Triple 9 - Kritik – Virtual DVD Magazine
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    Triple 9

    Triple 9


    Land/Jahr:
    USA 2015
    Genre:
    Action
    Regie:
    John Hillcoat
    Darsteller:
    Casey Affleck
    Kate Winslet
    Anthony Mackie
    Woody Harrelson
    Aaron Paul
    FSK:
    ab 16 Jahren
    Dauer:
    115 Minuten
    Kaufstart:
    16. September 2016
    Label:
    Universum Film

    Auf den Straßen von Atlanta geht es häufig sehr rau zu. Rivalisierende Straßengangs liefern sich blutige Schießereien, handeln offen auf der Straße mit Drogen und haben vor allem vor den Polizisten absolut keinen Respekt. Besonders zu spüren bekommt das auch Neuling Chris, der dank seines Onkels in den aktiven Polizeidienst aufgenommen wird und fortan an der Seite seines eher unsympathischen Partners Marcus in einem der gefährlichsten Viertel der Stadt für Ordnung sorgen muss. Doch das ist längst nicht sein größtes Problem: Marcus gehört nämlich auch einer vierköpfigen Gruppe von korrupten Polizisten an, die von einer jüdischen Russenmafia-Gang erpresst wird und in dessen Namen zahlreiche Banken ausraubt. Doch bei dem neuesten Coup setzt die Anführerin Irina Vlaslov nochmal einen drauf: Nun sollen die Männer in ein Gebäude der Homeland Security eindringen und einen mysteriösen Koffer stehlen. Um das allerdings zu schaffen, müssen sie den Polizei-Code „999“ inszenieren, der die Aufmerksamkeit der gesamten Wache auf sich zieht und so die Kollegen ablenkt. Dumm nur, dass dafür ein Polizist sterben muss – und Chris scheint das perfekte Opfer dafür zu sein…

    Kritik:
    Die typischen Actionstreifen über korrupte Polizisten und Bankraub kennen wir nun bereits zu genüge. In eine erfrischend neue Richtung möchte „Triple 9“ allerdings damit, dass nicht mehr der finanzielle Profit als Motivation für die illegalen Machenschaften dient, sondern Erpressung eines der Gruppenmitglieder. Doch das macht den Streifen auch ein bisschen kompliziert.

    Schwierige Familienverhältnisse
    Insbesondere zu Beginn des Streifens mag es wohl so manchem Zuschauer tatsächlich schwer fallen, bei den verschiedenen Rollen so wirklich durchzublicken. Alles was wir wissen: Ein schwarzer Mann namens Michael wird von der Anführerin der Russenmafia erpresst. Sein kleiner Sohn bleibt solange in Gefangenschaft, bis er diverse illegale Aufträge für die Gang erledigt hat. An dieser Stelle wird es allerdings kompliziert, weil uns nicht nur die Herkunft der Russenmafia-Mitglieder zunächst einige Rätsel aufgibt, sondern vor allem auch die merkwürdigen Familienverhältnisse, die sich in „Triple 9“ schon bald entpuppen. Tochter der Anführerin ist wohl zugleich Liebhaberin und Mutter seines Sohnes. Der ganze Auftrag ist also erstaunlicherweise Familiensache und in den Tiefen der Story versteckt sich wohl eine vermeintliche Dynastiegeschichte, die fast schon an klassische Mafia-Streifen erinnert. Doch klassisch möchte der Film zugleich eigentlich nicht sein. Eigentlich beweist der Actionfilm nämlich einen gewissen Mut.

    Gewagte Rollenverteilung
    Ungewöhnlich ist nämlich vor allem die Tatsache, dass die einzig als unumstößlich böse dargestellten Personen in diesem Streifen ausnahmslos Juden sind. Die gesamte russische Mafia-Gang hat hier nämlich jüdischen Ursprungs, trägt Kippa und hält dabei schwerste Waffen in ihrer Hand. Der fette Davidsstern um den Hals, der schon fast an HipHop-Klischees anspielt, darf natürlich auch nicht fehlen. Das ist auf den ersten Blick verstörend und gewagt zugleich, denn dem gewohnten Klischee mag das nicht so recht entsprechen. Angesichts des allgemeinen Konsens läuft „Triple 9“ mit dieser Darstellung des Judentums schnell Gefahr, in die rassistische Ecke gestellt zu werden – besonders dann, wenn jene Juden auch noch als Meisterdiebe dargestellt werden, die ihr Geschäft mit dem Ausrauben von Banken machen. Höchstbrisanter Stoff, der aber bei zweitem Hinsehen beinahe den wahren Filmrassismus aufdeckt: Üblicherweise findet man in solchen Rollen schließlich überwiegend Hispanics, also US-Amerikaner mit mexikanischem oder spanischem Ursprung, was bekanntlich einen ebenso stereotypischen, leicht rassistisch anmutenden Touch hat, der jedoch allgemein akzeptiert scheint.

    Klischees an zweiter Stelle
    Schade ist dann allerdings, dass „Triple 9“ nicht so konsequent ist, mit eben jenen klischeehaften Stereotypen dann gänzlich aufzuräumen. Denn geht es um rivalisierende Straßengangs, die sich in den Ghettos von Atlanta gegenseitig über den Haufen schießen, greift selbst dieser Actionthriller wieder auf die üblichen Klischees zurück. Denn wer sonst sollte in den heruntergekommenen sozialen Brennpunkten leben, wenn nicht jene Hispanics in stark tattowiertem Baggy-Style? War es also doch keine bewusste Absicht, an den alten Feindbildern ein bisschen zu rütteln? In jedem Fall sorgt „Triple 9“ mit der ungewöhnlichen Rollenverteilung bei den Mafiosi für einigen Diskussionsstoff. Dem möglichen Vorwurf des Rassismus entgeht der Streifen dann aber ganz geschickt dadurch, dass er sowohl die Reihen der korrupten, als auch der ehrlichen Polizisten mit weißen, als auch schwarzen Darstellern vermischt und insgesamt ein eher multikulturelles Team zusammenstellt. Ganz zu schweigen davon, dass antisemitische Inhalte gänzlich außen vor bleiben. Man hat eben einfach mal eine andere Herkunft genommen, statt die üblichen Verdächtigen. Mutig.

    Packendes Doppelleben
    Sieht man von diesen Besonderheiten allerdings einmal ab, so entpuppt sich „Triple 9“ durchweg als solider und geradliniger Actionstreifen. Dazu gehören natürlich rasante Rasereien auf der Autobahn ebenso, wie spannende Schießereien zwischen den Polizisten. Mit Chiwetel Ejiofor (12 Years a Slave) und Norman Reedus (The Walking Dead) auf der einen, sowie Woody Harrelson und Casey Affleck auf der anderen Seite hat man den Actioner immerhin hervorragend besetzt. Dabei ist es fast erstaunlich, dass Harrelson hier einmal nicht die Glanzleistungen im Mittelpunkt abliefert, sondern vor allem Ejiofor und Affleck ihr Können voll und ganz unter Beweis stellen können. Mit wenigen Verschnaufpausen hält uns der beinahe zwei Stunden lange Streifen dabei stets bei Laune und verfügt über praktisch keinerlei Längen. Das liegt mitunter aber auch am durchaus guten Drehbuch, das zwischen der regulären Polizeiarbeit von Chris und Marcus und den Überfällen der korrupten Truppe regelmäßig hin und her wechselt. Die gute Identifikationsmöglichkeit mit den Hauptfiguren durch die Alltagsszenen und die Dramatik auf der anderen Seite beim Ausleben des Doppellebens sind eine gute Mischung für einen hochspannenden Film. Damit kann man „Triple 9“ zwar noch nicht als Meisterwerk bezeichnen, aber allemal sehenswert ist er auf jeden Fall.

    Fazit:
    Mit einer gewagten Herkunft auf Seiten der Bösewichte dürfte „Triple 9“ wohl für einige Kontroversen sorgen und das Klischee des Filmrassismus ein wenig auf den Kopf stellen. Davon abgesehen funktioniert der Actionstreifen allerdings auch hervorragend als grundsolider Korruptionsthriller.

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