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Kritik: King Ping


Kritik: King Ping
Originaltitel:
King Ping
Land/Jahr:
D 2013
Genre:
Krimikomödie
Regie:
Claude Giffel
Darsteller:
Sierk Radzei
Christoph Maria Herbst
Godehard Giese
Hans-Martin Stier
Bela B.
Jana Voosen
FSK:
ab 12 Jahren
Dauer:
103 Minuten
Kinostart:
31. Oktober 2013
Label:
Rex Film
Webseite:

Im Leben des ehemaligen Polizisten Clemens Frowein läuft nicht immer alles nach Plan. Seit seiner Suspendierung bei der Polizei und seinen abgelieferten Sozialstunden arbeitet der nämlich als Pinguinpfleger im Wuppertaler Zoo und feiert in seiner Freizeit ausgefallene Partys mit den ehemaligen Kollegen im Hinterzimmer des Szeneladens „Biggi Baby“. Eigentlich könnte es seinetwegen nun immer so weiter gehen, hat er sich mit seinem Leben und seinem neuen Beruf schließlich längst angefreundet – wäre da nicht der pensionierte Ex-Kollege Ahaus, der nach einer seiner Feiern prompt mit einem Genickbruch auf einer Treppe aufgefunden wird. Für Clemens steht fest: Hier kann es sich nicht um einen einfachen Sturz eines betrunkenen Mannes handeln, sondern ein Mord muss hinter dem schrecklichen Ereignis stecken. Entgegen den Willen seiner Nachfolger bei der Polizei hängt der sich also schleunigst in den Fall hinein und findet sich schon bald in den Fängen einer mysteriösen Sekte wieder…

Kritik:
Die bergische Stadt Wuppertal gehört zwar mitunter nicht zu den schönsten Städten unseres Landes, dafür aber zu einer der bekannteste in der ganzen Bundesrepublik. Insbesondere die berühmte Schwebebahn dürfte überall bekannt sein und die meisten ihrer Bewohner hängen doch an der geliebten Heimat. Für den gebürtigen Wuppertaler Christoph Maria Herbst war das natürlich Grund genug, auch in einem Streifen mitzuspielen, der ausschließlich in seiner Heimatstadt gedreht wurde. Darauf ergibt sich ein interessanter Blick auf die Stadt an der Wupper.

Die Stadt der Treppen
Da mögen sicherlich so manche Menschen sagen, „dieses Elend will doch niemand sehen“. Die meisten Einwohner des Bundeslandes NRW wissen da vermutlich, wovon wir sprechen. In Wuppertal ist eben nichts so richtig hübsch: Die Straßen sind grau, die Bahnen beschmiert und den Jugendlichen an manchem Bahnhof, möchte man abends im Dunkeln vielleicht nicht unbedingt alleine begegnen. Trotzdem hat Wuppertal bereits viele Namen erhalten: Scherzhaft heißt es da in „King Ping“, Wuppertal sei die „Stadt der 80 Sekten“. Ein Gang durch den Bahnhof auf dem Weg zur Weltpremiere ließ anhand diverser „Christ Science“-Plakate bereits erahnen, dass da wohl irgendwie etwas dran sein muss. So oder so, ist Wuppertal aber für seine rund fünfhundert Treppen bekannt, wodurch die Stadt zu einer jener Städte mit den meisten Treppen unseres Landes wird. Darauf spielt auch der Titel an: „Tippen Tappen Tödchen“ handelt schließlich von Mordfällen auf dem „Tippen-Tappen-Tönchen“ – einer Treppe in Wuppertal-Elberfeld. Da wird schon klar: Die Macher des Films kennen nicht nur viele lokale Besonderheiten, sondern nehmen diese auch unterschwellig auf die Schippe. Für Einheimische ist das sicherlich eine Genialität, ja beinahe ein Liebesbeweis an ihre Heimatstadt, der Rest der Republik wird aber mitunter Probleme haben, so manches Detail zu erkennen und nachzuvollziehen. Denn wer kennt schon Wuppertaler Treppen?

Tatort mit Humor
Doch das große Aber: Ein Film, in dem Christoph Maria Herbst höchstpersönlich mitspielt, muss doch schließlich lustig sein. Das ist er allerdings durchaus auch für Nicht-Wuppertaler, denn Regisseur Claude Giffel hat „King Ping“ als eine Mischung aus spannendem Krimi und lockerer Komödie gestaltet. Obwohl der geliebte „Stromberg“-Star zwar nur eine Nebenrolle ergattern konnte, kann immerhin Hauptdarsteller Sierk Radzei für große Sympathien bei den Zuschauern sorgen und wirkt als übergewichtiger, pummeliger Ex-Polizist und Pinguinpfleger doch irgendwie liebevoll und knuddelig. Den Kerl muss man doch einfach mögen und schauspielerisches Potential hat er gleich noch dazu. Das trifft aber nicht auf jeden Darsteller zu, denn Hans-Martin Stier und Daniel Breitfelder überzeugen nicht gerade in jeder Szene. Das liegt auch daran, dass „King Ping“ zwar vom Ansatz her eine ernste Story besitzt, diese aber nicht mit der nötigen Ernsthaftigkeit umsetzt. Der Humor ist hier manches Mal einfach viel zu albern, obwohl Sarkasmus und schwarzer Humor oftmals vermutlich besser funktioniert hätten. Nun ja: Eine typische deutsche Komödie eben, die ihre Comedy-Fans anspricht, aber international kaum konkurrenzfähig ist.

Bela B. als Frau
Dabei hätte die Rollenverteilung durchaus ihr gewisses Potential gehabt – auch bei Hans-Martin Stier. Der kommt zwar einerseits allein schon durch sein Aussehen als potentieller Bösewicht beinahe klischeehaft rüber, hat aber als schwuler Lead-Sänger einer Metalband im Netzshirt zumindest einen recht komischen und schrägen Part übernommen. Mit einer besseren Ausarbeitung seiner Figur wäre da sicherlich noch weit mehr möglich gewesen. Gleiches gilt für „Die Ärzte“-Sänger Bela B., der hier tatsächlich die Rolle einer Frau übernommen hat. Das ist generell eigentlich schon genial und doch fehlt da einfach das „gewisse Etwas“. Während wir der Maskenbildnerin sicherlich keinen Vorwurf machen können und er selbst in seinem Verhalten glaubwürdig feminin in Erscheinung tritt, passt die maskuline Stimme allerdings überhaupt nicht und auch die Rolle selbst zieht nun nicht gerade die Zuschauer an. Damit wird „King Ping“ letztendlich hauptsächlich von Sierk Radzei getragen, der hier wirklich grundsolide und sympathische Leistungen abliefert. Leider schafft es der Streifen damit aber nicht über „guten Durchschnitt“ hinaus.

Fazit:
Die neueste Krimikomödie mit Christoph Maria Herbst hat zwar gute Storyansätze, außergewöhnliche Rollenverteilung und zahlreiche Wuppertal-Anekdoten, kann aber die nötige Ernsthaftigkeit nicht wahren und enttäuscht bei der Besetzung der Nebendarsteller. Ein Liebesbeweis an die Stadt im Bergischen Land mit viel Luft nach Oben.

Wertung: 6/10