The Smell Of Us - Kritik – Virtual DVD Magazine
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    The Smell Of Us

    The Smell Of Us


    Land/Jahr:
    F 2014
    Genre:
    Drama
    Regie:
    Larry Clark
    Darsteller:
    Lucas Ionesco
    Diane Rouxel
    Theo Cholbi
    Hugo Behar-Thinieres
    Adrien Binh Doan
    FSK:
    ab 16 Jahren
    Dauer:
    88 Minuten
    Kaufstart:
    23. Februar 2018
    Label:
    Capelight

    Math und seine Freunde wissen eigentlich nicht wirklich viel mit ihrem Leben anzufangen. Ihre gesamte Freizeit verbringen sie auf dem Skaterplatz, konsumieren Drogen, haben Sex in der Öffentlichkeit und träumen eigentlich nur von den nächsten Klamotten. Aus der eher ärmeren Schicht stammend, reicht das Geld dafür allerdings längst nicht aus, daher müssen neue Möglichkeiten zur Beschaffung des nötigen Kleingelds gefunden werden. Das Internet scheint an dieser Stelle zum Greifen nah: Callboys und Escortservices sind gefragt und versprechen die schnelle große Kohle. Doch die Kunden sind meist perverse alte Männer und die Jungs müssen dabei so manche ekelhafte Sexphantasie über sich ergehen lassen. Bis sie sich irgendwann sprichwörtlich selbst nicht mehr riechen können…

    Kritik:
    Larry Clark war vor über zwanzig Jahren der Skandalregisseur schlechthin. In seinem damaligen Aids-Drama “Kids” zeigte er so schonungslos und authentisch wie nur möglich das Leben von Jugendlichen, die auf die schiefe Bahn geraten sind und scheute sich nicht einmal vor sexuellen Handlungen zwischen Minderjährigen. Bei „The Smell of Us“ möchte er seinem alten Stil treu bleiben.

    Schonungslos bis zur Pornographie
    Kenner seiner alten Filme wissen eigentlich schon, dass sie sich bei Larry Clarks Streifen auf ziemlich harten Tobak einlassen. Der Ausnahmeregisseur hat schließlich noch nie davor zurückgeschreckt, ziemlich explizite Bilder zu zeigen. Auch „The Smell of Us“ soll dabei keine Ausnahme sein, sodass wir erneut mehr oder weniger unzensiert selbst die perversesten Bilder zu sehen bekommen – natürlich, wie schon damals, mit eher jung ausschauenden Darstellern. Ob Drogenkonsum, das Leben im Suff und Dreck, herumreichende benutzte Kondome, in die Hose urinierende Alkoholiker oder – auch das ist Teil des Films – pornografische Szenen mit Analsex aus der Nahaufnahme. Eigentlich ist man manchmal fast verwundert, dass es „The Smell of Us“ trotzdem auf eine solch „niedrige“ Freigabe geschafft hat. Aber Larry Clark versucht auch dieses Mal – zumindest oberflächlich – ungeschönte Sozialkritik in seinen Film zu packen.

    Stillstand eines Regisseurs
    Das Konzept allerdings mag bei seinem neuesten Streifen nicht so ganz aufzugehen, hat er scheinbar irgendwie den Anschluss an die jeweilige Generation verloren, um die es eigentlich geht. Zwischenzeitlich wirkt „The Smell of Us“ tatsächlich wie eine lose Aneinanderreihung von Perversitäten und Schockbildern. Die einstige Substanz, die sein herausragendes Drama „Kids“ einst noch hatte, fehlt dem aktuellen Film völlig. Das wird auch dadurch verstärkt, dass Larry Clark mit dem regelmäßigen Wechsel zwischen professioneller Kamera und Smartphone-Videos zwar moderne Technik einbauen möchte, aber damit den Zuschauer zuweilen eher nervt, als begeistert. Es reicht eben nicht, ein paar schockierende Bilder zu produzieren, um damit den Zuschauer zu fesseln. „The Smell of Us“ wirkt dadurch zuweilen wie eine schlechte Kopie von Larry Clarks Erstlingswerk, als würde der Regisseur allmählich etwas zu sehr auf der Stelle treten.

    Draht zur Realität verloren
    Das wird auch bei den Darstellern deutlich, die größtenteils nicht die Authentizität ihrer Generation einfangen können. Haben wir den Darstellern in „Kids“ noch richtig abgekauft, dass es sich um unerfahrene Pubertierende handelte, die gar nicht wissen, worauf sie sich auf der schiefen Bahn einlassen und die sich schüchtern an die ersten sexuellen Kontakte heran wagten, macht „The Smell of Us“ einen eher realitätsfernen Eindruck. Jugendliche, die über das Internet mal eben so zum Escortservice kommen und sich dabei verhalten, als würden sie das schon ihr Leben lang tun, erinnern einfach nicht an die realen Kids, die wir heutzutage auf der Straße sehen. Und das wirkt sich eben auch auf die Darsteller aus, denen es einfach nicht gelingt, die kaputten Kids auch heute noch glaubwürdig darzustellen. Mit einer Ausnahme: Lucas Ionesco, dem es in der Rolle des Math zumindest gelingt, die psychischen Probleme und seine Teilnahmslosigkeit mit einem glasigen Blick zu inszenieren und der als einziger eine sichtbare Charakterentwicklung durchmacht. Letztendlich schaut man dann aber doch lieber noch einmal den Klassiker „Kids“.

    Fazit:
    Über zwanzig Jahre nach „Kids“ hält Larry Clark zwar immer noch an den schonungslosen Skandalbildern fest, kann aber einfach nicht mehr die Authentizität der dargestellten Generation einfangen. Mit einer Aneinanderreihung von Perversitäten wirkt sein neuester Streifen daher wie eine durchschnittliche Kopie seines Debüts.

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