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    Network

    Network


    Land/Jahr:
    USA 1976
    Genre:
    Drama
    Regie:
    Sidney Lumet
    Darsteller:
    Peter Finch
    Faye Dunaway
    William Holden
    Robert Duvall
    Wesley Addy
    FSK:
    ab 16 Jahren
    Dauer:
    122 Minuten
    Kaufstart:
    19. April 2018
    Label:
    Studiocanal

    Der Nachrichtensprecher Howard Beale war über viele Jahre hinweg das Zugpferd des Fernsehsenders UBS. Seine Quoten lagen stets im guten zweistelligen Bereich und die Bewertungen gehörten immer zu den besten auf dem gesamten Markt. Diese Zeiten allerdings scheinen längst vorbei, denn die Zuschauer interessieren sich zunehmend für Sensationen statt echte Nachrichten. Die Nachrichtensendung soll deshalb abgesetzt werden und Beale seinen Job verlieren. Psychisch stark angeschlagen, lässt der allerdings seinem Unmut freien Lauf und schreit seinen Hass in die Welt hinaus – vor laufender Kamera. Als seine Prophezeiungen allerdings das Publikum wieder vor den Fernseher locken, sind die Absetzungspläne schnell vom Tisch: Die skrupellose Programmchefin sieht in ihm das Sprachrohr des Anti-Establishments und möchte ihn fortan bis aufs letzte Hemd ausschlachten. Dumm nur, dass man seine psychischen Probleme dabei gänzlich ignoriert, solange sie für Quoten sorgen – und Howard Beale schon bald zu einem Problem für den Sender wird…

    Alles für die Quote
    Die heutigen Medien stehen schon seit langer Zeit dafür in der Kritik, Quoten über Seriosität zu stellen und dem Zuschauer stets genau das zu bieten, was er hören und sehen will. Die größten Sensationen müssen es sein – und am besten im Minutentakt ganze Nachrichtensendungen voller Skandale, Gewalt, Mord, Totschlag, Attentate und Terrorismus. Und wenn es sein muss, dann darf den Stories auch gerne einmal unter die Arme gegriffen werden, um die Quoten noch ein klein wenig zu steigern. Sinnbildlich dafür ist die Hauptfigur Horward Beale, die vielen Nutzern der Social Media-Plattformen durch einen kleinen Ausschnitt längst bekannt sein dürfte: Seine Medien- und Systemkritik wird von zahlreichen Usern immer wieder geteilt und soll die reißerischen Medien anprangern, die auf Kosten der Allgemeinheit auf der Jagd nach Marktanteile sind.

    Knallharte Medienkritik
    Der dazugehörige Film „Network“ ist dadurch zu einem Meisterwerk geworden. Ein Lehrstück in Sachen knallharter Medienkritik, die in ihrer Härte absolut kein Haar auslässt, um die Medien der 1970er Jahre anzuprangern. Was man damals kaum vorhersehen konnte: Dieser Streifen ist damit zeitlos geworden und universell gültig – hat sich schließlich auch heute noch nicht viel geändert. Dennoch ist es absolut lohnenswert, den Film in seiner vollen Länge zu sehen, da der auf den Social Media-Plattformen immer wieder geteilte Ausschnitt der Message des Films nicht einmal ansatzweise ausreichend gerecht wird. Es geht doch schließlich um einen Fernsehsender, der sprichwörtlich für die Quote über Leichen geht. Ein Sender, der Marktanteile auf Kosten seiner Mitarbeiter machen will und dabei nicht einmal vor unterlassener Hilfeleistung zurückschreckt, wenn ein Nachrichtensprecher psychisch zu Grunde geht. Die Hauptfigur allerdings wird dabei als ein pseudoreligiöser Spinner dargestellt, der neben Esoterikern und Wahrsagern auftreten soll – etwas, das aus dem systemkritischen Ausschnitt in den sozialen Medien kaum hervorgeht. Schon allein deshalb sollte man „Network“ unbedingt gesehen haben.

    Psychologischer Tiefgang auf vielen Ebenen
    Und obwohl das als Mediensatire ausgelegte Drama mit relativ wenig Action auskommt, funktioniert es auf Grund seiner hervorragenden schauspielerischen Leistungen hervorragend. In den immer wieder aufkommenden medien-, gesellschafts- und systemkritischen Dialogen steckt dermaßen viel psychologischer Tiefgang, dass das Publikum auch Stunden nach der Sichtung des Films noch darüber grübeln kann. Nicht zuletzt auch wegen des Henne-Ei-Problems: Werden die Menschen bereits von bestimmten Themen ergriffen, noch bevor die Medien sie aufgreifen, oder wird die Gesellschaft von den Medien geformt, weil sie jeden Unfug glauben, der zu Gunsten von Quoten aus der Flimmerkiste kommt und eine komplette Gesellschaft verblöden soll? Und was macht das aus einer Programmchefin, die ein Leben wie in einem Manuskript lebt und so sehr in einem psychologischen Gefängnis aus Quotenjagd steckt, dass sie nicht einmal den Einfluss auf ihr Privatleben bemerkt. Mit einer unglaublichen Wucht in ihren Dialogen und einer extremen Wut in jeder Körpersprache beeindrucken allerdings alle Darsteller gleichermaßen den Zuschauer. „Network“ ist wie ein wütender Befreiungsschlag des einfachen Mannes – und somit in vielerlei Hinsicht in seiner Genialität kaum zu überbieten.

    Aufgehübschter Filmrollen-Look
    Ein Meisterwerk, von dem sich auch die jüngere Generation auf ihren hochauflösenden Fernsehern endlich überzeugen kann, weil Studiocanal vor kurzem endlich eine restaurierte Fassung des Streifens herausgebracht hat. Das mittlerweile über vierzig Jahre alte Drama kann sich somit also endlich wieder sehen lassen und wird dem aktuellen optischen Qualitätsstandard gerecht. Den alten Charme hat man dabei allerdings behalten, denn so manche kleine Flecken der Filmrolle und ein gewisses Grundrauschen hat man erhalten. Das stellt sich aber gar nicht einmal als negativ heraus, sondern „Network“ kann sogar davon profitieren: Das Drama behält damit schließlich seinen Nostalgieeffekt und jene Tiefe, die durch den etwas dreckig wirkenden Look der 70iger Jahre überhaupt erst zustande kommt. Die restaurierte Fassung lohnt sich also selbst für jene, die es ein wenig mehr retro mögen. „Network“ ist somit ein Pflichtkauf, der in jeder guten Sammlung zu finden sein sollte.

    Fazit:
    Mit seiner durch die sozialen Medien vielen bekannten knallharten Medien- und Systemkritik mauserte sich „Network“ zu einem zeitlosen Meisterwerk, das auch in der heutigen Zeit oftmals noch aktuell erscheint. Die unglaubliche Wucht in den Dialogen, eine bemerkenswerte Wut in den Charakterdarstellungen und ein starker psychologischer Tiefgang machen diesen Film aber auch noch aus anderen Gründen zu einem Manifest der Filmgeschichte.

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