Robin Hood - Kritik – Virtual DVD Magazine
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    Robin Hood

    Robin Hood


    Land/Jahr:
    USA 2018
    Genre:
    Abenteuer
    Regie:
    Otto Bathurst
    Darsteller:
    Taron Egerton
    Jamie Foxx
    Jamie Dornan
    Eve Hewson
    Ben Mendelsohn
    FSK:
    ab 12 Jahren
    Dauer:
    116 Minuten
    Kaufstart:
    23. Mai 2019
    Label:
    Studiocanal

    Der junge Lord Robin von Loxley hatte sich sein Leben wirklich anders vorgestellt, als er endlich seine große Liebe Marian gefunden hat. Kaum als Soldat einberufen, muss er bei seiner Rückkehr nicht nur feststellen, dass Marian längst einen neuen Partner gefunden hat, sondern dass auch sein Familienbesitz durch den Sherriff von Nottingham und die Kirche beschlagnahmt wurde. Gemeinsam wollen die nämlich unter allen Umständen an die alleinige Macht gelangen – und nehmen dafür der ohnehin schon armen Bevölkerung jegliches Hab und Gut weg. Die Steuern werden so extrem angehoben, dass die einfache Bevölkerung auch noch ihr letztes Hemd geben muss und ganze Dörfer werden von den Rittern in Schutt und Asche gelegt. Robin von Loxley, der schon bald den Spitznamen „The Hood“ tragen wird, kann dabei aber nicht einfach zusehen: Gemeinsam mit anderen Rebellen wird er zum Widerstandskämpfer und gibt den Armen zurück, was ihnen von den Mächtigen gestohlen wurde…

    Kritik:
    Die Legende um den Dieb, der von den Reichen stiehlt und es den Armen gibt, dürfte wohl die am häufigsten verfilmte Geschichte der Welt sein. Da könnte man meinen, dass der Stoff nun nicht mehr allzu viel hergibt. Regisseur Otto Bathurst hat sich aber doch noch einige Gedanken gemacht, wie sich dieser Story noch ein paar neue Blickwinkel verleihen lassen.

    Die Motive des Robin Hood
    So spannend schließlich die eigentliche Vorgehensweise des Diebs sein mag, so unterschwellig werden in den meisten Filmen zu dieser Figur doch dessen Beweggründe behandelt. Welche Motive hat Robin Hood eigentlich, diese altmodische Form der „Umverteilung“ tatsächlich vorzunehmen und wodurch ist sein Hass auf die Obrigkeit eigentlich entstanden? Der Ansatz des Antikriegsfilms ist dabei zumindest am Anfang durchaus interessant: Als ehemaliger Wehrdienstleistender für die vermeintlich „falsche Seite“ beginnt Robin Hood, sich in diesem gleichnamigen Film schließlich gegen die eigene Regierung, in diesem Fall den Sherriff von Nottingham zu stellen. Taron Egerton spielt seine Rolle dabei durchaus gut genug, um die Motive der Figur nachvollziehen und ein gewisses Verständnis aufbringen zu können.

    Game of Church Thrones
    Interessant dabei auch der darauffolgende stark politische Ansatz, der zwar vielleicht nicht in dem Umfang ausgebaut wird, wie man sich das wünscht, aber ziemlich kritische Töne anspricht. Vor allem ist „Robin Hood“ dabei überaus feindlich gegenüber der Kirche gesinnt und prangert die Heuchelei einer Institution an, die mit schmierigen Oberhäuptern auf dem Geld sitzt und dennoch mit Korruption und Ausbeutung jede noch so kleine Münze für sich gewinnen will. Macht um jeden Preis, welcher sich Robin Hood – wenn auch oberflächlich – in den Weg stellt. Unter dem Strich hätte der Streifen die Thematik sicherlich noch stark ausbauen können, auch und insbesondere in Hinblick auf die historische Situation. Der angedeutete Hochverrat am König wird hier etwa insofern zum Nebenschauplatz, als dass König Richard I keine einzige Sekunde Screentime in diesem Film erhält. Da lässt sich der Gesamtumfang des Machtkampfes zwischen König und Kirche am Ende lediglich erahnen – und das, obwohl „Robin Hood“ die Gelegenheiten fast schon auf dem Silbertablett serviert bekam.

    Robin Hood, der Assassine
    Doch kein Wunder, beschäftigt sich Otto Bathurst nämlich lieber mit den umfangreichen und zum Teil nicht immer in diesen Streifen passenden Actionszenen. Nicht wenige davon erinnern an die zahlreichen Meuchelmorde in „Assassins Creed“, wenn Robin Hood mit Pfeil und Bogen rasant durch die “gehobenen” Gegenden von Nottingham zieht, um heimlich und möglichst unentdeckt, Diebstähle zu begehen. Ein bisschen aufgedreht erscheint „Robin Hood“ da, wenn die Armbrust zum Schnellfeuergewehr mutiert und die Geschindigkeit der Action wahrscheinlich sogar Lucky Luke übertreffen könnte. Zugleich wird es mitunter auch klischeehaft: Bereits das Training erinnert mehr an ein Boxkampftrainig für Rocky Balboa, als an einen einfachen Bürger, der sich am Adel zu rächen versucht. Die Story um einen arabischen Rebellen, gespielt von Jamie Foxx, der vom Gegner dabei zum Verbündeten wird, macht dann einen umso konstruierteren Eindruck. Aber – und das muss man „Robin Hood“ dann doch lassen: Die Schauwerte machen Spaß und sorgen für einen recht hohen Unterhaltungswert.

    Das opulente Nottingham
    Natürlich nicht zuletzt auch deshalb, weil „Robin Hood“ ein insgesamt überaus opulenter Streifen ist. Die Darstellung von Nottingham – von den gehobeneren Ecken bis hin in die einfachen Slums – geht bis ins Detail und hat sogar einen ziemlich düsteren Touch, wenn die Industrie des 12. Jahrhunderts mit ihrem Stahl und ihrem brennenden Feuer auch eine optische Rolle spielen. Die Kostüme wiederum machen zwar manchmal einen etwas zu modernen Eindruck, fügen sich mit ihrer leichten, dreckigen Kleidung aber meistens überraschend gut ein. Da kann man dann sogar darüber hinwegsehen, dass „Robin Hood“ zeitweise eine richtige CGI-Schlacht wird, der man die Computereffekte manchmal doch etwas zu sehr ansieht. Trotzdem: Manchmal ist weniger eben mehr und Bathursts Version der kultigen Diebesgeschichte hätte ein stärkerer Ausbau der politischen und religiösen Machtspiele besser getan, als seine Munition in den flotten Kämpfen zu verpulvern.

    Fazit:
    Mit seiner „Assassins Creed“-artigen Action und den kirchenkritischen Ansätzen kann die Neuinterpretation von „Robin Hood“ durchaus einen ordentlichen Unterhaltungswert auffahren. Leider verrennt sich der Streifen etwas in seinen überhasteten Kampfszenen und kommt daher beim Tiefgang seiner politischen Handlung etwas zu kurz.

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