The Irishman - Kritik – Virtual DVD Magazine
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    The Irishman

    The Irishman


    Land/Jahr:
    USA 2019
    Genre:
    Drama
    Regie:
    Martin Scorsese
    Darsteller:
    Robert De Niro
    Al Pacino
    Joe Pesci
    Anna Paquin
    Ray Romano
    Bobby Cannavale
    Harvey Keitel
    FSK:
    ab 16 Jahren
    Dauer:
    209 Minuten
    Kaufstart:
    Netflix:
    27. November 2019
    Label:
    Netflix

    Frank Sheeran hat in seiner Vergangenheit gefährliche Zeiten hinter sich gebracht: Einst einfacher Fleischlieferant, arbeitete er schon bald als Geldeintreiber und Handlanger für den Boss der amerikanisch-italienischen Mafia Russell Bufalino. Und da einmal angekommen, war der Weg auch nicht mehr weit, schon bald Leibwächter für den korrupten Gewerkschaftsführer Jimmy Hoffa zu werden, der enge Verbindungen zur Cosa Nostra pflegte. Doch während Frank versucht, sein Familienleben mit dem Gangsteralltag unter einen Hut zu bekommen und Situationen oftmals schon wegen Belanglosigkeiten eskalieren können, steht auch der Gedanke an Verrat immer weiter im Raum…

    Kritik:
    Ausgerechnet in einem Zeitraum, in dem der Video-on-Demand-Anbieter Netflix zunehmend in der Kritik steht, qualitativ minderwertige Filme zu veröffentlichen, kommt er mit einem richtigen Kracher daher, der normalerweise für einen groß angelegten Start im Kino vorgesehen wäre: Meister-Regisseur Martin Scorsese wagt sich noch einmal an einen Gangsterfilm und holt dafür all seine heiß geliebten Altstars wieder vor die Kamera – von Robert de Niro über Al Pacino bis hin zu Joe Pesci.

    Verjüngung der Darsteller
    Und schon im Vorfeld gab es deswegen ziemlich große Diskussionen darüber, ob Scorsese wohl einen Fehler damit begeht, an diesen mittlerweile stark gealterten Schauspielern auch bei „The Irishman“ noch festzuhalten. Ob Hollywood-Stars, die mittlerweile hart auf die 80 Jahre zugehen, denn wirklich noch in der Lage sind, knallharte Mafiosi darzustellen, die vor keinem Mord zurückschrecken? Damit das glaubwürdig rüberkommt, bedient sich Scorsese dieses Mal allerdings den modernsten Mitteln der Tricktechnik – und lässt all diese Stars kurzerhand um mehrere Jahrzehnte jünger aussehen. Robert de Niro etwa, der hier am häufigsten zu sehen ist, sieht damit prompt wieder aus wie in den 90iger Jahren. Die dahinter stehende CGI-Technik sieht man seinem Gesicht optisch zu keinem Zeitpunkt an. Leider gibt es dennoch entlarvende Momente: Wenn es zu Actionszenen kommt, sieht man dem 76 Jahre alten Darsteller eben doch an, dass er sich inzwischen wie ein Rentner bewegt. Wahrscheinlich bekommt man auch deshalb so selten Action in diesem Film zu sehen.

    Gangsterportrait statt Actionfilm
    Martin Scorsese geht dabei recht geschickt vor und berücksichtigt das Alter seiner Darsteller zu jedem Zeitpunkt, in dem er sich bewusst dazu entscheidet, seinen Film eben ganz anders zu drehen als seine Klassiker wie „Casino“ oder „Good Fellas“. Deutlich ruhiger und gemütlicher. Das führt dazu, dass „The Irishman“ viel mehr ein Portrait über diverse Mafiamitglieder ist, denn ein Actionfilm, in dem dessen Handlungen gezeigt werden. Themen wie Freundschaft, Schuld, Sühne, Verrat und Misserfolg stehen dabei im Vordergrund. Das passt anfänglich auch recht gut, wenn schließlich Robert de Niros Frank Sheeran zu Beginn des Films in einem Altenheim sitzt und auf vergangene Zeiten zurückblickt. Jene Zeiten, die er vielleicht ein bisschen bereut, in denen er auf jeden Fall rückblickend nicht immer erfolgreich war – vor allem, wenn es um den Aufbau einer Familie geht. „Sei froh, dass du sie hast“, heißt es da noch wachrüttelnd etwa in der Mitte des Films – und doch gelingt es der Hauptfigur zu keinem Zeitpunkt zu dem Menschen zu werden, der er eigentlich sein möchte. Allem Geld und Ruhm zum Trotz.

    Die alte Schule
    Und man möchte diese Erzählweise durchaus irgendwie lieben. Ein solches Porträt der ganz alten Schule, das uns auch, aber nicht nur, durch die Verjüngung der Darsteller wie in einer Zeitreise in die Vergangenheit zurückversetzt, in der Filme dieser Art noch ein wenig langsamer waren als heute und deutlich weniger Effekthascherei zu bieten hatten. Wahrscheinlich ist Robert de Niro deshalb – obwohl man ihn verjüngen musste – auch die beste Wahl. Als eher gemütlicher Typ mit trockenen Dialogen, der als Mittelsmann ständig seine Mafiakollegen im Zaum halten muss, liefert er den perfekten Mafiosi ab, der unterschwellig doch eigentlich einen gebrochenen, gescheiterten Mann spielen soll. Al Pacino als Jimmy Hoffa ist dabei der perfekte Kontrast. Ein jähzorniger, leicht aus der Ruhe zu bringender Gangster, der schon wegen Banalitäten an die Decke geht und seine Gesprächspartner schon dafür umbringen würde, ihn mehr als zehn Minuten bei einem Treffen warten zu lassen. Szenen, in denen „The Irishman“ grandios verdeutlich, wie schlecht es um die Figuren eigentlich steht, wie wenig sie in ihrem erfolgreichen Gangsterleben auf menschlicher Ebene eigentlich erreicht haben. Dadurch werden die Figuren tiefschichtig und das Charakterportrait wird gelungen abgerundet.

    Genialität vs. Zähheit
    Gleichzeitig kaschiert Martin Scorsese allerdings auch an dieser Stelle wieder geschickt das Alter der Schauspieler, was sich auf lange Sicht und vor allem in Hinblick auf die unglaubliche Laufzeit von 3,5 Stunden leider auch als das große Problem des Films herausstellt. Denn Schauspieler, die zu Actionszenen nur noch bedingt in der Lage sind, benötigen körperlich weniger anspruchsvolle Szenen. Das führt dann dazu, dass die Protagonisten in „The Irishman“ zu gefühlt 80 Prozent der Laufzeit an einem runden Tisch sitzen und miteinander durchaus auch mal über Belanglosigkeiten diskuttieren. Und wenn das Publikum in einem dermaßen langen Film nach zwei Stunden das Gefühl hat, nahezu ausschließlich Geplänkel in Gesprächsrunden zu sehen, dann bringt das leider zwangsläufig eine gewisse Zähheit mit sich. So ist es wenig verwunderlich, dass „The Irishman“ mitunter auch die Geister scheidet und die Bewertungen der Zuschauer von „Meisterwerk“ bis hin zu „ultralangweilig“ äußerst gemischt ausfallen. Langatmig kann das neueste Werk von Scorsese nämlich in der Tat desöfteren sein. Manchmal so langatmig, dass dem Zuschauer die Konzentration schwerfallen kann.

    Fazit:
    Ein zähes Meisterwerk: Mit einer extrem hohen Laufzeit und dem überaus langsamen Tempo einerseits und dem hervorragenden Charakterportrait mit einer faszinierenden De-Aging-Technik andererseits entwickelt sich „The Irishman“ zu einer Art Hassliebe für Martin Scorsese-Fans. Ein Film, bei dem sich nämlich Zähheit und Genialität gegenseitig nicht ausschließen – womit sich manche Zuschauer allerdings schwertun könnten.

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