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Sie nannten ihn Jeeg Robot


Sie nannten ihn Jeeg Robot

Land/Jahr:
I 2015
Genre:
Action / Fantasy
Regie:
Gabriele Mainetti
Darsteller:
Claudio Santamaria
Luca Marinelli
Ilenia Pastorelli
Stefano Ambrogi
Maurizio Tesei
Daniele Trombetti
Francesco Formichetti
Joel Sy Antonia
Salvatore Esposito
Gianluca Di Gennaro
FSK:
ab 16 Jahren
Dauer:
112 Minuten
Kaufstart:
3. Februar 2017
Label:
Pandastorm



Eigentlich ist Enzo nur ein gewöhnlicher Krimineller, der sich meistens mit den falschen Leuten einlässt. Doch auf der Flucht vor der Polizei kommt er plötzlich mit radioaktivem Abfall in Berührung. Erst nur über einige Krankheitssymptome wundernd, stellt er schon bald diverse Besonderheiten an seinem Körper fest. Denn kaum erschossen und vom neunten Stock eines Hauses gefallen, kann Enzo noch gar nicht glauben, dass er den Vorfall ohne jegliche Verletzung überlebt hat. Dumm nur, dass er ganz und gar kein Superheld sein möchte. Stattdessen nutzt er seine neuen Fähigkeiten lieber für weitere kriminelle Aktionen, wie etwa den Diebstahl von Geldautomaten. Bis er plötzlich die hübsche, aber etwas verrückte Alessia kennenlernt, die in ihm den Manga-Superhelden Jeeg Robot wiederzuerkennen glaubt. Doch während er sich um das psychisch labile Mädchen kümmern muss, ist ihm auch prompt der Mafiaboss Gypsy auf den Fersen, der mit ihm gemeinsam ganz Rom beherrschen möchte…

Kritik:
Wenn wir an Superhelden denken, kommen uns normalerweise zunächst Marvel und DC in den Sinn, die mit ihren spannenden Universen unzählige von Geschichten und Helden erfunden haben. Immerhin gibt es seit einigen Jahren einen richtigen Boom um Verfilmungen und Serien basierend auf den jeweiligen Comics. Dass allerdings ein Superhelden-Film nicht nur keinerlei Zusammenhang zu diesen beiden Comic-Größen vorweisen kann und noch dazu aus Italien stammt, ist eher ungewöhnlich.

Superhelden ohne Beschützerinstinkt
Genau das bekommen wir in „Sie nannten ihn Jeeg Robot“ allerdings geboten. Mit diesem Fantasystreifen möchte das südeuropäische Land nämlich endlich einmal wieder beweisen, dass sie auch zu herausragenden Genrefilmen in der Lage sind. Und das hat nicht nur hübsche Szenen in den Straßen von Rom zu bieten, bei denen sogar die Sirenen uns an den vergangenen Urlaub erinnern, sondern möchte mit üblichen Klischees endgültig aufräumen. Denn die Hauptfigur Enzo ist eigentlich alles andere als ein echter Superheld. Stattdessen bekommen wir hier den typischen Kleinkriminellen geboten, der seine Fähigkeiten einfach nur zu seinem eigenen Nutzen verwendet. Kein typischer Held mit Beschützerkomplex, der ein ganzes Team im Nacken hat und aus wenig nachvollziehbaren Gründen jede noch so unbekannte Person vor Bösewichten beschützen möchte. Und vor allem auch keine klassische Gut-und-Böse-Geschichte, bei der die Bösen stets über vergleichbare Fähigkeiten verfügen. Enzo ist nämlich eher der klassische Pantoffelheld, der wenig im Leben erreicht hat und sich mit kriminellen Machenschaften über Wasser hält.

Ego eines Anti-Helden
Damit ist „Sie nannten ihn Jeeg Robot“ allerdings auch deutlich realistischer, als die typischen Marvel- und DC-Verfilmungen. Wer hat sich schließlich nicht beispielsweise beim Ansehen der Serie „The Flash“ schon so manches Mal gefragt, warum der Superheld überhaupt ständig anderen Menschen hilft und dabei sein eigenes Privatleben vernachlässigt. So mancher wird sicherlich schon auf den Gedanken gekommen sein, dass er die Fähigkeiten wohl kaum nutzen würde, um wildfremden Menschen zu helfen – sondern bestenfalls um seine eigenen Lieben zu beschützen. Damit bietet „Sie nannten ihn Jeeg Robot“ also auch eine glaubwürdige Geschichte eines Mannes, der einfach seinen eigenen Interessen nachgeht und mit seinen übernatürlichen Fähigkeiten nur jene beschützt, die ihm tatsächlich etwas bedeuten. Zu unserem Glück und damit es auf keinen Fall langweilig wird, gibt es so eine Person rein zufällig natürlich auch – womit der Fantasyfilm zugleich aber auch einen interessanten, einzigartigen Charakter einführt. Denn gerade die Gefühle für eine psychisch instabile Person machen Enzo zu einer spannenden Figur.

Der Wahnsinn eines Verbrechers
Eine weitere spannende Figur führt „Sie nannten ihn Jeeg Robot“ allerdings ausgerechnet mit dem Bösewicht ein. Also, dem richtigen Bösewicht, der als Widersacher für unsere Hauptfigur auftritt und noch ein bisschen böser ist, als Enzo selbst. Der nämlich könnte mit seiner fast schon wahnhaft-genialen Performance glatt sogar einen verrückten Gegner des Superhelden „Batman“ spielen. Einem Joker steht er nämlich in nichts nach, denn Luca Marinelli liefert hier eine grandiose und intensive Vorstellung ab. Er verkörpert zugleich den wohl unberechenbarsten Charakter, der wortwörtlich eine tickende Zeitbombe darstellt. Wird dieser dann erst einmal zu einem ernstzunehmenden Gegner, der es mit dem „Superhelden“ Enzo tatsächlich aufnehmen kann, kommt „Sie nannten ihn Jeeg Robot“ erst richtig in Fahrt. Eines sollte potentiellen Käufern allerdings klar sein: Ein solches Effekt-Feuerwerk, wie etwa in „Captain America“ oder den „Avengers“ bekommen wir hier nicht geboten.

Fazit:
Ein ungewöhnlicher Superhelden-Film, der sich von den üblichen Klischees des Beschützerinstinktes abgrenzen möchte und damit einen deutlich glaubwürdigeren Hauptcharakter abliefert. Dieser „Held“ ist eben doch nur wie jeder andere.

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