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Train to Busan


Train to Busan

Land/Jahr:
Südkorea 2016
Genre:
Horror
Regie:
Sang-ho Yeon
Darsteller:
Gong Yoo
Ma Dong-seok
Choi Woo-sik
Jeong Yu-mi
Sohee
Kim Soo-ahn
FSK:
ab 16 Jahren
Dauer:
119 Minuten
Kaufstart:
24. Februar 2017
Label:
Splendid



Im Familienleben des Fondmanagers Seok-woo läuft in letzter Zeit vieles nicht so ganz rund. Auf der Arbeit muss er regelmäßige Überstunden schieben, den Geburtstag seiner Tochter hätte er beinahe vergessen und zu allem Überfluss wünscht sie sich nichts lieber, als endlich ihre Mutter in Busan besuchen zu können. Beim Anblick des traurigen Gesichts seiner jungen Tochter kommt ihm das schlechte Gewissen und er kauft kurzerhand Bahntickets für den Hochgeschwindigkeitszug. Noch ahnt er allerdings nicht, auf welch abenteuerliche Reise er sich begeben würde. Kaum den Zug bestiegen, breitet sich nämlich eine mysteriöse Infektion im gesamten Land aus, die Menschen auf brutale Weise aufeinander los gehen lässt. Und auch an Bord haben sie längst einen Infizierten, der die Situation schon bald außer Kontrolle bringt. Werden es die beiden trotz der Horden von Zombies also jemals gesund nach Busan schaffen und welcher der kommenden Bahnhöfe wird wohl noch sicher sein?

Kritik:
Der seit Jahren anhaltende Zombietrend ist endlich auch im fernen Osten angekommen: Mit „Train to Busan“ wagen sich schließlich nun auch die Südkoreaner an das spannende Thema und schaffen es tatsächlich immer noch, neue Ideen zu liefern. Vielleicht könnte „Train to Busan“ damit einer der besten Zombiefilme der letzten Jahre sein.

Der sichere Bahnhof
Ein solches Szenario ausgerechnet in einen Hochgeschwindigkeitszug mit nur wenigen Halten zu verlagern, ist schließlich doch eher neu. Statt Entführungen bekommen es die Passagiere dieses Mal nämlich mit Untoten in und um den Zug zu tun und müssen sich auf engstem Raum mit der aktuellen Lage auseinandersetzen. Und dabei macht der Streifen von Regisseur Yeon Sang-hoo vor allem eines richtig: Er spielt mit der Ungewissheit seiner Protagonisten, die sich auf einer Reise ohne sicheres Ziel befinden. Die Kommunikation zur Außenwelt bricht schon bald ab und die Situation im Land gerät außer Kontrolle. Für die Fahrgäste ist damit nicht nur unklar, was im nächsten Wagen wohl lauern wird, sondern auch, welcher der vielen noch kommenden Bahnhöfe noch sicher betreten werden kann und wo die nächste Horde Zombies wohl auf die Fahrgäste wartet.

Ruhe vor dem Sturm
Inszenatorisch macht „Train to Busan“ dann ebenso viel richtig, denn auch hier lassen sich die Macher einige Innovationen einfallen, die den Spannungsbogen erhöhen. Man weicht dabei nämlich ein wenig vom üblichen „Walking Dead“-Schema ab und variiert die körperlichen Fähigkeiten der Untoten ein wenig. Die nämlich reagieren nicht nur auf laute Geräusche, sondern offenbar vor allem auch auf Helligkeitsunterschiede. Das macht insbesondere Tunnelfahrten zu einem aufregenden Element in diesem Film, wenn die wenigen Sekunden oder Minuten innerhalb eines Tunnels kurzzeitig für Orientierungslosigkeit bei den Zombies sorgen. Auf den Zuschauer hat das nämlich eine sehr fesselnde Wirkung, wenn die Fahrgäste auf den nächsten Tunnel warten, um sich dann an den Zombies vorbei zu schleichen. Denn jederzeit könnte das Tageslicht wieder auftauchen und die Gefahr würde nicht lange auf sich warten lassen. Bei solch coolen Ideen kann man es gar verschmerzen, dass die Synchronisation nicht an jeder Stelle perfekt gelungen ist.

Psychologie der Angst
Im fortschreitenden Verlauf vermischt sich dann immer mehr der Zombiehorror mit einem Psychothriller, denn die psychologischen Auswirkungen der Angst auf die betroffenen Überlebenden gerät in den Mittelpunkt. Plötzlich nämlich müssen sich die Fahrgäste nicht mehr nur mit den Untoten auseinandersetzen, sondern auch mit verängstigten Mitreisenden, die so ziemlich alles machen würden, um ihr eigenes Leben zu retten – notfalls auch, sich gegen die anderen, nicht-infizierten Fahrgäste zu wenden. Dabei wird „Train to Busan“ sogar vorübergehend zu einem Kammerspiel auf Rädern, denn diese Protagonisten können bekanntlich nicht einfach aussteigen und ihr Leben retten. Umso schlimmer, wenn der erste vermeintliche Bahnhof sich beinahe als Todesfalle entpuppt. Auf tiefergehende Gesellschaftskritik wie etwa beim ebenfalls in Südkorea gedrehten „Snowpiercer“ verzichtet man dann aber trotzdem größtenteils und konzentriert sich voll und ganz auf die Spannung. Actionfans wird es letztendlich freuen.

Fazit:
Die Südkoreaner bringen neue Ideen ins gute alte Zombiegenre und treiben die Spannung in diesem fahrenden Thriller schnell auf die Spitze.

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