The Professor and the Madman - Kritik – Virtual DVD Magazine
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    The Professor and the Madman

    The Professor and the Madman


    Land/Jahr:
    IRL 2019
    Genre:
    Drama
    Regie:
    Farhad Safinia
    Darsteller:
    Mel Gibson
    Sean Penn
    Nathalie Dormer
    Eddie Marsan
    Jennifer Ehle
    Ioan Gruffudd
    Steve Coogan
    FSK:
    ab 12 Jahren
    Dauer:
    124 Minuten
    Kaufstart:
    5. Dezember 2019
    Label:
    New KSM

    Der Sprachforscher James Murray galt schon immer als ziemlich wortgewandte Persönlichkeit. Zahlreiche verschiedene Sprachen der Welt beherrschte er fließend, nachdem er sich diese vollkommen autodidaktisch beigebracht hatte. Es scheint also, als wäre er für diese besondere Herausforderung besser geeignet, als jeder andere Mensch auf der Welt: Er soll die erste Ausgabe des Oxford English Dictionary verfassen, dem umfangreichsten Wörterbuch der Welt, das absolut jedes existierende englische Wort beinhalten soll. Doch während Murray zunehmend am Herkunftsbeleg manches Begriffs verzweifelt, bekommt er ungeahnte Hilfe: Der mysteriöse Dr. William Chester Minor hat es sich schließlich zur Lebensaufgabe gemacht, dem Sprachforscher unter die Arme zu greifen. Dumm nur, dass Murray noch gar nicht ahnt, dass Dr. Minor ihn aus einer Psychiatrie heraus kontaktiert hat, in welcher er wegen Mordes und Wahnvorstellungen vermutlich den Rest seines Lebens verbringen wird…

    Kritik:
    Eine Biografie über einen Mann, der eines der größten englischsprachigen Lexikons geschrieben hat und sich fast über seine gesamte Lebzeit hinweg fast ausschließlich mit Wörtern und Sprache beschäftigt hat – kann das wirklich spannend sein? Eigentlich nicht, wäre da nicht dieser seltsame verrückte Freund, um den es bei der Geschichte in „The Professor and the Madman“ eigentlich geht.

    Genie und Wahnsinn
    Die Kerngeschichte der Biografie spielt nämlich in diesem Streifen eine eher untergeordnete Rolle. Denn wie auch schon der Titel vermuten lässt, steht die Freundschaft zwischen James Murray, dem Verfasser des Oxford English Dictionary und dem psychisch kranken Dr. William Chester Minor im Mittelpunkt der Geschichte. Und das ist, wie sich schnell herausstellt auch gut so: Beschäftigt sich Murray nämlich mit dem Verfassen seines Buches und rätselt verzweifelt an der Herkunft von Wörtern, lässt die Spannung nämlich ein wenig auf sich warten und „The Professor and the Madman“ entwickelt durchaus seine Längen. Sean Penn hingegen, der in die Rolle des Dr. Minor schlüpft, ist der eigentliche heimliche Star des Films und stiehlt dem Headliner Mel Gibson mehr als einmal die Show.

    Sean Penn als Star des Films
    Da dauert es auch nicht lange, bis sich der Film in einem größeren Umfang mit der Leidensgeschichte des verrückten Dr. Minor auseinandersetzt. Einem Mann, der durch seine Wahnvorstellungen völlig verrückt wird und selbst hinter Gittern noch immer glaubt, ein unbekannter Fremder würde ihn nachts heimlich verfolgen. Sean Penn spielt den psychisch kranken, völlig verrückten ehemaligen Militärarzt dabei mit Bravour: Zu jedem Zeitpunkt kaufen wir ihm die Unberechenbarkeit seines Charakters ab, der durch Schizophrenie zwischen Genie und Wahnsinn hin und her schwankt und dessen Gemütszustand von Liebenswürdigkeit plötzlich zu Feindseligkeit wechseln kann. Dabei überzeugt seine Darstellung vor allem deshalb so gut, weil sie ohne das typische Klischee der doppelten Persönlichkeit auskommt und sich voll und ganz auf glaubhaft dargestellte Stimmungsschwankungen konzentriert.

    Schizophrenie-Darstellung ohne Klischees
    Und das ist auch insofern gut so, als dass sich „The Professor and the Madman“ damit recht nah an den wahren Begebenheiten orientiert. Der reale Dr. Minor soll schließlich ein überaus intelligenter Mann gewesen sein, der den Mord an einem Fremden während eines Anfalls von Verfolgungswahn zutiefst bereute und immer wieder auch positive Seiten seines Charakters zum Vorschein brachte, wenn er die Witwe des Opfers mit allen möglichen Mitteln unterstüzt. Sean Penn gelingt es, genau diese vielfältige Figur, dessen Charakter zu keinem Zeitpunkt ausschließlich gut oder böse war, perfekt darzustellen und zeigt eindrucksvoll, wie es Minor einst gelang, das Vertrauen seiner Ärzte so sehr zu gewinnen, dass man ihm sogar in einer geschlossenen Anstalt ein Taschenmesser zur Verfügung stellte. Mit einer angenehm zurückhaltenden Show beweist Mel Gibson jedoch zugleich, dass er in der Lage ist, dieser wichtigen Rolle die Bühne zu überlassen und sich selbst gemäß seiner Figur ein wenig zurück zu nehmen.

    Eine entschärfte Biografie
    Schade ist an der Stelle jedoch, dass „The Professor and the Madman“ vor allem wichtige Spannungshöhepunkte aus der Biografie des Dr. Minor etwas unter den Teppich kehrt – womöglich um eine gemäßigte Altersfreigabe zu erhalten. Dabei wäre vor allem der Wechsel vom Atheismus zum fanatischen christlichen Glauben und einer Verachtung seiner eigenen Masturbation, die letztlich zum Abschneiden seines Geschlechtsteils führte, vermutlich eine der spannendsten Szenen gewesen, die „The Professor and the Madman“ in seine Geschichte hätte einbauen können. Die Tatsache jedoch, dass der Streifen diesen Abschnitt stark verkürzt und außerdem auf jegliche explizit sexuelle Darstellungen verzichtet, verleiht ihm gerade im letzten Drittel aber auch so einige Längen. Das Publikum merkt hier schnell, dass wichtige Details fehlen und die an dieser Stelle einsetzende künstlich erscheinende Konzentration auf die Fortsetzung des Wörterbuchs beginnt zu langweilen.

    Kein Film (nur) für Linguisten
    Zugleich muss man angesichts der Story wohl gestehen, dass mancher interessierte Zuschauer sicherlich ein hohes sprachliches Niveau bei den Dialogen des Films erwartet hätte. Auf hochgestochene Wortspielereien oder gar ein Experiment mit den zahlreichen Sprachen, die der Sprachforscher James Murray allesamt beherrschte, müssen wir allerdings über die gesamte Laufzeit verzichten. Das macht „The Professor and the Madman“ zwar auch für den am wenigsten sprachlich versierten Zuschauer problemlos verständlich, könnte aber vor allem für jenes Publikum eine große Enttäuschung sein, deren Interesse an diesem Film vor allem durch ihr Interesse an Germanistik und Linguistik geweckt wurde. Angesichts der Tatsache, dass die Biografie obendrein in der Mitte des 19. Jahrhunderts spielt, wäre es immerhin geradezu einladend gewesen, die damaligen sprachlichen Eigenheiten auch in der deutschen Synchronisation deutlicher zum Vorschein zu bringen. Da allerdings scheint „The Professor and the Madman“ nicht das geringste Interesse daran zu haben, derartige Möglichkeiten zu nutzen oder auch nur in Betracht zu ziehen, wodurch der Film zugleich große Teil seines Potentials verspielt.

    Fazit:
    Wer bei einem Film über den Ersteller des Oxford English Dictionary einen hohen Anspruch in den Dialogen erwartet hatte, wird leider enttäuscht: „The Professor and the Madman“ richtet sich zu keinem Zeitpunkt an ein Publikum, das sich primär für Linguistik interessiert und verspielt damit einige seiner interessantesten Chancen. Dennoch ist die Biografie vor allem aus psychologischer Sicht überaus gelungen, da es Sean Penn hervorragend gelingt, die schizophrenen Wahnvorstellungen des Dr. Minor glaubhaft und ohne Klischees darzustellen. Damit entfaltet die Filmbiografie vor allem abseits der Story um das Wörterbuch ihre Stärken als exzelltenes Psychodrama.

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