Wüstenblume - Kritik – Virtual DVD Magazine
  • Startseite|
  • News|
  • Games|
  • Kino|
  • Bücher|
  • Verlosung|
  • Partner|
  • Impressum
  • Review

    Wüstenblume

    Wüstenblume


    Land/Jahr:
    D / F / A 2009
    Genre:
    Drama
    Regie:
    Sherry Hormann
    Darsteller:
    Liya Kebede
    Sally Hawkins
    Craig Parkinson
    Juliet Stevenson
    Anthony Mackie
    Meera Syal
    Soraya Omar-Scego
    Chris Wilson
    Nick Raio
    Eliezer Meyer
    Matt Kaufman
    Prashant Prabhakar
    Robert Robalino
    FSK:
    ab 12 Jahren
    Dauer:
    123 Minuten
    Kaufstart:
    26. März 2010
    Label:
    Majestic


    London: Eine Frau in einem fremden Land. Waris ist Afrikanerin und lebt erst seit einigen Jahren in London. Sie hat kein Zuhause, kein Geld und Englisch spricht sie auch nicht. Da kommt ihr die Kaufhausmitarbeiterin Marilyn gerade recht, die von Waris‘ aufdringlichen Art wenig begeistert ist. Nachdem die beiden sich nämlich auf der Toilette kennenlernten, lässt Waris sie fortan nicht mehr los und verfolgt sie auf Schritt und Tritt. Doch was als Abneigung beginnt, entwickelt sich schon bald zu einer engen Freundschaft, durch die Waris auch gleich bei ihrer neuen Freundin einziehen darf. Dumm nur, dass sie in Wirklichkeit illegal in das Land eingereist ist und die kulturellen Probleme nicht lange auf sich warten lassen. Besonders die sexuelle Offenheit der westlichen Gesellschaft wird sie ziemlich schnell überfordern, insbesondere da sie als kleines Kind beschnitten wurde. Von ihren Plänen einer Modelkarriere, die ihr ein besseres Leben bieten soll, mal ganz zu schweigen…

    Kritik:
    Waris, der Vorname einer jungen Frau aus Somalia. Übersetzt heißt dieser „Wüstenblume“, denn Waris ist als Nomadin aufgewachsen und in ihrem Heimatland hat bekanntlich jeder Name eine tiefere Bedeutung. Doch Waris hat sich aus ihrer Heimat verabschiedet, kurz bevor der Krieg ausbrach. Mit einem befristeten Visa macht sie sich prompt auf die lange Reise nach England, wo sie fortan in der somalischen Botschaft untergebracht wurde. Doch auch dort kann sie nicht ewig bleiben. Völlig auf sich allein gestellt, ohne gültige Aufenthaltserlaubnis und quasi obdachlos, macht sie sich nach sechs Jahren plötzlich auf den Weg in eine für sie völlig unbekannte Welt. Es ist eine neue Kultur, die ihr viel bieten kann, aber auch gewisse Angst bereitet. In London gibt es die Frauenunterdrückung nicht mehr, wie sie sie bisher kannte. Sie selbst wurde im Alter von drei Jahren auf schreckliche Weise beschnitten, weil die Afrikaner in Somalia heute noch der Meinung sind, eine Frau, die nicht beschnitten ist, sei unrein. Für die westliche Bevölkerung wäre dies unvorstellbar. Doch während ihre Mitmenschen, insbesondere ihre baldige beste Freundin, neue Erfahrungen in der Liebe sammeln, muss sie selbst erst einmal mit ihren Hemmungen zurechtkommen. Noch ist es für sie unvorstellbar, Sex vor der Ehe zu haben, oder in irgendeiner Weise offen mit ihrer Vergangenheit umzugehen. Doch das soll sich schon bald ändern, denn Waris hat den ersten Schritt gemacht, sich in die neue Gesellschaft zu integrieren. „Wüstenblume“ begleitet Waris natürlich bei ihrem schwierigen und langen Weg der Integration. Ein Weg, der es auch erforderlich macht, mit ihrer Vergangenheit umzugehen, neue Sprachen zu lernen und sich anderen Kulturen zu öffnen. Dabei zeigt sich Hauptdarstellerin Liya Kebede erstaunlich authentisch, wenn man bedenkt, dass sie heute noch zu den eher unbekannteren Schauspielern zählt. Doch als echte UN-Sonderbotschafterin für die Weltgesundheitsorganisation schien sie perfekt für eine solche Rolle, die uns den schwierigen Weg einer afrikanischen Flüchtigen zeigen soll. Dabei steht auch nicht unbedingt nur die schwierige Integration eine Rolle, die Waris erstaunlich gut meistert, da sie neuen Erfahrungen sehr offen gegenüber steht. Im Mittelpunkt, bzw. Ziel der Story soll sein, auf die schreckliche Beschneidung von Frauen in Afrika aufmerksam zu machen. Natürlich muss man zugeben, dass „Wüstenblume“ auf gewisse Weise sehr einseitig an das Thema herangeht, doch da die Frauenbeschneidung lediglich als Hintergrundthema angesprochen wird, bleibt dies stets sehr stimmig. Denn auch, wenn dies im Mittelpunkt steht, verbringt „Wüstenblume“ die meiste Zeit mit der Integration und der Modelkarriere von Waris. Hier bekommen wir besonders glaubwürdig gezeigt, wie sich junge Ausländer ohne entsprechende Sprachkenntnisse fühlen. Völlig von der Gesellschaft ausgeschlossen, während sie von allen Seiten größtenteils Verachtung ernten. „Wüstenblume“ betrachtet dieses Thema auch völlig ohne Vorurteile und zeigt uns eine wirklich integrationswillige Afrikanerin, die einfach nur eine schwierige Vergangenheit hatte. Auf Klischees wird – abgesehen von der typischen Modelkarriere – dabei völlig verzichtet. Wobei die Leistungen von Liya gerade deshalb umso erstaunlicher sind, denn hierbei handelt es sich um ein richtiges Model und eigentlich nicht um eine Frau mit Schauspielherkunft. Man merkt dem Film optisch durchaus an, dass er letztendlich eigentlich auf das Modeln zugeschnitten ist und man könnte schon meinen, dass Liya gerade wegen der Modelstory überhaupt erst ausgewählt wurde, doch hierfür sind ihre Leistungen wirklich beachtlich. Deutlich besser sogar, als ihre Kollegin Sally Hawkins als Marilyn, die in der Tat von einer Schauspielschule kommt. Sally benötigt nämlich im Gegensatz zu ihr erst einmal eine gewisse Zeit um überhaupt warm zu werden, wirkt sie zu Beginn einfach viel zu aufgedreht. Die Aufgedrehtheit lässt ihre Figur nämlich zunächst recht unauthentisch wirken. Glücklicherweise kann man allerdings sagen, dass sich dies im späteren Verlauf wieder etwas legt. Schade ist dabei allerdings auch, dass bei der Integrationsstory ein wenig an Emotionalität gespart wurde und daher nicht so viel „Style“ erreicht, wie beispielsweise vor kurzem der Kinofilm „The Visitor“. Stattdessen allerdings kann sich diese Emotionalität dann in den Rückblenden entfalten, wenn wir die schreckliche Vergangenheit von Waris beobachten können und regelrecht von den traurigen Bildern erdrückt werden. Allerdings ist es für die Gesamtqualität gar nicht so schlimm, dass sich die hohe Emotionalität darauf beschränkt, da diese gekonnte lockere Mischung aus Rückblenden, Integrationsstory und Modellaufbahn durchweg stimmig und unterhaltsam ist – langweilig dürfte in „Wüstenblume“ also niemandem werden.

    Fazit:
    Gelungenes Drama über die schwierige Integration einer jungen Afrikanerin im für sie fremden London, welches uns auch einen ergreifenden Einblick in die schrecklichen Frauenbeschneidungen in Afrika gibt.

    Get the Flash Player to see this player.