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The Runaround


The Runaround

Land/Jahr:
USA 2017
Genre:
Komödie
Regie:
Gavin Wiesen
Darsteller:
J. K. Simmons
Emile Hirsch
Hunter Parrish
Shannon Woodward
FSK:
ab 12 Jahren
Dauer:
86 Minuten
Kaufstart:
21. April 2017
Label:
Ascot Elite



Mr. Frank Gallo ist eigentlich eher der klassische gestandene Mann. Ein echter Siegertyp im Anzug, der im Leben bereits erfolgreich war, für pubertäre Albereien überhaupt nicht mehr zu haben ist und eine besondere Vorliebe für blutige Steaks hat. Der deutlich jüngere Martin hingegen könnte unterschiedlicher kaum sein: Mit seinem soften Charakter als Musiker wirkt er doch gerne einmal eingeschüchtert im Anblick des starken Glatzkopfes. Dumm für ihn also, dass besagter Mr. Gallo ausgerechnet auch noch der Vater seiner Freundin ist. Und nun – da Martin längst zum Ex-Freund degradiert wurde – steht der plötzlich vor seiner Tür. Besorgt möchte er sich auf die Suche nach seiner Tochter machen, die er schon seit einigen Wochen nicht mehr erreichen konnte. Leider soll allerdings ausgerechnet Martin bei der Suche helfen – da kann der Spaß ja nicht lange auf sich warten lassen.

Kritik:
Man kennt das: Mit dem Vater seiner Freundin kann es kaum ein Mann wirklich aufnehmen. Kritisch gemustert ist es nahezu unmöglich, es ausgerechnet dieser Person recht zu machen und es wird prompt jede Handlung auf die Goldwaage gelegt. Ganz schön blöd, wenn jener Vater dann auch noch vor der eigenen Haustüre steht.

Humor mitten aus dem Leben
Genau mit dieser Story kann „The Runaround“ allerdings punkten. Die Komödie mit Emile Hirsch und J.K. Simmons ist genau so ein Film, mit dem sich zahlreiche Zuschauer identifizieren können. Oder zumindest jene, die männlich sind und schon desöfteren in der Kritik des Schwiegervaters standen. Regisseur Gavin Wiesen hatte nämlich die glorreiche Idee, nicht einfach nur ein klassisches Buddy-Movie zu drehen – was „The Runaround“ natürlich durchaus auch ist – sondern die Figuren ausgerechnet mit einem jungen Musiker und seinem Schwiegervater zu besetzen, die ganz automatisch eine besondere Eigendynamik entwickeln. Denn zwischen Genervtheit und Freundschaft liegt offenbar nur ein sehr schmaler Grat, der reichlich spaßige Momente zu bieten hat.

Genervt von der Umwelt
Insgesamt wird der Film dabei vor allem vom herausragenden J. K. Simmons getragen, mit dem sich jeder leicht identifizieren kann, der die wichtigen Dinge im Leben erkannt hat und der mit vorpubertärem Blödsinn und sinnlosem Smalltalk-Gequatsche einfach nichts so recht anfangen kann. Lustig ist das gerade deshalb, weil Simmons durch den Kontakt zum Ex seiner Tochter dummerweise fast über die gesamte Laufzeit hinweg in eben solche Situationen gerät, in denen er lediglich genervt die Augen verdrehen möchte oder seinen Gegenüber einfach mal so richtig durchschütteln will. Wie zurückhaltende Menschen aber nun einmal sind und auch Simmons einer ist, reagiert er mitnichten über, sondern hält dabei stets die passenden und witzigen Kommentare bereit, die regelmäßig durch geniale Mimik unterstützt werden. „The Runaround“ lebt also vor allem von seiner Situationskomik, die gekonnt funktioniert.

Blick in die linksalternative Szene
Gleichzeitig ist die Komödie aber auch eine Art von Sozialstudie über den Unterschied zwischen verschiedenen Generationen. Denn Mr. Gallo trifft hier nicht nur mit dem verpeilten Ex seiner Tochter zusammen, sondern stößt als klassischer Spießbürger aus dem gehobenen Milieu auch auf die linksalternative Szene voller Drogen und hippem Bio-Food, für die sich dieser gestandene Mann nun wirklich nicht begeistern kann. Schon allein dafür muss man diesen Film einfach feiern, setzen sich die urkomischen Szenen zwischen Simmons und seiner Umwelt damit gekonnt fort. Und trotzdem gelingt den Machern der nötige Tiefgang, um beide Charaktere nicht bis zum Schluss in einem langweiligen Schwarz-Weiß-Muster zu lassen. Denn auch Spießbürger hatten mal schwierige Zeiten und in so manchem Looser können echte menschliche Qualitäten stecken. Man kann also abschließend sagen: „The Runaround“ ist storytechnisch vielleicht nicht der große Überflieger, doch seinen Humor kann der Streifen gekonnt ausspielen und mit guten Darstellern punkten.

Fazit:
Vater trifft Ex-Freund der Tochter – ein urkomisches Buddymovie mit tollem Hauptdarsteller, starker Charakteridentifikation und gekonnter Situationskomik.

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