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Shut In


Shut In

Land/Jahr:
F 2016
Genre:
Thriller
Regie:
Farren Blackburn
Darsteller:
Naomi Watts
Oliver Platt
Jacob Tremblay
Charlie Heaton
David Cubitt
Ellen David
FSK:
ab 16 Jahren
Dauer:
91 Minuten
Kaufstart:
21. April 2017
Label:
Universum Film



Noch vor einem halben Jahr hatte die junge Kinderpsychologin Mary enorme Probleme mit ihrem psychisch kranken Sohn, der schwere Verhaltensauffälligkeiten zeigte. Das war einst der ausschlaggebende Grund, ihn in einer entsprechenden Einrichtung unterbringen zu wollen. Doch dazu kam es nie. Bei einem Streit mit seinem Vater gerieten die beiden in einen folgenschweren Autounfall, bei dem jener Vater ums Leben kam. Der junge Stephen gilt seither als gelähmt und pflegebedürftig. Nicht einmal essen oder alleine aus dem Bett aufstehen kann er noch. Voller Verzweiflung sucht Mary folglich einen Ersatz in ihren jungen Patienten, für die sie nun alles tun möchte, damit dessen Eltern nicht denselben Fehler machen, ihr Kind in eine Einrichtung weggeben zu wollen. Dumm nur, dass Mary noch gar nicht ahnt, dass Stephen das Verhalten seiner Mutter sehr wohl ganz genau mitbekommt…

Kritik:
Damit das eigene Leben zum Horror wird, braucht es nicht immer furchteinflößende Kreaturen, gruselige Geister oder brutales Gemetzel. Manchmal sitzt der wahre Horror tatsächlich in der eigenen Psyche. So wie es auch Naomi Watts in „Shut In“ erleben muss.

Ohnmacht einer Psychologin
Eigentlich ist der Streifen, der auf den ersten Blick den Eindruck eines Horrorfilms macht, gar kein solcher. Man könnte „Shut In“ viel eher in die Kategorie Psychothriller einordnen, bei dem vor allem die Psyche der Protagonisten eine zentrale Rolle spielt. Nicht nur zu Beginn beim Verhalten des jungen Stephen, der schon bald zu einer Belastung für seine Mutter wird, wird das ersichtlich, sondern auch für die Mutter selbst, die auf Grund psychischer Auffälligkeiten einen Ersatz für ihren schwierigen Sohn sucht. Interessant wird die Charakterzeichnung des Films deshalb, weil die Hauptfigur tatsächlich selbst Psychologin ist – die jedoch die Probleme ihres eigenen privaten Umfelds keineswegs lösen kann. Eine Ohnmachtssituation einer Vorbildsfigur, die eigentlich mit bestem Beispiel voran gehen sollte, sorgt bei „Shut In“ für das eigentlich spannende Drama.

Der Schrecken der Nacht
Die Aufmachung ist dabei grundsätzlich durchdacht, denn die ruhige Dunkelheit der Nacht wird zum Kernelement bei der Darstellung der psychischen Auseinandersetzung. Dann, wenn Menschen bekanntlich endlich zur Ruhe kommen und über die Ereignisse ihres Lebens nachdenken können, baut „Shut In“ die eigentliche Spannung auf. Mit einer Kombination aus Schlafstörungen, Sorgen der Hauptprotagonistin und angsteinflößenden Gruselmomenten packt der Film den Zuschauer gerade deshalb, weil die intensiven Momente geradezu angekündigt werden, als würden gleich die nächsten Jumpscares kommen – die natürlich in der Regel ausbleiben. Stattdessen zieht sich eine überaus bedrückende und düstere Atmosphäre durch den Film, die nicht nur durch optische Stilmittel in der Nacht zustande kommt, sondern durch die verschneite Kulisse gar noch weiter verstärkt wird. Hinsichtlich der technischen Umsetzung und den Charakteren macht man also auf den ersten Blick alles richtig.

Vom Psychodrama zum Horror
Allerdings macht der Film einen großen Fehler und der liegt bei der kompletten Stiländerung etwa ab der Hälfte des Films. Da wäre die psychische Auseinandersetzung von Naomi Watts mit den Problemen ihres Sohnes und dem Drang, diesen durch einen jüngeren Patienten zu ersetzen, im Ansatz eigentlich schon interessant genug gewesen, um ein packendes Psycho- und Familiendrama aus „Shut In“ zu machen. Tatsächlich hätte es dem Streifen gut getan, an dieser Geschichte festzuhalten, nur entschied sich Regisseur Farren Blackburn leider dazu, eine neue Richtung einzuschlagen. Denn aus dem eigentlichen Drama wird schon bald ein Horrorthriller, der physische Gewalt ins Spiel bringt und durch die Darstellung eines klassischen Bösewichts einen verheerenden Stilbruch begeht. Und diesen kann „Shut In“ bis zum Schluss leider auch nicht mehr gut machen, denn die zweite Hälfte verliert sich leider in belangloser Action.

Fazit:
Naomi Watts liefert uns hier im Ansatz ein packendes Psychodrama, das mit interessanten tiefgehenden Charakteren überzeugt und seine düstere, bedrückende Atmosphäre auch durch seine Kulisse unterstützt. Dummerweise stellt sich die Wende hin zum Horrorfilm in der zweiten Hälfte als Fehler heraus, der die Dramaturgie schnell versinken lässt.

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