämlich so nah wie nur möglich an den originalen Vorlagen. Das fängt schon bei den Figuren an: Jegliche Charaktere dieses Spiels bestehen nämlich aus anthropomorphen Figuren, also Personen, die zwar einen menschlichen Körper haben, jedoch über tierische Eigenschaften vor allem im Gesicht verfügen. In der Hauptrolle spielen wir daher einen stämmigen schwarzen Kater, der die Klischees des Tieres bestens erfüllt: Mit einer gesteigerten Aufmerksamkeit, sowie ausgeprägten Sinnesorganen ist er bestens in der Lage, die Rolle eines Privatdetektivs zu übernehmen und sich an diversen Tatorten auf Spurensuche zu begeben.

Klischees mit Tieren
Doch auch bei praktisch allen Nebencharakteren unterstützt das tierische Erscheinungsbild die klassischen Charaktereigenschaften: Dazu gehört ein treuer und ehrlicher Polizist in Form eines Hundes ebenso, wie vermeintliche Bösewichte, die etwa als Wolf oder Echse in Erscheinung treten. Zum Glück muss man an dieser Stelle allerdings sagen, dass nicht alle Figuren in „Blacksad“ so schwarz-weiß sind, wie sie auf den ersten Blick den Anschein machen und so mancher Charakter im Laufe der Geschichte durchaus für ein paar Überraschungen gut ist. Einen gewissen Niedlichkeitsfaktor haben die Tiere, die zum Teil auch in die Rolle der Gangster schlüpfen aber allemal. Insgesamt möchte man sich über die hohe Altersfreigabe ab 16 Jahren angesichts dieser Darstellung dann sogar wundern.

Blacksad

Das kleine “LA Noire”
Vielleicht liegt es aber schlicht an der Tatsache, dass sich „Blacksad“ am klassischen Film noir orientiert und uns eine Krimigeschichte erzählt, die eine Gesellschaft der 50iger Jahre eher von der dunklen Seite zeigt. Mit einem Setting, das nämlich durchaus an herausragende AAA-Titel wie „LA Noire“ erinnert, kommt die dazu passende Atmosphäre nämlich recht schnell auf. Und während wir nach und nach darüber rätseln dürfen, was wohl hinter dem Verschwinden des Boxers stecken mag, lässt uns „Blacksad“ in typischer Sherlock Holmes-Manier auf Spurensuche gehen: An den Tatorten müssen wir die Räumlichkeiten nach wichtigen Gegenständen absuchen, unsere Gesprächspartner können wir beschnüffeln und genauer unter die Lupe nehmen, um ihre wahren Absichten zu erkennen und in unserer Notizwolke dürfen wir anschließend verschiedene Beobachtungen kombinieren, um zu neuen interessanten Erkenntnissen zu gelangen.

Auf den Spuren von Telltale
Insgesamt mag dieser spielerische Aspekt aber lediglich etwa die Hälfte des Spiels ausmachen. Zu einem ebenso großen Anteil beschäftigen wir uns nämlich mit Dialogen und müssen durch geschickte Antworten sinnvolle Entscheidungen treffen. Manche davon haben durchaus Einfluss auf den Spielverlauf und vor allem auf unseren Eindruck, den wir bei anderen Figuren hinterlassen, andere führen hingegen kurzerhand zum Spielende, sodass wir den Dialog erneut absolvieren müssen. Und wenn uns das Glück einmal verlässt, kann es sogar durchaus passieren, dass wir in Form von Quick-Time-Events gegen einen Gesprächspartner kämpfen und im richtigen Moment die dafür notwendigen Tasten drücken müssen.

Moment Mal: Tierische Charaktere, Quick-Time-Events und Dialoge mit Entscheidungen – das kommt uns doch irgendwie bekannt vor? Tatsächlich kann man bei „Blacksad“ sicherlich eine große Ähnlichkeit zu den alten Adventure-Games von Telltale erkennen. Und man muss schon zugeben, dass die spannende Krimigeschichte vor allem eine interessante Alternative für Fans von „The Wolf Among Us“ ist, die einfach keine Geduld mehr haben, auf den zweiten Teil zu warten, dessen Erscheinungstermin nach wie vor in den Sternen steht. Hinsichtlich des linearen Handlungsablaufs, der viele Entscheidungen doch eher vortäuscht, statt echten Einfluss auf das Spiel zu nehmen, unterscheiden sich die beiden Spiele jedenfalls eher marginal – auch wenn man sich statt auf Fantasy eher auf eine recht klassische Kriminalgeschichte konzentriert.

Blacksad

Technische Mängel trotz linearer Erzählung
Erscheckend ist angesichts dieser zum Teil streng linear gehaltenen Story allerdings der technische Zustand des Spiels. Während unseres Tests sind uns immer wieder diverse Probleme aufgefallen, bei denen John Blacksad sich etwa weigert, auf jegliche Eingaben zu reagieren – vor allem dann, wenn wir einen der vielen Sticker, die in „Blacksad“ sammelbar sind, in unser Sammelalbum geklebt haben. Dieser Bug war dann dermaßen fatal, dass ein Laden des vorherigen Spielstandes nicht ausreichte und das gesamte Spiel neu gestartet werden musste, um die Geschichte fortsetzen zu können. An anderer Stelle wiederum verschluckte die Sprachausgabe vereinzelt Wörter oder unsere Spielfigur weigerte sich etwa, Treppen hinauf oder hinab zu steigen. Da es sich obendrein auch nicht um ein Open-World-Spiel handelt, sondern die Schauplätze insgesamt stark begrenzt sind, lassen sich derartige Fehler kaum rechtfertigen.

Fazit:
Spannende Alternative für Fans von „The Wolf Among Us“: Mit „Blacksad“ werden wir in eine atmosphärische 50iger Jahre Welt des Film noir entführt, in dem tierische Charaktere dem Verschwinden eines Boxers und einem Mord auf die Schliche kommen. Damit bekommen wir eine fesselnde Krimigeschichte geboten, die jedoch leider einige technische Patzer mitbringt.

Blacksad Wertung


10
Jan

Epiccon Münster: Japanische Tradition trifft westliche Popkultur

Wer schon einmal den Japantag in Düsseldorf besucht hat, der weiß nur zu gut: Wenn es um westliche Popkultur und japanische Einflüsse geht, sind die Interessenüberschneidungen ziemlich groß. Zahlreiche vor allem junge Leute interessieren sich sowohl für die neusten Video- und Brettspiele, schauen begeistert die Fantasy- und Sci-Fi-Produktionen aus Amerika und haben trotzdem ein großes Interesse an der japanischen Kultur – von Musik bis hin zu Animeserien. Dass es auf Conventions deshalb keine Seltenheit ist, dass zahlreiche Besucher in selbstgemachte Cosplays schlüpfen, kommt daher nicht von ungefähr. Für die EpicCon, die am 8. und 9. Februar 2020 in Münster stattfindet, war es deshalb nur naheliegend, eine Convention durchzuführen, die beide Seiten miteinander vereint.

Epiccon

Und genau das soll dann auch am Programm und den Themenbereichen der beiden Tage sichtbar werden: In der Gaming Area haben die Besucher dabei die Möglichkeit, viele spannende neue PC- und Videospiele kostenlos anzuspielen, die von amerikanischen und europäischen Publishern vorgestellt werden. Auch der Brettspielbereich kommt dabei nicht zu kurz und hat zahlreiche Verlage zu Gast, die ihre neuesten Werke vorstellen. Doch wer hatte auf einer solchen Veranstaltung nicht immer schon einmal Lust dazu, interessante japanische Spezialitäten wie die leckeren Okonomiyaki zu probieren, oder die aus gefüllten Reisbällchen bestehenden Mochis zu testen, die in Japan aktuell der größte Trend in den Bäckereien ist? Doch auch gesunde und traditionelle Gerichte, wie etwa die typische japanische Nudelsuppe Ramen soll auf dem Event nicht fehlen. Für die passende Musikuntermalung sorgt dann unter anderem Su Bunjamin, die mit einer Tsugaru Shamisen, einer dreisaitigen japanischen Laute die Besucher in die traditionelle japanische Musik einführt. Und für alle, die es etwas moderner mögen, gibt es dann peppigen K-Pop diverser Coverbands.

Wem das noch nicht ausreicht, der bekommt obendrein das übliche Convention-Programmangebot zu sehen: Von der Artist Valley, in der talentierte Nachwuchs-Künstler live zeichnen und ihre neuesten Werke verkaufen bis hin zu diversen Merchandise-Ständen, an denen die Besucher ihre Sammlung aus Pop-Figuren erweitern können, wird hier alles geboten, was das Nerd-Herz begehrt. Spannend kann es allerdings auch in den Panels und Workshops vor allem für jene werden, die sich auch einmal an einem Cosplay versuchen möchten und planen, ihr erstes eigenes Kostüm selbst zu machen. In umfangreichen Workshops zeigen bekannte Cosplayer mit langjähriger Erfahrung, was Neulinge für den Einstieg brauchen und wie sie mit ihrem eigenen Kostüm am besten starten können. Dabei wird unter anderem sowohl auf das Thema Crossplay, also einer Art Travestiekunst des Cosplays, bei der Cosplayer von einer Frau zum Mann werden und umgekehrt eingegangen und auch Neueinsteiger über 40 bekommen wichtige Tipps, welche Charaktere für sie womöglich geeignet sind.

Epiccon